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Full text of "Nomina sacra : Versuch einer Geschichte der Christlichen Kürzung"

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Quellen und Untersuchungen 



zur 



lateinischen Philologie des 
Mittelalters 

herausgegeben von 

Ludwig Traube 



Zweiter Band 



NOMINA SACRA 

Versuch einer Geschichte 
der christlichen Kürzung 



VON 



LUDWIG TRAUBE 

o. ö. Professot der Philologie an der Universität München 




MÜNCHEN 1907 

C. H. BECK'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG 

OSKAR BECK 



Die Quellen und Untersuchungen zur 
lateinischen Philologie des Mittelalters 

begründet von LUDWIG TRAUBE 

erscheinen in zwanglosen Heften. Mehrere Hefte bilden einen Band. 
Der Subskriptionspreis für einen Band beträgt 15 Mark. Der Preis 
der Einzelausgabe der Hefte wird ein verhältnismäßig erhöhter sein. 
Dagegen wird eine entsprechende Preisermäßigung eintreten, wenn 
Universitäts-Seminarien einzelne Hefte in einer größeren Anzahl auf 
einmal bei einer Sortimentsbuchhandlung oder direkt bei der Ver- 
lagshandlung bestellen. 

Der vollendet vorliegende I. Band umfaßt folgende Einzelhefte: 
I. Band, 1. Heft: 
S. Hellmann, Privatdozent der Geschichte an der Universität München: Sedulius 
Scottus (I. Sedulius, Liber de rectoribus Christianis. IL Das Kollektaneum 
des Sedulius. III. Sedulius und Pelagius). XV u. 203 S. Einzelpreis JCS.50. 

I. Band, 2. Heft: 
E. K. Rand, Assistant-Professor of Latin at Harvard-University: Johannes Scottus 
(I. Der Kommentar des Johannes Scottus zu den Opuscula Sacra des Boethius. 
IL Der Kommentar des Remigius von Auxerre zu den Opuscula Sacra des 
Boethius). XIV und 106 S. Einzelpreis JL 6. — 

I. Band, 3. Heft: 
Heribert Plenkers, Mitarbeiter an der Wiener Kirchenväter-Ausgabe: Untersuchungen 
zur Überlieferungsgeschichte der ältesten lateinischen Mönchsregeln. 

XI und 100 S. 2 Tafeln in Folio. Einzelpreis JL 7.— 

Soeben gelangten zur Ausgabe: 
IL Band (komplett): 
L. Traube: Nomina Sacra. Versuch einer Geschichte der christlichen Kürzung. 
X und 287 Seiten. Mit Porträt des Herausgebers. Geh. JL 15. — 

III. Band, 1. Heft: 
Dr. Paul Lehmann: Franciscus Modius. XIII u. 151 S. Einzelpreis JL 7. — 

Weitere Hefte der „Quellen und Untersuchungen zur lateinischen Philologie 
des Mittelalters" befinden sich in Vorbereitung. Es ist beabsichtigt, das Unter- 
nehmen im Sinne und Geist seines Begründers fortzuführen. 

München, im September 1907. 

C H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung 

Oskar Beck. 



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Quellen und Untersuchungen 



zur 



lateinischen Philologie des 
Mittelalters 



herausgegeben von 

Ludwig Traube 



Zweiter Band 

Nomina Sacra 



von 



Ludwig Traube 




MÜNCHEN 1907 

C. H. BECK'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG 
OSKAR BECK 



NOMINA SACRA 

Versuch einer Geschichte der christlichen Kürzung 



VON 



LUDWIG TRAUBE 



O.Ö. PROFESSOR DER LATEINISCHEN PHILOLOGIE DES MITTELALTERS 
AN DER UNIVERSITÄT MÜNCHEN 







MÜNCHEN 1907 

C. H. BECK'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG 
OSKAR BECK 



C. H. Beck'sche Buchdruckerei in Nördlingen. 



Vorwort. 

Die folgende Arbeit stellt ein paläographisches Problem in die 
Überlieferungsgeschichte der jüdischen und christlichen heiligen 
Bücher hinein. Die Lösung, die zu geben war, schien so sicher, 
daß an Stelle der Analyse meist eine historisch-systematische Dar- 
stellung versucht werden konnte. 

Als Leser ist ebensowohl der Paläograph wie der Philologe ge- 
dacht. 

Noch sei auf einige Eigentümlichkeiten der Druckeinrichtung 
aufmerksam gemacht, für die teils paläographische, teils typographische 
Gründe maßgebend waren. Die griechischen Nomina sacra werden 
durchweg in Unciale, andere griechische Wörter in gewöhnlichen 
griechischen Buchstaben gesetzt; inschriftliche lateinische Zeugnisse 
sind in Antiqua, lateinische handschriftliche Zeugnisse in Kursive 
wiedergegeben; die gotischen und armenischen Nomina sacra werden 
lateinisch transkribiert. Im Griechischen sind die diakritischen Punkte 
weggelassen worden; auch wird meist nur ein Strich über den kon- 
trahierten Wörtern gesetzt, also steht z. B. ÖyNOI statt ÖyNOT. 
Im Lateinischen wird, wie schon im Anhang von Perrona Scottorum 
(vgl. Sitzungsberichte der bayer. Akademie 1900 S. 528), der Ab- 
kürzungsstrich gewöhnlich über den Schlußbuchstaben oder den letzten 
Vokal gezogen. Dies entspricht nicht der Sitte älterer Handschriften, 
die ihn mehr nach der Seite schiebt, wo die Buchstaben fehlen. 

Alles übrige, was man erwarten könnte an dieser Stelle er- 
wähnt zu finden, ist in den ersten Abschnitt der Darstellung, 'die 
Geschichte der Forschung', einbezogen worden. 

München, im November 1906. 

L. Traube. 



Ludwig Traube hat mit der Ausarbeitung des Werkes begonnen, als er wußte, 
daß er nur noch zwei Jahre leben konnte. 

Die Bogen 1 — 15 hat er selbst für druckreif erklärt, Bogen 16—18 nur mehr 
in der ersten Korrektur gelesen. Aus seinen eigenen Äußerungen wissen wir, daß 
er einzelnes noch geändert, namentlich die Schlußsätze umgearbeitet haben würde. 
Auch die Vollendung des Vorwortes ist ihm nicht mehr vergönnt gewesen. Die 
umstehenden Worte stellen nur einen ersten Entwurf dar, der nachträglich in Traubes 
Papieren aufgefunden wurde. Er selbst hat des öfteren die Absicht ausgesprochen, 
die Schwierigkeiten des Druckes stärker zu betonen, vor allem hinzuweisen auf die 
Unmöglichkeit einer einheitlichen typographischen Wiedergabe der Abkürzungen. 
Schließlich beruhigte er sich bei dem Gedanken, daß die Inkonsequenz zum größten 
Teile auf die Handschriften selbst zurückgeht und daß so der Druck in gewisser 
Weise den Formenreichtum der Überlieferung wiederspiegelt. 

Nun bleibt uns noch die Pflicht zu erfüllen, die Traube stets in vorbildlicher 
Strenge übte, die des Dankes: an den Verleger, der jedem Wunsche bereitwillig 
entsprach, und an die Freunde, die sich an der Korrektur beteiligten. An erster 
Stelle sei hier Herr Paul Marc als treuer Helfer bei der Drucklegung genannt. 
Seine unermüdliche Tätigkeit hat ein wesentliches Verdienst daran, daß Traube den 
letzten Bogen seines Werkes noch auf dem Sterbebette sah. Außer ihm haben bei 
der Korrektur geholfen die Herren Ch. H. Beeson, G. Keyssner, K. Krumbacher, 
P. Lehmann und für die letzten Bogen auch S. Hellmann und F. von der Leyen. 

Im Sinne des Entschlafenen sei ihnen allen an dieser Stelle aufrichtig Dank 
gesagt. 

Die Erben. 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

Vorwort V 

I. Einleitung l 

1. Geschichte der Forschung 3 

2. Terminologie 17 

II. Nomina Sacra im Hebräischen 19 

1. Vergoldung der Gottesnamen 21 

2. Das Tetragramm 23 

III. Nomina sacra im Griechischen 25 

1. Wiedergabe des Tetragramms bei den hellenistischen Juden . . 27 

2. Ausbildung der Nomina sacra durch Juden und Christen ... 33 

3. Die nachweisbaren Entwickelungsstufen der Nomina sacra . . 37 

Die ägyptischen Zauberpapyri 38 

Fragmente des Aquila 40 

Andere jüdische Formen 42 

Älteste christliche Stufen 43 

Die ägyptische Schule 44 

4. Der Kontraktionsstrich 45 

Ursprung des Striches 45 

Behandlung fremder Worte im Lateinischen 47 

Nichtkontrahierte Nomina sacra mit Oberstrich im Griechischen . . 49 

Nichtkontrahierte Nomina sacra mit Oberstrich im Lateinischen ... 51 

5. Verzeichnis der Handschriften und Inschriften, in denen Nomina 
sacra begegnen 53 

A. Papyri 56 

B. Inschriften 64 

C. Handschriften 66 

6. Die einzelnen Nomina sacra 88 

i. eeoc 88 

2. i<ypioc 91 

3. riNeyMA 93 

4. nATHp 96 

5. OYPANOC 99 



VIII Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

6. xNepconoc 101 

7. AAyeiA .104 

8. ICfAHA " 10 5 

9. lepoycxAHM no 

10. 11. iHcoyc xpicxoc 113 

12. Y»OC *. 11 6 

13. CCOTHp 117 

14. CTxypoc .' ' .' 118 

15. MHTHp 120 

7. Die Nomina sacra in nichtchristlichen Texten 121 

8. Spätere Neubildungen 125 

IV. Nomina sacra im Lateinischen 129 

1. Übertragung der griechischen Nomina sacra ins Lateinische . . 131 

2. Alter und Heimat der lateinischen Nomina sacra 132 

Verbreitung der kontrahierten Nomina sacra 134 

3. Die Nomina sacra im afrikanischen Evangelienfragment Turin 

G. VII 15 (k) 138 

4. Entstellung der Nomina sacra in der Überlieferung der ältesten 
christlich-lateinischen Schriftsteller 142 

5. Die einzelnen Nomina sacra 146 

I. Hauptgruppe 146 

a) DEUS 146 

L D. ■ 146 

2. DES 147 

3. PS 147 

4. DEUS 148 

5. Falsche Anwendung der Kurzformen 148 

b, c) IESUS CHRISTUS 149 

1. Vorbemerkung I49 

2. 1H und s^ 151 

3. HI undJCR 152 

4. IC, IS, HS .' 153 

5. HIS . . . 154 

6. IHS u nd X PS .156 

7. IHUS und XPUS 160 

8. XRS . ,_^_ 16 i 

9. IHC und XPC 161 

10. Falsche Anwendung der Kurzformen 164 

d) SPIRITUS 164 

I SPS ! 164 

2 - SPUS • ■ ■ • • ■ 165 

3. SPRTS, SPIRS, SP1TUS 166 

4- SPC 166 

5. Falsche Anwendung der Kurzformen 166 

II. DOMINUS 167 

1. Übersicht 167 



Inhaltsverzeichnis. IX 

Seite 

2. DOM. und DOMS 168 

3. DMN. und DMNS 172 

4. DNMS . . . 173 

5. DON. und DONS 173 

6. DM. und DMS 175 

7. DN. und DN S . 186 

8. DOMN. und DOMNS 192 

9. Falsche Anwendung der Kurzformen 193 

III. Die Attribute 193 

a) SANCTUS 193 

1. Vorbemerkung 193 

2. S. . . , . 194 

3. SC. und SCS 194 

Übersicht über die Entwicklung der Suspension und Kontraktion 

in Sanctae Memoriae ... 196 

4. SCT. und SCTS 200 

5. SfS . . . . 200 

6. SANC. und SANCS_ 201 

7. SANGT., SNCT., SNCS 202 

8. SAC. und SACS 202 

9. SCSS., SCISS 203 

10. Falsche Anwendung der Kurzformen 204 

b) NOSTER . . . . - 204 

1. Vorbemerkung 204 

2. Grund der Kürzung. Theoretische Möglichkeiten 205 

3. Die Kürzung N _ 206 

4. Mißverständnisse im Gefolge von N 208 

i o m 

5. Die Kürzung N_ N N 212 

6. Die Kürzung NI NO NM _._ ^^_ . 214 

7. Aufkommen der Kürzung JNRI NRO NRM 215 

8. Kampf zwischen _NI und MRI in Italien 216 

9. Kampf zwischen NI und NRI in Irland und England . . . . . 217 

10. Kampf zwischen NI und NRI in Frankreich 217 

11. Kampf zwischen NI und NRI in Deutschland 219 

12. Die spanische Kürzung NSR NST NSO NSM und die Suspension NS. 220 

13. Die Kürzung NSR außerhalb Spaniens 221 

14. Die Kürzung NRI NRO NRM in Spa nien .222 

15. Die spanischen Nebenformen NSTRI und NSRI 223 

16. Erklärung des Typus NRI 224 

17. Der Typus NRI in Italien. Die Kürzung NTRI NTRO NTRM . . 225 

18. Mißverständnisse im Gefolge des Typus NI 226 

19. Die Bildung des Nominativs NR und NER 228 

20. NR indeclinabile 229 

21. Die Nominative NT und NRT 229 



22. Die Kürzungen N, NO, NOI, NOR, NORI, NOT, NOTRI .... 232 



X Inhaltsverzeichnis. 

- Seite 

23. Die Kürzungen NOS NOSI N OSO und NOST, NOSR .... 234 

24. Die karolingische Deklination NR NRI 236 

6. Entfaltung der lateinischen Kontraktion 237 

Römische, bezw. italienische Schule 245 

Jüngere afrikanische Schule 246 

Spanische Schule 246 

Beneventanische Schule 248 

Insulare Schule 248 

Karolingische Schulen 250 

Die Zeit vom 9. bis zum 12. Jahrhundert . 251 

Die Zeit vom 13. bis zum 15. Jahrhundert 251 

Alphabetisches Verzeichnis der vom 5. bis zum 12. Jahrhundert gebräuch- 
lichen Kontraktionen 252 

V. Nomina sacra im Koptischen, Gotischen und Armenischen 267 

1. Koptische Nomina sacra 269 

2. Gotische Nomina sacra 271 

3. Armenische Nomina sacra 275 

VI. Nomina sacra im Mittelalter und in neuerer Zeit ... 279 

1. Das Altkirchenslavische 281 

2. Das Irische 282 

3. Das Angelsächsische 283 

4. Das Althochdeutsche 283 

5. Das Altfranzösische 284 

6. Biblische Druckwerke 285 

7. Luther 285 

Rückblick und Ausblick 286 

Register der lateinischen Handschriften 289 



I. EINLEITUNG. 



Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 



1. Geschichte der Forschung. 

Daß die Paläographie zumeist nur als mnemotechnische Hilfe, 
nicht als historische Disziplin angesehen wird, zeigt sich am auf- 
fallendsten in der Behandlung der Kürzungslehre. Während hier der 
Stoff durch volle Sammlung und überlegte Ordnung sofort auch eine 
entwicklungsgeschichtliche Durchdringung erfahren hätte, begnügte 
man sich mit dem alphabetischen Aneinanderreihen oder dem will- 
kürlichen Zusammenraffen einzelner gelegentlich beobachteter Tat- 
sachen. Ja, das zentral gelegene Problem der Lehre wurde von den 
Paläographen nur gestreift: ich meine die Frage nach der Herkunft 
und dem Schicksal der auf Kontraktion beruhenden Kurzschreibung 
gewisser Worte des religiösen Gebietes, der sog. Nomina sacra, 
durch die diese Art der Bildung eingebürgert und allmählich zum 
allgemeinen Prinzip erhoben wurde. Indem wir uns anschicken, ge- 
rade diese Frage zu erörtern und ihr die Stelle anzuweisen, die ihr 
zukommt, wollen wir dennoch mit dem Wenigen beginnen, was man 
etwa noch als Geschichte der Forschung bezeichnen kann, und dabei 
gleich diejenigen literarischen Zeugnisse aus älterer Zeit einreihen, 
die, ohne gerade eine ausdrückliche Beschäftigung mit unserer Frage 
zu beweisen, doch unsere hauptsächlichste Grundlage, den paläo- 
graphischen Befund, ergänzen. 

In den Schriften des christlichen Altertums und Mittelalters be- 
gegnet man häufig einer ausführlichen Behandlung der Kurzformen 
für Iesus und Christus. Zahlenmystik und Allegorie luden dazu 
ein; auch mußte den Lateinern der Gebrauch der griechischen Buch- 
staben auffallen. 

1* 



4 L. Traube, 

So wurde die Zahl 318 in der Genesis 14, 14, im Griechischen 
% (T) und «/, als Hindeutung auf das Kreuz und die Schreibung IH 
für 'Irjoovg gefaßt im Brief des Barnabas c. 9 1 ) und von Clemens 
Alex. Strom. VI 11, 84 (ed. Stählin p. 473, 22) und darnach vom Ver- 
fasser 2 ) des Compotus de paschate (Cyprian. ed. Hartel, append. 
p. 257 u. 268), von Ambrosius de Abraham*) c. 15 (ed. Schenkl I 
513, 7) und Ruricius (ed. Krusch p. 268, 12). Hierdurch wird IH, die 
seltene Form des Monogramms, für uns auch literarisch bezeugt. 

Eine andere umstrittene Zahl in der Apokalypse 13, 18, wo die 
Überlieferung zwischen 666 und 616 schwankt, hat neben allerhand 
phantastischen Künsteleien und Kühnheiten, die sich bei verschiedenen 
Griechen und Lateinern 4 ) finden, in einem von G. Morin entdeckten 
lateinischen Traktat 5 ) eine Aussprache über das System der Kon- 
traktion hervorgerufen, die an Bündigkeit und Richtigkeit der Be- 
obachtung nicht viel zu wünschen läßt. Es heißt in diesem Traktat, 
der unter dem Titel Hieronymus de monogrammate überliefert ist 
und in einem noch nicht genauer untersuchten Verhältnis zu der Arbeit 
stehen muß, die Hieronymus am Apokalypse-Kommentar des Viktorin 
von Pettau verrichtet hat: 6 ) in libris Graecorum ubicumque per notam 
scribuntur nomina, 1 ) primae et novissimae notantur litterae et (et 
ist vielleicht zu tilgen) virgula superposita in dexteram aeqae ve- 
niente a sinistra. Dann: et ob id semper novissimam litteram 
ponunt propter discernendos casus, licet interdum in longioribus 
et medias ponant; interdum autem primam et novissimam syl- 
labam scribentes mediam vel medias praeter mittunt. Aus dem 
übergangenen Zwischenstück geht noch hervor, daß der Ver- 



J ) Der Sinaiticus (ed. Tischendorf IV 138, 2) schreibt an dieser Stelle oravQÖ? 
immer mit allen Buchstaben. 

2 ) Vgl. Usener, Weihnachtsfest S. 5—9. 

3 ) Vgl. Zahn, Gesch. des neutestamentl. Kanons II 1 S. 12. 

4 ) Außer den von Morin angeführten griechischen und lateinischen Stellen 
vergleiche weitere lateinische bei P. de Lagarde, Septuagintastudien II 27, und Hauß- 
leiter, Forschungen zur Gesch. des neutestamentl. Kanons IV 132 ff. 

6 ) Anecdota Maredsolana, vol. III pars III p. 194 sqq. 

6 ) Die p. 196 sq. behandelte Stelle des Victorinus ist auch zu vergleichen 
mit der Einlage im Kommentar des Apringius (ed. Ferotin p. 50). 

7 ) Der zu allgemeine Ausdruck nomina ist auffällig. 



Nomina sacra. I. Einleitung. 5 

fasser x ) die Form XC als griechische Kontraktion für Christas kannte. 
Dagegen scheint ihm eine eigentlich römische Kürzung für Christas 
und das ganze römische System hier und auch in der auf diese 
Sätze folgenden Erklärung eines singulären Monogramms für Christas 
nicht recht geläufig zu sein. Was er bringt, ist sicher alte Lehre; ja 
es paßt noch besser für die Zeit des Victorinus von Pettau als für 
die des Hieronymus. 

Im sechsten Jahrhundert hat dann Dynamius, 2 ) im achten der 
Angelsachse Beda, 3 ) im neunten der Ire Cruindmelus 4 ) bei einer Er- 
örterung über lateinische Buchstaben das Gebiet der Kurzformen be- 
treten. Dynamius und Beda gehen dabei von XPS und IHS aus, sie 
nehmen H noch richtig als griechischen Buchstaben. Cruindmelus 
erwähnt nur die Nota für Christas, die ihm bereits XPC ist (aber 
aus den Worten X et P et interdam C invenimas ersieht man, 
daß seine Zeitgenossen schwankten, ob am Schluß 5 oder C zu 
setzen sei); die Kürzung für Iesas übergeht er: //galt ihm also schon 
als Aspiration. 

Die Aporie, aus' der die Lehre des Cruindmelus hervorgegangen, 
wird uns mit großer Ausführlichkeit im Über de officiis ecclesiasticis 
des Amalarius vorgeführt. Dieser fränkische Gelehrte, der wohl etwas 
früher schrieb als der Ire, hat in sein Werk Briefe und Briefauszüge 
aus den Jahren 818 — 828 eingeschaltet, in denen er mit zwei von 
ihm angegangenen Autoritäten über die Orthographie und Kurz- 
schreibung des Namens Iesas korrespondiert. 5 ) Amalarius, der selbst 
Ihesas schreibt, richtet an Erzbischof Ieremias von Sens die Frage, 
warum man wohl so schreibe. Vor Karls Romfahrt hätte die fran- 
zösische Geistlichkeit (sacerdotes Galliae) Gisas gesprochen, nachher 
Iesas, und dies stimme mit dem Namen des dax Iesas (Iosua). Dieser 
Iesas habe ja, wie Sedul sage, den Ihesas präfiguriert. Die Griechen 
schrieben IC und sprächen Jisas. Er frage nun, ob es besser sei, 
IHC oder IHS zu schreiben und ob man Ihesas oder Iesas zu 



*) Oder die Quelle, aus der er in diesem Teil schöpft. 

2 ) Ed. Mai, Nova Patrum bibliotheca I 2 p. 187. 

3 ) Ed. Keil, Grammatici Latini VII 228. 
") Ed. Huemer, Wien 1883, p. 2, 7. 

6 ) Ed. Dümmler, MG. Epp. V 259 sq. ; eingehend behandelt die Briefe Sickel, 
Acta Karol. I 308 sq. 



6 L. Traube, 

sprechen habe. Darauf antwortet Ieremias von Sens: Porphyrius 
schreibe in einem Akrostichon Iesus; 1 ) dieser ,Philosoph' betrachte 
also das M als das Ita (fjra) der Griechen, welches im Griechischen 
wie langes i klinge, im Lateinischen aber langes e bedeute. ,Wir 
schreiben H nach griechischer Sitte, sprechen aber nicht Jisus, wie 
die Griechen, sondern Iesus 2 ) wie die Juden.' Ionas, Bischof von 
Orleans, beantwortet nur die Frage nach der besseren Schreibung. 
Man muß, sagt er, XPS und IHS vorziehen, d. h. jedesmal zwei 
griechische und dann einen lateinischen Buchstaben setzen. Wir 
werden unten sehen, daß im 9. Jahrhundert die gewöhnliche Schrei- 
bung IHS XPS einer gräcisierenden IHC XPC wich. Es geschah 
das nicht, weil man damals eine ältere Überlieferung aufgefunden 
hatte und in ihr Recht einsetzen wollte, sondern eben infolge ge- 
lehrter Grübeleien, wie sie uns bei Cruindmelus und im Briefwechsel 
des Amalar entgegentreten. 

Eine überraschende Wendung erfährt die Frage durch Christian 
von Stavelot, der um die Mitte des 9. Jahrhunderts lebte. Er läßt 
sich in seiner Erklärung zu Matth. 1, 21 (ed. Migne CVI 1278) über 
die Schreibung von Jesus mit folgenden Worten aus: scribitar Iesus 
{per} iota et eta et sigma et apice desuper apud nos. Nam in Grae- 
corum libris solummodo per iota et sigma et apice desaper invenitur 
scriptum, et sicut (vielleicht sicut et) alia nomina dei comprehensive 
debent scribi, quia nomen dei non potest litteris explicari. Quando 
purum hominem significat, per omnes litteras scribitur. Christian 
bezeichnet also die Gruppe der Wörter, die wir nomina sacra nennen, 
als nomina dei; er unterscheidet verschiedene Schreibungen für Iesus 
den Gottessohn und z. B. Iesus Nave: Iesus als Gottessohn schrieben 
die Griechen IC, die Lateiner IHC (oder IHS); vor allem aber, er 
sagt, diese Kurzformen seien aus religiösen Gründen eingeführt worden. 
Offenbar schwebt die Behandlung des Gottesnamens im Hebräischen 
vor. Wir müssen für den Hinweis und die Aufdeckung des Zusammen- 
hanges dankbar sein. Daß nur eine tiefsinnige Spekulation Christians 
vorliegt, wie sie ihm an sich wohl zuzutrauen wäre, scheint aus- 



1 ) Er meint Porphyr. Optat. c. VIII bei L. Müller, verwechselt aber den Dichter 
mit dem Neuplatoniker. 

2 ) Bei Dümmler p. 260, 10 ist so zu verbessern: imitantes Hebreos IHM Iesum 
pronuntiamus, non per aspirationem, sed per H grecum scribentes. 



Nomina sacra. I. Einleitung. 7 

geschlossen: gerade der Ausdruck nomina dei erinnert an gewisse 
jüdische Wendungen, von denen wir noch zu sprechen haben werden. 1 ) 
Es mag eine Väterstelle dazwischen liegen, -die aufzufinden bleibt. 2 ) 

Bei Roger Bacon wird uns die richtige Deutung von IHC und 
XPC, die wir im Opus Malus (a. 1267) 3 ) und in seiner Griechischen 
Grammatik 4 ) antreffen, selbstverständlich dünken; der Doctor mira- 
bilis brauchte dazu durchaus keine älteren griechischen Quellen heran- 
zuziehen. 5 ) Wohl aber könnte Heibergs Annahme, 6 ) der Grammatik 
liege ein spätgriechischer Abriß zu Grunde, für die merkwürdige Ab- 
kürzungslehre zutreffen, die er gleich zu Anfang gibt. 7 ) Bacon 
unterscheidet da 1. die 18 subbrevltates, d. h. tachygraphische Abkür- 
zungen für Silben, 2. eine Klasse, deren gemeinsames Merkmal der 
Kontraktionsstrich (änävov ovQ^a oder tractus supra, vgl. unten S. 45) 
ist, 3. einzelne besondere figurae, d. h. Zeichen für Wörter. Nach 
der Form einiger in der ersten Abteilung vereinigten Notenbilder be- 
zieht sich Roger oder seine Vorlage auf Handschriften etwa des 11. 
bis 12. Jahrhunderts. Für uns kommt nur seine zweite Klasse in Be- 
tracht, und daß er in ihr einen sehr treffenden Vergleich mit dem 
Lateinischen durchführt, wie er auch in seiner dritten Klasse grie- 
chisches .>- (iaxiv) und lateinisches -— (est) schlagend richtig ver- 
gleicht. 8 ) Er sagt: sed una est generalis subbrevitas, slcut apud nos, 
quae vocatur apatiu slrma, tractus supra (apanu enlm est supra, 
sirma est tractus) et fit, slcut cum sc rib intus dns per tr actum supra 
autpr, sicut ipsi scribunt xög pro dns et Wq pro pr. etiam 9 ) sine sub- 
brevitate super omnia nomina proprla plene scripta et integre ponunt 
tractum longum supra ut nlaxov. 



1 ) Vgl. unten S. 33. 

2 ) Den Hinweis auf Christian verdanke ich der Realenzyklopädie der Soles- 
menser. 

3 ) Ed. Bridges III 118. 

4 ) Ed. Nolan p. 78. 

5 ) Vgl. Nolan, The Greek Grammar of R. Bacon, Cambridge 1902, p. LXI, der 
hier auf den von Heiberg erwähnten Laskaris ohne Not zu verweisen scheint. 

6 ) Byzantinische Zeitschrift IX 490. 

7 ) Vgl. Heiberg a. a. O. 480 sq. und bei Nolan p. 11 sqq. 

8 ) Auch hier sind die Neueren wieder stumpfer. 

9 ) et tum Heiberg, et tarnen Nolan. 



8 L. Traube, 

Wir haben von der Möglichkeit gesprochen, daß Bacon ältere 
griechische Vorlagen hatte. An Vorarbeiten gerade für die griechischen 
Nomina sacra oder, wenn wir uns auf seinen paläographischen Stand- 
punkt stellen, für die nomina per tractum supra scripta, fehlte es nicht 
ganz. Omont hat aus Paris gr. 325 s. XIII ein für Melchiten be- 
stimmtes alphabetisches Verzeichnis griechischer Abkürzungen heraus- 
gegeben. 1 ) Es enthält der Reihe nach die Kürzungen für ävftgcojiog, 
Aaveid, fieog, 3 It]oovg, xvgiog, fteoxoxog, 'IeQOvaalrjfx, 'IoQarjl, jurjjrjQ, Jiaiyg, 
Tivsvjua, ozavQog, vlog, Xqiozog, ovgavog, ovgdviog, (pddv&gcoJiog und die 
Kürzungen für die einzelnen Kasus dieser Worte, doch so, daß oft die 
Vokative und die wirklich auch sonst selten oder nicht vorgefundenen 
Dative des Plurals von navqg und ixr\xr]Q weggelassen werden, daß ferner, 
was ganz in der Ordnung ist und sofort den christlichen Charakter 
verrät, bei &£og der Pluralis fehlt. Wir haben also hier die sämtlichen 
griechischen Nomina sacra mit Ausschluß von ocoryg. Solche Ver- 
zeichnisse, wenn sie auch, wie dieses hier, ohne ein weiteres Wort 
der Erklärung abgefaßt wurden und nur für den praktischen Gebrauch 
bestimmt waren, mußten den Begriff einer fest umgrenzten Gruppe 
von einheitlich abgekürzten Wörtern vermitteln und zugleich die Auf- 
merksamkeit darauf richten, daß die betreffenden Wörter durch ihre 
Fundstätte, die sich auf biblische und ekklesiastische Bücher beschränkt, 
und durch ihre Bedeutung, welche lediglich eine christliche oder 
jüdisch-christliche ist, auch innerlich zusammenhängen. 

Doch statt dessen setzten sich zwei Irrtümer fest, die heute 
noch wirken. Beide sind dadurch bedingt, daß eben dieser innere 
Zusammenhang der durch Kontraktion gekürzten Wörter trotz seiner 
Deutlichkeit nicht hinreichend durchschaut wurde. So glaubte man 
erstens der bekannten Gruppe noch beliebig viele weitere gekürzte 
Wörter zufügen zu dürfen, die zwar in den Handschriften selbst sich 
nicht vorfinden, aber für allerhand Fehler der Überlieferung die Voraus- 
setzung zu sein schienen. Zweitens stellte man als Grund der Kür- 
zung das häufige Vorkommen der kontrahierten Worte hin. Wenn 
Clericus 2 ) annahm, Abraham und lacob könnten über das von ihm 
supponierte Kompendium 1AB (— 'Iaxwß) ineinander übergehen, so 



») Bibliotheque de l'Ecole des chartes XLIV (1883) 134. 
2 ) Ars critica II (Amsterdam 1699) p. 208. 



Nomina sacra. I. Einleitung. 9 

ist das gewiß nicht so schlimm, als wenn Boyle eine Kontraktion 
tiegag ansetzte, die entweder §vyaxegag oder fteganaivag bedeuten sollte. 
Aber was Bentley ihm entgegenhielt, x ) zeigt selbst diesen großen Mann 
nur als einen guten Praktiker und Handschriftenkenner: / deny that 
there's any such Abbreviation used in any Greek MSS, as fiegag 
for ftegouiaivag. This the Examiner should have first prov'd, before 
he pretended to argue front it. But he'll never be able to do that, 
nor to produce one Single Instance, no not out of all the MSS of 
the Bodley. For Abbreviations were never made use of, but in 
words that come freqaently; so that both Labour and Room was 
saved by their repeated Contractions : as nq was w ritten for nariig, 
avog for äv&Qcojiog;*) and in the old Copies of the Bible Üg, xc, %g, 
for tieog, xvoiog, ^tarög; because those words come in almost [in] 
every Verse . But if a Writer should abbreviate such words as 
ftEQcmaivag, which scarce comes once in a whole Book, he would save 
himself but one moments Labour, and make his Copy unintelligible. 
'Tis a mere Dream then of our Examiner, to think ftegag may stand 
for fteganaivag: and 'tis just as if he should say, that ny may stand 

for ngrjoxrig Or avog for äv&egixog. 

Erst einige Jahre nach Bentleys Streitschrift erschien die erste 
griechische Paläographie, das große Werk des Montfaucon (1708). 
Hier werden als Abkürzungen der Handschriften in Unciale die Nomina 
sacra ungefähr so angeführt, wie in dem oben (S. 8) erwähnten Ver- 
zeichnis der Melchiten. Nicht anders als Bentley nimmt Montfaucon 
an, 3 ) daß diese Kürzungen aus Bequemlichkeit gebraucht werden: in 
Bibliis aliisque Christianorum Libris, quia passim occurrunt, Calli- 
graphorum operam summopere minuebant. Aufgenommen hat er 
in seine Liste mit Recht noch oa>rijg; aber auch ICD für 'looävvrjg führt 
er an, die Suspension mitten unter den Kontraktionen, ein sachlicher 



J ) Dissertations upon the Epistles of Phalaris, ed. W. Wagner p. 409. 

2 ) Als Phileleutherus Lipsiensis macht er von dieser Kenntnis Gebrauch, um 
einem überlieferten avÜQwnw die Konjektur ävco abzugewinnen: Emendationes in 
Menandri reliquias, Utrecht 1710, p. 66; wo aber wieder nur ganz allgemein gesagt 
ist: memineramus enim in Codicibus scriptis av&QWJiog, äv&Qcbjtov etc. ubique fere 
scribi compendiose ccvöi, äyov. 

3 ) Palaeographia Graeca, p. 341. 



10 L. Traube, 

und chronologischer Irrtum, 1 ) von dem sich seither keiner seiner 
Nachfolger ganz frei gemacht hat. 2 ) 

Doch ehe wir die Arbeiten über griechische Paläographie weiter 
verfolgen, die freilich hier wie sonst ebensosehr auf Montfaucon be- 
ruhen, wie sie wenig über ihn hinaus kommen, ist nachzutragen, was 
man inzwischen auf lateinischem Gebiete geleistet hatte. Es war fast 
nichts. Mabillon (1681) hat die Kürzungslehre nicht einmal im Vorbei- 
gehen berührt. Die Bedeutung dieses Teiles der von ihm geschaffenen 
Wissenschaft war ihm selbst nicht aufgegangen. Man sieht das z. B., 
wenn er 3 ) den bilinguen Sangermanensis der Paulinischen Briefe (St. 
Petersburg gr. XX), eine Abschrift des erst von Montfaucon berück- 
sichtigten Claromontanus (Paris gr. 107), dem 7. Jahrhundert zuweist, 
während doch wegen der Fülle und Art der Abkürzungen diese Hand- 
schrift erst in karolingischer Zeit entstanden sein kann. 

Was Mabillon versäumt, hat der Nouveau traite de diplomatique 
nirgends eingeholt. Im 3. Bande (1757) gibt es dort über die Ab- 
kürzungen nur einen ganz wirren und schwachen Abschnitt. Die 
beiden Verfasser, die doch ursprünglich die griechische und lateinische 
Paläographie zusammen behandeln wollten, verweisen für die griechi- 
schen Abkürzungen auf Montfaucon. Und hier der eine Satz: les 
abreviations greques ont beaucoup de raport avec Celles des Latins 
(p. 537 adn.), und später (p. 541) ein Zitat aus der Bibliotheque Bri- 
tannique V 2, 353 über die griechischen Handschriften: dont on pou- 
roit croire que les Latins ont imite les abreviations, sind die einzigen 
Anläufe, in denen sie ihrer eigentlichen Aufgabe sich nähern. 

Es ist, glaube ich, erst Wattenbach gewesen, der durch seine 
Beschäftigung mit griechischen zugleich und lateinischen Hand- 



J ) Ich finde ICD zuerst in einer Handschrift des 8. Jahrhunderts (Tischendorf, 
Mon. sacra inedita 1846, p. 408). Erwähnenswert ist, daß die Form auch in kop- 
tischen Handschriften vorkommt, vgl. Crum, Coptic MSS. from the Fayyum, London 
1893, n. IV; XV; XVII. In n. XVII findet man auch jietq; es mag vielleicht gut 
sein, mit diesen Hinweisen zugleich der Annahme vorzubauen, daß im ,Faijümer 
Evangeliu m' (M itteilg. Pap. Rainer I 53) fiet ein Zeichen hohen Alters sei. Ähn- 
lich steht nGT auf einer späten Gemme CIG. IV 9108. 

2 ) Nur die Bibelkritiker (wie Scrivener und Gregory) richteten sich nach den 
Tatsachen der Überlieferung und schalteten ICÜ wieder aus der Liste der kirchlichen 
Contraeta aus. 

3 ) De re diplomatica p. 346. 



Nomina sacra. I. Einleitung. 1 1 

Schriften sich aufgefordert sah, den Faden wieder aufzunehmen. 
„In Handschriften kirchlichen Inhalts kommt eine kleine Zahl be- 
stimmter Abkürzungen regelmäßig vor" lehrt er zuerst fürs Latei- 
nische (1886, ähnlich schon 1866); „in Handschriften kirchlichen In- 
halts werden einige Worte regelmäßig abgekürzt" sagt er für das 
Griechische (zuerst 1867). Im Lateinischen ist er selbständig, aber zu 
den Kurzformen von deus, dominus, sanctus, Spiritus, den zu- 
sammengehörenden Nomina sacra, mischt er die Kürzung für epi- 
scopus und sogar prb für presbyter und ff für fratres; es folgt eine 
unbefriedigende und unrichtige Auskunft über IHC und XPC. x ) Seine 
griechische Liste ist aus Montfaucon herübergenommen. 2 ) Verglichen 
hat er das Lateinische mit dem Griechischen nicht. 

Wattenbach folgend und ihn verbessernd sprechen dann Gardt- 
hausen von sakralen und O. Lehmann und Zereteli 3 ) von kirch- 
lichen Abkürzungen im Griechischen. Aber immer noch waren es 
,die in kirchlichen Schriften besonders häufig vorkommenden 
Wörter', die man so zusammenfaßte. Und der Fortschritt, der darin 
bestand, daß man die Kontraktionen nicht mehr lediglich mit dem 
Auge des Paläographen ansah als die Merkmale der Uncial-Hand- 
schriften, führte doch noch nicht zu einer wirklichen historischen 
Einsicht. 



x ) Die Schreibung und Erklärung dieser Formen hatte inzwischen nicht auf- 
gehört, die Gelehrten zu beschäftigen. Ich erwähne C. Cavedoni, Dell' origine e 
valore della scrittura compendiosa IHS, Modena 1855, und die Artikel (Abbrevia- 
tions, Monogramm) in den Realenzyklopädien von Cabrol, Hauck, Kraus und Welzer- 
Welte. Erst Henri Omont ist hier weiter gekommen. In einem Aufsatz (Bulletin 
de la Societe nationale des antiquaires de France 1892 p. 123 — 125, vgl. Bibliotheque 
de l'Ecole des chartes 1897 S. 679 und Bursians Jahresberic hte C VI 180) hat er die 
notwendigste Feststellung gemacht, daß gar nicht IHC und XPC, sondern IHS und 
XPS die am frühesten überlieferten Formen sind. Seine Erklärung di eser Bildungen 
kann ich freilich nicht für richtig halten (vgl. im IV. Teil § 5, 1 b über XPS und IHS). 

2 ) Auf Wattenbach wieder ruhen die ihm folgenden griechischen Paläo- 
graphien. Das geht bei Thompson so weit, daß Wattenbachs näxrjQ und 'It)Qovaah)fi 
bis in die dritte Auflage mitgeführt werden. 

s ) Zereteli in der zweiten Auflage seines Werkes über die griechischen Kür- 
zungen, Petersburg 1904, führt als Beispiel einer durch die Kasus fortgeführten 
Kontraktion ©CÜN = fte&v an (p. XIII), was ein voller Rückschritt ist, obgleich die 
Form selbst begegnet; vgl. oben S. 8. Dagegen macht er, wenn auch ganz flüchtig, 
auf das Vorkommen der Kontraktion in lateinischen und slavischen Handschriften 
aufmerksam (p. XIV), auch hier ohne einen historischen Gesichtspunkt. 



12 L. Traube, 

Bis zu ihr drang nur Gitlbauer vor, *) aber ohne länger am Ziel 
zu verweilen und ohne sich klare Rechenschaft abzulegen. Richtig sprach 
er es aus, daß „fast nur christlich-theologische Begriffe" kontrahiert 
werden. Wenn er aber, nach der Herkunft der Kontraktion fragend, 
diese im tachygraphischen System der Römer zu finden glaubte, so war 
er schon wieder ganz und gar auf falschem Wege. Er unterließ jede 
genauere Analyse der Tironischen Noten, wie sie O. Lehmann an- 
gebahnt hatte. Er hielt ohne weiteres diejenigen Notenbilder für alt, 
die aus den ersten und letzten Buchstaben der Wörter oder in ähn- 
licher Weise gebildet sind. „Schon ein flüchtiger Blick auf diese 
Sammlung lehrt", sagt er, nachdem er eine Reihe von Noten von der 
Art AliteR, AliqaotienS, BimVs, CustodiA zusammengestellt hat, „daß 
fast durchwegs nur älteres Sprachgut in diesen Abkürzungen vertreten 
ist, meist häufig vorkommende Wörter und termini technici, und daß die 
wenigen, die auf jüngeren, christlichen Ursprung deuten, gewiß auf 
Neuanwendung des alten Prinzipes zurückzuführen sind." Wie wenig 
stimmt dies zu den mannigfaltigen Schicksalen, welche die römische 
Tachygraphie vor den Karolingischen Exemplaren der uns vorliegenden 
spätrömischen Kodifikation durchlaufen hat. Auch hatte Gitlbauer 
gewiß keine richtige Vorstellung von dem hohen Alter der christlich- 
griechischen und christlich-römischen Kontraktion. 

Noch von einem zweiten neueren Versuch ist hier zu berichten. 
Einzelne Schreibungen auf Inschriften, 2 ) Münzen 3 ) und in Hand- 
schriften, 4 ) in denen die Mitte des Wortes ausgelassen ist, wurden 
als die Reste eines vorchristlichen Kontraktionssystems gedeutet, dessen 
Fortsetzung dann natürlich das christliche wäre. Besonders Bruno 



J ) Die drei Systeme der griech. Tachygraphie, Wien 1894, S. 44 fg. (Denk- 
schriften der kais. Akademie der Wissensch., Band XLIV). Auch G. A. Hench in 
Pauls und Braunes Beiträgen zur Geschichte d. deutschen Sprache XXI (1896) 562 
zeigt richtige Einsicht, wenn er von den gotischen Kurzformen sagt: .diese Ab- 
kürzungen sind entsprechenden im griechischen Original nachgeahmt und tragen 
halbheiligen Charakter". 

2 ) Wilhelm, Zeitschrift f. die österr. Gymnasien 1894 S. 913 ; Wolters, Mitteilungen 
des deutschen archäolog. Instituts, Athen. Abteilung XXII (1897), 139 ff. 

3 ) Six, Numismatic Chronicle, III 5 (1885) S. 47; vgl. Hill, Journal of Hell. 
Studies 1898 p. 304; Head, Jonica, p. 246 n. 105. 

*) Keil, Hermes XXIX (1894) 320. U. von Wilamowitz, Nachrichten v. d. 
Göttinger Gesellschaft d. Wissensch. 1896 S. 210, und dazu Kenyon, Palaeography of 
Greek Papyri p. 33. 



Nomina sacra. I. Einleitung. 13 

Keil beharrt darauf, eine solche nichtchristliche und vorchristliche 
Kontraktion anzunehmen. *) 

In der Tat gibt es verschiedene Berührungspunkte zwischen dem 
Gebrauch der älteren Zeit und der späteren Entwickelung, und vielleicht 
könnte hie und da auch eine direkte Beeinflussung angenommen 
werden. 2 ) Obgleich uns also die christliche Kürzung im wesentlichen 
als eine organische Einheit entgegentreten wird, ist es notwendig, an 
dieser Stelle einen kurzen Überblick über die antike Kürzung ein- 
zuschieben. 

Die kalligraphische Schrift enthält sich fast jeglicher Kürzung, 
sie duldet am Zeilenschluß nur Ligaturen, darunter den Strich, der N 
vertritt. Aber aus verschiedenen Privatabschriften auf Papyrus 
lernen wir vereinfachende Schreibungen auch innerhalb der Zeilen 
kennen. Es ist nicht nötig, die einzelnen Zeugen (saec. I — II p. Chr.), 
die sich dafür bis jetzt unter den literarischen Papyri gefunden haben, 
aufzuzählen, noch weniger auf die Urkunden auf Papyrus einzugehen, 
die gleichfalls Einblick in diesen älteren Gebrauch eröffnen. 3 ) Es 
genügt, die Arten der nicht kalligraphischen Kürzung kurz zu be- 
zeichnen. Wir finden 

1. rein tachygraphische Zeichen für einzelne Worte, z. B. 

/ = eoxiv 
\ = elvai 

2. Suspensionen 

a) durch Ligaturen, für einzelne Worte, z. B. 

^ß = XQÖvog, ygovov etc. 

b) mit Akzenten, für einzelne Worte (Präpositionen, Konjunk- 
tionen, Artikel) und Endsilben, z. B. 

d = ävd 

6' = de 

xe<paX = xeqyaXrjr 

naQazagovv&rjxxxovgoQxo = nagä rag ovvftrjxag xal rovg ögxovg 

c) mit übergeschriebenem letzten Buchstaben, für Endungen, z. B. 

no = Tiööag 
noX s = TioXejuov. 



x ) Anonymus Argentinensis, Straßburg 1902, S. 72 Anm. 1. 

2 ) Vgl. unten die Paragraphen über fteös, xvqios, äv&Qwnog, Xqiotös, ozavgög. 

») Vgl. Crönert, Archiv f. Stenographie UV (1902) 73 ff. 



14 L. Traube, 

Der Punkt hinter der Suspension war im älteren Griechisch 
nicht bekannt. Das Ineinanderlesen der Worte wurde gehindert eben 
durch die Ligatur, die Akzente und die Überschreibung des letzten 
Buchstabens, später auch durch eine Transversale hinter dem ge- 
kürzten Wort. 

Indem nun z. B. die Präpositionen auch innerhalb der verbalen 
Komposition oder Worte wie xal und de auch da gekürzt wurden, 
wo sie beliebige Silben eines längeren Wortes waren, näherte sich 
das System der Suspension dem kontraktiven, das in der christlichen 
Zeit zur Herrschaft kam. Der Berliner Papyrus des Hierokles s. II 
p. Chr. hat z. B. 

xQa}ira>iTf\r]xo v = xaigco reo JiQogrjXQVu. 

Durch Schreibungen aber, wie avxr) = av(6.y}xr) oder eXxov = 
£A<ar>rov, und noch mehr durch ein vereinzeltes 

-PN = TQOJIOV, 

wo nach dem sonstigen Gebrauch die Suspension -£ genügt hätte 
(vgl. oben über >g), ist in demselben Papyrus eine noch größere 
Ähnlichkeit mit der christlichen Art hergestellt worden. 

Es ist auch möglich, daß ein Teil der von Wilhelm, Wolters 
und Keil geltend gemachten kontraktiven Schreibungen auf die Kon- 
zepte der betreffenden Inschriften zurückgeht und die Silben dort 
in der Mitte nicht nur aus Versehen, sondern aus Bequemlichkeit in 
ähnlicher Art weggelassen waren, wie in den nicht kalligraphischen 
Papyri. 

Aber von allen diesen vereinzelten Spuren geht keine große 
einheitliche, anerkannte Tradition aus und keine führt zu ihnen hin. 
Andere Fälle, die angeführt werden oder angeführt werden könnten, 
sind nicht vorchristlich; in ihnen kann das Prinzip der christlichen 
Kontraktion fortwirken, sei es durch griechische, sei es durch römische 
Vorbilder vermittelt. Es bleibt dabei: wir haben auf der einen Seite 
die antike griechische Art, die im wesentlichen auf der Suspension 
aufgebaut ist, auf der andern Seite die griechisch-christliche Kürzung 
der Nomina sacra vermittels der Kontraktion. Hier wie dort haben 
wir Gelegenheit, den Ausbau und das Fortwirken, daneben aber die 
feste Umgrenzung solcher Schreibungen zu beobachten. Daran ge- 
messen schrumpfen die Fälle der dritten Art, in denen scheinbar 
die Vorteile der Kontraktion auf Worte übertragen werden, die dem 



Nomina sacra. I. Einleitung. 15 

christlichen und jüdisch-christlichen Kreise nicht angehören, in ein 
Nichts zusammen. Gegenüber den Massen der Konvention verschwinden 
diese Einzelheiten privater Erfindung und Willkür. Wenn es also 
auch an Berührungspunkten der klassischen und christlichen Kürzung 
nicht fehlt, so ist doch der Gedanke an eine innere organische Fort- 
entwickelung abzulehnen. 

Von der antiken Kürzung, soweit sie der Kontraktion verwandt 
ist, bleibt die christliche Kontraktion durch folgende Merkmale auf 
das deutlichste getrennt: 

1. Die christliche Kontraktion wird immer durch einen Strich 
bezeichnet, der das ganze Wortskelett wagrecht überzieht (ANOC im 
Gegensatz zu ANKH). 

2. Die Zahl der kurzgeschriebenen Worte ist nicht beliebig und 
daher unendlich, sondern eng umgrenzt. 

3. Anfang und Endung der Kurzformen sind durch feste Regeln 
genau bestimmt. 

4. Hauptsächlich aber ist der Zweck der christlichen Kontraktion, 
wie wir später sehen werden, ein ganz anderer, als Raum und Zeit 
zu sparen. 



Dieser geschichtliche Überblick ist, je mehr er sich der neuen 
Zeit näherte, zu einer Kritik der wenigen bisher versuchten Erklärungen 
des Kontraktionssystems geworden und allmählich übergegangen in 
eine Darlegung meiner eignen Ansicht. Ich habe sie vorgebracht 
zuerst in einem akademischen Vortrag (in der historischen Klasse der 
bayerischen Akademie am 4. Februar 1899) und dann ganz kurz in 
einem Aufsatz über das Alter des Codex Romanus des Virgil (in der 
Strena Helbigiana, Leipzig 1900, S. 307 — 314). Ich versuchte dabei, 
das griechische Kontraktionssystem als eine jüdisch -hellenistische 
Neuerung, das lateinische als eine Ableitung aus dem griechischen 
und die ganze Fülle spätrömischer und mittelalterlicher lateinischer 
Kontraktionsbildungen als eine Folge der Aneignung und Weiter- 
führung dieses neuen und unklassischen Prinzips aufzufassen. 1 ) 



x ) Meiner ersten These stimmte Albrecht Dieterich bei, Göttingische gelehrte 
Anzeigen 1903, S. 552 Anm. 2. Auch Weinberger in den Wiener Studien XXIV 



16 L. Traube, 

Während in dem erwähnten Vortrage die Kürzungslehre über- 
haupt erörtert wurde, habe ich in einem zweiten akademischen Vor- 
trage (in der historischen Klasse am 3. Januar 1903) besonders über 
die Nomina sacra gesprochen. Schon vorher hatte ich im Anhang 
meiner Arbeit über Perrona Scottorum (in den Sitzungsberichten 
der historischen Klasse 1900, S. 469 ff.) die Geschichte der Kürzung 
von noster behandelt, eines Wortes, das, wie wir sehen werden, 
mit den Nomina sacra eng zusammengehört. Jetzt endlich wird es 
mir möglich, meine Gedanken über den, wie ich bereits sagte, wich- 
tigsten Teil der Kürzungslehre im Zusammenhange vorzulegen. Ich 
kann es nicht, ohne meinen Gönnern und Freunden den aufrichtigsten 
Dank zu sagen, wie ich es schon in der zuletzt erwähnten Schrift 
(S. 528) getan hatte; die Zahl ist seither beträchtlich gewachsen. Ohne 
ihre weitgehende Hilfe wäre es nicht möglich gewesen, ein so ausge- 
breitetes Gebiet, wenn auch nur rekognoszierend, zu überblicken. Photo- 
graphien und Kollationen, mannigfachen Aufschluß und Beistand erhielt 
ich von M. A. Amelli, D. N. Anastasijewic, H. M. Bannister, C. H. Beeson, 
L. Bertalot, E. Bishop, H. Bloch, F. Boll, M. Bonnet, H. Bresslau, 
A. E. Burn, E. Chatelain, H. J. Cladder, C. U. Clark, F. Cumont, 
L. Delisle, E. Dümmler, F. Ehrle, R. Ehwald, A. Fäh, A. Farinelli, 
C. Fasola, H. Fischer, O. Glauning, P. Glogger, Th. Gottlieb, A. Gold- 
schmidt, H. Graeven, B. Güterbock, A. Haseloff, J. Heeg, J. L. Heiberg, 
O. v. Heinemann, D. Heibig, S. Hellmann, A. Holder, H. Jadart, F. Jen- 
kinson, G. Karo, G. D. Kellogg, D. Kerler, G. Keyssner, F. Köhler, 
K. Krumbacher, B. Krusch, G. v. Laubmann, H. Legband, P. Lehmann, 
W. M. Lindsay, E. A. Loew, R. Loewe, P. Marc, A. Merk, Gabriel Meier, 
Kuno Meyer, Richard M. Meyer, W. Meyer aus Speyer, P. C. Molhuysen, 
G. Morin, C. W. Moule, S. Murray, H. Omont, J. Pirson, G. Pfeilschifter 
H. Plenkers, K. Praechter, E. K. Rand, R. Reitzenstein, K. Scherer 
J. Schnetz, A. Schnütgen, F. Seelig, F. Skutsch, A. Souter, A. Spagnolo, 
H. Stadler, O. Stählin, F. Steffens, G. Swarzenski, C. H. Turner, A. W. 
Van Buren, F. Vollmer, S. G. de Vries, G. Warner, W. Weyh, P. von 



(1902) 296 ff. scheint mir im allgemeinen beizupflichten. Ich habe aber nie behauptet, wie 
er wohl annimmt, daß die Kontraktionen der Nomina sacra vor dem 6. Jahrhundert 
nicht vorkommen, sondern nur, daß man vor dieser Zeit schwerlich Kürzungen wie 
DS finden werde in nicht kirchlichen Handschriften, und ohne daß die betreffenden 
Worte speziell christliche Bedeutung haben. 



Nomina sacra. I. Einleitung. 17 

Winterfeld, G. Wolfram, J. Zellerer, K. Zeumer, H. Zimmer. Als wahre 
Mitarbeiter muß ich meine Freunde Cladder, Clark, Marc, Turner und 
Winterfeld bezeichnen. Paul Marc und Pater Cladder, S. J., ordneten 
und ergänzten mein griechisches, Wilhelm Weyh mein koptisches 
Material. Cladder beriet mich auch für das Koptische, wie Pater Merk, 
S. J., für das Armenische, D. N. Anastasijewiö für das Altkirchen- 
slavische und S. Ehrmann für das Talmudische. Daß ich das Keltische 
miteinbeziehen konnte, verdanke ich Kuno Meyer und H. Zimmer. 
Schließlich mache ich, wie in den Paläographischen Anzeigen (Neues 
Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde XXVI 233) 
und in ,Perrona Scottorum* a. a. O., darauf aufmerksam, daß außer den 
Originalen, mechanischen Reproduktionen, buchstabentreuen Faksimile, 
kritischen Apparaten und Monographien auch genauere Handschriften- 
verzeichnisse, wie Reifferscheids und Hartel-Loewes Bibliothecae Patrum, 
ausgebeutet wurden. 



2. Terminologie. 

Ich habe schon früher gebraucht und wende auch hier wieder 
an als Bezeichnung der Gruppe von alten Wörtern, bei denen im 
Griechischen und in der früheren lateinischen Zeit die Kürzung durch 
Kontraktion vollzogen wurde, den Ausdruck: Nomina sacra. Ich 
habe ihn dem englischen Forscher E. M. Thompson entlehnt, 1 ) der 
in seiner Paläographie sehr gut von sacred and liturgical contractions 
spricht, in den Erklärungen aber zu den Tafeln der Palaeographical 
Society, in denen durch sorgfältige Angabe der Abkürzungen, die in 
den vorgeführten Handschriften begegnen, die Abkürzungslehre reiche 
Förderung erfahren hat, oft ganz kurz und bündig the sacred names 
zusammenfaßt. Dies Wort habe ich um so lieber aufgenommen, als 
es sich enge an einen alten Terminus technicus anschließt, der selbst 
freilich für uns nicht mehr recht brauchbar ist. Denn was wir nomina 
sacra nennen, nannte Christian von Stavelot ganz ähnlich nomina 
dei. 2 ) Er bezog dabei ein hebräisches Wort, das nur die Namen 
Gottes des Vaters umfassen sollte, seiner Zeit gemäß vor allem auch 



x ) Auch H. Omont (a. a. O. 124) sagt: .mots consacres". 
5 ) Vgl. oben S. 6 und unten S. 33. 
Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 



18 L- Traube, Nomina sacra. I. Einleitung. 

auf die Kürzungen von Iesas und Christus. Wenn nun wir den etwas 
allgemeineren Terminus nomina sacra auch auf Worte wie "loga^k, 
äv&Qa)7iog, ja sogar auf noster ausdehnen, so wird unser Recht, wie 
ich hoffe, durch die folgende Darstellung erwiesen werden, die sich 
zur Aufgabe gesetzt hat, den folgenreichen Gebrauch aller jener Kurz- 
schreibungen vom Ursprung bis zum Ende zu verfolgen. 

Die ursprünglich wohl französischen Fachwörter Kontraktion 
und Suspension werden dem Leser im Verlauf der Darstellung 
näher gebracht werden. Vorläufig mag er sich an die kurze Defi- 
nition halten, die ich in der Strena Helbigiana S. 310 gegeben habe: 
„Es gibt zwei Arten von Abkürzungen, die man als Suspensionen 
(Weglassungen) und Kontraktionen (Auslassungen) unterscheiden 
kann. Bei denen durch Suspension wird nur der erste Teil des 
Wortes, im äußersten Fall nur der erste Buchstabe gesetzt; bei denen 
durch Kontraktion fällt die Mitte des Wortes aus, und es bleibt An- 
fang und Ende. Aber diese Erklärung ist äußerlich. Der tiefere 
Unterschied liegt darin, daß das eine Mal das Wort mit möglichster 
Kürze nur überhaupt angedeutet wird, der betreffende Kasus, die be- 
treffende Verbalform aus dem Zusammenhang ergänzt werden muß; 
daß das andere Mal (bei der Kontraktion) wegen der Setzung der 
Endung über die gemeinte Form ein Zweifel nicht aufkommen kann. 
Ein Beispiel mag zeigen, wie in praxi beide Arten sich unterscheiden. 
Die im Mittelalter rezipierte Abkürzung für episcopus ist eps\ dies 
wird dekliniert eß epö epm. Das ist der Typus einer flexibeln Kon- 
traktion. In sehr alten Handschriften findet sich entweder epis. oder 
episc. und zwar so, daß jede dieser Formen gleichmäßig und ohne 
Unterschied für alle Kasus des Singularis und Pluralis stehen kann. 
Das ist der Typus einer unbeweglichen Suspension." 



II. NOMINA SACRA IM HEBRÄISCHEN. 



2* 



1. Vergoldung der Gottesnamen. 

Über das Aussehen der hebräischen Handschriften, die die 
griechischen Übersetzer des Alten Testamentes ihren Arbeiten zugrunde 
legten, ist sehr wenig zu ermitteln. Doch eines wissen wir, was uns 
hier zustatten kommt. 

Man hob die Gottesnamen gelegentlich durch Goldschrift von 
dem übrigen Text ab. Das ist gerade von Exemplaren bezeugt, die 
in Alexandria im Umlauf waren-. Blau hat die Zeugnisse dafür aus 
der jüdischen Tradition zusammengestellt. x ) Er nimmt dabei, wie ich 
glaube, mit Unrecht an, daß nicht nur die Gottesnamen, sondern über- 
haupt die ganze Tora in Goldschrift hergestellt worden sei. Seine 
Stütze ist eine Stelle des Aristeasbriefes (§ 176 ed. Wendland p. 49, 5), 
wo es von der an Ptolemäus gesandten hebräischen Bibel ganz all- 
gemein heißt: ev alg (diqy&eoaiq) fj vojuofieoia yeyQajujuevrj lovaoyQacpia 
rotg 'Iovdaixoig yQa t u/uaoi. Auf diese Stelle hat Blau zuerst hingewiesen. 
Allein man muß wohl auch hier an ein Exemplar denken, in dem 
lediglich die Gottesnamen golden waren, genau so wie es in der 
von Blau angeführten Baraitha 2 ) und an den gleichfalls von ihm an- 
geführten Stellen des Traktates Masechet Sefarim 3 ) ausgesprochen wird. 



J ) Studien zum althebräischen Buchwesen I, Straßburg 1902, S. 157 ff. 

2 ) „Wenn nicht mit Tinte geschrieben wurde, oder wenn die Gottesnamen 
mit Gold geschrieben wurden, müssen die Schriften verborgen werden" nach Blaus 
Übersetzung S. 161. 

3 ) „Man darf nicht mit Gold schreiben. Es kam vor, daß alle Gottesnamen 
der Tora der Alexandriner mit Gold geschrieben waren. Die Sache wurde den 
Schriftgelehrten vorgelegt und sie erklärten, die Rolle müsse verborgen werden," 
Blau S. 161; über den Sinn, den »verbergen" hier hat, vgl. Blau S. 191. „In einer 
Tora, deren Gottesnamen an Gold hängen, darf man nicht lesen. In der Tora des 



22 L- Traube, 

Die Worte des Aristeas erhalten aus diesen Stellen ebenso ihr 
Licht, wie die oft zitierten und auch von Blau für seine Ansicht ver- 
werteten des Johannes Chrysostomus und Hieronymus ihre volle Be- 
deutung erst erlangen, wenn man sie mit den tiberlieferten griechischen 
und lateinischen Bibelhandschriften vergleicht und darnach erklärt. 
Das Zeugnis der beiden Väter gilt etwa für das Jahr 400. Johannes 
bezeugt für Antiochien Bibeln mit goldener Schrift, *) Hieronymus für 
Cäsarea wahrscheinlich nicht minder als für Rom Bibeln, die mit Purpur, 
Silber und Gold geschmückt waren. 2 ) Auch hier stellt man sich das 
gewöhnlich so vor, als sei der gesamte Text dieser Bücher vergoldet 
gewesen. Die erhaltenen Exemplare aber, die eine einheitliche Tra- 
dition darstellen, lehren etwas Spezielleres. Auf gepurpertem Per- 
gament war der Text mit Silber und nur die Nomina sacra waren 
darin mit Gold geschrieben. Dies ist der Schmuck der griechischen 
Evangelien im sog. Codex purpureus Petropolitanus (A/) saec. VI 3 ) — die 
kontrahierten Kurzformen von fteög, xvgiog, nvevjua,*) narrjQ, "Irjoovg, 
Xoiorog, vlog sind golden, die von ovgavög, ävßQcoJiog, Aaveid, 'IogarjX, 
'IeQovoahjju silbern — und im etwas jüngeren griechischen Psalterium 
Turicense 5 ) — golden sind hier die Überschriften und Initialen der 
Psalmen ; ist aber das erste Wort der Psalmen eine Kurzform von fteög 
oder xvQiog, so wird es ganz mit Gold geschrieben. Von lateinischen 
Handschriften haben dieselbe Ausstattung die Evangelien Verona VI 
(f ) und Wien 1235 und vielleicht der Brixianus und die Handschrift 
aus Sarezzano, ferner das Psalterium S. Germani: sie folgen alle dem 
Typus dms. 6 ) Von Handschriften des Typus dris gehört hierher Wien 



Alexander (Blau verbessert ,der Alexandriner') hingen die Gottesnamen an Gold, 
die Geschichte kam vor die Gelehrten und sie verboten sie ihnen," Blau S. 162. Ehr- 
mann identifiziert diese Stelle mit der vorigen. 

») Hom. in Joh. 32, 3 (Patrol. gr. ed. Migne LIX 186 sq.). 

2 ) Hauptstelle ist Prolog, in Job (Patrol. lat. ed. Migne XXVIII 1083). Vgl. 
Ep. 22 (ib. XXII 418) und 107 (ib. XXII 876) und dazu Traube, Archiv für Steno- 
graphie LIII (1901) 202. 

3 ) Vgl. H. S. Cronin, Texts and Studies V 4, Cambridge 1899. 

4 ) In den Blättern von N, die zur Wiener Genesis gehören, ist TINA silbern. 

5 ) Vgl. Tischendorf, Monum. sacr. ined. nova collectio, vol. IV, Leipzig 1869. 

6 ) Vgl. über Sache und Ausdruck unten im vierten Kapitel unter dominus 
(§ 5, 2, 6). 



Nomina sacra. II. Nomina sacra im Hebräischen. 23 

1 185. x ) Im Psalter Lyon 425 (351), der den Typus dnis aufweist, sind 
die Formen von deus und dominus durch rote Farbe hervorgehoben. 3 ) 
In Karolingischer Zeit hat man ebenso in Frankreich wie in 
Byzanz, die älteren Exemplare nachahmend, eine neue Reihe reich 
geschmückter kirchlicher Bücher auf Purpurmembran hervorgebracht. 
Man hob dabei auch wieder, wenn auch nicht regelmäßig, die Nomina 
sacra aus der Silberschrift der Texte mit goldenen Lettern heraus. So 
im Petersburger Codex der Kaiserin Theodora und im Liber comitum 
Paris lat. 9451 aus der Zeit Karls des Großen. 



2. Das Tetragramm. 

Erwiesen ist also die lange und alte Tradition, die Gottesnamen 
in den biblischen Büchern durch besonderen Schmuck auszuzeichnen. 
Die Juden hielten es so schon in vorchristlicher Zeit; die Christen 
hatten denselben Brauch. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es 
sich um eine jüdische Sitte, die von den Christen aufgenommen und 
befolgt wurde. 

Ältere hebräische Exemplare sind außer dem eben gefundenen 
Papyrus Nash nicht überliefert; dieser, der höchstens ins zweite nach- 
christliche Jahrhundert gehört, gibt gerade nwv und cn^N ohne 
weiteren Schmuck. Man kann also schwanken, was unter den 
,Gottesnamen' zu begreifen ist. Nur ffiFP, an welches Wort man immer 
zuerst denken wird, oder auch DTfot und ^N und Verbindungen wie 
DYI 5 ?« nn? Aber außer Zweifel steht, daß hebräische Exemplare 
in Alexandria in vorchristlicher Zeit eine graphische Auszeichnung 
des Tetragramms und vielleicht auch anderer Worte für Gott auf- 
wiesen. 

Mehr können wir über die Beschaffenheit dieser hebräischen 
Gottesnamen nicht aussagen. Selbst die Form der Buchstaben steht 
nicht fest. Früher glaubte man annehmen zu dürfen, daß, als die 
ersten griechischen Übersetzer arbeiteten, bereits die Quadratschrift 



1 ) Vgl. ebd. § 5, 2, 7. 

2 ) Anders ist der Codex argenteus des Wulfila behandelt: hier ist die Schrift 
silbern auf purpurnem Grunde und die Kapitelanfänge sind ohne Rücksicht auf die 
Nomina sacra in Gold gegeben. Ähnlich ist im Rossanensis der Grund purpurn, 
die Schrift silbern und golden nur am Beginn der Evangelien. 



24 L- Traube, Nomina sacra. II. Nomina sacra im Hebräischen. 

für die Tora ausgestaltet worden war. Man zweifelt jetzt wieder daran; 
vielleicht nicht mit Recht. 1 ) 

Aber ein eigentümlicher Widerstreit tritt uns deutlich entgegen. 
Den Juden galt der vierbuchstabige Name ihres Gottes als heilig, 
zauberbergend und unaussprechlich. Mit diesem Namenszauber hängt 
offenbar auch die Vergoldung der Gottesnamen zusammen; andererseits 
scheint sie ihm zu widersprechen. Das Zauberwort mit allen Buch- 
staben hingeschrieben, ja durch die Schrift noch hervorgehoben, ent- 
hüllt und verkündet nicht nur jedem das, was für den Eingeweihten 
aufzuheben war, sondern lenkt geradezu des Unberufenen Auge darauf. 
Dabei ist jedoch zu bedenken, daß in der hebräischen Schrift, gleichviel 
ob damals noch die ältere herrschte oder bereits die heilige Quadrata, 
wegen der Vokallosigkeit das Mysterium dennoch bestehen blieb. Das 
Tetragramm wurde zum heiligen Namen erst durch die richtige Deutung. 
Daß es Jawe auszusprechen sei, war aus den Buchstaben selbst nicht 
ohne weiteres zu ersehen, man mußte es wissen, lernen. Und der 
Priester verschwieg die richtige Form; er setzte eine ähnliche, künstlich 
abgebogene an ihre Stelle oder, auf diesem Wege fortschreitend, ein 
anderes, dem Volke verkündbares Wort. 

Auf diesen Widerspruch war hier hinzuweisen; im Hebräischen 
nur scheinbar vorhanden, wird er wirklich und wirksam, sobald wir 
uns dem griechischen Kreise nähern. 

*) Vgl. unten S. 28. 



III. NOMINA SACRA IM GRIECHISCHEN. 



1. Wiedergabe des Tetragramms bei den hellenistischen 

Juden. 

Sobald man begann, die jüdischen heiligen Bücher ins Griechische 
zu übersetzen, muß der am Schluß des vorigen Kapitels berührte 
Widerstreit lebendig geworden sein. Wie sollte das Tetragramm 
wiedergegeben werden? War es nachzubilden oder zu übersetzen? 
Und wie sollte man vorgehen, um dem Wort zugleich seine graphische 
Auszeichnung und den geheimnisvollen Zauber zu bewahren? 

Daß man hier und da die Vergoldung fortsetzte, haben wir bereits 
gesehen; die erhaltenen Beispiele wurden bereits aufgezählt. Wir 
müssen von der sonstigen Behandlung des Wortes reden. 

Eine profanierende Transskription (Iave oder laße), wie sie die 
in Ägypten geschriebenen Zauberpapyri geben, 1 ) war in einer Über- 
setzung der heiligen Schriften, die völlig an die Stelle der Originale 
treten sollte, von selbst verboten. Man konnte da nur ein Verfahren 
dulden, das dieselben oder wenigstens ähnliche Eigentümlichkeiten 
bot, wie das Hebräische. Es gab daher nur zwei Möglichkeiten. 

Zunächst konnte man das Wort in seiner hebräischen 
Gestalt fortbestehen lassen. Da hatte es denn ganz den Zauber, 
die Kraft und Verschwiegenheit, wie in der Tora. So ging im zweiten 
nachchristlichen Jahrhundert der Jude Aquila bei seiner Übersetzung 
zu Werk. Er gab das Tetragramm mit hebräischen Buchstaben wieder 
und zwar mit Buchstaben des alten Alphabetes: iv tolg äxQißeoreooig 
Twv avxiyQdcpmv — damit ist eben die Übersetzung Aquilas, fj xax 
äxQißeiav, gemeint — 'Eßgaioig %aQaxTrJQoi x£M ai > TO övojua, 'EßQa'ixolg 
de ov roTg vvv, aklä rolg ägyaiordroig, sagt Origenes. 2 ) Man hatte 



J ) Vgl. A. Deißmann, Bibelstudien, Marburg 1895, S. 10 ff. 

2 In Ps. II 2 ed. Lommatzsch XI 396; vgl. Hieronymus praef. in libr. Sam. et 



28 L. Traube, 

früher angenommen, Origenes irre sich und bezeichne die Wiedergabe 
des Tetragramms durch gräcisierendes nini, von dem wir gleich 
sprechen werden; allein der Palimpsest der Synagoge zu Kairo mit 
Fragmenten des Aquila aus den Büchern der Könige saec. V, der vor 
einiger Zeit nach Cambridge kam und ein Stückchen des Aquila 
zuerst in jüdischer, nicht durch christliche Hand gegangener Überlieferung 
kennen lehrte, zeigte vielmehr inmitten der griechischen Worte für das 
Tetragramm das Gebilde ^^^^ oder dasselbe mit einem Strich darüber. 1 ) 
Andere Palimpsest-Blätter gleicher Herkunft und gleicher Zeit, die 
etwas später bekannt wurden, mit Fragmenten aus Aquilas Über- 
tragung der Psalmen, 2 ) gaben die nur unwesentlich verschiedene Form 
3333. Also war Origenes in gutem Recht. Beide Formen zeigen 
das alte Alphabet, das wirklich nicht mehr zu Origenes' Zeit in Ge- 
brauch sein konnte, von dem man aber gerade auf Grund dieser 
Funde wieder beginnt anzunehmen, daß es vielleicht zu Aquilas Zeit 
noch geschrieben wurde. 3 ) Wir berühren diese Frage, weil sie mög- 
licherweise einer richtigeren Antwort zugeführt wird, wenn man an- 
nimmt, daß in einem Zweig der hebräischen Überlieferung das Tetra- 
gramm mit alter Schrift inmitten der jüngeren Quadrata gegeben wurde 
und daß Aquila das ihm daher geläufige alte Wortbild in seine Über- 
setzung übernahm. Für einen derartigen graphischen Archaismus bei 
der Weitergabe der Symbole werden sich im Verlauf der von uns 
zu gebenden Geschichte noch andere Beispiele finden. 

Einen andern Fall der ersten Möglichkeit lernen wir aus der 
hexaplarischen Überlieferung kennen. In der großen Konkordanz des 
Origenes stand, wie man nach einigen aus ihr abgeleiteten griechischen 
und syrischen Handschriften schließen darf, in einigen Kolumnen als 
Äquivalent für mir die Form nini, die sich betrachten läßt als eine 
absichtliche oder unabsichtliche Gräcisierung der hebräischen Buch- 
staben. 4 ) Man hatte bisher nach dem Material zweiter Hand, über 



Malach. (Migne XXVIII 550) nomen domini tetragrammaton in quibusdam Graecis 
voluminibus usque hodie antiquis expressum litteris invenimus. 

x ) Fragments of the Book of Kings according to the Translation of Aquila 
edd. Burkitt and Taylor, Cambridge 1897, p. 4 sqq. 

2 ) Hebrew-Greek Cairo Genizah Palimpsests ed. Taylor, Cambridge 1900, 
p. 54 sqq. 

8 ) Vgl. Burkitt 1. c., p. 16. 

4 ) Hieronymus ep. 25 ad Marcellam (ed. Migne XXII 429): nonum (sc. nomen 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 29 

das allein man verfügte, annehmen müssen, daß in den griechischen 
Kolumnen der Hexapla nur außerhalb der für die LXX bestimmten 
Spalte diese Umbildung gebraucht war. 1 ) Ein neuer Fund, 2 ) der 
wieder in der Synagoge zu Kairo gemacht wurde, ein Stückchen der 
Hexapla mit einigen Versen aus Psalm 22 (=21 der LXX), gibt nun 
Hini auch in der Kolumne der LXX. An einer Stelle (Psalm 22, 20) 
scheint die Lesung: 

cy A6 k 
nini 

freilich dafür zu sprechen, daß xvgie 3 ) nur verdrängt wurde und das 
Ursprüngliche war. Doch ist nicht ganz fest zu machen, ob mm 
nicht gelegentlich auch in der Kolumne der LXX stand, ohne daß 
ein fälschliches Eindringen aus einer benachbarten Kolumne erfolgt 
wäre. Man kann auch nicht recht sagen, 4 ) ob Theodotion und Sym- 
machus wirklich selbst schon mm geschrieben haben, wie es der 
eben erwähnte Origenes-Palimpsest in der Kolumne des Symmachus 
gibt (denn derselbe Palimpsest hat ja auch in der Aquila-Kolumne 
Dini, was nach dem Befund der- beiden Aquila-Palimpseste jedenfalls 
nicht die Schreibung des Aquila war), oder ob es in ihre Hand- 
schriften eingesetzt wurde (etwa gleichfalls an Stelle der älteren 
hebräischen Form), oder ob erst Origenes selbst es war, der diesen 
Ausweg erfand. 

Auch sonst mag man sich der Form mm bedient haben; doch 
weiß ich nicht, ob folgendes mehr ist als ein trügerischer Schein. 
Auf einer Inschrift aus El-Barra in Syrien fand Ph. Le Bas (Voyage 
archeologique n. 2647): 

■f AOXA GN Y\J/ICTOIC IUI KAI GHl TH eifHNI )<<A>I 
GN <ANepCOnOIC GyAOKIA). 

dei) rezQdyQa/nfiov, quod ävexfpcbvrjTov, id est ineffabile, putaverunt, quod his Ütteris 
scribitur: iod, he, vav, he . Quod quidam non intelligentes propter elementorum 
similitudinem, cum in Graecis libris repererint, mm legere consueverunt. Vgl. 
die griechischen Traktate bei P. de Lagarde, Onomastica sacra, ed. II, Göttingen 1887, 
p. 228 sq. 

1 ) Vgl. Taylor, Hebrew-Greek Cairo Palimpsests p. 27. 

2 ) Die Handschrift kann sehr wohl älter als saec. VII sein. Die schräge Un- 
ciale darf nicht mehr als ein Zeichen jüngerer Entstehung bezeichnet werden. 

3 ) K ist eine Suspension (vgl. unten in diesem Kapitel § 6, 2 über )<Y|'lOC) 
oder der Rest der Kontraktion K<e>. 

4 ) Vgl. Taylor p. 26 sqq. 



30 L- Traube, 

Eine andere dort gefundene Inschrift (vgl. Revue bened. XXII, 
1905, 431) gibt diese Doxologie genauer nach Luk. 2, 14 und setzt 
dabei OGGü statt der vier senkrechten Striche. Stand nun auf der 
ersten Inschrift dasselbe Wort und bedeuten Le Bas' Zeichen nur, 
was sonst bei ihm nicht vorzukommen scheint, die Unlesbarkeit? 
oder haben wir hier noch ein versprengtes HIHI? 1 ) 

Einem merkwürdigen Fall begegnen wir in einigen Genesis- 
Fragmenten der LXX, die Grenfell und Hunt in P. Oxy. IV n. 656 
(vgl. ebenda pl. II) herausgegeben haben. Hier war xvgiog anfänglich 
überall weggelassen und erst eine zweite Hand hat das griechische 
Wort in die Lücken eingetragen. Man weiß nicht: stand in der Vor- 
lage eine hebräische Form (dies scheint wahrscheinlicher), oder hatte 
man überhaupt den Gottesnamen verschweigen wollen? 

Wir kommen zur zweiten Möglichkeit. Man konnte das 
Tetragramm durch ein griechisches Wort wiedergeben, dieses griechische 
Wort aber so schreiben, daß es, wie das vokallose nin% seine Be- 
deutung nicht völlig offenbarte. Dieser Versuch ist gemacht worden 
und hatte eine ganz andere Tragweite als die bisher geschilderten 
Künsteleien. Er wurde der Weg, auf dem die griechischen Nomina 
sacra ihre Eigenform erhielten; der Weg, auf dem die Kontraktion 
entstand. Indem wir also uns anschicken, diesen merkwürdigen Vor- 
gang der alttestamentlichen Textgeschichte zu begreifen, gelangen wir 
zugleich zum Verständnis eines bedeutsamen Wendepunktes der grie- 
chischen Paläographie. 

Im griechischen Text der LXX steht für das Tetragramm meist 
xvgiog. So las schon Philo. Es ist eine Übersetzung nicht von Jawe, 
sondern von Adonai. Sie ist erklärlich, denn die Juden vermieden 
ja tatsächlich, wie auch jetzt noch, Jawe zu sagen und sagten dafür 
vielmehr Adonai. Origenes drückt das so aus: „der Gottesname wurde 
bei den Juden Adonai, bei den Griechen xvgiog ausgesprochen." 2 ) 
Dies ist alles bekannt, kann aber durch eine graphische Überlegung 
weitergeführt werden. 



*) Hingewiesen sei hier wenigstens auf den geistreichen Versuch Smirnoffs 
(Berl. philolog. Wochenschrift 1906 Sp. 1082 ff.), das bekannte XMT aus -ins mm 
{y.vQiog eis) zu deuten. 

J ) Vgl. Orig. in Ps. II 2, kurz vor der oben S. 27 zitierten Stelle. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 31 

1. Nicht an allen Stellen der LXX steht lOfflOC für rnn\ öfters 
steht auch 0GOC, was sonst im allgemeinen das Äquivalent der Über- 
setzer für ct6n ist. 

2. Nie aber wurde, so scheint es, in kalligraphischen Hand- 
schriften !<Y"piOC ausgeschrieben, x ) sondern stets dafür die Kurzform 
\<C gesetzt. Auch OGOC wurde nicht geschrieben, sondern nur OC. 

Wir kennen diese Verwendung der Kurzformen aus der über- 
einstimmenden Überlieferung aller christlichen Handschriften der LXX 
und des Neuen Testamentes; wir haben aber allen Grund, die Formen 
XC und ÖC schon für jüdisch zu halten. 

Statt des heiligen unaussprechlichen Wortes gab man ein weniger 
heiliges, aber auch dieses nicht mit vollen Buchstaben, sondern in 
einer Form, in der ein Teil des Wortes unterdrückt war. Man kann 
diese Form aus ihr selbst nicht erklären. Wenn man sie als Abkürzung 
bezeichnet, so hat man nur in dem Sinne recht, daß tatsächlich da- 
durch, daß man weniger Buchstaben schrieb, Zeit und Raum gespart 
wurde. Aber diese Ersparnis und Verkürzung war eine zufällige Folge 
des gewählten Verfahrens, war nicht und konnte nicht sein seine 
ursprüngliche Absicht. Vorgebildet im älteren klassischen Griechisch 
war eine ähnliche Kurzform nicht. 2 ) Abkürzungen sehen da ganz 
anders aus. Sie entstehen durch Weglassung der Endung, so daß 
bei diesem Verfahren, das wir die Suspension nennen, meist nur 
die Anfangsbuchstaben übrig bleiben. Aber die Kurzformen, die da- 
durch entstehen, daß das Wortinnere wegfällt und außer dem ersten 
Buchstaben mindestens noch der letzte erhalten bleibt, die also auf 
Auslassung oder sog. Kontraktion beruhen, fehlen in früherer 
Zeit; sie kamen eben erst durch die Übersetzung der heiligen 
Schriften auf und, wenn nicht alles täuscht, gerade durch den Zwang, 
dem Tetragramm ein homogenes Gebilde gegenüberzustellen. Wir 
haben es allem Anschein nach mit einer originalen jüdischen Erfindung 
zu tun. Nur in dieser Sphäre liegen die Gründe für die Neuerung 
und die Eigenart der Formen zutage; im Christlichen fallen sie weg. 

Denn Adonai ist überhaupt der Herr; wo das Wort für den Eigen- 
namen Jawe gesprochen wird, erkannte es der Jude als besonderes 



J ) Über einzelne scheinbare Ausnahmen s. oben S. 30. 
») Vgl. oben S. 13 ff. 



32 L. Traube, 

Wort an den fremden Buchstaben. Setzte der griechisch schreibende 
Jude )<YflOC für Adonai, so mußte er dies KyflOC irgendwie 
unterscheiden. 

Ferner aber: die Zauberkraft des Wortes Jawe wurde verhüllt 
durch die Aussprache Adonai. Es lag nahe, etwas von der Verhüllung 
auch in das griechische Äquivalent hineinzutragen. 

Man kann sich vorstellen, daß dieses die Gründe waren, KyflOC 
zu meiden und KC dafür zu schreiben. Die Möglichkeit ist aber 
vorhanden, daß nicht KyflOC die ursprüngliche Wiedergabe von 
mir war, sondern OCOC. Vielleicht hatte man geschwankt. Eine 
Form könnte neben der andern hergegangen sein. OCOC wäre 
hebraisierend ohne Vokale geschrieben worden: das ergab OC. Dar- 
nach bildete man vielleicht erst KC von dem rivalisierenden l<yf I OC. 

Die Paläographie also, meine ich, könnte es wahrscheinlich 
machen, daß ursprünglich oder, genauer ausgedrückt, in den ersten 
Übersetzungen, in den ersten Versuchen der Übersetzung, aus denen 
schließlich die alexandrinische Übersetzung des Alten Testamentes 
erwuchs, fteog als Gegenstück zu mir gewählt wurde, oder vielmehr 
nicht fteös, sondern eben die vokallose Form OC, mit der man den 
Eigenheiten des Tetragramms glaubte gerecht zu werden. KC wäre 
erst Analogiebildung dazu. In deög hätte die Unterdrückung der Vokale 
eine Form ergeben, die nur aus dem ersten und letzten Buchstaben 
bestand. Nicht aber diese Unterdrückung der Vokale wurde als das 
Prinzip aufgefaßt, sondern die Setzung des ersten und letzten Buch- 
stabens, die nach Ausscheidung der Vokale übrig blieben. Und so 
deklinierte man nun: OC Öy OGÜ GN 96 und bildete neu KC 
)<Y u. s. w. Doch läßt sich die Priorität von ÖC nicht erweisen. 
Jedenfalls aber hatten Theologie und Volksglaube bei dem Bestreben, 
dem Gottesnamen eine dem hebräischen Original möglichst ent- 
sprechende griechische Form zu schaffen, unter der Hand ein neues 
graphisches Prinzip gefunden. Es war diesen hellenistischen Juden in 
den Schoß gefallen, wie nach der Sage den Phöniziern die Erfindung 
von Glas und Purpur. 

Die Richtigkeit unserer Annahme wird der Verlauf der folgenden 
Darstellung erweisen. Die große Fülle paläographischer Erscheinungen, 
die, sonst unerklärt und unverbunden, in den Handschriften des Alten 
und Neuen Testamentes zuerst sich zeigt, wird so ihre verständliche 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 33 

gemeinsame Herleitung erhalten. Und da die griechischen Kalligraphen 
von den lateinischen nachgeahmt wurden und die lateinischen von 
dem neuen Prinzip die weiteste Anwendung machten, erhalten nicht 
nur einige wenige Formen ihre Erklärung, sondern erklärt wird die 
wesentlichste Eigenart der christlich-lateinischen Weltschrift. Aber 
gerade gegenüber dieser ungemein langen und breiten Entwicklung 
ist es gut, daß die, wie ich glaube, an sich einleuchtende Erklärung 
nicht als bloße Vermutung hingestellt zu werden braucht. Wir erinnern 
uns hier vielmehr gern der Worte des karolingischen Gelehrten Christian 
von Stavelot: notnina dei comprehensive debent scribi, quia nomen dei 
non potest litteris explicari. l ) Also im 9. Jahrhundert war man sich 
der richtigen Deutung noch bewußt. 

Und wenn der Korrektor des Primasius, Oxford Douce 140, der 
sich des e-Typus bediente und etwa im 7. Jahrhundert, vielleicht in 
Südwestbritannien, arbeitete, überall, wo er in seiner Handschrift deus 
und dominus ausgeschrieben vorfand, dafür die kontrahierten Formen 
ds (= #c) und dris (vgl. xc) einzuführen sucht, — will es etwas 
anderes sagen, als daß auch er die Formen der Gottesnamen keines- 
wegs einer Verkürzung der Arbeit zulieb so geschrieben wissen wollte, 
sondern vielmehr um die Worte zugleich hervorzuheben und ihre 
Heiligkeit zu verhüllen? 



2. Ausbildung der Nomina sacra durch Juden und Christen. 2 ) 

In den von Christen herrührenden Handschriften der LXX und 
des griechischen Neuen Testamentes finden sich seit der frühesten 
bis zur spätesten Zeit nicht bloß ständig ÖC und KG, sondern außer- 
dem meist noch andere ähnliche Kurzformen für nvevjua, narrJQ, ov- 
qclvos, äv§Qo)7iog, Aaveid, 'IoQarjl, 'Isgovoabj/u, 'Iqoovg, Xgiorog, vlög, 
oomJQ, ozavgog, jutjtiiq. Wir beginnen damit diese im ganzen 15 Kurz- 
formen und ihre wichtigsten Varianten in einzelnen Reihen vorzuführen, 



! ) Vgl. oben S. 17. Nomina dei entspricht wohl dem talmudischen hv diöw 
K»n ippa umpn. Ehrmann führt den Gebrauch zurück auf Chron. I 13, 6 (mrp 
no s-ipa iBs D'ui-on acv). 

2 ) Die einzelnen Nachweise für diesen und die folgenden Paragraphen werden 
unten im fünften Paragraphen durch ein Handschriftenverzeichnis, im sechsten durch 
eine Behandlung der einzelnen Nomina sacra erbracht. 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 3 



34 L- Traube, 

die nach der Art der Wortbilder geordnet sind. Die Varianten (d. h. 
die seltener vorkommenden Formen) sind eingeklammert. 

i.gckc (Tif) (ÄA) icxc yc (cf) (Rf) 

2. fTNÄ (OAp) AAA (ICA) (ICH) (IHC) (XfC) (CCÜf) CTC MHf 

3. (DMA) ÖHf \T\\ (IHR) CHf (MHf) 

4. ANOC (ICHÄ); IAHM 



5. oyNOC (anhoc) (icahm) 

6. (ANefnc) (CTfC) 

Eine Möglichkeit, zur historischen Einsicht in die hier gleich- 
zeitig vorliegende Gesetzmäßigkeit und Vielgestaltigkeit vorzudringen, 
wird zunächst durch verschiedene einfache, hauptsächlich formale Er- 
wägungen gegeben. 

Das Prototyp der 1. Reihe war QC und )<C. Der jüdische 
Gottesname zog den christlichen nach sich. Nach )<C wurde gebildet 
IC und XC. 

Bevor aber diese neuen Bildungen durchdrangen oder gleichzeitig 
mit ihrer Einbürgerung, kamen noch andere Formen in Umlauf. Man 
hatte für Xqiotö? mit Benutzung einer alten vorchristlichen Suspension 
entweder Xf oder monogrammatisch >ß geschrieben, daneben oder 
darnach auch IH für 'Itjoovg. 1 ) Unter dem Einfluß der kontraktiven 
Bildung )<C adaptierte man nun Xf und IH zu XfC und IHC. 

Vielleicht in Anlehnung an diese Gebilde, die nicht mehr aus 
dem ersten und letzten, sondern aus den beiden ersten und dem 
letzten Buchstaben bestehen, schuf man bei fortgesetztem trinitarischen 
Streben auch FJNA für Tivevjua. Doch läßt sich J1NA auch erklären 
als Ausweg aus einer etwaigen Konkurrenz zwischen HA (nvevjua) und 
riA (narsga vom Nominativ Mf). 

Gehört Hf zu XC, so kann HAf nach dem Vorbild von J1NA 
entstanden sein. 

Zu nA(rrj)f gehört MH^f. Verstand man dies als MpHf, 
so ging man wohl auch zu HHf über. DHf wieder wurde die Vor- 
lage von CHf, wofür man nach Analogie von TINA oder nAf früher 
CGüf versucht hatte. Auf der einen Seite stand dann QC DHf, auf 
der andern IC CHf. 

Y'OC lehnte sich bequem an IC und XC und wurde Y c - 



J ) Vgl. vorläufig oben S. 4. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 35 



CT C wurde Gegenbild von nNA. 

Die 1., 2. und 3. Reihe kann damit als erklärt gelten; denn auch 
Formen wie AAA, ICA, IHA, IHM fügen sich leicht ein. 

Dagegen ist es schwer, die Bildungen der 4., 5. und 6. Reihe 
in ähnlicher Weise zu begreifen. Doch werden die der 6. Reihe klarer, 
wenn man sie sich als hebraisierende, die Vokale unterdrückende 
Schreibungen auslegt. Es kommt hinzu, daß die lateinischen Kurz- 
formen ISRL und IRSLM, die sich dieser Reihe einordnen würden, 
vielleicht auf griechische, uns nur nicht erhaltene Vorbilder zurück- 
gehen. Eine Form wie AAA würde sich einer solchen Betrachtungs- 
weise gleichfalls fügen. 



Noch schwerer ist den beiden so beliebten Kurzformen ANOC 



(in der 4. Reihe) und oyNOC (in der 5. Reihe) beizukommen. Man 
kann ja denken: eine Bildung OC für ovgavög mußte wegen des 
Zusammenfallen mit dem Relativum gemieden werden. Auch mußte, 
da man von ovgavög auch den Pluralis oder ihn sogar hauptsächlich 
einzurichten hatte, die Endung aus zwei Buchstaben bestehen. ONOC 
oder ONOI war wieder unbrauchbar. Ebenso wäre AC von äv&Qco- 
jiog wegen des Genetivs AY und des Akkusativs AN untauglich 
gewesen. Daß derartige Überlegungen und Bedenken bei der Aus- 
wahl der Kurzformen mitgewirkt haben, zeigt das Meiden von nj>OC 
(des Genetivs von jiarrjQ); man schrieb dafür das unregelmäßige DfC. 
Bei dem tatsächlich gewählten ANOC war freilich der Dativ ANCO 
auch recht gefährlich und ist doch nicht umgangen worden. Es wird 
sich aber später herausstellen, daß oyNOC un d ANOC von den 
übrigen Kurzformen überhaupt zu trennen sind. 

Noch Eines fällt auf. OC und )<C haben keine Nebenformen ; 
auch bei Y c nat es ein Schwanken nicht gegeben. Diese Bildung wurde 
gleich anfangs gut getroffen, als man sie zu IC XC gesellte; die 
Nebenformen IHC XfC waren dem Erfinder wahrscheinlich unbekannt. 
Dagegen halte man das Schwanken der Abkürzungen von oravgög, 
welches Wort wohl von allen zuletzt eingerichtet wurde. Ganz ohne 
Varianten ist sonst nur noch oyNOC. Diese Form muß übernommen 
und den andern Kurzschreibungen hinzugefügt worden sein, als sie 
sich in ihrer ursprünglichen Sphäre schon vollständig befestigt und 
etwaige Konkurrenten aus dem Felde geschlagen hatte. 

3* 



36 L. Traube, 

Der formalen Betrachtungsart lassen wir eine inhaltliche der 
15 kurzgeschriebenen Worte folgen. Wir setzen dabei 7 Reihen an. 

1. fteog xvQiog 

2. Jivevjua naxriQ 

3. ovgavog äv&Qwnog 

4. Aaveid 'IoqolyjX 'IeQovoaXiqfi, 

5. "Irjoovg Xgioxög 

6. vlög ocoxyjq oxavQog 

7. jur)zt]Q. 

Die 1. Reihe hat sich uns schon früher als eine Erfindung 
hellenistischer Juden erwiesen. Fraglos ist auch die 4. Reihe als 
jüdisch zu betrachten. Ihrem Inhalt nach können diese Kurzformen 
jüdischer Eigennamen nur als von Juden eingerichtet gelten. Sehr 
charakteristisch ist, daß nicht leQoookvjua, sondern 'IegovoaX^ju gekürzt 
wurde. So erfährt das, was über das Verhältnis von KC und OC zum 
Tetragramm zu vermuten war, eine neue Bestätigung. 

Die 2. und 3. Reihe können desgleichen als jüdisch gelten. IIvEVjua 
und TiajrjQ wären an sich ebensogut als christliche Begriffe zu fassen. 
Doch dringen sie in die christlichen Handschriften, wie es scheint, 
erst zusammen mit den jüdischen Worten der 4. Reihe ein. Dasselbe 
ist von der 3. Reihe zu sagen, obgleich ihre Worte trotzdem eine 
andere Herkunft zu haben scheinen als die der 2. und 4. Reihe. Es 
wird unten bei Behandlung der einzelnen griechischen Nomina sacra 
der Versuch gemacht werden, die Kurzformen von jivevjua naxrjQ 
ovqavog (oder vielmehr ovgavoi) ävftQamog als nicht ganz gleichartige 
Auszeichnungen verschiedener Gottesnamen zu verstehen. 

Christlichen Ursprungs ist natürlich die 5. und 6. Reihe. 

Die Kurzformen von ju^xtjq (in der 7. Reihe) könnten an sich 
als Analogiebildungen zu den Kurzformen von naxrjQ aufgefaßt werden; 
doch wahrscheinlicher ist, daß man jurjxrjg ursprünglich durch Kürzung 
auszeichnete, in der Absicht, ihm eine tiefere, heilige Bedeutung 
unterzulegen. Auch darüber wird unten ausführlicher berichtet werden. 

Hier sehen wir nun in allerhand jüdisch -hellenistische oder 
christlich-hellenistische, aber nicht gerade kirchliche Vorstellungen 
hinein. Es will nicht gelingen, sie aus einer einheitlichen Quelle 
abzuleiten. Dies aber wird den verschiedenen Einflüssen entsprechen, 
unter denen die Textgeschichte der LXX und zum Teil schon die 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 37 

Vorgeschichte dieser Textgeschichte stand, als nach und nach der 
Pentateuch und die andern Bücher übersetzt wurden. Das ursprünglich 
alexandrinische Gewebe ist durch mancherlei anderwärtigen jüdischen 
Einschlag durchquert worden. Und über das Ganze ist für uns noch 
der christliche Schleier gebreitet. 

Es ist oben gesagt worden, daß die 15 griechischen Kurzformen, 
oder Nomina sacra, wie wir jetzt, auf die vorläufige Analyse ihres In- 
halts verweisend, mit gesichertem Rechte sagen können, schon in den 
frühesten Handschriften des Alten und Neuen Testamentes sich finden. 
Doch waren darunter nur die Pergamenthandschriften verstanden, auf die 
im allgemeinen der Text der heiligen Bücher sich stützen muß. Nehmen 
wir die Papyrusfetzen hinzu, deren Auffindung seit einiger Zeit das Bild 
der Überlieferung umzugestalten beginnt, beobachten wir ferner genauer 
die Anwendung der Nomina sacra in den einzelnen Pergamenten, 
die öfters je nach Art und Zahl der in einer Handschrift tätigen 
Hände wechselt, so tritt vielmehr an die Stelle der Einheitlichkeit 
und Starrheit die viel verständlichere Erscheinung einer allmäh- 
lich sich vollziehenden Entwickelung. Noch deutlicher ist diese 
zu erkennen, wenn wir uns den Weg bahnen zu den ganz wenigen 
Überresten, die von griechisch schreibenden Juden herrühren. Die 
ganze Fülle der 15 Kurzformen, sehen wir dann, war nicht ursprünglich 
vorhanden, ging nicht aus einer einheitlichen oder einmaligen Er- 
findung hervor. 



3. Die nachweisbaren Entwickelungsstufen der Nomina 

sacra. 1 ) 

Es ist oben vermutet worden, daß die Bildungen ÖC und )<C 
die ältesten ihrer Art sind und in die früheste Zeit der jüdischen 
Übersetzung des Alten Testaments zurückreichen. Einen eigentlichen 
Beweis für diese Annahme zu führen, fällt schwer, da wir die Hand- 
schriften der LXX, ebenso wie die des Philo und anderer Überreste 
der jüdisch-alexandrinischen Literatur erst aus christlicher Hand em- 

') Das Material für die folgenden Ausführungen ist hauptsächlich im fünften 
Paragraphen dieses Kapitels niedergelegt. Nur die Nachweise über die Zauber- 
Papyri und die Aquila-Fragmente, die dort nicht untergebracht werden konnten, findet 
man schon hier. 



38 L- Traube, 

pfangen haben. 1 ) Ja, man könnte, wenn man einseitig und unüber- 
legt diese Art der Überlieferung berücksichtigte, zu dem falschen 
Schluß kommen, nicht IC und XC sei nach 0C und KC gebildet, 
sondern es seien gleichzeitige Schöpfungen, oder sogar IC und XC 
habe das Muster für 0C und KC gegeben. Hier kommen uns 
Handschriften zu Hilfe, die frei sind von christlichen Einflüssen und 
dennoch die Formen 0C und KC und gerade nur diese aufweisen. 

Die ägyptischen Zauberpapyri. 

Wie man weiß, setzt sich der Inhalt dieser Rollen- und Bücher- 
reste aus sehr verschiedenen Bestandteilen zusammen. Deutlich heben 
sich die ägyptischen und die jüdischen Elemente ab, christliche da- 
gegen fehlen, oder sie sind nur oberflächlich beigemischt. 2 ) Durch 
den Fundort (Theben) hängen einige Stücke eng zusammen, das 
graphische Aussehen aber stellt nirgend eine besondere Gleichartig- 
keit her. Es ist Dutzendware ohne Beziehung zu einer bestimmten 
Schreibschule oder Ausstattungsgepflogenheit. Man verlegt die Nieder- 
schrift gewöhnlich ins dritte oder vierte Jahrhundert. Höheres Alter 
ist nicht unmöglich; ja, daß einzelne der Lappen, aus denen die 
Zaubersprüche bunt zusammengewebt sind, in viel frühere Zeit hinauf- 
gehen, ist mehr als wahrscheinlich. 

Ich lasse eine kurze Übersicht folgen. Die Reihe und Art der 
Aufzählung richtet sich dabei nach unsern Zwecken. 

Berliner Museum, zwei griechische Zauberpapyri, herausgegeben 
von Parthey, Abhandlungen der Berliner Akademie 1865 S. 109 — 180. 
Keine Kurzformen, nur die Symbole <s^ (fj^og), (£ (oeXrjvrj), 
{övofxa) und Qj Q] (dvöjuara). 

London, Brit. Mus. P. XL VI, ed. Kenyon, Greek Papyri I p. 65 
bis 81. deos decov ausgeschrieben, adcovai eXcoai ohne Strich; die 
Symbole «^ (£ [ ] und Suspensionen wie TT (jzoäyjua), naQ 10 (jtag&evov) ; 
löTQarjh (so). 

Leiden J. 385, ed. Leemans, Papyri graeci musei Lugdunensis 
II 83—163; vgl. Dieterich, Abraxas S. 169—205 und 3—16. foog, 



J ) Vgl. über einzelne Ausnahmen z. B. oben S. 30. 

2 ) Vgl. Dieterich, Mithrasliturgie S. 45. Römische Einflüsse könnte man fol- 
gern aus der Verwendung von ICTfAHA und von Iterationen wie □ Q 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 39 

xvQiog, nvev/xa, ovgavog ausgeschrieben; aber auch {&ee und fiecp), 
Q] oder Q (#«o?), □ □ (&eoi), O (ovgavog) ; außer diesen Sus- 
pensionen und Symbolen noch von Symbolen <sz y (£ und j) (oeXrjvrj) 
und Q] (övo/ua), □ □ oder □ □ □ (dvöjuaxa), von Suspensionen 
Z. B. *?7 (xvgiE, xvgtov), ßccg (ßaodeig), avt (avxo~)v). Es heißt hier 
also Z. B. xov ev reo O (= ovgavco) jusyav [_ ] (= fieov). 

Leiden J. 384, ed. Leemans 1. c. II 1 — 76; vgl. Dieterich, Neue 
Jahrbücher für Philologie Suppl. XV (1888) S. 793 ff. aöcovme oaßaeoft 
und dergleichen; ausgeschrieben fteov, §eog dewv, &ee, jutjxrjg deaov, 
xvgis etc., ayiov nvEv/xa, naxyg, ovgavog, avßgconog, ifjoovg; einmal 
OY = &eov, die Corruptelen zeigen aber öfters, daß die Vorlage 
OC etc. hatte; von Symbolen [] und [ ] (övoixa und övo t uaxa); ein- 
mal xov >ß (offenbar = xbv Xqioxöv). 

Paris, Louvre 2391, herausgegeben von Wessely, Denkschriften 
der Wiener Akademie XXXVI (1888) S. 139—148, vgl. ebenda S. 39 
und Reitzenstein, Poimandres S. 147 ff. ißä; &ecov &ee, xvqie, itjoov; 
einmal QG (tfee). 

London, Brit. Mus. P. CXXII, ed. Kenyon 1. c. pag. 116—120; 
vgl. Wessely a. a. O. XLII (1893) S. 75. iaeco, oaßawft, adcovai; aus- 
geschrieben ovgavog, av&gcoTtog; aber xeo jueyakco 6CÜ, axEcpakov 9N, 
usyioxT] rcov GCDN; dagegen ftyg ist nicht etwa, wie Kenyon im Index 
zweifelnd vermutet, dvyäxrjg, sondern # yg (ygdjujuaxa, in andern Papyri 
f- oder ff); □, aber auch □/*<* (övojua). 

London, Brit. Mus. P. CXXI, ed. Kenyon 1. c. pag. 84—115; 
vgl. Wessely a. a. 0. 74. oaßaooft law, agyayyEloo [M%ar}l\ ausgeschrieben 
$Eog, xvgcog, Jivsvjua, naxijg, ovgavog, viog, fxr\xr\g\ aber auch axE(palog 
OC, xov jusyakov 0\~> rovg KC (xvgiovg) xwv 0N (&eo>v), xov )<N, 
Öfters KG (z. B. KG avovßi, KG er); xa □ Q (ovöjuaxa). 

Paris, Suppl. gr. 574, herausgegeben von Wessely, Denkschriften 
der Wiener Akademie XXXVI (1888) S. 44—126, vgl. ebenda S. 44 
und Dieterich, Mithrasliturgie. Ausgeschrieben: jivsvfia, naxy]g, ovgavog, 
avfigcojiog, loxgatjk (so), iEgovoakt]ju, viog, jut]xi]g; neben den vollen 
Formen öfters die kurzen: ©C ey ecü ON (auch xtjv GN) QG; 
aber &eoi, dsotg, ßsovg, neben ftsojv freilich auch ON; xvgiov, KG 
und xvgis. 

Wien, Papyrus Rainer 1, herausgegeben von Wessely, Denk- 
schriften XLII (1893) S.65— 67. Der Papyrus ist ersichtlich jünger und 



40 L- Traube, 

ganz christlich. Hier findet sich neben GC rov lotQarjX (so) und KN 
auch ra 11NA (m^ara), OyNOy, ANÖN, ANOyC, KC IC. 

Wer die hier zusammengestellten Kurzformen von der Art GC 
und KC mustert, wird sich dem Eindruck nicht entziehen können, 
daß sie aufs innigste mit dem jüdischen Element der Zauberpapyri 
zusammenhängen. Einzelne Stücke kennen nur den Gebrauch von 
GC, andere daneben den von KC; erst der so andersartige Wiener 
Papyrus fügt noch HNA, oyNOC, ANOC und, recht um den 
christlichen Charakter, den er bereits trägt, zu kennzeichnen, auch IC 
hinzu. Im großen Pariser Zauberpapyrus (Suppl. gr. 574, vgl. oben S. 39) 
heißt es dagegen noch richtig: oqxiCco as xara rov oy twv eßgcucov 
irjoov (und nicht etwa ly). 1 ) Hier wird auch der Pluralis von fteög 
nur ausnahmsweise gekürzt. Überall aber leuchtet noch durch, daß 
GC und KC ursprünglich den Judengott bezeichnen; und da die 
in diesen Worten angewandte Art der Kürzung den heidnisch- 
griechischen und ägyptischen Elementen der Zauberpapyri ganz fremd 
ist, so ist der Schluß nicht abzuweisen, daß die Kurzformen selbst 
mit den jüdischen Elementen herübergekommen sind, daß wir sie als 
jüdische Reminiszenz betrachten müssen. 2 ) Wie es an einigen Stellen 
aus der Art der Corruptelen erhellt (vgl. oben S. 39) und im all- 
gemeinen aus der ganzen hier vorliegenden Tradition zu folgern ist, 
muß die jüdische Eigentümlichkeit, die hier in volkstümlich griechisch- 
ägyptischer Verbrämung erscheint, lange vor der Niederschrift der 
Zauberpapyri geläufig gewesen sein. 

Fragmente des Aquila. 

Es war eine Vermutung, die oben aus der Betrachtung der Form 
und des Inhalts der neben GC und KC vorkommenden Kurzformen 
erhoben werden mußte, daß unter diesen Kurzformen manche noch 
jüdische Herkunft hätten, dabei aber keineswegs einer einheit- 
lichen jüdischen Tradition folgten. Wir glauben auch hier wieder 
unsere Vermutung durch Tatsachen der Überlieferung stützen zu 
können. 



x ) Ebenso charakteristisch ist, daß im Leidener Papyrus J. 384 rov >ß steht und 
nicht etwa XN ; vgl. oben S. 39. 

2 ) Hervorgehoben haben wir in der obigen Zusammenstellung die Form 
ICTfXHA; vgl. über sie oben S. 38 Anm. 2 und unten § 5, 8. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 41 

Das oben S. 28 erwähnte Fragment der Psalmenübersetzung 
des Aquila aus der Synagoge zu Kairo hat die in Betracht kommenden 
Worte so geschrieben: GGOI eeoyc, 3^31 (vgl. oben S. 28), 
<rjA>THf, OYfANOy <Oy>fANO!, l<C>j>AHA, JOyCAAM/i) 
(vgl. Taylor 1. c. pag. 82), yiOl yioyc. 

Das oben S. 27 erwähnte Fragment des Buches der Könige in 
der Übersetzung des Aquila, das gleichfalls aus der Synagoge zu 
Kairo stammt, gibt: OGOy eeCÜ eeoi, 31=n oder 3W (vgl. 
oben S. 28), lOfflCÜ und ein sakrales Ky/, 1 ) ANGfCünCüN, 

icfAHA und ein icä/,i) lefoycAAHM, yioc yia)N yioyc. 

Die beiden Palimpseste sind wohl in Ägypten und ziemlich 
spät geschrieben. Es ist ferner zu bedenken, daß Aquila, wie in der 
Übersetzung, so in der kalligraphischen Ausgestaltung seine eignen 
Wege gegangen war; 2 ) gerade aber unter diesen Voraussetzungen 
wird es wahrscheinlich, daß die hebräische Form des Tetragramms 
und die Ausschreibung der Nomina sacra (z. B. QGOC) auf Rech- 
nung des Autors, das einmalige l<y statt der hebräischen Form auf 
Rechnung des jüdisch-ägyptischen' Schreibers zu setzen ist, dagegen 
die Kurzformen für ICfAHA und IGfOyCAAHM den Einfluß einer 
anderweitigen jüdischen Gewöhnung beweisen. Denn das ist doch 
wohl kaum anzunehmen, daß auf diese synagogale Überlieferung des 
Aquila die Tradition einer christlichen Schreibschule eingewirkt habe. 
ICA ist eine Form, die uns in den christlich-ägyptischen (koptischen) 
Handschriften erst spät entgegentreten wird; früher wurde in Ägypten 
allgemein IHA geschrieben. Die Form lOyCAAM ist wohl über- 
haupt eine Art Kompromiß: der Schreiber der Vorlage wollte kürzen, 
der Autor pflegte auszuschreiben. Man könnte annehmen, daß dem 
jüdischen Schreiber der Vorlage nicht nur ICA und eine Kurzform 
von 'IeQovoakrifx (vielleicht l€3M, vielleicht aber auch ein mehr hebrai- 
sierendes Gebilde) geläufig war, sondern daß er auch das dem In- 
halte nach zugehörige AAA kannte, das in den Palimpsesten zu- 
fällig nicht vorkommt, aber ebenso geformt ist wie ICÄ. Aquila 
lebte unter Hadrian und übersetzte in Jerusalem. 



x ) Am Zeilenschluß. 
J ) Vgl. oben S. 28. 



42 L. Traube, 

Andere jüdische Formen. 

Wie ICA ist von den Nomina sacra, die jüdischen Ursprung 
haben können, auch DNA und DAf gebildet. Für sie haben wir 
keine beweisenden Zeugnisse. Wir müssen uns mit folgender Er- 
wägung begnügen. Die christlichen Schreiber Ägyptens kennen TINA 
seit dem 4. Jahrhundert, und wenn die Datierung der Papyri Stich 
hält, seit dem 3. Jahrhundert. Der Vaticanus (B) aber, eine Bibel- 
handschrift des 4. Jahrhunderts, die gewiß aus Ägypten stammt, 
meidet noch in einzelnen Teilen diese Form oder kennt sie noch 
nicht. 1 ) Auch der Gote und der Armenier 2 ) haben sie in ihr System 
nicht aufgenommen. Dagegen weist das Lateinische SPS (— spiritus) 
und der Gebrauch des Codex Bezae (D) darauf, daß FJNA sehr früh 
schon, vielleicht in Syrien, eingebürgert war. Damit träfe dann zu- 
sammen, daß gerade die Form flAf (nicht nfif) auch wieder im 
Codex Bezae überliefert ist. 



Ist also die Reihe der Kurzformen (DNA JlAf AAA ICA 
1GM), die die beiden Anfangsbuchstaben bewahrt hat, eine Erfindung 
syrischer Juden? Wurden die analogen Formen 1HC XfC, die ja 
außer einigen ägyptischen Handschriften gleichfalls wieder der Codex 
Bezae bewahrt hat, in Syrien ausgebildet? drangen sie erst später nach 
Ägypten vor? 

Die Herkunft von oyNOC und ANOC ist in noch größeres 
Dunkel gehüllt. Wie die Kurzformen für Aaveiö 'IogarjA. 'IegovoaX^/u, 
fehlten die für ovgavög und äv&Qamog da, wo der Lateiner und der 
Gote ihre Vorlagen hernahmen; auch in der Tradition, in der der 
Codex Bezae steht, fehlten sie; der Armenier fand wenigstens die für 
ovgavög und äv&oconog nicht vor; selbst in Ägypten waren diese 
beiden nicht von Anfang an zu Hause: einige Papyri, einzelne Teile 
des Vaticanus (B) und die koptische Paläographie kennen sie nicht. 
Und dann gibt es wieder ägyptische Papyri und nicht genauer zu 
lokalisierende Pergamente, die wohl ANOC, aber nicht oyNOC 
aufweisen, während der umgekehrte Fall mir nirgends vorgekommen 
ist. Also scheint für beide Formen wieder eine getrennte Ursprungs- 
quelle anzusetzen zu sein. 



1 ) Vgl. über die Einzelheiten unten S. 66 f. 

2 ) Vgl. unten Kapitel V. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 43 

Älteste christliche Stufen. 

Wenn wir, von dem Gebrauch der einzelnen Handschriften aus- 
gehend, nunmehr einen Blick auf die graphische Eigenart werfen, 
mit der in den ältesten christlichen Schriftstücken die Nomina sacra 
behandelt werden, so wird dieser Blick auf die ersten Regungen einer 
neuen Schreibkunst zugleich zum Rückblick auf die Art der jüdischen 
Kalligraphen. Die Männer, denen die ältesten Teile des Neuen Te- 
staments verdankt werden, waren durchaus gewöhnt an den Ge- 
brauch der LXX, und sie kannten keine andere Ausstattung der 
Handschriften des griechischen Alten Testamentes als die von uns 
angesetzte, bei der mindestens ßeös und xvgtog durchweg als kon- 
traktive Gebilde erschienen. So kam es, daß sie diese jüdischen 
Formen ohne weiteres übernahmen und nur durch das Gegengewicht 
zweier entsprechender Formen für 'Irjoovg und Xqiotös gewissermaßen 
zu balanzieren suchten. Sowohl die Bildungsart IC XC als die 
andere 1HC XfC setzt GC und XC voraus. 1 ) Handschriften, die 
mit den vier Kurzformen OC \<C IC XC auskamen, muß es viele 
gegeben haben: erhalten ist uns diese Stufe nur in einzelnen Teilen 
des Vaticanus (B) und in der Nachahmung des Goten. Angesichts 
der reicheren Art der übrigen Überlieferung könnte man versucht 
sein, diese erste Stufe mehr aus absichtlicher Enthaltsamkeit als 
natürlichem Mangel zu erklären. 

Man könnte denken, andere jüdische Formen seien vorhanden 
gewesen, aber gemieden und abgestoßen worden. Oder wenigstens 
JJNA habe schon zu dem frühen christlichen Bestand gehört, sei 
aber aus arianischen Rücksichten fallen gelassen worden. Es ist 
nicht möglich, diese Ansicht ganz abzulehnen, obgleich es uns 
wahrscheinlicher dünkt, daß die andern Formen später allmählich von 
mehreren Seiten hinzukamen, ja vielleicht im jüdischen Gebrauch 
sich erst heimisch machten, als die Keime einer christlichen Kalli- 
graphie schon angesetzt hatten. Dafür spricht der Gebrauch des 
Lateiners und der letzten Vorlage des Codex Bezae (D): sie weisen 
auf eine andere christliche Stufe GC KC iHC XfC MNA, wobei 
auf die dreibuchstabigen Gebilde zu achten ist. Es ist nicht sehr 
glaublich, daß die lokal und formal unterschiedenen Reihen, GC 



J ) Vgl. oben S. 34 und S. 38. 



44 L. Traube, 

KC IC XC und 0C KC IHC XfC DNA, beide ihre relative Ar- 
mut infolge bewußter Rückbildung erlangt haben. Vielleicht wird 
ein weiteres Eindringen in die Textgeschichte des Neuen Testamentes 
die hier vorliegende paläographische Schwierigkeit lösen helfen, wie 
das Achten auf die graphischen Verschiedenheiten seinerseits die 
Textgeschichte fördern kann. 

Die ägyptische Schule. 

Wenn wir von weitem die Möglichkeit erblicken, syrische und 
palästinensische Eigenheiten der Nomina sacra auszusondern, so sind 
wir wirklich doch nur unterrichtet über den Gebrauch der christlichen 
Schreiber Ägyptens. Die Papyrus- und Pergamentreste, deren ägyp- 
tische Herkunft sicher ist, einzelne Pergamenthandschriften, deren 
ägyptische Herkunft wahrscheinlich ist (zu ihnen gehört weniger der 
Vaticanus als der Alexandrinus und Marchalianus), ferner die kop- 
tischen Handschriften zeigen, daß seit dem 4., vielleicht schon seit 
dem 3. Jahrhundert folgende Formen geläufig waren: ÖC, KC, nNA 
(J1MA), HHf (Hf), oyNOC, ANOC (ANGfnOC ÄNTIC), ÄAÄ 
(ÄÄ), I HÄ, (AHM, IC (IHC), XC (XfC), yc, CCÜf und CHf, 
CTfC, HHf. Es ist dabei immer so gewesen, daß statt einzelner 
Kurzformen auch die voll ausgeschriebenen Wörter gesetzt wurden. 

An diesem Maßstab müssen die andern Handschriften gemessen 
werden, deren Herkunft unbekannt ist. Die hauptsächlichsten Unter- 
schiede bestehen in den sehr mannigfaltigen Kurzformen, die dabei 
für 'IoQaiqX und e Iegovoakijf.i auftreten; 1 ) auch Bildungen für jiarrjg, 
äv&Qoojiog, oravQog, luifaig kommen vor, die von den ägyptischen 
verschieden sind. Vieles aber ist Gemeingut aller Handschriften 
gewesen oder geworden. Dabei ist nur zu bedenken, daß Ägypten, 
obgleich es gewiß eine sehr große Rolle in der Überlieferung ge- 
spielt hat, zum Teil schon fertige Formen von auswärts übernommen 
haben kann. 



*) Einiges mag davon, wenn man nach dem Verhalten des Sarravianus ur- 
teilen darf, palästinensisch sein. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 45 

4. Der Kontraktionsstrich. 
Ursprung des Striches. 

Alle bisher besprochenen Bildungen haben außer der Kon- 
traktion noch eine gemeinsame Eigentümlichkeit: den Strich, der 
über den ausgeschriebenen Buchstaben steht und meist betrachtet 
wird als das Abzeichen der unterdrückten Buchstaben. Seiner Er- 
klärung wenden wir uns zu, wenn auch hier nicht der Ort ist, eine 
Gesamtgeschichte des Abkürzungsstrichs 1 ) zu versuchen. In Betracht 
kommt nur sein Gebrauch auf beschränktem Gebiete, ein Gebrauch, 
der freilich besonders wichtig ist, weil er vorbildlich wurde für die 
Ausgestaltung der Kürzung und ihrer Abzeichen im ganzen Umfange 
wenigstens der lateinischen Paläographie. 

Im Lateinischen gehört, wie zur Suspension der Punkt, so zur 
Kontraktion der Strich. 2 ) Da die Kontraktion jünger ist als die Sus- 
pension, wird der Schein erweckt, als sei der Strich ein Zeichen der 
Kürzung, das eine spätere Zeit geschaffen habe, um es an die Stelle 
des Punktes zu setzen. Das ist indessen nicht der Fall, oder doch 
nur in sehr beschränktem Sinne der Fall. 

Der Strich hat ursprünglich mit der Kürzung überhaupt nichts 
zu tun. Im Griechischen hob er aus den Texten Buchstaben oder 
Buchstabengebilde heraus, die keine eigentlich griechischen Worte 
darstellten. Man schrieb also z. B. rf AMMATA GCTIN GIKOCI 
TGCCAf A AHO TOy A MGXf \ TOy CO, oder eCTIN AyO 



x ) Er heißt virgula bei Pseudo-Hieronymus, oben S. 4; apex bei Christian 
von Stavelot, oben S. 6; sonst gewöhnlich titulus (titula) oder titellus (titella), vgl 
Delisle, Bibliotheque de l'Ecole des chartes IV 4 pag. 23; Simonsfeld, Abhandlungen 
der bayer. Akademie III. Kl. XXI, II 345 und 365; Rostagno, De cautelis, breviatio- 
nibus et punctis circa scripturam observandis, Florenz 1900, p. 21 adn. 1 ; Gunder- 
mann, Archiv f. Stenographie LVII 314 ff.; Ysengrimus ed. Voigt III 694. Ursprüng- 
lich hieß per titulum scribere allgemeiner .abkürzen' und war synonym mit per 
notam scribere, vgl. z. B. die Randbemerkung zu Laon 444 Poetae aevi Carol. III 822. 
Roger Bacon (vgl. oben S. 7) sagt dafür per subbrevitatem. Er hat auch eigne Aus- 
drücke für den Abkürzungsstrich: apanu sirma, d. h. änävov (vgl. Hatzidakis, Ein- 
leitung in die neugriech. Grammatik S. 31) avQfia, und tractus supra. Für das grie- 
chische Wort hat er wohl sicher eine spät- oder mittelgriechische Quelle benutzt. 
Vgl. oben S. 7 und Voigt im Glossar zum Ysengrimus S. 466. 

2 ) Der scheinbare Übergang des Punktes in den Strich und die Vermischung 
von Strich und Punkt in der lateinischen Kontraktion des 5. Jahrhunderts wird 
unten in Kapitel IV § 6 erörtert werden. 



46 L. Traube, 

MereeH anica ta ab ä kai gctcd mgixon to ab, 

oder GCTIN AG O MGN TOy HAlOy GNlAyTOC HMGfCON 
TXG O AG THC CGAHNHC GNlAyTOC HMGfCON TNÄ, 
oder TynOI AG TCON nATfCONyMlKCüN AfCGNIKCDN 
MGN TfGIC O GIC AHC O GIC CÜN O G!C AAIOC. Von 
hieraus war der Übergang leicht zu wirklichen Worten, die aber dem 
gewöhnlichen Gebrauche entrückt waren und von . der übrigen Rede 
abgetrennt werden mußten. 1 ) Es wurde etwa in einem Scholion ge- 
schrieben: OTI AGIHGI H HGfl npOGGCIC, oder in einer Gram- 
matik: nr cocGC i ag taic nAArioic cyNTAccoNTAi 

GX AIAG AM<|>1 GTjT HfOC flGfl JTAfÄ yTO.2) 

Diese Feststellungen genügen. Bei den Griechen hatte der 
Strich über den Worten etwa den Wert, den bei uns der Strich 
unter den Worten hat. So ist es gekommen, daß man gerade 
fremdländische nicht hellenisierte Wörter, vor allem Eigennamen, 3 ) in 
griechischen Texten durch den Strich abheben wollte. Ich gebe einige 
Beispiele, die uns allmählich zum Z iele fü hren. In griechischen Psal- 
terien findet man: 4 ) TH0, ICOÖ, XACJ), AABGA. Im Sinaiticus 
sieht die Stelle des Pastor Hermae Vis. IV 2, 4 (diä xovxo 6 xvgiog 
djieoredev xbv äyyeXov avxov . . ov rb övojuä ioxiv Oeygi) SO aus: 
oy TO ONOMA GCTIN r GGrfGI (dabei tilgt die erste Hand y 
und fügt q ein). Die sogen. Nomina mystica werden in den 
ägyptisch en Zauberpapy ri gewöhnlich mit dem Strich versehen, 5 ) also 
AGrG MCOZHfc|>Gf TArXA\|/, oder GJllKAAOyMAt CG 

xata mgn Airyrmoyc cj>ngdgai iabcok • kata a' 



J ) Vgl. Crönert, Archiv f. Papyrusforschung I 534. 

s ) Es wird hier nicht untersucht, seit wann der Strich in den oben angeführten 
Fällen gebräuchlich war. Ganz ursprünglich war er auch in ihnen vielleicht nicht, 
und es mag vorher keine oder eine andere Art der Auszeichnung geherrscht haben. 
Immerhin ist diese Verwendung des Striches vorchristlich, während nachchristlich 
erst ist die Überstreichung von wirklichen Abkürzungen (Suspensionen), also etwa 
CN statt CN- (Gnaeus) oder <$>A (c^AXOyiOC) oder AJT (AjTYf KTf)- Über die 
schrägen Striche bei Kürzungen der klassischen Zeit vgl. oben S. 14. 

3 ) Später zog man, auf diesem Weg fortschreitend, Striche auch über die 
griechischen Eigennamen. 

4 ) Vgl. Tischendorf, Anecdota sacra et profana, Leipzig 1855, p. 12. 

5 ) Vgl. oben S. 38 ff. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 47 

loyAAioyc AACüNAie cabacüo, oder Toy y\|/icToy 

eeoy lACO AACüNAI. Wir haben damit, sowohl was den Ent- 
stehungsort als was die Entstehungsart des Striches über den Nomina 
sacra betrifft, einen deutlichen Hinweis erreicht. Man begreift voll- 
ständig folgende sich gegenseitig bedingende Erscheinungen. Erstens: 
in griechischen, von hellenistischen Juden geschriebenen Texten 
mußten die hebräischen Worte, die man übernahm und mit hebräischen 
Buchstaben schrieb, den Strich erhalten. Wenn man also das Tetra- 
gramm beließ, so schrieb man 3333 l ) oder mir oder mm. Zweitens: 
wenn man sich bemühte, hebräische Worte mit griechischen Zeichen 
wiederzugeben, so erhielten auch diese griechischen Gebilde den 
Strich. Gab man dabei mehr die Buchstaben wieder als den Klang, 
so erhielt man diejenigen mit dem Strich versehenen Wortskelette, 
die, wie wir sahen, das ihre beitrugen zur Entstehung der kontrahierten 
Nomina sacra: in ergab zunächst etwa AIA, bvnw* 1 wurde ICfAA. 
Drittens: wenn man das Tetragramm in hebraisierender Weise 
durch Kurzformen griechischer Worte ersetzte, so mußte man auch 
hier notwendig den Strich über die griechischen Buchstaben setzen. 
So entstand, wie wir vermutet haben, QC und KC. Viertens 
aber: auch wenn man den zuletzt bezeichneten Schritt nicht tat, oder 
vielleicht in einer Zeit oder an einem Ort, wo man ihn überhaupt 
noch nicht getan hatte, kam man zu Schreibungen wie GGOC, 
KyflOC und dergleichen. 



Behandlung fremder Worte im Lateinischen. 

Einige Beobachtungen über die Behandlung fremder Worte in 
lateinischer Schrift werden den Sinn, den das Altertum und ihm 
folgend das Mittelalter mit dem Kontraktions- oder Oberstrich ver- 
band, noch weiter aufklären. 

Auch im Lateinischen findet man hebräische Worte, die dem 
Text einverleibt sind, mit dem Strich überzogen. Zahlreiche Hand- 



*) Diese Form oder doch die etwas jüngere kommt so mit dem Strich vor, 
vgl. oben S. 28; fron fehlt, es ist nur supponiert; nim ist nur ohne Strich er- 
halten. 



48 L- Traube, 

Schriften der Werke des Hieronymus bewahren diese Überlieferung 
treu. 1 ) 

Überwiegend wurden auch die griechischen Worte oder längeren 
Zitate in lateinischen Texten in dieser Weise von den sie umgebenden 
lateinischen Worten abgetrennt. In der Unciale war wegen der Ähn- 
lichkeit der beiden Schriften ein solches Verfahren fast unumgänglich. 
Noch zeugen dafür eine Reihe von lateinischen Handschriften des 
6. Jahrhunderts in Unciale und Halbunciale; dann aber finden wii 
die Spuren dieses Gebrauches in der Überlieferung des Tertullian, 
Hieronymus, Augustin, Filastrius, Cassian, Boethius, Eugippius; ja 
noch Codices des Isidor bewahren die Sitte. Auch in den Klassikern 
läuft die Geschichte der Überlieferung, zum Teil wenigstens, auf 
dasselbe Ergebnis hinaus. Die Würzburger Handschrift der Briefe 
ad Atticum überstrich die Graeca, wie das Münchener Frag- 
ment zeigt; im Rhetor Seneca, wo hie und da die Grenzen 
zwischen lateinischen und griechischen Worten verwischt sind, fehlte 
vielleicht der Strich. Die Überlieferung des Julius Paris kennt ihn 
wieder. 

Es gab nun freilich auch andere Möglichkeiten, der entstehenden 
Schwierigkeit Herr zu werden. Ich meine nicht die Art der Latini- 
sierung, die Nestle geschildert hat (Berliner philol. Wochenschrift XVII, 
1897, S. 1469), oder die völlige Lässigkeit, die z.B. im Wiener Ruf in, 
in den Florentiner Digesten oder im Theodosianus Reg. lat. 886 
zwischen griechisch und lateinisch geschriebenen Stücken keinen 
Unterschied macht. Aber man konnte das griechische Zitat (wie man 
ja auch sonst bei längeren Anführungen verfuhr) einrücken, was 
im Hilarius zu Verona XIII (11) geschehen ist, oder man konnte mit 
roter Farbe schreiben, wie es vielleicht im Text des Scholiasta Bo- 
biensis gehalten wurde (vgl. Mai, Classic, auct. II 3; 194; 389). Für 
die Überlieferung der griechischen Stellen in unseren lateinischen 
Autoren war vor allem die letzte Maßnahme verhängnisvoll, da Zinn- 
ober leichter verbleicht als Tinte. 2 ) 



J ) Etwas anders ist Salvian. I 55 zu beurteilen, wo Paris (Corbie) lat. 13385 
s. IX mitten in der Minuskel den hebräischen Namen (vgl. Num. 16, 1) so schreibt: 
HON. Es ist unverständlich, daß die Herausgeber dafür Og (nach Num. 21, 33) 
eingesetzt haben. 

2 ) .Lateinische Schrift in griechischen Texten' hat Crusius (Philologus LXII 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 49 

Am verbreitetsten blieb immer die Gewöhnung des Über- 
streichens. Dies beweist schon allein der Umstand, daß in Erinne- 
rung an das Griechische später auch angelsächsische Wörter inner- 
halb lateinischer Texte den Oberstrich führen, wie im Amplo- 
nianischen Glossar und in den Glossarien Voss. lat. Q. 69 und 
Bern 258. 

Nichtkontrahierte Nomina sacra mit Oberstrich im Griechischen. 

Für den Gebrauch des Oberstriches über nicht kontrahierten 
griechischen Nomina sacra haben wir eine kleine Reihe von Bei- 
spielen, die eine genaue historische Umgrenzung gestatten. 

Um die Mitte des 4. Jahrhunderts kommandierte im ägyptischen 
Arsinoe der römische Reitergeneral Fl. Abinnaeus. Von seinem amt- 
lichen und privaten Briefwechsel haben sich zahlreiche auf Papyrus 
geschriebene Stücke erhalten, die jetzt teils in Genf, teils in London 
liegen. Unter den Korrespondenten befinden sich auch einige, deren 
Christentum, besonders in den Grußformeln, deutlich hervortritt. Der 
Tribunus militum Eulogius schreibt: 1 ) 6N XCU XAI^; ein anderer 
Offizier Aetius: 2 ) GN lOfflCO 06CO DAGICTA XAIfGIN oder, 
wo ein anderer Schreiber für ihn die Feder führt: 3 ) GN OGGU 
XAipeiN; ein Privatmann Thareotes, der seinen Sohn empfiehlt, 4 ) be- 
ginnt mit: GN OCO XAlfGlN; für Apamios, der Privatgeschäfte 
mit dem General hat, gebraucht einer seiner Schreiber folgende 
Worten) GN KCÜ XAIfGIN . . GyXOMAI TCO OGÜ . . OC 
AlAcpY^^H ce > em anderer in einem zweiten Schreiben aber 
folgende: 6 ) GN KGÜ XAIfGIN .. GyXOMAI TCO 0GCD ... 
A1A TON OGON . . . O lOfflOC O GeÖC AIA<j>yAAXI 



133 ff.) behandelt. Ich kenne paläographisch davon nur die im Zosimus Vatic. 
gr. 156 (zu den von Crusius angeführten Stellen kommt noch hinzu Zosim. V 38 
p. 267 M. auf fol. 140). Es fehlt der Strich über den Wörtern und Sätzen. Die vom 
Schreiber nachgemalten lateinischen Buchstaben mögen im Original eine Form ge- 
habt haben, die der Unciale der Florentiner Digesten ähnlich sah. 

1 ) Kenyon, Greek Papyri in the Brit. Museum, Vol. II p. 289. 

2 ) Ebd. p. 290. 

3 ) Ebd. p. 292. 
<) Ebd. p. 297. 
5 ) Ebd. p. 300. 
•) Ebd. p. 301. 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 4 



50 L - Traube, 

CAI. Es ist belehrend, hier den wechselnden Gebrauch so ver- 
schiedener Hände zu verfolgen. Wir sehen, daß in Ägypten in 
der Mitte des 4. Jahrhunderts die Kontraktionen \<C und 0C ganz 
allgemein verbreitet waren, treffen aber dort auch in derselben Zeit 
einen augenscheinlich ganz ungebildeten Schreiber, der wenigstens 
bei &e6g die nicht kontrahierten, dafür aber überstrichenen Formen 
vorzieht. 



Ich fand ebenso einmal OGOY geschrieben in dem Propheten- 
Codex, Rom Chigi R. VII. 45. *) Sonst stehen dort die kontrahierten 
Formen; dort findet sich auch einmal ICfAHA 2 ) und immer, wie ich 
glaube, Y ,oc unc * seine Formen. Die Handschrift — es ist die 
berühmte einzige, die den Daniel in der Übersetzung der LXX über- 
liefert — ist indessen nicht sehr alt und frühestens im 9. Jahr- 
hundert in Italien entstanden. 3 ) 



KYfloy haben einmal die Psalmen-Fragmente auf Papyrus, 
die aus dem ägyptischen Theben nach London (Brit. Museum, Pap. 
XXXVII) kamen und, früher wie der Chisianus überschätzt, jetzt dem 
6. oder 7. Jahrhundert zugeschrieben werden. 4 ) Wenn in denselben 
Fragmenten zweimal CAf2. geschrieben wird, so mag hier die Er- 
klärung zutreffen, die Rahlfs 5 ) gegeben hat, daß nämlich der Schreiber 
ein Kopte war und der Strich aus dem Koptischen zu erklären sei, 
wo über dem X ein Strich den zur Aussprache nötigen Hilfsvokal 
bezeichnet. Dagegen gehört wieder das von Rahlfs aus einem sahi- 
dischen Fragment verzeichnete IHCOTC in die Kategorie der nicht kon- 
trahierten, aber überstrichenen Nomina sacra. Auch ixeyc auf einer 
christlichen Inschrift in Sizilien (Kaibel, Inscriptiones graecae Siciliae 
et Italiae n. 238) ist wohl in Erinnerung an diese Sitte entstanden. 



] ) Vgl. Cozza, Sacror. biblior. vetustissima fragmenta, pars III, Rom 1877, 
p. XLVIII und hier unten S. 86 f. 

•) Vgl. ebd. p. LXX. 

») Vgl. The Old Testament in Greek, ed. by Swete, vol. III, Cambridge 1894, 
pag. XII. 

<) Swete, An Introduction to the Old Testament in Greek, Cambridge 1902, 
pag. 142. Vgl. unten S. 62 f. 

5 ) Die Berliner Handschrift des Sahidischen Psalters, Berlin 1901, S. 18. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 51 

Nichtkontrahierte Nomina sacra mit Oberstrich im 
Lateinischen. 

Die eben geschilderte Erscheinung ist häufig auch im Latei- 
nischen anzutreffen, wobei die Fülle der Beispiele offenbart, daß Zu- 
fall nicht wohl im Spiele sein kann. Es sei darüber gleich an dieser 
Stelle berichtet. An den wirklichen Kurzformen, welche die be- 
treffenden lateinischen Handschriften gleichzeitig mit den nur 
überstrichenen Formen gebrauchen, haben wir ein gutes Mittel 
für die Altersbestimmung. Unten in Kapitel IV § 3 bei der Er- 
örterung über die afrikanischen Evangelien-Fragmente (k) und in 
§ 5 bei der Analyse der Typen dtris und dns wird dem Leser 
z. T. in tabellarischer Übersicht das Material geboten werden. Er 
wird darnach nicht bezweifeln können, daß die Erscheinung in 
ihrem letzten Ursprung sehr hoch hinaufreicht und im Lateinischen ge- 
legentlich schon vor der Kontraktion angewandt wurde. Sobald diese 
aufkam, verloren sich die älteren Formen. Jedoch erhielt sich eine 
Zeitlang bei deus folgende unregelmäßige, den älteren und jüngeren 
Gebrauch verbindende Deklination: 1 ) ds, dei, deö, dm. 

Ich bringe zunächst die Belege für deus, dei u. s. w., wie sie 
nach verschiedenen Gesichtspunkten zu bestimmten Gruppen sich 
zusammenfügen. 

Frühzeit, Africa: dei zweimal in k; öfters in Wien 1185;*) 
deö (neben dm) in dem Fragment des Cyprian Orleans 192 (169) 
fol. 1. Aus jüngeren Handschriften gehört hierher dei im Bononiensis 
des Lactanz bei Brandt I 421, 22 im Apparat, und deus im Agobar- 
dinus des Tertullian (ad. nat. I 17, 22, vgl. M. Klussmann, Curar. Ter- 
tullianear. pari. I et II, Halle 1881, p. 50). 

Italien, alte Vertreter des Typus dns: 3 ) dei und deö in den 
Resten der Quedlinburger Itala; vgl. oben über Wien 1185; im Am- 
brosius Paris lat. 8907 dee. 



x ) Ich kann die Form deus überhaupt nur an den oben und S. 52 an- 
geführten Stellen des Agobardinus und des Psalteriums S. Germani nachweisen; 
denn für den Lyoner Psalter habe ich keine ganz bündige Bestätigung. Die Form 
delvn begegnete mir nur einmal im Codex Bezae. 

*) Vgl. unten IV § 5, 2, 7. 

3 ) Vgl. ebenda. 

4* 



52 L- Traube, 

Typus dms: 1 ) dei, deö, deum Cambridge Codex Bezae; dei 
St. Gallen 1394; deö München lat. 6225; deö Paris gr. 107; dei, deö 
Turin G. V. 37; deö Vercellensis der Evangelien; dei Veronensis der 
Evangelien; dei, deö die Weingartener Fragmente der Propheten. 
Besonders wichtig ist, daß Formen von deüs 2 ) auf den älteren 
Blättern des Lyoner Psalteriums sich finden, nicht mehr aber auf den 
jüngeren. Einmal steht deüs im Psalterium S. Germani (Paris lat. 
11947 fol. 98). 

Spanien: hier findet sich noch a. 616 auf einer Inschrift DEI 
(Hübner, Inscr. Hisp. Christ. 19), vielleicht auch a. 627 (ebd. n. 29). 
Auch gehört eine Stelle im Nazarianus des Seneca (de benef. VII 1,7 
ed. Hosius p. 188,30) a deö vielleicht hierher; doch glaube ich, diese 
Schreibung auch sonst öfters da angetroffen zu haben, wo man a deo 
von adeo trennen wollte. 3 ) 

Andere Nomina sacra als deus kommen seltener so geschrieben 
vor. Doch haben die alten Italafragmente k einmal dominum, und 
auch im Codex Bezae kommen öfters Formen von dominus und spiritus 
mit dem Oberstrich vor, ohne kontrahiert zu sein. Hierher gehört 
wohl auch die Schreibung im Glossar St. Gallen 912 s. VIII: agios' 
sanius, 4 ) scs (Corp. Glossar. IV 205, 37). 

Die Kontraktion ist erklärt. Die zuletzt besprochene An- 
wendung des Striches beweist noch einmal, wie weit man davon 
entfernt war, die Kurzformen als eigentliche Abkürzungen zu be- 
trachten. 



*) Vgl. Kapitel IV § 5, 2, 6. 

*) Vgl. oben S. 51 Anm. 1. 

s ) Aus Versehen hat der Bononiensis des Lactanz (bei Brandt I 426, 13) adeo, 
wo adeo gemeint ist. 

*) Die Orthographie santus ist nicht ganz selten; sie findet sich z.B. auf 
dem Reliquiar von Grado s. VI (Rossi, Bullet. II, 3, 158) und auf der lukanischen 
Inschrift CIL. X 458. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 53 

5. Verzeichnis der Handschriften und Inschriften, in 
denen Nomina sacra begegnen. 

Erst hier kann die Grundlage für die in den vorigen Para- 
graphen vorgetragenen Vermutungen und Tatsachen geboten werden: 
Ich gebe: A. ein Verzeichnis der Überreste auf Papyrus von biblischen 
und andern christlichen Schriften; 1 ) sie werden nach dem von Wilcken 
und Grenfell und Hunt eingeführten System zitiert; 2 ) B. ein Ver- 
zeichnis der Inschriften, die etwas für unsere Zwecke ergeben; 3 ) 
zahlreiche nicht datierbare, meist jüngere wurden ausgelassen; zu be- 
denken ist, daß die Kontraktion eigentlich keine Beziehung zur Epi- 
graphik hatte: daher werden die Nomina sacra auf Steinen so oft 
ausgeschrieben oder durch Suspension gekürzt; C. ein Ver- 
zeichnis der Pergamenthandschriften von biblischen und andern christ- 
lichen Büchern aus der frühesten Zeit bis zum 7. Jahrhundert; doch 
sind einzelne Vertreter auch des 8. und 9. Jahrhunderts hinzu- 
genommen worden. 

Die Zauberpapyri (oben S. 38) und die Korrespondenz des Abin- 
naeus (oben S. 49) mußten in der Liste A, die Aquilafragmente (oben 
S. 40) in der Liste C hauptsächlich aus typographischen Gründen über- 
gangen werden. Einzelne Zeugnisse, die in dem folgenden Paragraphen 
erwogen werden, konnten aus anderen Gründen hier in den drei 
Listen wegbleiben. 

Die Reihenfolge, in der die Nomina sacra aufgeführt werden, 
ist überall die gleiche: 0GOC, lOfflOC, HNeyMA, HATHf, 

oypANoc, ANefconoc, AAyeiA, icfAHA, lefoy- 

CAAHM, IHCOyC, XflCTOC, yiOC, CCUTHf, CTAyfOC, 
HHTHf. 

Bei den Anführungen aus den Papyri und Inschriften ist genau 
der Kasus festgehalten; bei den Anführungen aus den Handschriften 



*) Über jüdisch-hellenistische Spuren vgl. oben S. 30 und S. 38. Unser Ver- 
zeichnis A beginnt mit einem sicher jüdischen Papyrus; vgl. unten S. 56 n. 1. 

*) Vgl. Grenfell and Hunt, The Oxyrhynchus Papyri, Part IV, London 1904, 
p. XII. 

3 ) Unergiebig sind die meisten jüdischen Inschriften aus vorchristlicher Zeit, 
vgl. Deißmann, Philologus LXI 252 ff. 



54 L. Traube, 

steht oft der Nominativ als Vertreter der übrigen sonst vor- 
kommenden regelmäßigen Formen; ,etc.' bedeutet, daß die in der 
Deklination des betreffenden Numerus folgenden Kasus alle belegt 
sind; ANOC — ANON bedeutet, daß die zwischenliegenden Formen 
vorkommen. 

Im übrigen bitte ich in der Liste C genau auf die Interpunktion 
innerhalb der einzelnen Spalten zu achten. Sie soll längere Aus- 
einandersetzungen überflüssig machen und das Zusammengehörige 
richtig abgrenzen. 

Auf den Zeilenschluß (/) ist besondere Rücksicht genommen 
worden. Denn es ist ein öfters zu beobachtender Gebrauch der 
Schreiber, die Kurzformen nur an dieser Stelle der Zeile zu- 
zulassen. 1 ) 

Man muß das wohl so auslegen: nicht allen Kalligraphen war 
der sakrale Sinn der kontrahierten Form erschlossen; sie wandten die 
gekürzten Nomina sacra nur an, um ein längeres Wort noch bequem 
auf die Zeile zu bringen. Sie standen also, wenn man es so aus- 
drücken darf, mehr in der klassischen als in der christlichen Tra- 
dition. Gelegentlich kann man freilich, wie Cladder mir zeigte, auch 
ersehen, daß der Zeilenschluß es rätlicher erscheinen ließ, ein Nomen 
sacrum auszuschreiben als seine Kurzform anzuwenden, die eine Ver- 
teilung auf mehrere Zeilen nicht zugelassen hätte. Es konnte sich z. B. 
nA/THf mehr empfehlen als ÜHf/ oder AN (bzw. A-)/0f CODOC 
mehr als ANOC/. 

Es war im allgemeinen meine Absicht, die einzelnen Schreiber, 
die an einer Handschrift tätig waren, nach der Art Tischendorfs und 
Omonts zu unterscheiden. Trotz des Beistandes meiner Freunde 
Cladder und Marc bin ich aber darin nicht recht weit gekommen. 
Es gehen unsere Unterscheidungen, denen die Faksimile und nicht 
die Originale zugrunde gelegt werden mußten, vielleicht zu sehr ge- 
rade von dem Unterschied im Gebrauch der Nomina sacra aus, 
während es an sich möglich ist, daß ein und derselbe Schreiber, von 
seiner jeweiligen Vorlage abhängig, hierbei ganz verschiedenen Ge- 
setzen folgte. 



*) Über die Gesetze des Zeilenschlusses vgl. Traube, Paläographische For- 
schungen, Vierter Teil, S. 53 f. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 55 

Wo in der Erklärung, die den einzelnen Artikeln vorangeht, nichts 
Besonderes hinzugefügt wird, versteht sich, daß die alttestamentlichen 
Bücher in der Übersetzung der LXX gemeint sind. 

Sehr schlecht bestellt ist es um die Datierung der einzelnen 
Stücke. Kenyon auf der einen Seite, Grenfell und Hunt auf 
der andern stehen sich in ihrer Auffassung meist scharf gegenüber. 
Ich ergreife dabei selten Partei, halte mich aber im allgemeinen 
mehr an Kenyon. Das Alter der Pergamene steht keineswegs 
fester. 

Auf das großartige Werk des Freiherrn von Soden (Die Schriften 
des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt her- 
gestellt auf Grund ihrer Textgeschichte, Berlin 1902 ff.) konnte leider 
nirgends verwiesen werden. Die für uns wichtige zweite Abteilung 
seines ersten Bandes war noch nicht erschienen, als die vorliegenden 
Blätter dem Drucke übergeben wurden. Auf einer solchen Grund- 
lage hätte die Lehre von den griechischen Nomina sacra ganz anders 
ausgestaltet werden können. Der Schluß des ersten Bandes steht 
auch jetzt, während ich diese Korrekturnote einschiebe, noch aus. 
Wird er, wie zu hoffen, einen Abschnitt enthalten, der den aus 
sämtlichen neutestamentlichen Handschriften erhobenen Befund 
zu einem eignen paläographischen Bild zusammenfaßt, so mag 
damit nicht nur eine Ergänzung, sondern wahrscheinlich eine voll- 
ständige Erneuerung der beiden hier folgenden Paragraphen ge- 
geben sein. 

Wünschenswert ist auf jeden Fall bei einer künftigen Be- 
handlung der Nomina sacra das Heranziehen einer ganzen Anzahl 
von Minuskelhandschriften, die nach Sodens Gesichtspunkten aus- 
zuwählen wären. Über die minutiöse Treue, die beim Abschreiben 
der älteren Vorlagen oft aus Bequemlichkeit eingehalten wurde und 
auch das paläographische Detail schützte, unterrichtet A. Schmidtke, 
Die Evangelien eines alten Uncialkodex nach einer Abschrift des 
dreizehnten Jahrhunderts, Leipzig 1903. 

Die unter 79 verzeichnete Oktateuch-Handschrift Paris Coislin. 
gr. 1 wurde für mich noch einmal von H. Lebegue benutzt; den Philo- 
Papyrus (7) hat mir F. Cumont gütigst verglichen. Sonst liegen 
überall nur die jedesmal am Beginn der einzelnen Artikel aufgeführten 
Abbildungen und buchstabentreuen Drucke zu Grunde. 



56 



L. Traube, 



A. Pa 
I. P. Oxy. 

s. III, Ge 



eeoc 
eeco 
eeoN 



Kypioc 
i<Y?ie 

(alle Formen 

von zweiter 

Hand; die erste 

ließ Lücken, 

vgl. oben 

S. 30) 



nXTHf 

nxTfOC 



oypx<NON> 



xNepconoc 
xNepcünoN 















2. P. Gr 




KC 








s. III, Ez 








xnoy 












3. P. Oxy. 

s. III, Mat 




icf 


I1NC 








AXyiA 










4. P. Oxy. 

s. III, Jo 


ey 




nNx 




















5. P. Oxy. 

s. III (?), sog. 


ey 


npx; 
npiAi 

(= naxQidi) 




XNCÜN 












6. P. Oxy. 

s. III, sog. 








nxTpoc 


oyp<xr^oy> 

OYPMNCD) 


xNe<pcünoc> 






s. III, 


Philo; ed. Sehe 


7. 
il, Memoires p. p. les raembres de la Mission 


Parts Suppl. 

archeologique 


ec 
ey 
eco 


KC 
KCÜ 


F1NX 
nNi 


nf (nicht ftTp) 
npc 
npi 


OypXNOGetc. 


XNOC 

xNoy 

XNCO 




eR 


Re 




npx 
nxrepec 

etc. 




XNON 

XNOl 

XNCDN 

XNOIC 

xNoyc 





Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



57 



py ri. 

IV n.656 

n e s i s. 



e n f. I n. 5 

e c h i e 1. 



I n. 2 

thaeus. 



II n. 208 

hannes. 



I n. 1 

Aöy ia. 



IV n. 654 

neue Aoyia. 



IC 



[HC 
IHN 



IC 



IHC 



XT 



yioc 
. Y ,CÜ 



yie 



YY 



Y»oic 



MHTfOC 



gr. 1120 

fr. au Caire, Paris 1893, IX 2; der Papyrus wurde von F. Cumont für mich verglichen. 



\H\ 



YQTN 


CCÜTH- 


yioi 


poc 




eeoy 



MHTHf etc. 



58 



L. Traube, 



eco 



ey 



ey 



er 



ec 

er 
eco 



eN 



euo 



\<Y 



<)<>CÜ 



KT 



KC 



eeoc i i<ri'ior 



eco KCÜ 

eecü 



HNA 

nNi 



8. P. 

s. III, Pastor Hermae; vgl. Diels und Harnack 

ANepconoic 



9. P. Oxy 

s. III, Pastoi 



10. P. Oxy 

s. III, Ire 



11. P. Oxy. 

s. III, theolog 

12. P. Oxy, 

s. III, theolog 



npc 



OrpXNCÜN 



ANepno^) 



13. P. Brit 

s. III, Psalmen; vgl. Kenyon 

ÄFifiN AxreiA 

(fälschlich gesetzt AXrGIT 
und nachträglich 
durchgestrichen) ; 

XNepconcuN 

14. P. Oxy. 

s. III/IV, gnostisches 

15. P. Oxy. 

s. III/IV, Pastoi 

ANepcunor | AxriA 

16. P. Oxy. 

s. III/IV, chrisi 



OrPANOr 



17. P. Brit. 

s. III/IV, Brief; vgl. Deißmann, Originaldokument aus 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



59 



III n. 406 

Fragment. 

II n. 210 

Fragment. 

IH<Ä> 

oder eine 

Form von 

IHC 



Berlin 

Sitzungsberichte d. Berl. Ak. 1891 S. 427. 



III n. 404 

H e r m a e. 

III n. 405 

n a e u s. 



<I>HN 



IH<C> 

vgl. unter 
1HÄ 



Mus. CCXXX 

Facsimiles of Bibl. Manuscripts pl. 1. 
ICpXHA 



I n. 1 

Fragment. 



XC 



xc ! yioc 



ecTjNoc 



yioyc 



1 n. 5 

Hermae. 



III n. 407 

liches Gebet. 



iy 



xy 



iHcoy j xpei- 
CToy 



Mus. DCCXIII 

der Diokletian. Christenverfolgung, Tübingen 1902. 



CCOTH- 

poc 



60 



L. Traube, 















18. P. 










s. 


IV, Ȋltester' liturgischer Text; 






nNCMATl 


nxTfi 


orr^Nor 


19. P. Oxy. 

s. IV, He 


ec 


KC 


nNer- 


nATfM 






AxyeiA 


ey 


«Y 


MATCON, 


nATepec 








eco 




HNC 










eR 




stand vielleicht 
an einer Stelle 




















20. P. 












s. IV, He 








HATpAClN 


i 


1 1 
21. P. 










s. IV, Genesis in der Übersetzung 


ec 




DNA 




OrpANON 


22. P. Stra8 

s. IV, Samuel; vgl. Archiv 














A<AreiA> 














oder 




A<AA> 












23. P. 










s. IV, Psaln 


len; her. v. Heinrici, Fragmente 


eÖ etc., 


KC 


DNA 


npc 


OrpANOC 


ANÖC 


AA 


eecoN 


etc. 


fJNI 


01 T1?C 

npcoN 


orpANor 

OrPANCÜ 


ANOr 

ANCO 

ANC 

ANCÜN 

ANOrC 


AAreiA 












24. P. Oxy. 












s. IV, 


er 


K? 


HNA 


npoc 




| AArA | 












25. P. Rainer 

s. IV, Marcus; vgl. 


ec 










! 1 

26. P. Amh. 

s. IV, 


ec 














er 














eN 
























27. P. Oxy. 














s. IV/V, 



xec 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



61 



Rainer 

vgl. Mitteilungen II 83. 

I I 

IV n. 657 

b r ä e r. 



IC 
IN 



Amh. I n. 3 

b r ä e r. 

I l l 

Amh. I n. 3 

der LXX und des Aquila, vgl. n. 20. 



yico 



yioi 



CTxypoN 



bürg gr. 91 1 

für Papyrusforschung II 227. 



Leipzig (/.) 

einer Rolle der Psalmen, Leipzig 1903. 
IHA 1AHM 



II n. 209 

Römer. 

Inv. 8025 

Gregory, Textkritik I 73. 

I n. 2 

Hymnus. 



IHy 



IC 



IC 



XC 

(Ps. 33, 9 
/grjoros) 



xpy 



XC 



XC 



yioc 
yioi 



yioc 
yioy 
yioi 

yicüN 
yioic 

yioyc 



TT 



MHf> 

(nicht 

MTf), 
MpC 



c^y 



III n. 402 

Johannes. 



a>c 



62 



L. Traube, 



28. P. Amh. 

s. V/VI, Ascensio 



ey 

0N 



KN 



nNC 



oypxNON 
oypxNoyc 



ANepco- 
noy 



ey 
eco 
eR 



KC 

i<y 

KN 



29. P. 

s. V/VI, Briefe des Basilius; vgl. 
0<yNOC> ANCDN 

ANOIC 













30. P. Amh. 

s. VI, 


31. P. Rainer 

s. VI, Matthaeus; vgl. 


rmp 


32. P. Rainer 

s. VI, Lukas; vgl. Wessely, 
KC 






33. P. Amh. 

s. VI, Pastor 


KC 
KN 

Re 








xNoyc 





ec 



34. P. Brit. 

s. VI/V II, Psalmen; ed. Tischendorf, Mon. sacra ined., Nova Coli. I 217 — 278; vgl. Palaeographical 

des sahidischen Psalters, Berlin 

9C etc. | KC etc. 



l xyptoy 



DNA 

nRi 



npeec 



OyNOC etc. 



ANOC etc. 
AANOC 



AAyeiA 
lÄXyÄ/ 



35. P. 

s. VII, Zacharias und Malachias; ed. Hechler, Transactions 



KC 



AAA 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



63 



1 n. 1 

Isa iae. 
| ICpAHA 



lepoy- 

CAAHM, 

ie<poy>- 

CAAHM (wobei 
C nachträglich zu- 
gefügt), 
GP 
lOYCAHA H M, 

<IA>HM 



Berlin 

Landwehr, Philologus XLIII (1884) 106 ff. 



II n. 191 

Exodus. 
IHA 

Inv. 8023 

Gregory, Textkritik I 418. 



yioc 



CTAYPO) 



MHp 
M<pCD>N 

(nicht 
MHCÜN), 

MHTepec 



Inv. 8021 

Wiener Studien IV (1882) 198. 

I I I ^ 

II n. 190 

Hermae. 



Mus. XXXVII 

Society 1 38; Ancient Manuscripts I pl. 12; Swete, Old Testament in Greek II 12; Rahlfs, Berl. Handschrift 
1901, S. 18, und oben S. 50. 

IHA MpC 

Hechler 

of the 9th Congress of Orientalists, London 1893, II 331. 

IAHM III! I 



64 



L. Traube, 



36. P. Heidel 

s. VII, Zacharias und Malachias; herausg. von Deißmann, 



ec 


KC 


riNA 


rmp 


oynoc 


ANOC 


AXA 


ecü 


etc. 


<n>NC 


npcüN 


oyNoy 


ANOy 




0N 




finti 






ANCDN 

ANoyc 





37. Amulette 

Anhangsweise folge ein Wort über die Paläographie der Amulette, von denen jetzt eine ganze^An 
einige Vulgarismen, wie sie in den Zauberpapyri angetroffen wurden. Sc^Jinden wir neben 9C, 
Wilcken, Archiv für Papyrusforschung I 429 ff.), ÄN0C (P. Berlin 6096), COC (= ocorijQog, Archiv 

der Göttinger Gesellschaft d. Wiss. 1892 



eeoN j xypioy 
eecoN i 



ey 



pneumn 
(= DNC-yMA) 



OypANCÜ 

oypxNON 



B. In 

38. Bleitafel 

s. III, Verfluchungssprüche; vgl. 

ANOfCünOIC 



ec 

ey; 

eec 

(einmal) 



KC 



KC 

KypiON 



39. Inschrift der Marmorstatue 

s. III; vgl. Ficker, Altchristi. Bildwerke im Museum des Lateran 



40. Rhodische 

s. III/IV, Verfluchung mit Worten aus Ps. 80 
Oy<pXNOC> 



41. Kyprisch« 

s. III/IV, Verfluchung mit Worten aus Ps. 14 (15) 



42. Alexandrinisch« 

a. 409; vgl. Botti 



eeoc 
eeoy 



nxTepcoN 



43 

Aus der Paläographie der Ostraka s. III sqq. sei nur erwähnt, daß ebensowohl die Kurzform en vo ' 

und riNATX Crum ^ 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



65 



oerg 1 

Die Septuaginta-Papyri der Heidelberger Sammlung, Heidelberg 1905, S. 10 ff. 



IHA 



IAHM 



MHp 



auf Papyrus 

zahl veröffentlicht ist. Sie hält sich an die Norm der christlichen ägyptischen Papyri, duldet aber 
<C, HNA, HfC, OyNÖC (Führer durch die Sammlung der P. Erzherzog Rainer 528 mit Tafel; 
i. a. O.), MHp (P. Heidelberg 2) auch öfters xp und IH xp (P. Berlin 6096, vgl. Krebs, Nachrichten 
5. 114). Vgl. über xp oben S. 40 Anm. 1. 



Schriften. 

aus Hadrumetum 

Deißmann, Bibelstudien S. 25 ff. 

ICI'XMX 
f(=tCpAHA) 

des Hippolytus im Lateran. Museum 

.eipzig 1890, S. 169 ff.; G. Morin, Revue benedictine XVII (1900) 247 ff. 



tHcoyc 

(für Iosua) 



xy 



Bleirolle 

aer. v. Hiller v. Gärtringen, Berliner SB. 1898 S. 583. 



Marmortafel 

vgl. Bull, de corr. hell. XX (1896) 394 ff. 



Inschrift 

Bessarione VII (1900) 278. 



IHCOyC 



XpiCTOC 



yioc 



Ostraka 

kommen als auch die ausgeschriebenen Worte. Bemerkenswert ist etwa AN0p/ CIG. IV 9060 
Coptic Ostraca n. 513. 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. IL 5 



66 



L. Traube, 



C. Hand 

44. Vaticanus 

s. IV, Altes und Neues Testament; ed. Cozza, Rom 1869—81, 6 voll.; ed. Ende, Mailand 1904 ff.; vgl. 

1899 Sp. 556. Es sind 4 oder wahi 
B 2 (p. 335—674 = Lage 18—34 = 1 Reg. 19, 11— Ps. 77, 7V 



ec, 
b 4 eee 



KC 



B 4 5 DNA/ 



riXTHf 



OYfANOC 



ANepconoc 



AA yeiA, 

B 2 2 AAA 



B 3 (p. 675 bis ca. 1244 = Lage 35— 6c 



ec, 



KC 



hna, 

ganz selten 
HNCyMA 



nATHf, 

15 nlTp, 

n|'C etc.; 
kein Plural 



O YPANOC , 

i oynoc 



ANepconoc, 

22 ANOC / 
4 ANOC 



AAyeiA, 

2 AAA 



B » (p. 1—334 = Lage 1-17 = Gen. bis 1 Reg. 19, 11 



ec, 


KC 




HNA 


HATHp, 


ee 




39 


nNC 


2 npc 






HNATCÜN 






3 HNCyMA 










etc. 





oypANOC 



ANepconoc, 

4 ANOC etc. 



AAyeiA, 

ganz selten 
AAA 



45. S 

s. IV, Altes und Neues Testament; ed. Tischendorf: Codex Friderico-Augustanus (= FA.), Leipzig 

einzelnen Hände wird nach Tischendorf vorgenommei 

Sin. A »■ 2 - 3 - 4 - 

A » = Chronic. 9, % 

A s = Chronic. Forts. 

[A s = 1 Maccab 

A 4 am 4 Maccab. 8, 7 bi 

[A 6 = Barnaba 



ec 



KC 



HNA, 
PNC, 
TTNl; 



A 6 nNACI 
und 

nNIKOC 



nATHp; 

24 nHp, 

npc, npi, 

npvnpec, 

npcDN 



OypANOC; 
A 8 und A 6 : 
9 OyNOC 



AN epcon oc, 

ANOC; 



A 3 ANeCON 



AAA 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



67 



> c h r i f t e n. 

rr. 1209 (B) 

Rahlfs, Nachrichten d. Götting. Ges. d. Wiss. 1899 S. 81 und O. v. Gebhardt, Theolog. Literaturzeitung 

scheinlicher 3 Schreiber zu unterscheiden. 

jnd B 4 (p. ca. 1245 bis Schluß = Lage 64 ff. = Matth. 9, 5 ff.). 



ICfAHA, 


BM ICA/ 


2 ICA 


B 4 1 ICA/ 



icpoy- 

CAAHM 



IC 

nur für 
Christus, sonst 

iHcoyc 

(für Christus 
dies nur 
dreimal) 



xc 



yioc 



CCÜTHf 



CTAypOC 



MHTHp 



Ps. 77, 72 bis Matth. 9, 5). 



IC |' AHA, 

16 ICA/ 

15 ICA 

1 IHA 



icpoy- 

CAAHM, 

5 IAHM/ 

4 I AHM 

1 IAM 



IC 

(so neben 

iHcoyc 

fünfmal für 
Iesus Sirach) 



XC, 

lxpy 



yioc, 
l yc 



nach Tischendorf ist diese Hand = s D (vgl. unten S. 70 f.). 



CCÜTHp 



CTAypoc 



ICA, 

manchmal 
ICfAHA 



icpoy- 

CAAHM, 
3 IÄM 
1 IAHM 



«113 »C 




yioc 


CCÜTHf 


1)1 IHQ, 








i 168 








Iihcoyc 









CTAypoc 



MHTHp 

(MHp 

4JMpC 



MHTHp 



naiticus (n) 

1846, und Codex Sinaiticus Petropolitanus (= P), Petersburg 1862, 4 voll. 

(A, B, C, D), aber spezialisiert und ausgestaltet. 

= 1. Hand. 

bis 11,22 (P. II 1). 

Esdra, Esther (FA. 1—18). 

(P. II 16—33).] 

Schluß (P. II 37v— 41). 

(P. IV 135—141).] 



Die Trennung der 



56[87]|CA, 
7 [27] IHA, 
A 3 21CHA 



43 [90] IHAM, 

A 12 ' 3 4 [5]IAHM , 

A 1 1 ICHAM 



A 6 IC 



A 6 XC, 

i xpy 



yioQ 
A 2 iyy 



CCOTHp 



CTAypoc 



MH THP; 

A 4 2MfC, 
MpA 



68 



L. Traube, 



Sin. A 6 = Neues Testament 



ec 



KC, 


DNA, 


nHp, 


oynoc 


ANOC 


AAA 


KC KCÜN 


nNC u . 


npc, 








Apoc. 17, 14 u. 


nNATOC, 


npi, 








19, 16 


jtnI, 

nNATA, 
nNATCÜN, 


npA, 

nep, 

npcüN, 

npAC 










nNACIN; 




nNlKON 











ec 



KC 



ec 



xc 



ec, 

eCÜ TCOV 

ecöN 



KC , 

Reo zw 



KCÜN 



Sin. B l = Isaias (P. II 42—67) 



nNA, 


nHp, 


oypxNOC 


ANOC 


AAA 




nNC, 


npc u. 










HNl 


l npoc, 

npA, 
npec u. 
l nepc, 
npcoN 











Sin. B 2 - 3 - 4 - 5 J 

B 2 = Jerem. 1—10, 25 

B 3 = Jerem. 10, 25 bis Thr. 2, 20 

B 4 = Kl. Proph. 

[B B = Pastor Hermae 



nNA, 

nFic, 

ITNl 



nnp, 
npc, 



npec u. 



1 oi nAT ep, 

npcüN, 

npÄc 



O YPANOC , 

l oyNOY, 
B 5 oynoic 



ANOC — 

ANoyc, 

B 6 ANOC 

u. i ANne 



AAA 



Sin. C = Psal., Prov., Eccle., Cantic, Sap., 



nNA, 

nNC , 
iInT, 

nNATA u. 
1 nNA (Plur.) 



nHp, 
npc, 
npA, 
nep, 
npcüN 



oypANOc, 

Eccli. u. lob 
vorwiegend 

oyNOc 



ANOC — 

ÄRoyc 



AAA 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



69 



P. IV 1—134) = zweite Hand. 



42 IHA , 
9 ICA, 
2 ICHA 



IHAM 



IC, 

1 Vocat. 

IHY 

(Apoc.) 

1 IHN 

(ebd.) 



XC, 
(Rom. 7, 4) 



VC' 
ye u. 

Matth._21, 9, 

yey 

Matth. 20, 31 



3 CfC 



GCpCJÜ/eH 

einmal 



MHf>, 
MfA 



= dritte Hand. 



IHA 



23 IAM, 
9 I CAM , 
8 1AHM , 
3 IGAHM, 
1 IHM, 
1 IACM 



XCÜ 



yioc 



CCÜTHf 



MfA 



vierte Hand. 
(P. II 68—73). 
(FA. 20—43). 
(P. II 74—87). 
(P. IV 142—148).] 

71 ICA , 
23JHA, 
1 ICHA, 
1 IHCA , 
1 IAHA 



88 IHM 


(4- 2 UHM u. 


1 ICIHM), 


3 IHAM, 


3 IAHM, 


2 IAM, 


1 ICHM 



IC 
IN 



yioc 



CCÜTHf 



2 MHf 



Eccli., lob (P. III) = fünfte Hand. 



45 ICA, 


29 IHAM, 


1 IHC 


*Y. 


l yc 


1 CCOf 




MHf», 


7 IHA 


2 IAM 


viog tcooedex 


XCÜ, 
XN 


Sap. 9 


Ps. 24, 5 




MfC, 
Mpi, 
MfA 



70 



L. Traube, 













Sin. D 1 ' 2 ' 8 '^ 




D " = Tob. 




D 2 = Judith 




D 3 = 4 Macc. 1—8, 7 






D 4 = Neues Testament, einzelne Fragmente 


ec, 


KC 


HNX, 
HNATCÜN; 

gelegentlich 
sakral 

nNeyMx 


FIHp, 

npc, 
np», 

ripÄ, 

nep, 

npxc; 

auch nATHp 
etc. 


oypxNOc 


ANepcunoc 


ÄXÄ, 

AxyeiA 


D 1 eee, 
D 28 ee 


u. ANOC — 
ANOIC 



46. Sarra 

s. IV/V, Octateuch; 
Omont unterschied zwei sich 



_ec, 

0C tcov 

eecoN 



KC 



nNx, 


G 1 


nnp, 


nNC, 


G 2 np, 


G 2 nNTCÜN 




npc 
npi 




G'- 2 . 


npx 
npec 




npcüN 






[npAC 



oypanoc 



ANOC — 



ANCÖN, 

ANepcunoc 

etc. 



47. P. Rainer, 

s. IV/V, kleine Matthäus-Fragmente auf Pergament; 



KC 



0<YNCÜN>/ 

oypANco 



48. Paris gr. 9 = Codex 

s. V, Reste des Alten und Neuen Testaments; ed. Tischendorf vol. I (Fragm. Veteris Test.), Leipz. 1845, 
(erster Altes Testament, zweiter Neues Testament); sie haben aber ganz gleiche Übung; im Neuen 

noch eine dritte Hand für die Acta Ap. anzu 

C (Altes 

ec, 
ee 



KC 


nNA, 


nHp, 


OyNOC etc., 


ANOC — 


AAA 




nNC, 


npc, 


l oyNoyN 


ANoyc 






in n, 


npi, 


(Acc. Sing.) 








l nNA 


npA, 










(Plural) 


2 npec, 
2 npcüN 









Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



71 



sechste Hand. 

FA. 19; P. II 2—7). 

P. II 8—15). 

;P. II 34— 37 0. 

P. IV 10, 15, 28, 29, 88, 91, 126 v I). 



1CA, 
ICfAHA 



IAM, 

icpoy- 

CAAHM 



IC, 
IHCOyN 

(Marc. 16, 6) 



xc 



D 1 i yc/, 
d* i yc 



D* 1 
CCJÜTHf, 
DM Cf\ 



CTxypoc 

etc., 



D 4 CTpGH 



D 1 1 MHJ/, 
D 4 1 MHf 

tov Ry 



vianus (G) 

ed. Omont, Leiden 1897. 
ablösende Hände G 1 und G J . 



G* 1 1CHA/, 
2 IC[AHA, 

1 IHA- 
AGlTOy 



IHA; 



G 1 fehlt, 



IC etc. 
(für Iosua) 



yc-yN 

u . yioc, 

yioi 



MHTHp 



G 2 6 ICAM, 

G* auf der neuen 

Lage : 

1 ICAM und 

2 IAM 

(diese drei Formen 

vom Korrektor in 

ICAHM 

verwandelt) 

u. 1 IHM/ 



Inv. 8024 (T.t) 

herausgegeben von Gregory, Textkritik I 72. 



Ephraemi Syri rescriptus (C) 

vol. II (Fragm. Novi Test.), ib. 1843. Tischendorf unterscheidet vielleicht mit Recht zwei Schreiber 
Testament gibt es (z.T. durch den Wortschatz bedingt) Plurales, die im Alten fehlen; vielleicht ist 
setzen, wo einige seltene Formen vorkommen. 
Testament). 

3 (AHM YIOC MH]\ 

MfC, 
Hfl, 

MfA 



4 IHA, 


2 ICA 


Eccli., neben 


3 IHA) 



72 



L. Traube, 



ec 



C (Neues 



KC 



DNA, 


nnp, 


oynoc — 


ANOC — 


AAA 


J1NC, 


npc u. 


oyNoyc; 


ANoyc 




JINI, 


1 npoc 


daneben 






TINATA, 


Act, 


oypanoc 






HNACIN, 


npi, 


(so anscheinend 






HNIKOC 


npÄ, 

nep, 
npec, 
npo3N, 

1 npACIN 

Act., 


immer Joh.) 








npAc 



49. Alexan 

s. V, Altes und Neues Testament aus Ägypten; ed. Thompson, London 1879—83; vorzugsweise be 
Alexandrino ed. Baber, London 1816 ff.; Psalterium ed. id. ib. 1812; Novum Testamentum ed. Woide, 
nimmt an, daß in den poetischen Büchern des Alten Testaments ein eigner Schreiber tätig war; der 

ganz einheitliche 
AAA 



ec, 


KC, 


TINA, 


nnp, 


oyNOc — 


ANOC — 


ee, 


KC TCOV 


nNC, 


npc, 


oyNoyc,- 


ANOyC; 


0C zcov 


KypiGDN 


nNt, 


npi, 


daneben 


1 NACO 


eecoN 




3 nNATA, 


npA, 


oypANoc 


für ANCO 






9nNCÜN; 


nep, 


etc. 








nNIKOC 


npec, 
npcoN, 

npACIN, 
npAC; 
daneben 

nATHJ», 

nATepec; 

in den Klemens- 

briefen sehr gut 

geschieden 

zwischen 

nATHp 

und sakralem 

nTTp 







50. P. Straß 

s. V, Gen. 25, 19—22 und 26, 3—4 auf Pergament; vgl. Archiv für Papyrusforschung II 224 ff. Das 

nicht mit Sicherheit zuzuweisen; 



l<<C> 

i<y 



oypANoy 



51. 52. Pergamentstückchen 

s. V, Act. Apost.; ed. Taylor, 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



73 



Testament). 
33 IHÄ, 

8 ICA 
(Act., daneben 

1 (HA), 

1 \e\ 

(Luc.) 



54 1AHM 



IC 



XC 



yc- 


CHj\ 


ye 


cpc, 




Cf\; 




daneben 




CCÜTHp 



CTAypOC 



HHp, 

MfC v 

Mfl, 

MfA 



drinus (A) 

nutzt wurden 
London 1786 
Gebrauch der 
Tradition vor. 

IHA, 

daneben (in 
einzelnen 
Büchern 

über- 
wiegend) 

(CA, 

Jud. 15,10 u. 

16,7 

IAH', 

Num. 25, 4 



aber die älteren Zeilen- und buchstabentreuen Drucke: Vetus Testamentum e codice 
und die Klemensbriefe nach der Appendix zum Sinaiticus von Tischendorf. Swete 
Nomina sacra bestätigt dies, trotz einiger Schwankungen, nicht; jedenfalls liegt eine 



IAHA/ 



IAHM, 

9 IHAM, 

1 IHM 



IC 

(im A. T. nur 
zweimal 

ic u. iy 

für Josua) 



XC 

(Ez. 16, 4 

xpy) 



yioc; 

im A. T. 
selten 

yy u .yR, 

im N. T 

sakralem 
Sinn oft 

yc 

etc. 



in 



cht, 
cpc, 
cp, 

CfA; 

21 

CCDTHf 



CTAypOC; 

3 cpoy , 
l cpco 



MHp, 
MfC, 
MPI, 
MPA 



bürg gr. 748 

Stückchen zeigt engeren Anschluß ans Hebräische als die LXX, ist aber einer andern Übersetzung 
liegt jüdische Tradition vor? 



aus der Synagoge in Kairo 

Hexaplaric Fragments p. 94. 



IN 



XN 



74 



L. Traube, 



GC; 

1 sakrales 

eeoy 



ec, 

ey. 
leeoy, 
1 eoy 

(von spä- 
terer Hand), 

ecü , 

9N 



KN 



ec 


KC 


etc. 


etc. 


ec 


KC 


etc. ; 


etc. 


Vokativ 




nicht er- 




halten 





nNA, 
nRc 



s. V, Ev. Joh.; 



53. Palimpsest aus 
s. V, 3 Reg.; ed. Tischendorf, Monumenta 

AÄÄ 



54. Palimpsestfragmente 

s. V— VII, Fetzen in Petersburg; ed. Tischendorf, Mon. s. ined., 
fTHf, 



npc, 
npx, 
nep 



OYNCO, 
OYNCDN, 

oynoic 



)<T 



KC 



nNA 



hna 



riHp, 

nfcu. 

l npoc, 

npi, 

npA, 

nep, 

npcüN 



oynoc 

etc. 
u.OypANOC 



ANOC, 

ANOy, 

ANCO 



55. Palimpsest aus 

s. V, Ev. Joh.; ed. Tischendorf, 



56. Wiener 

s. V— VI ; herausg. von Hartel 

ANOC 

etc., 



ANOl 

etc.; 
daneben 

ANepconoc 



KC 

etc. 



57. Genesis 

s. V — VI; ed. Tischendorf, Monum. s. ined., Nova Coli. II 95 — 176; vgl. dazu 

nNA nATHp oypANüc ANepconoc 



ey 



)<y 



i<y 



nNA 



nNC 



nATHp 



oypANco 



58. P. Grenf. 

S. V— VI, Zachar. 



59. P. Amh. 

s. V/VI, Act. Ap. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



75 



id. Taylor, 1. c. p. 92. 



Codex Nitriensis (Z d ) 

5. inedita, Nova Coli. II 315 sq. 
ICA 



des Neuen Testaments (J) 

Nova Coli. I 1 — 48; er unterscheidet sieben Schreiber 

ic, 



1AHM 



nr, 

IN 



xy 



19 
TT. 

YN 



cpc 



Codex Nitriensis (J b ) 

Mon. s. ined., Nova Coli. II 311—312. 

je 

•r 

Genesis (L) 

u. Wickhoff, Wien 1895. 
9 1HA/, 
3 ICHA, 
1 IcpAHA 



1 YC 



MHTGpA 



1 MHp, 
1 HHpC 



Cottoniana (D) 

F. W. Qotch, Supplement to Tischendorf's Reliquiae codicis Cottoniani, London 1881. 



7 IHA 



YN 

{ayag 
21,9) 



MHTpOC 



I n. 6 

auf Pergament. 



lepOYCA- 
AHM 



MHTHp 



I n. 8 

auf Pergament. 
ICpAH- 
AG<ITAl> 



IAHM 



76 



L. Traube, 



ey, 
eco 



KCO , 

Re 



KC, 



KT 



8C- 

eco 



ec 



KC 



60. Homilien-Palimpsest 

s. V, unter einem Georgischen Texte; ed. Tischendorf, 

fiep ANOIC 



61. P. Grenf. 

s. V/VI, Protevangel. 



62. P. Oxy. 

s. V/VI, 



63. Fragmenta Nume 

s. V/VI; ed. Tischendorf, Mon. sacra ined., 



KC — 
KC 


DNA 


nHp, 
npc, 

npi, 
npec, 
npcüN 

s. VI 


aus Ägypten, 


ANOC, 
ANOy, 
ANON, 
ANOt, 
ANCÜN, 


64. Wiener 

nent; herausg. 


ANoyc 

Ps. 26 auf Pergat 



rinp 



65. Marcha 
s. VI, aus Ägypten, Propheten; ed. Cozza-Luzi, 2 voll., Rom 1890 u. 1889; vgl. Tischendorf, Mon. 

von ICA 



ec — 
ee, 

OC rcov 

eecüN 


KC 


nNA — 
nNi, 

nNCYMATA 


nnp, 

npc, 

npA, 
npec, 
npcoN, 

nATpACIN, 


oyNOc — 
oyNe, 
oyNOi 

etc. 


ANOC 

etc. 


AAA 




npAC 




KC 




s. VI, Isai.; 


61 

ed. Abbott, Par p 


5. Fragmenta 

alimpsestorum 


ec, 


nNA 




ANON, 




er, 

eN 










ANCÜN 





Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



77 



Tischendorfs 

Anecdota sacra et profana, ed. 2., Leipzig 1861, p. 10 

xy 

I n. 8 

auf Pergament. 



CfON 



III n. 401 

Matth. 1—2. 



rorum palimpsesta (H) 
Nova Coli. I 49—138. 



yioic 

(es folgte 
eine Kür- 
zung von 
ICpXHA) 



yN 

(von 
Christus) 



IHA 




iHcoyc 




YC, 


(sehr oft) 




(Josua) 




YY; 

daneben 

Yioc, 
yioi 



M[C, 
MfM 



Psalmenrolle 

von Wessely, Wiener Studien IV (1882) 214—223. 



lianus (Q) 

sacra ined., 
zu IHA. 

IRÄ" 1 vgl. 
ICÄJ oben 



CHf MHp 

Nova Coli. IV 225—296 und IX 227—248; auf pag. 173 erfolgt ein Umschlag 

MHp, 



IAHM 



lYu. 
IN 

(von Josua) 



XCÜ, 
XN 



Dublinensia (O) 

Dublinensium, Dublin 1880. 



ICA 



IAHM 



YC 
ANOy, 

häufiger 

yioc 

(auch mit 
ANOy) 



yioc, 
yioi 



CHf, 
Cft, 

CPA; 

daneben 
CCÜTHp 



MPC, 

MpA; 

daneben 

MHTHp 



78 



L. Traube, 



ec — 
ee 



kc - 
j<e 



J~JNA u. 

xo Ftn 

(Act. 5, 9), 



PNC , 

nFü; 



VI, graeco-lat., 
sakral : 

nxTHp 

etc., 

3 nÄp, 
8 npc, 



Matth., Joh., Luc, Marc, Acta; 



piur. nNA 

(Marc. 3, 11), 



xoig HNGYNA 
(Marc. 1, 27) 



l npoc, 
6 npx; 

nicht sakral: 

nxTHp 

etc. 

u. l npc 

(Joh. 4, 12) 



oypANOc 



ANepcunoc 



67. Codex 

ed. Scrivener, 
AVfCIA 



AAA 



68. Codex purpureus 

s. VI, wohl aus Konstantinopel; ed. Tischendorf, Monum. s. ined., Leipzig 1846, p. 11 — 36; Duchesne, 

(Texts and Studies V4), Cambridge 1899; vgl. Kenyon, Facsimiles 
PHP, OypANOC; 

npc , 
npi , 
npA; 

HATCpAC 



ec 

etc. 



KC 
etc. 



DNA , 

nRi 



seltener 

oyNoc, 

OyNCDN 



ANOC 
etc., 

ÄNÖl 
etc. 





KC 

etc. 




nTip, 
npc, 
npi, 
npA, 
riep 


s. VI; 


69. Codex Guelferbytanus 

ed. Tischendorf, Monum. sacra 


ec 

etc. 


J1NA, 

nRi 


OypANOC 


ANOC 

etc., 


AAA 




ANOl 

etc. 



ec 

etc. 



KC 
etc. 



nNA , 

nNC, 

fTNl; 

nNey- 

MATA, 

nNey- 

MATCür^ 



ITHp, 

npc, 
npi, 
npA, 
nep; 
nATepec 



oyNco, 
oyNoyc 



70. Codex Guelferbytanus 

s. VI; ed. Tischendorf, Mon. sacra 

ANOC AÄA 

etc., 



ANOl 
etc. 



71. Codex Rossa 
s. VI; Haseloff, Gebhardt und Harnack machen die nicht sehr ins einzelne gehenden Angaben 

ec kc nNA fTRp | oypANOc | anoc 



AAA 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



79 



Bezae (D) 

Cambridge 1864; Facsimile, Cambridge 1899, 2 



Bde. 



ICpAHA 



lepoy- 

CAAHM 



IHC, 

iHy, 

IHN 



xpc, 
xpr , 

X[N, 

xpe- 



yioc 



CCÜTHf 



CTAYfOC, 

CTxypocü 

etc.; 



CTpN 

(Marc. 8, 34) 

ctpy 

(Marc. 15,30 u.32); 

CTfN 

(Marc. 15, 13) 

u. CTN 

(Marc. 15, 14) 
= ozavQcooov; 



MHTHp 



CTH 

(Marc. 15, 15) 

Evangeliorum (N) 

Archives des Missions scient., ser. III tom. 3, 1876, p. 387—419; Cronin, Codex purp. Petropolitan. N 
of Biblical Mss. in the Brit. Mus., London 1900, pl. IV. 



IHM IC 

oder etc. 

I ÄHM, 

3 IHAM; 

auch 

lepoycA- 

AHM 

palimps. Evangeliorum (Q) 

ined., Nova Coli. III 263—290. 

2 ICÄ 1 IHAM, IC 

1 IÄHM etc. 



palimps. Evangeliorum (P) 

ined., Nova Coli. VI 249—338. 



XC 

etc. 



etc. 



CCDTHp 



CTAYPOC 



MHp, 
MfC , 

MpA 



XC 

etc. 



YCu. 

YN 

(meist 
sakral) 



IHA 



IAHM 



IC 
ttc. 



XC 

etc. 



nur sakral: 


CHp, 


XC, 


cpc 


YN, 




Ye 





CTAYPOC 



MfC, 
MpA 



nensis Evangeliorum (S) 

über die Nomina sacra, denen ich zu folgen habe; einiges ist MuSoz* Tafeln zu entnehmen 
IHA IHM IC XC YC 



MHp 



80 



L. Traube, 



ec 



KC 



ec 



KC 



ec - 
eR 



KC - 

Re 



ec 

etc. 



KC 

etc. 



ec 

etc. 



KC 

etc. 



HNC; 

nicht sakral 

HNCYMATA 



nHf, 
npi 



oypxNOc 

und 



OYNCÜ, 

oyNOic 



72. Dubliner 

s. VI, Matth.; ed. 

ANepconoc 

und 



ANOC-ANCU; 



ANOIC 



AAA 



73. Paris Suppl. 

s. VI, aus Sinope, Matth., Gold auf Purpur; ed. Omont, Notices et 



HNl 



nNA , 

PNC, 

nFH; 

Plur. 

nNA 

( Luc. 11, 26) , 
JINCUN 



DNA, 

nNC, 

nFÜ; 

Plural 

2 DNA, 

1 PN ATA, 

lHNATCÜN 



HNA , 

HNC, 

fJNl; 

Plural 

HNATA, 

HNATCDN; 

HNIKOC, 

I Cor. 2, 13 

HNATIKA 



nHf, 

npA, 
npcöN 



oypanoc 



ANQC , 

ANOl 

etc. 



AAA 



74. Codex 

s. VI, Lukas ; ed. Tischendorf, Monum. sacra ined., Nova 



rmp, 
npc, 
npi, 
npÄ, 
nep, 
npec; 

HATCpCON 



oyNOc, 
oyNOY, 

OyNON, 
OyNCÜN, 

oyNOic 



ANQC - 

ANC ; 

ANOl, 

ANCDN 



AAA 



nHf , 

npc, 

npi, 

npÄ, 
npec , 
npcoN, 

nATfAClN, 

npAC 



nHf, 

npc, 

npi, 

npÄ 



75. Codex 

s. VI, graeco-lat. aus Sardinien, Act.; ed. Tischendorf, 
ÄNOC 



OYNOC 
etc., 

oynoyc 



etc. 



ANOl 
etc. 



AAA 



OYPANOC 



76. Codex Cläre 

s. VI, graeco-lat., Ep. Paul.; ed. Tischer 

AAY^IA 



ANOC 
etc., 



ANOl 
etc. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



81 



Palimpsest (Z) 








r. K. Abbott, Dublin 1880. 








IHA 




IC, 


XC, 


yioc 






nr, 


*Y. 


und 






IN 


xe 


yc 



? r. 1286 (r) 

Extraits XXXVII 2, 599—675 und Journal des Sav. 1901 S. 260. 



IHA 



IC 



XC 



yc 



IHA 



(AHM 



Mitriensis (R) 

Zoll. II 1—92; vgl. Kenyon, Facsimiles of Bibl. Mss. pl. III. 

\c, xn yc, 

iy, yy, 

yN; 

yioc 

gewöhnlich 
nicht sakral 



Laudianus (E) 

Monum. sacra ined., Nova Coli. IX 1- 

I HÄ I AHM \C 

etc. 



-226. 



XC 

etc. 



yioc, 

z.B. 

ytON 

TOV 

Ähiöy 



tnontanus (D) 

dorf, Leipzig 1852. 



MHTHf 
und 

2 MHJ7, 
1 M|>Ä 



MHf», 
MfA 



CTxypoc 



Mfl, 



1 CCÜ- 

rnpA, 
l qpA 



MfC, 

Rpi 



IHA 



4 IHM, 

4 icpoy- 

CAAHM 



IC 

etc. 



XC 

etc. 



yioc 



CCOTHJ> 



CTAypoc 



MHTH|>, 
FTfÄ 

Rom. 16,13 



Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 



82 



L. Traube, 



ec 

etc. 



KC 

etc., 

i i<ypioy 

sakral 



nNA, 

nNc, 

flNI; 

nNey- 

MATA; 
FINIKHC, 
fTRlKCÖN 



nHf 

npc 
1 nATepA 



OYI'ANOC 



ec 

und 

eeoc 



KC 

und 

xypioc 



77. Handschrift der 

s. VI; ed. Omont, Notices et 
11 AAÄ 

ANepconoc 

( ANCO 
8 | etc. 

[ ANoyc 



78. Petrus 
s. VII, aus Gizeh; ed. O. 



OYI'ANOC 



ANOC 



79. Paris 

s. VII, Oktateuch; nach Montfaucon, Bibl. Coisl. p. 3; Silvestre, Pal. pl. 65; Omont, Facsim. pl. 6; 

ec kc nNÄ; nRp, npc , öyNON, anoc, 

npl, nfÄT; öyNoyc anö i 



HNA; 

nNeyMA- 

TCÜN 



ec, 

6N 



i<y 



KC , 

KCÜ, 
KN 



npec, 
npcüN, 

nATpACIN 



npc 



AAA 



80. Evangelistarium 

s. VII; ed. Tischendorf, Monumenta 
ANON 



nNA, 
nNCÜN 



81. Codex 
s. VII, palimpsestierte Stücke aus Num., Deut., Jos., Judd.: 




oyNoy 



ANOC , 
ANON 



82. Fragments 

s. VII, aus Ägypten, Reg. 2 u. 3; ed. Tischendorf 



ec, 
ey 


KC, 

KY, 

KN 




npcotJ 




ANOC, 
ANOy, 
ANON, 
ÄNOIC 


AAA 












83. Psalteriun 




KC, 

KC xoiv 

xypicüN 




ITHf, 

npc, 

nep, 

npec, 

npcoN, 

nATpACIN, 

TTpAC 


c 


.VII; ed. Tischendorf, Monum 


ec, 
ec icov 


nNA, 
nNc, 
rTNT, 

flNATÄ 


oynoc 

etc., 


ANOC 

etc., 


AAA 


eecoN 


oyNOi 

etc. 


ANOt 

etc. 





Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



83 



Paulusbriefe (H) 

Extraits XXXIII 1, 149—189. 



IC 
etc. 



apokalypse 

v. Gebhardt, Leipzig 1893. 



xc 


4 yioc 


CCDTHp 


etc., 


etc., 




1 XpiCTCÜ 


lyioyc; 




sakral 


l y c 





ICpAH\ 



icpoy- 

CAAHM 



yioc 



CTAypoc 



Coislin. gr. 1 (M) 

über Lebegue vgl , oben S. 55; die Scholien bei Tischendorf, Monum. s. ined. (1846) p. 24 u. 401. 



IHA 



IAHM 



yioc 



CHf u , 

cpc 

in den 
Scholien 



MHp, 

MfC, 

Mfl 



palimps. Venetum 
sacra ined., Nova Coli. I 201—206. 

IC 

IN 
Tischendorf II (K) 

ed. Tischendorf, Monum. sacra ined., Nova Coli. I 139 — 176 
HA 



IAHM 



Tischendorfiana (Z a ) 

Monum. sacra ined., Nova Coli. I 177 — 184. 
2 ICA , 
1 IHA 



Turicense (T) 

sacra ined., Nova Coli. IV 1—223 
IHA IAHM 



yioc, 
yioi 



MHf u, 
MpC 

(nicht sakral) 



IC, 



XC, 

xy, 

XN , 

xe 



8 yioc 
( i yio c 

ANOy); 

2 yN 

ANOy, 

l yc xov 
npc 



CHf, 

cpi 



6* 



MHp u. 
MHTHp, 

MfC, 

MpA 



84 



L. Traube, 



ec 

etc. 



KC 
etc. 



DNA , 

nNC, 
hni, 



ec 



ey 



KC, 

KT, 
KN 



KC 



KC 



ey 



ec 



ec 

etc. 



DNA 



KN 



KC 

etc. 



84. Propheten-Palimpsest 
s. VII; ed. Cozza, Sacrorum bibliorum vetustissima fragmenta 

AAA 



nNA, 



hnc , 

HNI; 
nNCrMATA 



etc. 



nHp, 

npc, 

npi, 

_nj>A, 

npec, 

npcoN , 

npÄc 



orNQc, 

orNor, 
öYncd, 

ÖrNON, 

öYnöI 



ANOC 

etc., 



ANOI 
etc. 



85. Jesaias- 
s. VII; ed. Tischendorf, Monum. 



A NOC, 
ÄNÖT, 
ÄNÖrC 



86. Codex 

s. VII, Matth.; ed. Tischendorf, Monum. 



npi, 
npA 




ANON 




s 


VII; specimina 


87. Evangelistarium 

ed. Tischendorf, Monum. sacra 


nHp 


OrNOC, 
OrNCÜN 


ANOr, 
ANCO 








88. P. Rainer 

s. VII, Joh., auf Pergament; 



89. Grottaferrata, Fragment 

s. VII; ed. Cozza, Sacrorum 









90. Codex 






s. VIII 


, Ev. Luc. ; ed. 


nHp, 


orp^NOc 


ANOC 


AAA 


npc, 


etc., 


etc., 




nep 


3 ornor 


ANOI 


sakral ; 


und 


etc. 




nATHp 

etc. 


OrNON 






nicht sakral, 








aber auch 








l npec 









Nomina Sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



85 



in Grottaferrata (r) 

etc. I (Rom 1867) 1—197, II (Rom 1877) p. CXI— CXVIII. 
53 TCA, IAHM Xy 

38 IHA 
(die beiden 
Formen gehen 
durch- 
einander), 
1 Hf A 



Palimpsest (Z»>) 

sacra ined., Nova Coli. I 185—198. 
THA IAHM 



Tischendorf I (©) 

sacra ined., Leipzig 1846, p. 3 — 10. 

IC, 

nr 



Barberinum 

ined., Nova Coli. I 207—210; vgl. Gregory, Textkritik I 399. 







rc, 






IN 


Inv. 8020 (Tv) 

vgl. Gregory, Textkritik I 74. 




»CA 




IN 



ANöy 



der Paul. Briefe (R) 

bibl. vet. fragment. II 334 — 335. 



Zacynthius {8) 

Tregelles, London 1861. 

i 

IHA IAHM 



IC 

etc. 



xy 



xc 

etc. 



TN/ 


CH|>, 

CfA; 

CpiA, 

CflAN, 

CpiON 



MfC, 
Mfl, 
MpX 



CTpCU 

(Joh. 19, 25) 



Mpi, 

RpÄ 



MHp 



5 yc 


i cpc, 


etc. 
sakral, 


1 Cpi; 
1 


aber auch 

Y»oc 


CCOTHp 


xov 




ANOY 


und ein 




nicht 




sakrales 




YN 





1CTAYPON 



MH p 

(FipT 

4 MHTHp 



86 



L. Traube, 



ec 

etc. 



KC 

etc. 



ec, 

eeoy 



DNA, 
HNC, 

iInT , 

hnatX u . 

nNey- 

HATA , 

HNCÜN; 

HNIKOC 

etc. 



s. VIII/IX, Epp., Acta, Apocal. 

ANOC 
etc., 



91. Codex 

ed. Tischendorf, 



riHp, 
npc 

etc.; 


oynoc 

etc., 


oyNOi 


npec, 
npcüN, 

HATpAClN ; 
npiKCDN 
(Gal. 1, 14) 


etc. ; 


oyNicu, 
enoyNioc 

etc. 



ANOI 
etc.; 

ANepco- 

niNOC, 
4>IAANIA 



92. Codex 

s. IX, Daniel ; ed. Cozza, Sacror. 



AAA 



KC 


J1NA, 


riHp, 


oyNOc 


ANOC 




PNC, 

fIRi; 


npc, 
npi; 


etc., 


etc., 


oyNOi 


ANOI 




HNATA 


npec, 

npcüN, 

npAciN, 

npAC 


etc. 


etc.; 

ÄN1NH, 

ANINCÜN 



93. Hamburger Fragment 

s. IX, Hebr.; ed. Tischendorf, Anecdota 



ec 


KC 


nNA, 


nnp, 


oyNOc 


ANOC 




etc. 


etc. 


nNC; 
nNCyMATA 


npA; 
npec, 


etc., 


etc. 






oyNOi 








nATpACIN 


etc.; 

enoyNioc 

etc. 







Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 



87 



Porfirianus (P) 

Monum. sacra ined., Nova Coli. V und VI 1 — 248. 

XC 



IHA 



IAHM 



(C 
etc. 



Chisianus 

bibl. vetust. fragmenta III p. XIX— XCIV. 



IHA, 



ICpAHA 



(AHM 



der Paulusbriefe (M) 

sacra et profana, ed. 2, 1861, p. 177—205. 



IAHM 



IC 

etc. 



XC 

etc. 



yc 


CHf, 


etc., 


lOCfCu. 


yioc 


2 CfOC, 


etc. 


cpi, 




CpA 



CTfOC; 
CTAy- 

poyN 



yioc 

auch sakral 



MHf , 
MpC 

etc.; 

MfAC 

(1. Tim. 5, 2; 



yioc 

ANOy, 

yie 

ANOy; 

yiöi, 
yicüN 





MIM 



CpiA, 
CpiAC 



88 L. Traube, 

6. Die einzelnen Nomina sacra. 

Vorbemerkung. 

Es wird gewiß einst möglich sein, die Eigenheiten des Ge- 
brauchs und der Formung der Nomina sacra mit einzelnen großen 
Schreibschulen in genaue Verbindung zu bringen. Das von mir be- 
nutzte Material führt doch nur selten über Ägypten und Alexandria 
hinaus. Vielleicht aber deckt schon die Ausbeutung der Minuskel- 
Handschriften des Neuen Testamentes durch Soden und seine Mit- 
arbeiter (vgl. oben S. 55) neue brauchbare Tatsachen auf. 

l. eeoc. 

Die regelmäßige Schreibung ist GC ey 0Cü 9N ee. Sie 
wurde nach unserer Annahme von hellenistischen Juden eingeführt. 1 ) 

Die erhaltenen Beispiele sind freilich hier, wie bei allen andern 
Nomina sacra, erst aus christlicher Zeit. Doch tragen die Zauber- 
papyri, 2 ) die ÖC und \<C überliefern, gerade hierin deutlich jüdisches 
Gepräge. ON auf dem sibyllinischen Pergament in Florenz (Vitelli, 
Atene e Roma, 1904, S. 354) mag sich anschließen, obgleich die Hand- 
schrift gewiß christlich ist. Das rhodische Bleitäfelchen s. III/IV (40) 3 ) 
mit Worten des 80. Psalms, wo neben e~C und ey auch einmal eec 
begegnet, ist desgleichen wohl sicher christlich. Von ausgesprochen 
christlicher Überlieferung ist der Anfang der Genesis in der Fassung der 
LXX im P. Amh. I n. 3 saec. IV (21). Doch hier angesichts der Worte: 
GN AfXH enOlHCGN O 0C TON OyfANON KAI THN 

thn xai Tina ey enecj>epeTO ghanco thc 

Aßyccoy, mag man sich noch einmal des Einflusses gewärtig 
werden, den die jüdische Tradition auf die Schreibung des Gottes- 
namens und den damit OC als Vorbild der Nomina sacra ausüben 
mußte. 

Sonst ist von den christlichen Zeugen wenig zu berichten. Unter 
den ältesten ägyptischen Papyri s. III— IV (etwa 1—22 bei uns) finden 
sich, bis auf ee, alle Formen des Singularis belegt. Wichtiger ist 

*) Vgl. oben S. 32 und 37. 
2 ) Vgl. oben S. 38 ff. 

s ) Die rund eingeklammerten Zahlen beziehen sich in diesem Paragraphen 
von hier an auf die Nummern der Tabellen S. 56—87. 



Nomina sacra, III. Nomina sacra im Griechischen. 89 

vielleicht, daß oy auf der stadtrömischen Inschrift s. III (39) und 
OCÜ auf einem sizilischen Graffito a. 409 (Führer, Sicilia sotterranea 
p. 150) eine weite Verbreitung für verhältnismäßig frühe Zeit belegen. 

Es sind noch einzelne Eigenheiten zu besprechen. Der Vokativ 
OG war allgemein geläufig: vgl. die Zauberpapyri Paris Louvre 2391 und 
Paris Suppl. gr. 574 (oben S. 39), das Onomasticum P. Heid. I n. 5 
saec. III/IV, das Amulett s. VI Archiv f. Papyrusforschung I 429 ; ferner 
von Pergamenten: VaticanusB* und B 3 (44), Sinaiticus D 2 undD 3 (45), 
Ephraem rescr. (48), Alexandrinus (49), Marchalianus (65), Codex 
Bezae (67). Um so auffälliger ist es daher und für den von Tischen- 
dorf angenommenen Zusammenhang zwischen Vaticanus und Sinaiticus 
besonders charakteristisch, daß Vatic. B 4 und Sinaitic. D l die kon- 
trahierte Form meiden und nur 0GG anerkennen. Eine andere Hand 
des Sinaiticus (C) hat in Ps. 135,2 GGÜ TOJN 0CÜN gewagt; das 
steht im Gegensatz zu dem regelmäßigen und einzig berechtigten 
Genetiv eeCDN in den Leipziger Psalmen (23) und im Sarravianus (46), 
Alexandrinus (49), Marchalianus (65), Psalterium Turicense (83). Nur 
die Zauberpapyri London P. CXXII, CXXI, und Paris Suppl. gr. 574 
mit Oe ON (= $ee &eäv), MeHCTH TCÜN GCÜN und dergl. 
sind zu vergleichen; auch gehört hierher, wenn z. B. der Vatic. gr. 73 
saec. X, der sonst die Pluralformen nicht kürzt, je einmal frön 
(= ftecöv) und &g (= fteovg) zuläßt, vgl. Excerpta Constantini Porphyr., 
vol. IV ed. Boissevain, p. XVII. 

Der Nominativ ÖGC auf dem rhodischen Bleitäfelchen (40) 
wurde schon erwähnt; er scheint sich auf einer nicht datierbaren 
syrischen Inschrift (Byzantinische Zeitschrift XIV 37 n. 39 neben OCÜ) 
zu wiederholen. 

Auch Lotharius von St. Amand s. IX in. schreibt QGC in einem 
Zitat aus den Sibyllinen in seinem Lactanz (Lactant. ed. Brandt I 659, 14); 
sonst gibt dieser Schreiber, wie Sedulius Scottus s. IX im Lactanz, 
die regelmäßigen Formen weiter. 

OÖC als Nominativ steht angeblich in der Vita S. Theodorae 
des P. Par. 7403 s. VI (Wessely, Wiener Studien XI, 1889, S. 178). 
Ohne Strich (0OC) findet es sich in einem Zitat aus den Sibyllinen 
im Bologneser Lactanz s. VI/VII, wo sonst OGOC ausgeschrieben 
wird (Brandt I 662). 0Oy schreibt eine spätere Hand in der Genesis 
Cottoniana (57). Formen wie 0Oy und yoy setzt Cobet öfters für 



90 L. Traube, 

seine Emendationen voraus; ich weiß nicht, ob sie ihm in späteren 
Handschriften untergelaufen waren. 

Von 065OC etc. war oben S. 49 f. die Rede. Hier sind aber 
noch die wenigen Beispiele anzufügen, die ein graphisch überhaupt 
nicht ausgezeichnetes OGOC bezeugen. Es müssen dabei an erster 
Stelle genannt werden die Genesisfragmente P. Oxy. IV n. 656 (1) und 
die oben S. 40 f. erwähnte Aquilafetzen. In ihnen liegt wohl eine 
jüdische Tradition vor, die sich von der gewöhnlichen alexan- 
drinischen unterschied. Je einmal haben ferner GGOy die 
Wiener (56) und die Londoner Genesis (57). Sonst hat man da, wo 
nicht kontrahiertes und nicht überstrichenes 0GOC steht, wohl an- 
zunehmen, daß Christen geschrieben haben, aber nicht berufs- 
mäßige Kalligraphen; das gilt für die Papyri P. Oxy. III n. 407 
s. III/IV (16), P. Brit. Mus. DCCXIII s. III/IV (17) und z. B. die Briefe 
und Kontrakte P. Grenf. I n. 53 s. IV, P. Brit. Mus. CCXXXVI (vgl. 
oben S. 49), P. Grenf. I n. 61 s. VI, n. 63 s. VI/VII, P. Grenf. II n. 88 
s. VI/VII, P. Brit. Mus. CCXXX (<J>OBOC 0GOy in Ps. 13 [14], 3). 
Für die Inschriften sind die ausgeschriebenen Formen ursprünglich 
das Regelmäßige und auf lange Zeit das Häufigere. 

Als ganz ungebräuchlich und verkehrt muß jede Kurzform für 
\%oi und die andern Kasus des Pluralis bezeichnet werden. Sie 
mußten ausgeschrieben werden, wie auch der Singularis, wo nicht 
Gottvater oder Christus gemeint war. Cozza, l ) Omont 2 ) und Boisse- 
vain 3 ) merkten dies sehr richtig für die von ihnen beschriebenen 
Handschriften an; es gilt allgemein. Die wichtigsten Verstöße gegen 
diese Regel, die uns aufgestoßen sind, wurden oben S. 89 an- 
gemerkt. 

Gelegentlich begegnet eine christliche Suspension 6 für fieog 
und die Kasus des Singularis: so auf einer alexandrinischen Inschrift O 
(Bessarione VII 277 n. III), auf einer antiochenischen 0* (Revue bened. 
XXII 433). Wenn ein epigraphisches X gelegentlich als xvqioq 
deog gedeutet wird (z. B. im Anfang einer christlich-palästinensischen 
Mosaikinschrift, Römische Quartalschrift 1902, S. 368), so sind 



J ) Sacror. bibl. vetust. fragmenta gr. et lat. part. I p. IX adn. 1. 

2 ) Codex Sarravianus p. VII. 

3 ) Vgl. oben S. 89. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 91 

diese Buchstaben vielmehr mit xaxayßovioig fteolg aufzulösen und mit 

Kaibel 1 ) als eine Nachahmung des römischen D. M. zu verstehen; 

auch D. M. steht ja sehr häufig über christlichen Grabschriften. Über 

die Suspension haben wir bei xvgiog weiter zu sprechen. 2 ) 

e 
Auf späte, ganz andersartige Formen, wie cyN (= ovv ftetp), 

die auch im koptischen Gebrauch vorkommen, kann hier nicht ein- 
gegangen werden. 

2. ICfpiOC. 

Wir beginnen mit dem jüdisch-hellenistischen Gebrauch. Man 
darf gewiß nicht sagen, daß voll ausgeschriebenes KYJMOC in einem 
Zweig der LXX-Überlieferung für das Tetragramm gesetzt wurde. 
Origenes' Ausspruch 3 ) sagt gar nichts über die Graphik des Wortes. 

Jüdischen Gebrauch scheinen die Papyrusfragmente der Genesis 
wiederzuspiegeln (P. Oxy. IV n. 656 [1], vgl. S. 30 und S. 53), in 
denen xvgiog ursprünglich ausgelassen und erst von zweiter Hand 
mit allen Buchstaben auf dem freigelassenen Raum nachgetragen 
wurde. Man könnte glauben, daß hier eigentlich das hebräische 
Tetragramm von einem kundigen Schreiber hätte eingesetzt werden 
sollen. 

Sonst ist in griechischen Handschriften Gott der Herr immer KC, 
und dies war, nach unserer Vermutung, eine Erfindung alexandrinischer 
Juden. Ob wir dafür noch das einwandfreie Zeugnis jüdischer Hand- 
schriften haben, ist freilich die Frage. Hingewiesen werden konnte 
oben S. 41 auf den Aquila-Palimpsest s. V, der neben dem hebräischen 
Tetragramm einmal am Zeilenschluß Ry hat. Dazu kommt vielleicht 
das Straßburger Genesisfragment s. V (50) mit K(C) und l<y. Über 
die ägyptischen Zauberpapyri vgl. oben S. 38 ff. 

Das älteste Stück der LXX in christlicher Tradition ist angeb- 
lich P. Grenf. I n. 5 saec. III (2). Von dem hier gefundenen KC und 
Ry zieht sich eine unübersehbare Fülle von Belegen für die Kurz- 
formen von xvgiog durch alle Zeiten. 



x ) In den Indices zu Inscriptiones gr. Siciliae etc. p. 756 und Gottingische 
Gel. Anzeigen 1892 S. 104. 
2 ) Vgl. unten S. 92. 
s ) Vgl. oben S. 27. 



92 L. Traube, 

Wirkliche Varianten hat es nie gegeben. KfC auf einer syrischen 
Inschrift ist nur eine irrtümliche Lesung, vgl. Deissmann, Philologus 
LXIV 477. Statt TÖf findet sich hie und da KÖy.i) So nach Wessely 
in dem Leben des heiligen Abraham in dem späten P. Par. 7404, vgl. 
Wiener Studien XI (1889) 179. lÖfCO steht in einem Gebet, das 
s. X in Oberägypten geschrieben wurde; vgl. darüber unten Kap. V 
§ 1 über die koptischen Nomina sacra. 

Über die Formen des Pluralis vgl. unten S. 93. 

Über ICfflOC vgl. oben S. 50. 

Ein Wort noch über die Suspensionen. In einem Kontrakt aus 
der Thebais a. 103/102 v. Chr. in P. Grenf. I n. 33 begegnet pcto 
x v (== xvoiov) rov eavrcov aöelcpov nayyd (= IIa%vovßiog). Die erste 
Hand des Londoner Papyrus der 'Aftrjvaicov nok. (saec. I p. Chr.) schreibt 
xvq 1 für xvgiog. Dazu halte man das oben S. 29 aus dem einen 
Aquila-Palimpsest beigebrachte K und das S. 90 f. über G Gesagte. 
Man könnte dadurch auf den Gedanken kommen, )<C und OC als 
Fortbildungen der älteren Suspensionsstufen K und G zu betrachten. 
Allein das Entscheidende: ein irgendwie verständlicher Grund, der 
den Übergang von dem einen zum andern Prinzip erklären könnte, 
wäre damit nicht gegeben. Man könnte höchstens sagen, daß bei 
der Bildung von KC ein älteres in der profanen Titulatur gebräuchliches 
X (xvgiog) mitgewirkt habe. Man habe absichtlich die Schreibung 
des Gottesnamens differenziert. Hier stieße man dann wieder auf 
dieselbe Schwierigkeit: woher nahm man das Prinzip? Und vor allem: 
was veranlaßte den Gottesnamen zu kürzen? 

Später wurde die Suspension l<Yf in der Titulatur für xvgiog 
(oder vielleicht xvgig) und xvgia (oder xvga) gebraucht, vgl. z. B. 
P. Grenf. II n. 96. 

Sonst wird im allgemeinen — von Urkunden abgesehen — 
xvgiog in der Titulatur und überhaupt in jeder Bedeutung, die nicht 
Gottvater oder Christus betrifft oder allenfalls, wie in vielen Herren- 
worten, auf sie bezogen werden kann, ausgeschrieben. Dieser Unter- 
schied wird von den Paläographen meist nicht scharf genug be- 
tont. Es finden sich in der Literatur selten so gute Beobach- 
tungen darüber, wie bei Ceriani über den Oktateuch Ambrosianus 



*) Vgl. über OOy oben S. 89. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 93 

A. 147 i.: notandum quoque xvgiog breviari "cum de Deo sumitur, 
non vero cum de hominibus; quod cum factum fuisset primo 
Gen. XLIV, 7, ipsa prima manus suppressas Ute ras supplevit supra, 
quod tarnen et cum de deo sumeretur factum vidi Num. XXXII, 27, 
und bei Omont über den Sarravianus. Das absichtliche Auseinander- 
halten wird sofort klar, wenn man Stellen wie I Kor. 8, 4 sqq. nachschlägt. 
Diese Worte lauten z. B. im Sinaiticus (45): oyAlC 0C Gl MH 

gic kai rAf einef gicin AGroMGNoi eeoi gitg 
6N oyfANco gitg eni fhc cocnep gicin eeoi 

nOAAOI KAI KyflOI JIOAAOI AAA HMIN GIC 0C (dies 
Wort über der Zeile) O HATHf .... KAI GIG KC IC XC. 
Auch in nicht sehr geregelten Schriftstücken wird scharf geschieden: 
der Brief P. Heid. 6 s. IV schließt mit den Worten GN KCÜ XCü 
KyflG ArAHHTG, wobei die letzten Worte an den Adressaten 
gehen. 

Wenn es also oben in dem Handschriftenverzeichnis heißt, 
KC etc. komme vor, so ist das immer so zu verstehen, daß die 
Kurzform nur da steht, wo das Wort sakrale Bedeutung hat. Das 
schließt natürlich nicht aus, daß KC neben KyflOC auch hie und 
da versehentlich geschrieben wurde, wo kein Anlaß war. Umgekehrt 
schlüpfte gewiß auch einmal KYf'OC für KC durch; vgl. in unsern 
Listen 1, 16, 38 und z. B. die Briefe s. IV P. Grenf. I n. 53 und P. 
Brit. Mus. CCXXXVI. Meist liegen dann aber Entschuldigungsgründe 
vor, wie sie oben S. 90 für ausgeschriebenes 0GOC angeführt 
wurden. 

Verpönt war auf jeden Fall die Kontraktion des Pluralis. Es 
gibt dafür gar keine ordentlichen Formen. Nur von den Zauber- 
papyri ist einer einmal auf TOyc KC (= xvgiovg) verfallen, vgl. oben 
S. 39. Auch zwei Schreiber des Sinaiticus (45) entgleisen mit KC 
TCUN KCON, was sonst in den Handschriften nur durch KC TCON 
KYflCÜN wiedergegeben wird (vgl. z. B. 49 und 83). 

3. rJNGyMA, 

Vermutungen über die Herkunft der Kurzform DNA sind oben 
S. 34, 42, 43 vorgebracht worden. Regelmäßiger Genetiv und 
Dativ dazu wurde HNC und UNI. Der Pluralis ward so lange nicht 
versucht, als die Kontraktion nur bei sakraler Bedeutung eintrat. 



94 L- Traube, 

Im einzelnen ist folgendes zu bemerken. 



Eine Suspension UN statt und neben J1NA begegnet im Codex 
Bezae (67). Dort zeigt sich auch sonst noch eine gewisse Unsicher- 
heit, z. B. in toi? HNeyNA. 



Eine späte ägyptische Nebenform von I1NA ist HMA; so auf 
einer alexandrinischen Inschrift (Bessarione VII 447) und in dem griechi- 
schen Stück einer koptischen Handschrift zu Paris s. VII (Notices et 
extraits XXXIV 2 p. 380); dazu gehört als Dativ HMl in St. Peters- 
burg gr. XX, wo die Vorlage, der Claromontanus (76), HNI hat. 

Statt I1NC kommt DNATOC vor, vielleicht unter dem Ein- 
fluß der gleich zu behandelnden Pluralformen UN ATA etc.: so im 
Sinaiticus A 5 (45) neben ONC und in spätägyptischen Handschriften 
(Crum, Coptic Mss. n. IX und Kopt. Papyrus a. 812 bei Stern, Kop- 
tische Grammatik S. 435). 

UNTI statt HNI hat ein später ägyptischer Papyrus (36), aber 
ein damit zusammenzuhaltendes HNTCON gibt schon einmal die 
zweite Hand des Sarravianus (46). 

Über HMl vgl. oben unter HMA. 

Der Pluralis ergab, als er schließlich gewagt wurde, im Nomi- 
nativ und Akkusativ entweder DNA oder häufiger HNATA. Es 
findet sich ra HNA öfters neben HNATA im Sinaiticus C (45), Ephr. 
rescr. (48), Codex Bezae (67), Nitriensis (74), Claromontanus (75). 
Dazu gehört der Genetiv HNCÜN im Alexandrinus (49) neben Nom. 
HNATA, im Tischendorfianus II s. VII (81), im Porfirianus, s. VIII/IX (91); 



I JNCON ist ferner die einzige Form des Pluralis im Verzeichnis der 
Melchiten (oben S. 8). 

Die verbreitetere Pluralform HNATA nebst zugehörigem 



IJNATCüN und HNACIN geben Vaticanus (44) (dort begegnet 
aber nur im Teil B 1 HNATCON und sonst überhaupt keine 
kontrahierte Form des Plural), Sinaiticus (45), Ephr. (48), Ale- 
xandrinus (49) (hier stehen vom Plural überhaupt nur 3 HNATA 
und 9 HNCÜN), Claromontanus (76), Psalter. Turicense (83), 
Porfirianus (91) (hier steht HNATA wieder neben HNCÜN), 
Chisianus (92); ferner steht HNATA auf dem griechischen Ostrakon 
mit Worten aus Ps. 103 bei Crum, Coptic Ostraca n. 513. 
Über HNTCüN vgl. oben unter HNTI. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 95 



Vom Dativ J JNI bildete man weiter JJNIKOC: so im Sinaiticus A 6 



(45), Ephr. (48), Alexandrinus (49), Claromontan. (76) neben fJNATIKOC; 
H der Paulusbriefe (77), Porfirianus (91). Dagegen kam man 
vom Plural DNATA auf I1NATIKÖC im Claromontan. (76) und 
im Koptischen (vgl. Stern, Grammatik S. 11). 

Älteste Beispiele der Kurzformen gewähren P.Oxy. I n. 2 saec.III (3): 

<reN>NHeeN e<i<> jinc <gctin> A<noy> (Matth. 1,20); 

P. Oxy. II n. 208 saec. III (4): <ßAJJTIX>CDN GN FT<NT AHCO) 
(Joh. 1,33; ähnlich 20,22);_P. Oxy. I n. 5 saec. III/IV (15): TCO DNi 
TCO AriCO und TO DNA THC GGIOTHTOC (Pastor Hermae). 
Eine der nächstfolgenden Stellen aus dem Anfang der Genesis in 
P. Amh. I n. 3c saec. IV (21), die wir bereits oben S. 88 verwertet 
haben, zeigt uns DNA 0y, den Ausgangspunkt des jüdischen und 
christlichen Gebrauches, wenn unsere Vermutung zutrifft. Daß nvevfia 
als Gottesname bereits von den Juden kontrahiert wurde, könnte 
wieder gefolgert werden aus dem Streben der christlichen Kalli- 
graphen, die Kurzformen zu beseitigen. Wenn Harteis Beobach- 
tung über den Brauch der Wiener Genesis (56) — nämlich daß dort 
JJNÄ regelmäßig nur am Zeilenschluß erscheine — einzuschränken 
ist, da DNA überhaupt nur einmal und freilich dort am Zeilenschluß 
vorkommt, so ist doch Cladders und Marcs Beobachtung über die 
vierte Hand des Vaticanus (44) wichtig: es wird jivevjua bis Matth. 4, 1 
regelmäßig kontrahiert, von da an regelmäßig ausgeschrieben mit 
Ausnahme von Matth. 22, 43 und 27, 50, Marc. 12, 36, Act. 10, 19, Phile.25, 
wo aber überall das Wort in den Zeilenschluß fällt. 

Daß an ÜNÄ ey unmittelbar mit RNA AFION angeknüpft 
wurde und der christliche Gebrauch sich untrennbar mit dem jüdischen 
verband, ergab sich von selbst. Auch wo Tivsv/^ia vom Menschen 
gesetzt war, wurde offenbar bald die Kurzform angewandt. Ja, man 
versteht es, daß auch die ,unreinen Geister' mit der sakralen Form 
bezeichnet wurden. Zu vergleichen sind die oben S. 94 f. erwähnten 
Pluralformen. Selbst eine sonst so sauber trennende Handschrift, wie 
Codex Bezae (67), hat diesen Mißbrauch mitgemacht. Dagegen weiß 
Stählin (Clemens Alex. I p. XXII) aus der berühmten Arethas-Hand- 
schrift Paris gr. 451 die merkwürdige Tatsache zu berichten, daß eine 
Hand des 14. oder 15. Jahrhunderts nva in jivevjua korrigiere, wenn 
es nicht den Heiligen Geist, sondern Hauch oder Atem bedeute. 



96 L. Traube, 

4. HATHf. 

Die Schwierigkeit, die einer passenden Einrichtung von nATHf 
entgegenstand, haben wir oben S. 34 kennen gelernt. Als man sich 
entschlossen hatte, JlHf zu bilden, boten die Kasus einen neuen 
Widerstand. Es hätte sich ergeben müssen die Reihe: 

7i(ar)r]Q 

7i(aT)Qog 

7i{clt)qi 

Tifarjega 

7i(ar)eg. 
Hierbei widerstrebte der Genetiv IlfOC, weil er mit der Prä- 
position zusammenfiel; ferner erregte es Anstoß, daß die Formen ab- 
wechselnd aus drei und vier Buchstaben bestanden. Es siegte 
schließlich eine dreibuchstabige Bildung; man beruhigte sich bei der 
unregelmäßigen Folge: 

nFif , npc, nff, npÄ, rief. 

Der Pluralis dagegen, der erst später aufkam, erhielt vier Buchstaben : 

nfec, npcoN, nfXc. 

Ein Dativ dazu wurde zunächst nicht beliebt. 

Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß neben diesen 
allgemein angenommenen Formen hie und da auch ursprünglich ver- 
schmähte oder ganz neue sich einschlichen. Diese Unregelmäßig- 
keiten seien zunächst belegt. 

Die Form UHf bezeugen von den ägyptischen Papyri 31 und 36; 
von den Pergamenten Vaticanus (44) und Sinaiticus (45), wenn sie 
überhaupt eine Kurzform gebrauchen (vgl. S. 98) und die fol- 
genden Handschriften alle. Dagegen kennt Codex Bezae (67) nur 
J JAf und die zweite Hand des Sarravianus (46) Hf. Schon der 
Papyrus des Philo (7) hat im Nominativ Mf (nicht DTf, wie Scheil an- 
gibt). Wahrscheinlich ist auch TJTHf, wie nach Scrivener der Ros- 
sanensis haben soll, ein Lesefehler, vielleicht die Mißdeutung einer 
Ligatur. 

Der sonst gemiedene Genetiv llfÖC findet sich im P. Oxy. II 
n. 209 saec. IV (24) und einmal im Sinaiticus (45) von der Hand, 
die den Teil B 1 schrieb, ferner je einmal im Ephraem rescr. (48), 
in der Wiener Genesis (56) und im Codex Bezae (67). Alle diese 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 97 



Pergamente haben sonst npC; die ältesten Belege für diese gewöhn- 
liche Bildung stehen in den Papyri 7, 12, 23. Auch die Vita S. 
Theodorae P. Par. 7404 I saec. VI (Wessely, Wiener Studien XI, 1889, 
S. 188) hat JTfÖC. Die Mißbildung HTfOC scheint im P. Amh. I n. 9 
vorzuliegen, doch ist die Lesung nicht sicher und das betreffende 
liturgische Fragment erst s. VII/VIII. 

Statt des regelmäßigen Pluralis Hfec setzen die Leipziger 
Psalmen auf Papyrus s. IV (23) den Genetiv H?C; im Sinaiticus 
(45) schreibt Hand B 1 dafür einmal YlGfC und einmal Hand B 2 
nATGf, also eine Suspension. Die Londoner Psalmenfragmente auf 
Papyrus s. VII (34) haben einmal ein seltsames npeec, 1 ) das, wie 
das von ihnen gebotene AANOC, 2 ) einem ungebildeten Schreiber 
zur Last fällt. Es mag irgendwie aus dem Koptischen zu erklären 
sein. 3 ) 

npACIN, der erst später verkürzte Dativ, hat sich eingeschlichen 
in das Neue Testament des Ephraemcodex (48), in den Alexan- 
drinus (49) und den Chisianus (92). Dagegen steht jedesmal inmitten 
der kontraktiven Bildungen ausgeschriebenes OATfACIN im Marcha- 
lianus (65), Laudianus (75), Ps. Turicense (83), Porfirianus (91) und 
in den Hamburger Fragmenten (93). 

Die ältesten Belege der Kurzformen müssen von uns mit der 
Bedeutungsgeschichte verbunden werden. Wir träfen die Kontraktion 
zum ersten Male, wenn die Datierung einigermaßen richtig wäre, in 
den Aoyia 'fyoov P. Oxy. I n. 1 saec. III (5): oyi< 0\|/ecee TON 
npA (d. h. Gott). Seltsamerweise bietet dieser Papyrus auch 
eine zwar an sich regelmäßige, hier aber ohne jede sakrale 
Nuance gesetzte Weiterbildung, die sonst erst viel später be- 
zeugt ist : Oyi< GCTIN AGKTOC npO<j>HTHC 6N 
TH npiAl (= Tcargidi) AyTOy. Daß in dem theologischen 
Fragment P. Oxy. II n. 210 (12) nfc von Gott gesagt ist, 
scheint wahrscheinlich, aber nicht sicher; die hohe Datierung ,s. III' 
wird hier durch die Verwendung einer alten Kurzform für ävOgamog 

1 ) Tischendorf, Monumenta sacra ined., Nova Coli., I (Leipzig 1855) p. 241, 11. 

2 ) Ebd. 241, 16. 

3 ) Vgl. oben S. 50 über C\yx So steht in einer koptischen Bauurkunde 



a. 753 IIPOOC für IIPOC, worüber unten in Kapitel V § 1 über die koptischen No- 
mina sacra. 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 7 



98 L - Traube, 

empfohlen. In andern Schriftstücken des dritten Jahrhunderts kommt 
7ia%r\Q weder kontrahiert noch ausgeschrieben, weder in gewöhnlicher 
noch in sakraler Bedeutung vor. Nur der Philo-Papyrus (7) setzt im 
Singular ausnahmslos die Kontraktion. Im 4. Jahrhundert ist die Kurz- 
form auf Papyrus und Pergament sehr häufig, und ein zwischen den 
beiden Bedeutungssphären gemachter Unterschied läßt sich, scheint 
es, selten mehr erweisen. Daß er aber ursprünglich vorhanden 
war, daß Belege dafür aus älterer Zeit nur zufällig fehlen, darf 
vielleicht doch einigen Beobachtungen entnommen werden. Da- 
hin gehört das sichtliche Vermeiden der Pluralformen im Papyrus 7 
und in den Handschriften 49, 68, 70; die Leipziger Psalmen (23), 
die den Pluralis zuerst aufweisen, irren noch in der Form 
(vgl. oben S. 97 über fifC statt rjfec). Für das 6. Jahr- 
hundert haben wir das Zeugnis des Codex Bezae (67), der dabei offenbar 
nur eine ältere Tradition wiederspiegelt. Hier wird narrjQ meist aus- 
geschrieben und im ganzen nur, wenn ich recht gezählt, 19 mal kon- 
trahiert. Nie kontrahiert wird es im Marcus und in der Apostelgeschichte, 
d. h. in den Schlußpartien der Handschrift; selten im Matthäus und 
Lucas, häufiger im Johannes. Wo die Kurzform steht, liegt nur 
einmal keine sakrale Bedeutung vor. In den Klemensbriefen des 
Alexandrinus (49) wird abwechselnd JlATHf etc. und HHf etc. ge- 
schrieben. Sieht man näher zu, so haben die Kurzformen bis auf 
zwei Stellen durchaus nur sakrale Bedeutung, die ausgeschriebenen 
Worte sind nicht sakral. Der Marchalianus (65) kennt zwar den kon- 
trahierten Pluralis, gebraucht aber im Singularis die Kurzform meist 
nur, wo sakraler Sinn vorliegt. Ähnlich steht es mit dem Zacyn- 
thius (90). Auch der Guelferbytanus (69) macht meist die richtige 
Unterscheidung. 

Gemieden ist die Kontraktion im Vaticanus (44) da, wo die 
Hand B 2 - 4 schreibt; B 3 läßt 15 oder 16 kontrahierte Formen ein- 
fließen; B 1 nur 2, wobei die eine sakralen Inhalt hat. Ebenso 
schreibt im Sinaiticus (45) der Schreiber A *• 2 - 3 - *■ 6 naxr\Q gewöhnlich 
aus. Über Codex Bezae vgl. oben. Die Genesis Cottoniana (57) 
scheint die Kurzformen gleichfalls zu meiden. 

Wir sehen hier wohl in den Gebrauch verschiedener Schulen 
hinein und erleben etwas von dem Kampf der christlichen Kalligraphie 
gegen die ursprünglich jüdische Erfindung. Doch die Kurzform war 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 99 



bequem und hielt sich, und riHf verlor bald jeden besonderen Ge- 
halt: die sakrale Kurzform wurde gewöhnliche Abkürzung. 

5. oyfANOC. 



Die Kurzform oyNOC (oder, wie bei dieser und andern 
zweisilbigen Kurzformen oft geschrieben wird, OyNOC) nimmt 
unter den Nomina sacra eine eigentümliche Stellung ein. Gegenüber 
der Menge von Bildungen, die die Person Gottes und Christi be- 
zeichnen, steht vereinsamt das graphische Symbol für den Himmel, 
verbunden nur auf der einen Seite mit der Kurzform für Jerusalem, 
auf der andern mit der offenbar christlichen für das Kreuz. 

Überzeugt man sich davon, daß die Verwendung dieser Kon- 
traktion in den christlichen Handschriften eine beschränkte ist, daß 
eine große Anzahl christlicher Bücher die Kurzform nicht anerkennt, 
so läßt sich die Vermutung wohl nicht abweisen, daß oyNOC oder 
oyNOU) noch auf Rechnung der hellenistischen Juden zu setzen 
ist und den Vorzug der graphischen Auszeichnung nur deshalb ge- 
noß, weil das Wort als Gottesname betrachtet wurde. Ich glaube, 
die Paläographie unterstützt hier in erwünschter Weise den Gedanken 
Schürers, 2 ) daß ovqavoi in gewissen Verbindungen des Neuen Testa- 
mentes eine metonymische Bezeichnung Gottes ist, die sich von einem 
gangbaren jüdischen Sprachgebrauch herleitet. Es läge dann freilich, 
da dieser Sprachgebrauch in den LXX nicht so deutlich hervortritt, 
hier der Fall vor, daß die Formung eines Nomen sacrum nicht un- 
mittelbar mit der Bibelübersetzung zusammenhinge. Wir werden für 
die Kurzform von äv&Qconog eine ähnliche Beobachtung machen. 
Auch die Kurzformen von Jerusalem, David und vielleicht Israel er- 
öffnen einen Blick auf hellenistisch-jüdische Vorstellungen, die nicht 
unmittelbar aus der Tora abzulesen sind. 



Über Nebenformen von oyNOC ist nichts zu berichten. Auch 
die Bedeutungslehre ist hier mit einem Wort erledigt. Denn es ist 
klar, daß wenn einmal oyNOI in den Fällen geschrieben wurde, 
wo die besondere sakrale Bedeutung vorzuliegen schien (wie be- 
sonders im Neuen Testament in der Verbindung ßaodela xcbv ovqavcbv), 



x ) Vgl. oben S. 35 über die Ursprünglichkeit des Pluralis. 

2 ) Geschichte des jüdischen Volkes, 3. Aufl. II 539. 

7* 



100 L - Traube, 

diese Schreibungsweise sich aufs leichteste überallhin übertragen 
konnte, wo das Wort überhaupt vorkam. 

Wir haben also nur noch die Handschriften auseinander zu 
nehmen, die sich der Kontraktion entweder bedienen oder sie meiden. 
Wir werden dabei gleich hinzufügen, wie dieselben Handschriften sich 
zur Schreibung von äv&gcojiog stellen. 

Wir unterscheiden demnach 1. Handschriften, die die beiden 
Wörter nicht kürzen und oyf ANOC ANOfCüHOC haben; 2. Hand- 
schriften, die nur äv&Qconog kürzen und also oyfANOC ANOC 
(oder ANDC etc.) geben; 3. Handschriften, in denen beide Worte 
gekürzt werden und in denen daher OyNOC ANOC steht. Daß 
ein vierter Fall, Handschriften mit OyNOC ANOf GOHOC, nicht vor- 
kommt, gibt zu denken. 1 ) ANOC muß früher nach Ägypten ge- 
drungen oder OyNOC dort einem hartnäckigeren Widerstand be- 
gegnet sein. 

oyf ANOC ANGfCünoc haben von den Papyri 6 und 28, 
von den Pergamenten einzelne Hände des Vaticanus (44, und zwar 
B 2 * 4 und B l ) und des Sinaiticus (45, und zwar A 1# 2< 3> 4 * 6 ), ferner 
Genesis Cottoniana (57), Codex Bezae (67), H der Paulusbriefe (77). 
Auch der Lateiner, der Gote, Kopte und Armenier kennen keine 
der beiden Kurzformen. 



oyfANOC ANOC haben von den Papyri 13 (ANI1C) und 
23, von den Pergamenten B 8 des Vaticanus (44) und B 1 , B 2 * 3 - 4 * 5 , C, 
D i. 2- 3- 4 des Sinaiticus (45), der Sarravianus (46), Codex N (68), 
Guelferbytanus (69), Hs. von Sinope (73), Claromontanus (76), Petrus- 
apokalypse (78), Zacynthius (90), wahrscheinlich auch, wenn man nach 
Munoz' Tafeln schließen darf, Rossanensis (71). 



oyNOC ANOC ist gebraucht in den spätem Papyri 29, 34, 
36 und im Sinaiticus (45), wo Hand A 5 schreibt. Ferner im Eph- 
raem (48), Alexandrinus (49), in der Wiener Genesis (56), im Mar- 
chalianus (65), Guelferbytanus P (70), Laudianus (75) u. s. w. 



OyNIOC und enoyNIOC hat von meinen Handschriften 
zuerst der Porfirianus (91). 



l ) Vgl. oben S. 42. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 101 

6. ANefcunoc. 

Nicht ohne einiges Bedenken behandle ich an dieser Stelle, also 
noch innerhalb der jüdischen Bildungen, die Kurzform für äv$Qcojrog. 
Wie nicht zu bezweifeln, verdankt das Wort seine graphische Aus- 
zeichnung in letzter Linie einer jüdisch-hellenistischen Vorstellung, 
die in den heiligen Schriften am deutlichsten durch die Verbindung 
6 vldg xov äv&Qd)7iov zum Ausdruck kommt, einen Titel des Messias, 
der ihn als Gottes Sohn bezeichnet. Diese Verbindung aber tritt in 
die literarische Erscheinung hauptsächlich erst, oder vielleicht über- 
haupt erst, im Neuen Testament. 1 ) So könnte die Kurzform also 
auch christlichen Ursprungs sein. Auf der andern Seite gibt es zu 
dieser Kurzform einige sehr deutlich hebraisierende Nebenbildungen, 2 ) 
die ihre Analogie nur an den jüdischen Kurzformen für Jerusalem, 
David und Israel finden. 

Auch zeigt sich hier wieder der nun schon öfters bei den Kurz- 
formen beobachtete Vorgang: die christliche Überlieferung hat bereits 
die sakrale Form in einer zu allgemeinen Verwendung zugelassen. Es 
steht also nichts im Wege, auf die Kurzform von ovgavol zunächst 
die von ävfiocojiog folgen zu lassen. 

Über das eigentümliche Verhältnis der Kurzformen von ougavög 
und äv&gcojiog zueinander, ist oben S. 100 berichtet worden. Es ist 
eben kein kalligraphisches Mot d'ordre ausgegeben worden, das eine 
von vornherein bestimmte Menge von Wörtern konsekrierte und kon- 
trahierte, sondern während einer langen Entwicklung erwuchs die 
Reihe der heiligen Kurzformen aus den verschiedensten Anfängen zu 
einer künstlichen und scheinbaren Einheitlichkeit. Dies Leben und 
Weben in der Schrift versteht man nur, wenn man es mit analogen 
Vorgängen in der Sprachgeschichte vergleicht. 

Nachdem so der Einordnung von äv&Qomog als des letzten der 
jüdischen Gottesnamen das Wort geredet worden, mag zuvörderst 
eine Aufzählung der vorher erwähnten Nebenformen erfolgen. Das 



*) Die Forschungen Lietzmanns (Der Menschensohn, Freiburg 1896, und Zur 
Menschensohnfrage, Theolog. Arbeiten aus dem Rhein, wissenschaftl. Prediger-Verein, 
Neue Folge II) haben hier, glaube ich, volles Licht gebracht; und wo Lietzmann 
aufhört, setzt Reitzenstein mit seinem 'Poimandres' (Leipzig 1904) ein. 

2 ) Vgl. oben S. 35 und unten S. 102. 



102 L. Traube, 

heißt: Nebenformen sind sie nur von einem Standpunkte aus, der 
die Bildung ANOC als hauptsächliche, allgemein anerkannte be- 
reits vor sich hat; es braucht aber kaum gesagt zu werden, daß 
Formen wie ANOpnc, ANOpc, ANHC älter sind oder sein können 
als ANOC. 



ANepno steht in dem christlichen Fragment eines Papyrus- 
buches P. Oxy. II n. 210 saec. III (12), dabei ist O unsicher und da- 
hinter der Papyrus weggerissen. Wir können also als Nominativ z. B. 
sehr gut ANOpnc ansetzen. 

ANOpcüN fand ich auf einer Photographie des Psalterium duplex 
in Cues 10 [4] fol. 25 v , die ich F. Steffens verdanke. Die Handschrift 
ist karolingisch, bewahrt hier aber offenbar sehr Altes, wie der andere 
noch jüngere Cusanus, über den gleich zu sprechen ist. 

ANHC. Für diese Form haben sich mir mehrere Belege zu- 
sammen gefunden. In Ps. 13 (14), 2 hat das Fragment auf Papyrus, 
P. Brit. Mus. CCXXX (13): 

<)<c> ei< tcon oypANcoN Aiei<y\J/eN eni Toyc 
yioyc tcün ANepconcoN 

<T>Oy IAIN Gl CCTIN CyNGICON ei<Z<HTGON T>ON 

ANJJN ON 



Es scheint, daß in diesen Worten AN11N, das der Schreiber 
gleich wieder durchstrichen hat, ihm aus dem Ende der vorher- 
gehenden Zeile in das Schreibrohr gekommen war. Sonst schreibt 
er ANepconOC aus; hier nun entschlüpfte zugleich die alte Form. 
ANTJC steht ferner für äv&Qojjie an einer Stelle im Sinaiticus (45) und 
zwar, was wichtig scheint, gerade innerhalb des Pastor Hermae ; inner- 
halb des Alten und Neuen Testamentes finden sich sonst in dieser 
Handschrift nur ANOpCDJlOC und ANOC (vgl. oben S. 100). Doch 
entfuhr noch einmal der Hand A3 ANOCON (1 Macc. 9,2V) Es 
begegnet schließlich (einmal, wie es scheint) im Psalterium triplex zu 
Cues A. 6 saec. X AN HOC neben ÄNpCüN und ANGUN.*) 



*) Zu vergleichen ist XN0C in einem Amulett (37). Über ähnliche Gebilde 
s. unten S. 126. 

*) Vgl. C. Hamann, Programm des Realgymn. d. Johanneums zu Hamburg, 
1891, S. 7 und 14. XNTTÖC statt ÄNnc steht bereits unter der Einwirkung von 
ANOC. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 103 



Die zuletzt angeführte Form ANfCüN mag ein Mißverständnis 



für ANncüN sein. Der Schreiber des Cusanus, ein Grieche Johannes 
aus Konstantinopel, der etwa am Anfang des 10. Jahrhunderts im 
Abendland schrieb, hatte sich an lateinische Art und Schrift so sehr 
gewöhnt, daß ihm die Verwechselung von n (graec.) mit P (lat.) 
wohl zuzutrauen ist. 



Doch kann es auch ANj>C und noch andere Kurzformen von 
äv&Q(D7iog gegeben haben. Im Martyrium S. Pionii c. 6 (bei O. v. Geb- 
hardt, Ausgewählte Märtyreracten, Berlin 1902, S. 102,5) gibt ägxov 
der Handschrift für dv^gconov zu denken. 



Über ANOOC vgl. oben S. 102. 



AANOC im Psalter des Brit. Mus. auf Papyrus (34) wurde oben 
S. 50 und 97 Anm. 3 zu erklären versucht. 

Die Suspension AN0jy sei hier angeschlossen. Sie begegnet 
auf dem späten Ostrakon CIG. IV 9060 (43) bei der Aufzählung von 
Wundern Christi. Bei der Heilung des Mannes am Teiche Bethesda 
wird der 'Mann' so gekürzt. Hiermit zu vergleichen ist bei 
Crum, Coptic Ostraca, Add. 39, eNANTp'<co^oa?> in den Worten 
eines Tropars. Ein gelegentliches AN© für äv&Qcojtov findet sich schon 
in dem Berliner Papyrus des Hierokles (saec. II ex. p. Chr.). 

Die Hauptform wurde und blieb das vorher erwähnte ANOC. 
Es findet sich, wenn die Zeitansätze richtig sind, zuerst in den Resten 
eines Papyrusbuches mit Fragmenten des Ezechiel, P. Grenf. In. 5 
saec. III (2) Y ,e ANOY als Gottes Anrede an Ezechiel, und in den 
^lö>aP.Oxy.In. 1 saec. III (5) TOIC yiOIC TCÜN ANCÜN. Von 
da an steht ANOC regelmäßig l ) in allen Handschriften mit Ausnahme 
der oben S. 100 aufgezählten. 



Eine Weiterbildung wie ANINH 2 ) fand ich zuerst im Propheten- 
codex der Chisiana (92), cj>IAANlA zuerst im Porfirianus (91). 



*) Womit nur gesagt ist, daß die Kurzform nicht besonders gemieden wurde. 
Ausgeschrieben findet sich das Wort dennoch auch in den Handschriften, die die 
Kontraktion zulassen, recht oft. 



*) Vgl. oben S. 95 über I INIKOC. 



104 L. Traube, 

7. AAyeiA. 

Ich werde hier und in den beiden folgenden Artikeln mit den 
griechischen Kurzformen zugleich die lateinischen behandeln, da 
sie, unmittelbar aus dem Griechischen übernommen, das Material 
nicht unwesentlich ergänzen, zu den lateinischen Nomina sacra aber 
deswegen nicht gestellt werden können, weil sie auf lateinischem Ge- 
biet in früher Zeit nur ganz ausnahmsweise zur Verwendung kamen. 

Daß eine Kurzschreibung für AAyeiA aufkam, erklärt sich 
wieder aus messianischen Anschauungen und scheint ursprünglich, 
wenn wir die Wortbilder ins Auge fassen, eher vorchristlicher Zeit 
anzugehören, als bereits der typologischen Beziehung von David auf 
Christus graphischen Ausdruck zu geben. 

Zwar fehlt unsern ältesten Zeugen die Kurzform. Wir haben 
in dem Fragment aus Matth. 1 P. Oxy. I n. 2 saec. III (3) fünfmal 
AAyiA, in dem Psalmenfragment P. Brit. Mus.CCXXX saec. III/IV(13) 
AAyeiA und AAyeiT in den Überschriften, in den umfangreichen 
Bruchstücken des Hebräerbriefes auf der Rückseite der Liviusepitome 
P. Oxy. IV n. 657 saec. IV (19) zweimal AAyeiA, im P. Oxy. II n. 209 
saec. IV (24) AAyA; auch in den einzelnen Teilen des Vaticanus (44) 
wird AAyeiA (daneben AAyiA) allermeist ausgeschrieben. Aber 
wir haben schon oben S. 42 mit der Möglichkeit gerechnet, daß die 
Kurzform nicht ägyptischen, sondern etwa syrischen Ursprungs ist. 1 ) 
Dazu stimmt freilich nicht gut, daß auch Codex Bezae (67) nur aus- 
geschriebenes AAyeiA kennt, und auch nicht, daß der Lateiner 
— ebensowenig wie der Gote, Kopte und Armenier — eine kontrahierte 
Form nicht vorgefunden zu haben scheint. Sonst schreibt von den 
späteren Handschriften nur noch der Claromontanus (76) den Namen 
aus (AAyeiA). 

Seit dem 4. Jahrhundert bürgert sich die Kurzform AAA auch 
in Ägypten ein. Vgl. von den Papyri 35 und 36, aus den Perga- 
menten die vereinzelten Kurzformen im Vaticanus (44) und den Ge- 
brauch der Schreiber A 1 * 2 * 3 * 4 * 6 , A 5 , B l , B 2, 3< 4> 5 und C im Sinai- 
ticus (45). Später haben alle Handschriften bis auf die oben aus- 



x ) Eine nichtdatierte syrische Inschrift mit AAA Byz. Zeitschrift XIV (1905) 31; 
vgl. Mercati ebd. S. 587 und Deissmann, Philologus LXIV 476. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 105 



genommenen AAA (vgl. 48, 49, 53, 65, 68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 
77, 82, 83, 84, 90, 91). 

Wir treffen diese Form als dad auch im Bodleianus der Chronik 
des Hieronymus s. IV und im Rehdigeranus der Evangelien aus 
Aquileia s. VII. Sie ist gebildet wie I~JAf . Daneben gab es wohl 
AIA, das einem TJHf entsprechen würde: wenigstens steht did in 
München lat. 6224 s. VII (dem alten von Valerianus geschriebenen 
Frisingensis). 

Gewöhnlich freilich schreiben die Lateiner seit dem 8. Jahr- 
hundert dd. Da dies Bild bei Italienern, Irländern, Spaniern und 
Franzosen begegnet, würde man seinen Ursprung gern höher hinauf- 
rücken, obgleich in einem ebenso oder ähnlich geformten doppelten d 
sich schon andere alte lateinische Bildungen (für diaconi, dilecüssimi, 
dixemnt) trafen. Erst das Leipziger Fragment einer griechischen 
Psalmenrolle auf Papyrus s. IV (23) zeigte, daß die Voraussetzung 
berechtigt war: es gibt neben gelegentlichem AAY^iA häufig in den 
Überschriften ein bis dahin aus griechischen Handschriften noch nie 
nachgewiesenes AA. Wir glauben nicht zu irren, wenn wir diese 
Form für eine Anlehnung an OC oder vielleicht schon an IC halten 
(vgl. oben S. 34). 

Vielleicht die älteste Schreibung, die wir freilich nur in dem 
nicht sehr alten Psalmenfragment P. Brit. Mus. XXXVII (34) neben 
AAyGIA nachweisen können, könnte das stark hebraisierende 
AAyA gewesen sein. Ihr entspricht dayd in Paris (Corbie) lat. 
13347—49. Über AAyA ohne Oberstrich vgl. S. 104. 

8. ICfAHA. 

Unter der Voraussetzung, daß das Hinzunehmen der lateinischen 
Kurzformen den Sachverhalt kläre, behandle ich auch hier wieder die 
griechischen und lateinischen Bildungen, als wären sie gleichberechtigte 
Zeugen für die große Mannigfaltigkeit der bis in jüdische Zeit zurück- 
reichenden Versuche, das den Gottesnamen bergende Wort 'Iogayk zu 
schmücken und zu verhüllen. Aus dieser Absicht folgte die ein- 
gehaltene Ordnung von selbst. 

Die häufigste und scheinbar älteste griechische, d. h. ägyptische, 
Form ist IHA (vgl. oben S. 41); es folgt das viel seltenere (syrische?) 
ICA. Zu den Ausnahmen gehören dem Befunde nach ICHA und \f A. 



106 L. Traube, 

Im Lateinischen war keine bestimmte Form recht anerkannt 
oder gar allein herrschend. Im Psalterium der Salaberga finden sich 
nebeneinander isrl, isl, tri, isäl, iräl, im Codex regularum aus S. Maximin 
in Trier, jetzt München lat. 28118, saec. IX irl, isl, srhl, israh, isrh\ auch 
sonst ist eine ähnliche Mannigfaltigkeit nichts Seltenes. Sehr häufig 
ist freilich auch im Lateinischen ihl. Wenn auch die ursprünglichere 
Orthographie Is{t)rahel (mit h) ist, 1 ) so spiegeln doch offenbar die 
meisten der lateinischen Formen durch ihr h vielmehr das griechische H 
wieder. 

ICfAHA ausgeschrieben 2 ) hat das ältere Fragment der Psalmen 
in London (13) und im wesentlichen der Vaticanus (44), ferner immer 
P. Amh. I n. 1 (28), Codex Bezae (67) und Petrusevangelium und Apo- 
kalypse zu Gizeh (78); ICf AHA begegnet neben 1HA im Propheten- 
Codex Chigi (vgl. oben S. 50). Vgl. mit ICf AHA das folgende latei- 
nische ISRAHL. 

Tsrähl: Lyon 352 saec. VI (neben ist); isral insulare Evangelien 
von Lindesfarne saec. VII; die Form ist auch später selten (vgl. unten 
unter isfl), dringt aber bis ins Karolingische: Dagulf schreibt israhl, 
Pacificus isral (neben isrt); in der Hincmarbibel in Reims (dort 1 und 2) 
steht isral (neben isrht). 

isrhl: gleichfalls ziemlich selten, Turin (Bobbio) Hofarchiv I. b. 
VI 28 saec. VI, Berlin Phill. (Lyon) 1745 saec. VII; Orleans 91 undCassel 
(Fulda) Theol. Q. 10 (vgl. unten unter Tri) frühkarolingisch; Laon 38 
saec. IX und andere Karolinger; Escorial a. III 5 saec. XI. 

isrlh: vgl. unten S. 110. 

isrl: eine alte häufige Bildung im Lateinischen, zunächst be- 
gegnend in einer Reihe von Uncialen und Halb-Uncialen (Casseler 
Hegesipp aus Fulda, Lyon 397, Ambros. C. 73 i., Verona LIII [51], 
Hilarius di S. Pietro, Burkhard-Evangel. in Würzburg, Lektionar 



l ) Die Form Istrahel ist wohl mit Rönsch, Collectanea philologica, Bremen 
1891, S. 245, für einen Latinismus zu halten. Im Griechischen, wo ja freilich zumeist 
gekürzt wird, findet sich ICT|>AHA (oder ICTfAHAlTHC) oft in den Papyri magici 
(oben S. 40 Anm. 2) und gelegentlich im Codex Bezae (67) und im Vaticanus (44), 
vgl. Ranke, Fragmenta versionisAntehieronymianae.Wien 1868, S.29. ICAfAHAGlTHC 
begegnet im Sinaiticus (45), vgl. So den, Die Schriften des Neuen Testaments I 1375. 
Vgl. unten IV § 5, 2, 6 unter DMS. 

s ) lepAMA auf der Bleitafel aus Hadrumetum (38) weist auf ausgeschriebenes 
ICfAHA in der Vorlage, vgl. Deissmann, Bibelstudien S. 36. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 107 

unter dem Julianus Pomerius in Wolfenbüttel, Vatic. lat. 3281, Biblia 
Gregoriana in Cambridge [neben lrt\ f Cantuariensis der Evangelien 
zu Oxford), dann in etwas jüngeren Uncialen und Halb-Uncialen (Ash- 
burnham Pentateuch, Verona I [1] app., Verona III [3], Verona XV [13], 
Sessorianus der Confess. Augustini, Turin E. IV 44, Orleans 16, Prima- 
sius Douce 140 in Oxford, Antiphonar von Bangor, Amiatinus), 
saec. VIII in Bamberg B. II 17, St. Gallen 11, im Evangeliar des Thomas 
in Trier, in München (Regensburg) lat. 14421, und recht verbreitet in 
karolingischer Kalligraphie, z. B. in Tours, Reims, Verona. Gelegentlich 
trifft man auf hisrl Eine der lat. Kurzform isrl genau entsprechende 
koptische beweist, daß ICfA nur zufällig aus griechischen Hand- 
schriften bisher nicht nachgewiesen werden konnte. 

srhl (ausgeschrieben srahel, ursprünglich wohl straftet) ist häufig 
in spanischen Handschriften und darf unter die spanischen Symptome 
gerechnet werden. Die frühesten sicheren Beispiele geben wohl das 
Orationale Mozarabicum zu Verona und der Cavensis des Danila. Paris 
lat. 12205 saec.VII/VIII, aber auch Harleianus 1775 saec. VI, die beide 
so haben, sind darnach zu beurteilen. Im Codex regularüm München 
(Trier) lat. 28118 saec. IX steht neben irl, isl, israh, isrh (vgl. oben 
S. 106) auch srhl, aber nur in der Doctrina Orsiesii und der Regula 
Fructuosi, wo spanische Vorlagen benützt wurden (vgl. Quellen und 
Untersuchungen zur lateinischen Philologie des Mittelalters I 3 p. VIII). 

srl: obgleich ich diese Kurzform in sicher spanischen Handschriften 
nur seltener nachweisen kann als srhl (das älteste Beispiel steht im 
alten Ovetensis Escor. R. II 18), so müssen Handschriften, deren Ent- 
stehungsort nicht feststeht, sobald sie srl bieten, auch ihrerseits auf 
spanischen Ursprung hin geprüft werden, wie das ziemlich späte 
Fragment in Unciale Ambros. D. 84 i. und die wichtige Handschrift 
Rom Reg. 2077 saec. VI, wo aber auch isrl vorkommt. Freilich hat 
auch eine in Torre di Cappella bei Neapel gefundene Grabschrift 
vielleicht aus dem 9. Jahrhundert srl (Capasso, Monumenta ad Nea- 
politani ducatus historiam pertinentia II 2 p. 235). 

isäl: Psalterium Salabergae (Berlin, Hamilton 553, vgl. oben 
S. 106), München (Regensburg) lat. 14470 saec. IX (hier neben isahl 
und ist). 

ICHA steht neben IHA in der Wiener Genesis (56) und zwar 
fol. XII, XXI (hier kaum zu erkennen) und XXIV v ; im Sinaiticus (45) 



108 L. Traube, 

begegnet dieselbe Schreibung neben der dort gewöhnlicheren IHA 
und ICA, wo A 1, *' 3# *• 6 , A ö und B 2, 3 * 4 " 5 tätig sind; einmal wird 
dort auch IHA zu ICHA verbessert. Aus koptischen Handschriften ist 
ICH\ zu belegen. Das wohl mit ICHA zu verbindende ishl ist nicht 
ganz selten in vorkarolingischen Handschriften, z. B. Wien 587, 
Trier 36, Vatic. lat. 4938, Durham B. II 30, Oxford lat. th. d. 3, Peters- 
burg (Corbie) 199 (Augustini retractationes), Barb. (Farfa) XIV 52, 
Einsiedeln 27. 

isahl: vgl. isal. 

ICA schreibt im Vaticanus (44) die Hand B l , einige Male B *• * und 
öfters B 3 , wo einmal auch IHA steht. Sonst herrscht dort, wie gesagt, 
iCf AHA. Im Sinaiticus (45) begegnet ICÄ neben ICf AHA, ICHA und 
IHA; meist überwiegt es sogar. Im Ephraem rescriptus (48), Alexandrinus 
(49), Marchalianus (65), Fragmenta Tischendorf iana (82), T(84) wechseln 
IHA und ICA. Sonst ist ICA, wie es scheint, allein überliefert im Guel- 
ferbytanus Q (69), im Propheten-Palimpsest zu Dublin s.VI (66), im 
Fragment aus Aquilas Übersetzung der Bücher der Könige (vgl. oben 
S. 41), im Johannes-Fragment P. Rainer 8020 (88). Dazu kommen 
nun die lateinischen Zeugnisse für Tsl im Palimpsest Vatic. lat. 3281, 
Ambros. C. 39 i. und Lyon 352 (neben Ural) aus dem 6. Jahrhundert, 
im Rehdigeranus (neben zweimaligem Ihl) und Frisingensis der Evan- 
gelien s.VII, neben andern Formen im Psalterium Salabergae (vgl. 
oben S. 106) und auch noch in karolingischer Zeit, z. B. München 
(Regensburg) lat. 14470 und Zürich (Rheinau) XXXIV (neben isrl); 
vgl. ferner die Zeugnisse für die koptische Form IC\ unten 
Kap. V § 1. 

Trhl steht neben israhel in der Unciale der Bücher der Könige 
Verona II [2] s.VI, neben isfl und Tri in Zürich (Rheinau) XCIX a , neben 
Tshl im Barb. (Farfa) XIV 52. 

IfX läßt sich nur erschließen aus dem Itacismus HfX im oben 
unter ICA erwähnten Codex aus Grottaferrata s. VII (84) und im Psal- 
terium graeco-lat. Cues A. 6 saec. X. Als Tri begegnet es einmal in Biblia 
Gregoriana (neben isrl), im Psalterium Salabergae (vgl. oben S. 106), 
im frühkarolingischen Teil von Amiens 9 und im etwa gleichzeitigen 
Metz 7 (wo es zu Isfl verbessert wird), sowie neben isrl, isrhl und 
israt in Cassel (Fulda) Q. 10, einer französischen Handschrift s. VIII; 
karolingische Schreiber verwerten es z. B. in Reims 384, Laon 328, 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 109 

München (Regensburg) lat. 14470, (Tegernsee) lat. 18168, (Salzburg) 
lat. 15813 (neben isrl), Zürich (Rheinau) XCIX a (neben isrl und Trht). 
IAHA im Alexandrinus (49), neben gewöhnlichem IHA und ICA, 
ist wohl nur ein Versehen. 



IHA geben als Kurzform folgende Handschriften: Philo-Papyrus 
in Paris (7), Leipziger Psalmen auf Papyrus (23), Codex Sinaiticus 
(45, neben ICfAHA, ICHA, ICA), Codex Sarravianus (46), Codex 
Ephr. rescr. (48, neben ICA), Codex Alexandrinus (49, neben ICA), 
Wiener Genesis (56, neben ICHA), Genesis Cottoniana (57), Frag- 
menta Num. (63), P. Amh. II n. 191 (30), Codex Marchalianus (65, 
neben ICA), Codex purpureus der Evangelien N (68), Codex Carolinus 
der Evangelien P (70), Codex Rossanensis (71), Evangelien-Palimpsest 
in Dublin (72), Matth. aus Sinope (73), Nitriensis (74), Laudianus (75), 
Claromontanus (76), Psalter. P. Brit. Mus. (34), Paris Coisl. gr. 1 (79), 
Codex Tischendorfianus II (81), Fragm. Regum (82, neben ICA), 
Psalter. Turicense (83), Propheten-Codex zu Grottaferrata (84, neben 
ICA und HfA), Palimpsest des Jesaias (85), P. Heid. 1 (36), Codex 
Zacynthius (90), Genesis Bodleiana 1 ) s.VIII/IX, Codex Porfirianus (91), 
Codex Chisianus (92, neben ICfAHA). Von lateinischen Hand- 
schriften kommen folgende hinzu, die ihl bieten: Rehdigeranus aus 
Aquileia s. VII (neben ist), Verona II [2] in der Cursive des 
Ezechiel s. VII, Verona VII [7], Verona LV [53] in der oberen 
Schrift, Rom Barb. (Settignano) XIV 44 (neben isrhl), Novara LI, 
Sessorianus LXXIV und XCIV, Sessorianus XCVI (neben irl), Wien 
1188 (benevent), Montecassino 64 (benevent), Ivrea XCVII; ferner 
Lyon 517 s. VI/VII, Schlettstadt 1 (Unciale), Chartres 41 (3, früh- 
karolingisch), London Cott. Nero A. II ff. (festländisch s. VIII/IX) ; aber 
auch z. B. der Ire Diarmait schreibt Ihl neben isrl. Im Koptischen 
ist IHK die häufigste Kurzform von ICP3LHX. 

ICA (statt IHA) hat sich Luc. 1, 16 im Codex Ephr. rescr. (48) 
eingeschlichen. 

IHCA und IAHA, vereinzelte Formen des Sinaiticus (45), sind 
wohl für ICHA verschrieben. Unverständlich ist die gelegentliche 
Mißbildung IAH im Alexandrinus (49). 



x ) Vgl. unten § 6. 



HO L. Traube, 

Es schien gut, hier die Suspensionen anzuhängen, die im Latei- 
nischen vorkommen. 

israh: München (Trier) lat. 28118, vgl. oben S. 107 unter srhl. 

isrlh: eigentümliche Bildung in Montpellier 362 und St. Omer 91 
saec. IX. 

isrh: Turin (Bobbio) Hofarchiv I. b. VI 28 saec. VI neben isrhl, 
München (Freising) lat. 6298 (insular), München (Trier) lat. 28118, 
München (Salzburg) lat. 15818 s. IX, Darmstadt 789 s. XI. 

9. IGfOyCAAHM. 

Auch hier lege ich die Formen der griechischen und lateinischen 
Kalligraphie in einer Art systematischer Anordnung vor, die freilich 
der geschichtlichen Entwickelung schon deshalb nicht entsprechen 
kann, weil offenbar der Einfluß verschiedener Schulen sich kreuzt 
und gegenseitig durchdringt. Bei den lateinischen Formen ist darauf 
zu achten, daß die Kontraktionen zum Teil erst aus den Suspensionen 
gewonnen sind. Diese selbst folgen am Schluß. Bedeutsam ist, 
daß nur %govoalijju, niemals 'IegoooXvfxa kontrahiert wird; vgl. oben 
S. 36. 

lepoyCAAHM findet sich fast immer ausgeschrieben im Vati- 
canus (44) s. IV (vgl. IAHM und lAM), im Codex Bezae (67) und in 
den Petrus-Fragmenten der Handschriften zu Gizeh (78); auch der 
P. Grenf. I n. 6 (58) scheint die Kurzform gemieden zu haben. 

Eigentümlich sind die Verderbnisse, die in zwei Handschriften 
das Wort betroffen haben. P. Amh. I n. 1 saec. V/VI (28) scheint zwar 
die Kontraktion IAHM zu kennen, in der 5. Kolumne aber steht 
v. 5 und 6: H 

lOyCA HAM 
und in derselben Kolumne v. 23 und 24 ist das Richtige auch erst 
nachträglich hergestellt worden. In der Psalmenübersetzung des Aquila 
aus Kairo s.VI (oben S. 41) glaubt man in Ps. 102,22 zu lesen: 

lOyCAAM 
vgl. die Ausgabe von Taylor p. 82. : ) Mir scheinen hier ältere jüdische 
Kurzformen durchzuleuchten, die dem Wort seine bestimmte messia- 
nische Bedeutung verliehen. 



') Vgl. unten im V. Kap. § 1 IP2LII unter den koptischen Kurzformen. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. l\\ 

Hier ordnen sich die lateinischen Gebilde ein. 

hieraslm: Unciale aus Settignano Barb. XIV 44 neben hiersim. 

irshtm: Barb. XIV 52 aus Farfa neben hyrhtm und irhlm. 

hirsim: auch wieder italienisch im Sessorianus LXXIV, aber auch 
im Isidor aus St. Hubert neben hrstm und ihrslm. 

ihrstm ist, wie srht, eines der spanischen Symptome. 1 ) Ältester 
Beleg ist mir auch hier das Orationale Mozarabicum Verona LXXXIX. 
Daß Lyon 430 [356], Libri Esdre et Machabeorum et Hester s. IX, 
diese Form aufweist, ist charakteristisch für die Stellung Lyons in der 
Überlieferungsgeschichte. Auch die Doctrina Orsiesii im Codex regu- 
larum (vgl. oben S. 107) hat fol. 50, wie zu erwarten, die spanische 
Form. Gleichfalls aus der Vorlage stammt sie in den Origines des Isidor 
aus St. Hubert, wo neben ihr noch hrstm und hirstm erscheinen. 

hiertm: im 9. Jahrhundert in Bern 233 (französisch?), Rom 
Sessor. XCVI (italienisch?), München (Freising) lat. 6223, Zürich 
(Rheinau) XCIX a . 

hirtem, kirim, hrtm stehen neben verschiedenen Suspensionen 
in München (Regensburg) lat. .14470. 

hirtm findet sich neben irim und ihrtm in der Apokalypse 
Cassel (Fulda) O. 5 saec.VIII. 

hrtm hat außer der eben genannten Regensburger Handschrift 
der italienische Sessorianus XCIV. 

hyrhtm: vgl. darüber unter irshtm. 

ihrtm steht im Cavensis des Danila, in der Fuldaer Apokalypse 
s. VIII (neben hirtm und irtm), in Rom (Farfa) Barb. XIV52 (hier 
wird aber neben irshtm und hyrhtm vielmehr irhtm geschrieben), in 
der deutschen Insulare München lat. 14096. 



IGAHM kennt neben mehreren andern Formen (vgl. unter 1AHM) 
der Sinaiticus (45); der Sarravianus (46) verwandelt die von ihm neben 
IHM gebrauchten Formen 1GAM und IAM öfters in IGAHR Die- 
selbe Form kommt auch im Koptischen vor. 

IGHAH im Sinaiticus (45, vgl. IAHM) läßt sich vielleicht als das 
Ergebnis einer falschen Verbesserung verstehen (vgl. IGAHM und 
IHAM). 



a ) Vgl. oben S. 107. 



112 L. Traube, 

IGAM findet sich im Sinaiticus (45, vgl. IAHM), im Sarravianus 
(46, vgl. "IHM, IGAHM und TÄM) und in koptischen Handschriften. 

ICHM: einmal im Sinaiticus (45, vgl. IAHM). 

IAHM: man darf diese Form als die eigentlich ägyptische be- 
zeichnen. Die Zeugen sind von den Papyri 23, 28, 35 und 36 ; ferner 
Vaticanus (44, neben IGfOyCAAHM und IAM), Sinaiticus (45, neben 
IGfOyCAAHM, ICHM, IGAHM, IGHAM, IGÄFT, IHAM, IAGM, 
IAM, IHM), Codex Ephr. rescr. (48), Alexandrinus (49, neben IHAM 
und IHM), Petersburger Palimpsest (54), P. Amh. I n. 8 (59), Marcha- 
lianus (65), Jesaias in Dublin (66), Ew. Purpureus N (68, neben IHM 
und IHAM), Guelferbyt. Q (69, neben IHAM), Guelferbyt. P (70), 
Ew. Nitriensis (74), Laudianus (75); im 7. Jahrhundert und später 
herrscht IAHM allein (vgl. 81, 83, 84, 85, 90, 91, 92, 93). 

IAGM begegnet einmal im Sinaiticus (45, vgl. IAHM). 

IHAM (vgl. IGHAM und koptisches IHMffl) : so haben einzelne 
Hände im Sinaiticus (45, vgl. IAHM) immer oder überwiegend; ge- 
legentlich kommt die Form vor im Purpureus N (68, vgl. IHM), 
im Guelferbyt. Q (69, neben IAHM), im Psalterium triplex in Cues A. 6 
saec. X (vgl. IAM). Sie erhielt sich in koptischen Handschriften. 



IAM: Vaticanus (44, vgl. IAHM), Sinaiticus (45, vgl. IAHM), 
Sarravianus (46, vgl. 1GAM und IHM); das eben unter IHAM er- 
wähnte Psalterium Cusanum hat HAM. Dazu kommt Um Autun 24 
s. VI — VII (in der Halb-Unciale über dem juristischen Kommentar, den 
Chatelain entdeckt hat). 



htm (vgl. HAM unter IAM) bietet der Rehdigeranus aus Aquileia 
s. VII. 



IHM ist nach IAHM die häufigste Schreibung; da sie im Ar- 
menischen fortwirkt, dürfte sie auch in Konstantinopel verbreitet ge- 
wesen sein; sie findet sich in folgenden Handschriften: im Sinaiticus 
(45, vgl. IAHM), im Sarravianus (46, neben leAHM, IGAM, TÄM), 
im Purpureus N (68, neben TÄHM und IHAM), Rossanensis (71), 
Claromontanus (76). Sie ist auch im Koptischen gebräuchlich. 

ieü wird von Rahlfs aus dem Koptischen nachgewiesen. 

Von lateinischen Suspensionen seien hier folgende angeschlossen: 

hierusat: München (Regensburg) lat. 14470. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. U3 

hierosot entspricht bisweilen in der irischen Handschrift St. 
Gallen 48 dem IAHM des griechischen Textes, wobei %qooökvfia 
(Hierosolyma) eingewirkt hat. 

hiemst in der französischen Handschrift Cassel (Fulda) Theol. 
Q. 10 s.VIII neben hierl. 

hierus im karolingischen Rohan-Evangeliar Paris lat. 9451. 

hierul: Merseburg 83 s.IX. 

hiersl: München (Regensburg) lat. 14421 s.VIII und (Tegernsee) 
lat. 18168 s.IX. 

hierl: Cassel (Fulda) Theol. Q. 10 s.VIII, Wien 1370 s.IX (fran- 
zösisch), Zürich (Rheinau) XCIX a neben hierlm. 

hirl: München (Regensburg) lat. 14470 (vgl. hirtem). 

Anhangsweise folge die Mischform: 

hieriüsm aus dem Alcvin Zürich (Rheinau) CIV. 

10. 11. IHCOyc XfICTOC. 

Es gibt wohl keine griechische Handschrift, die die Namen des 
Gottessohnes mit vollen Buchstaben böte. Kommt einmal ein aus- 
geschriebenes IHCOyc vor, so kann man meist ganz leicht die Ab- 
sicht oder das Versehen nachweisen. Gewöhnlich ist in solchen 
Fällen nicht Jesus Christus, sondern ein Homonym gemeint. So 
steht auf der Statue des Hippolytus s. III (39) innerhalb des Oster- 
zyklus: rCNCCIC xy und JIAGOC xy, wo aber Josua gemeint 
ist, zweimal IHCOyc. Ebenso wird man in den alten Handschriften 
der Bibel IC (für 'Irjoovg Xgiorog) und IHCOyc unterschieden finden. 
Selten sind die Fälle, wo IC, wie im Sarravianus (46), Marchalianus (65) 
oder im Tischendorfianus II zu Leipzig (81), für Josua gesetzt wird. 
Dem Alexandrinus (49) sind nur 2 IC (bezw. iy) für Josua ent- 
schlüpft. Im Vaticanus (44) hat Hand B 3 5 falsche IC für Jesus Sirach; 
die Absicht des Schreibers B 1 erkennt man leicht, wenn man die 
Häufigkeit der Formen einander gegenüberstellt, die er für Josua 
verwendet: 

7 IHC (vgl. darüber unten S. 114) 
13 IC 
168 IHCOyc. 
Gar nichts besagt es dagegen, wenn B 2 und B 4 , die IC XC an un- 
gezählten Stellen für Jesus Christus gebrauchen, dreimal ihn auch 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 8 



114 L. Traube, 

IHCOyc schreiben. Auch im Sinaiticus (45) findet sich ein solch 
verlorenes IHCOyN; Codex H (77) hat ein ebenso unrechtmäßiges 
sakrales XfICTCü. 

Wenn nun aber alle unsere Handschriften ohne Ausnahme da, 
wo es sich um Nomina sacra handelt, die kontrahierte Form schreiben, 
wenn sie ferner, wie die Handbücher der Paläographie lehren, in der 
von ihnen gewählten Kurzform übereinstimmen und nur IC XC an- 
erkennen, so folgt weiter, in wie früher Zeit die christliche Kalli- 
graphie, dem jüdischen Vorbild folgend, die beiden Wörter ein- 
gerichtet hat. 1 ) 

Diese Folgerung bleibt auch bestehen, wenn es sich bei näherem 
Zusehen herausstellen sollte, daß die Bildung sich nicht so einspruchs- 
los durchgesetzt hat, wie es auf den ersten Blick erscheint. Es gab 
in der Tat ursprünglich eine Nebenbildung. Den Kurzformen IC 
XC, die sich offensichtlich an QC und \<C anlehnen, stehen die 
Kurzformen IHC XfC gegenüber. 

Wir ordnen die Zeugnisse. IHC Xfc fand der Lateiner vor 
und bietet ausnahmslos der Codex Bezae (67). Auf einer syrischen 
Inschrift steht IHC (Revue bened. XXII, 1905, S. 440). 

In Ägypten herrschte IC XC (vgl. von den Papyri 3, 5, 19, 23, 
25, 26, 32); doch findet sich auch IHC und IHN (vgl. von den 
Papyri 4, 6, 10 und vielleicht 12) und einmal IHy XfY ( 24 )- Auch 
die koptischen Handschriften, wie der frühen, so noch der spätesten 
Zeit, kennen beide Formen (vgl. z. B. Mitteilungen aus den Papyrus 
Erzherzog Rainer V116 und 24 ff.; Crum, Coptic Manuscripts p. 4; 
Göttinger Nachrichten 1898 S. 169 ff.; 1899 S. 92 Anm. 6). Auf einem 
griechischen Amulett aus Ägypten s. VI fand Wessely (Denkschriften 
der Wiener Akademie XLII, 1893, S. 69) XfY neben TÖy XOy. 

Von den alten Pergamenten zeigen noch die ältesten und wahr- 
scheinlich ägyptischen Vaticanus (44) und Sinaiticus (45) ein leises 
Schwanken: B 3 (44) hat im Daniel einmal Xfy u nd B 1 für Josua 
(vgl. oben S. 113) 7 IHC; A« (45) hat im Barnabas 1 Xfy, A 5 in der 
Apoc. 29, 20 sq. 1 IHy und 1 IHN und Rom. 7, 4 1 Xfy, C hat 
1 IHC yioc ICÜCCACK. 



*) Vgl. oben S. 43. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. H5 

Von den bilinguen Texten hat Codex Bezae (67), wie wir sahen, 
nur IHC XfC, Laudianus (75) und Claromontanus (76) kennen nur 
IC XC. Auf die jüngeren bilinguen Boernerianus s. IX und Augiensis 
s. IX, die ausschließlich oder gelegentlich IHC XfC schreiben, mag 
das Lateinische eingewirkt haben, eine Annahme, die für die älteren 
bilinguen Codices weniger wahrscheinlich ist. Der Ire Martinus in 
Laon 444 s. IX schreibt bald XC, bald XfC. 

Wir haben oben (S: 4) die literarischen Zeugnisse für eine 
Kurzform von 'Itjoovg kennen gelernt, die mit den christlichen Kon- 
traktionen nichts zu tun hat: es ist 1H. Mir scheint es nicht fraglich, 
daß IH eine Nachbildung von >ß ist. 

Daß wieder für Xqioxög so früh dies Zeichen gebraucht wurde, das 
aus der Verschränkung der beiden ersten Buchstaben bestand, hat 
seinen Grund darin, daß eine derartige Buchstabenverbindung als 
Vertreter verschiedener mit X und f beginnender Wörter im grie- 
chischen Schriftwesen bereits eingebürgert war. Sie begegnet als 
sehr altes Zeichen für xgövog und xQrjotjuov. 1 ) Schon in vorkonstan- 
tinischer Zeit wurde nun 

teils in absolutem Gebrauch zur Andeutung des christlichen Bekennt- 
nisses, teils in grammatischer Konstruktion zur bestimmten Bezeich- 
nung eines Kasus von Xgiorog angewandt. In dem zweiten Fall ist 
es paläographisch betrachtet eine Suspension, für die auch gelegent- 
lich die Buchstabenelemente nebeneinander gestellt werden (Xf). 
Wir finden so zu Rom in der Priscilla-Katakombe aus dem 3. Jahr- 
hundert COI AOXA CN >g (Rossi, Bullert, di arch. crist. IV 6, 31). 

Es scheint, als habe dies Zeichen >ß eine Kurzform für 'Ljoovg 
gleichfalls schon recht früh hervorgerufen. Man schrieb HH, wie ich 
dies Gebilde auffassen möchte, als ein Iota inmitten eines Eta, 2 ) oder 
nebeneinander IH. Die epigraphischen Zeugnisse aus Rom stehen 



J ) Von der hieroglyphischen crux ansata (= Leben) kann hier abgesehen 
werden. Dagegen hat man im Mittelalter öfters auf den Zusammenhang mit dem 
Chresimon (Chrismon) hingewiesen. Vgl. z. B. Hraban. Maurus ed. Migne CVII 237 
und die Handschrift der Orthographie des Alcvin St. Gallen 249 s. IX bei Keil, Gram- 
matici lat. VII 312, 24. 

*) Gewöhnlich nimmt man an, Iota stände neben Eta und werde von dem 
Mittelstrich des Eta erreicht. 

8* 



116 L. Traube, 

bei Rossi, Bullett. di arch. crist. IV 6, 30 sqq. undV3, 77. Unverbunden 
findet sich z. B. auf einem römischen Cömeterialstein (ebd. IV 6, 36) : 

eN Th xf. 

Die ältesten christlichen Kalligraphen sind nun, als sie die Worte 
'Irjoovg Xgiarog der altern Reihe angleichen wollten, an deren Spitze 
OC und KC standen, entweder bei genauer Nachbildung der jüdischen 
Formen auf IC XC verfallen, oder sie haben das vorhandene 1H 
Xf zu IHC XfC weitergebildet. 

Fortgepflanzt findet man die alten Formen IH und Xf z. B. im 
unkalligraphischen Gebrauch der Zauberpapyri (oben S. 40) und 
Amulette (oben S. 64 f.), dann wieder bei den lateinischen Schreibern 
in Afrika. 1 ) Den Übergang von der Suspension zur Kontraktion ver- 
anschaulichen Inschriften, wie die sizilischen (vgl. Kaibel, Inscr. n. 524, 
und Führer, Sicilia sotterr. S. 142) mit dem Gebilde 

*C. 

12. yioc. 

Vielleicht unter den ersten echt christlichen Kurzformen wurde 
yc für yiOO) m die biblische Kalligraphie aufgenommen. Es 
gehört zu IC und XC, wie diese Bildungen zu 0C und KC ge- 
hören. Getragen wurde es von den Gefügen yc ey, yc ANOy, 
yc AAA. Daß es bald, nachlässig gesetzt, auch in solche Stellen 
eindrang, wo nicht von Christus und nur ganz allgemein von einem 
Sohn die Rede war, braucht nach dem, was sich z. B. von der Kurz- 
form für jiarrjg ergab, kaum noch hervorgehoben zu werden. Doch 
besteht ein Unterschied: bis zur Pluralbildung scheint man bei vlög 
nie vorgeschritten zu sein, und hierin mag das verschiedene Alter 
der beiden Formen sich wiederspiegeln. 

Der Gebrauch der einzelnen Handschriften ist längst noch nicht 
ordentlich geprüft worden. Für unsere Zwecke genügt Folgendes. 

Durchweg ausgeschrieben findet sich yiOC in den Leipziger 
Psalmen auf Papyrus s. IV (23); von Papyri vgl. ferner 2, 5, 13, 18, 19, 
22, 28. Im Vaticanus (44) hat nur Hand B 3 ein einmaliges yc 
aufzuweisen; im Sinaiticus (45) entschlüpfen nur den Händen A 1, 2 * 3< 4# 6 , 



J ) Vgl. unten Kap. V § 3. 

2 ) Die Zeichen der Diärese über y oder yi, die in einem Teil der alten 
Handschriften sehr geläufig sind, lasse ich aus typographischen Gründen weg. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. H7 

A 5 , C und D 1 ' 2 * 3 ** ganz gelegentlich kontrahierte Formen; Ephr. 
rescr. (48) hat im Alten Testament yiOC, im Neuen yc etc.; 
ebenso etwa der Alexandrinus (49): im Neuen Testament ist dabei 
yc etc. meist sakral; im Jesaias-Palimpsest zu Dublin (66), im Codex 
Bezae (67), im Laudianus (75) und im Claromontanus (76) steht 
stets yiOC; ebenso in den Petrus-Stücken zu Gizeh (78). In einem 
Teil dieser Handschriften wäre übrigens nur für yc mit nicht sakralem 
Sinne Platz gewesen. Man kann also diesen Teil auch unter die- 
jenigen Handschriften rechnen, die die Kurzform nur dort setzen, 
wo sie ursprünglich am Platze war. 

Zu diesen gehören Ephraem rescriptus (48, vgl. oben), Codex 
Alexandrinus (49, vgl. oben), die beiden Guelferbytani (69 und 70), 
der Matthäus-Palimpsest in Dublin (72) ; vgl. auch 74 und 83. Hier 
ist überall nur yc ey und yc ANOy oder derartiges wie 
TGXeTAI AC yR (Matth. 1, 21) durch die Kurzform ausgedrückt. 
Es werden gewiß noch andere Schreiber diese natürliche Unter- 
scheidung befolgt haben. 

Von Einzelbelegen seien noch folgende festgehalten: yie 
ANOy aus P. Grenf. I n. 5 saec. III (2, in der Anrede an Ezechiel), 
aus dem Papyrusbuch mit dem Anfang von Matthäus P. Oxy. I n. 2 

saec. III (3) BißAOC reNccecoc Ty xy yy AAyiA, aus 

den Logia P. Oxy. I n. 1 saec. III (5) yiOIC TGON ANCüH aus 
dem Fragment des Römerbriefes P. Oxy. II n. 209 saec. IV (24) 
yy ey. Der Philo-Papyrus (7) erweist seinen christlichen Ur- 
sprung durch den fortwährenden Gebrauch von yc etc. 

Mißgestaltungen hat der Schreiber A 5 des Sinaiticus (45) sich 
zu Schulden kommen lassen : er schreibt je einmal yyco 
und yey. 

13. CCüTHf. 



Wie yc zu IC und XC, gehört CHJ', die Kurzform von oaoxrJQ, 



zu I IHf. Die Deklination ist dem Vorbild entsprechend: CHf, CfC, 
Cfl, cfÄ.i) Als Ausnahme wäre einzig COC statt cpc auf einem 



>) In unsern Paläographien haben sich, infolge eines ungeschickten Vermerkes 
von Tischendorf, bei der Behandlung von ooixr}Q und axavgös Irrtümer festgesetzt, die 
ich hier stillschweigend berichtige; nur der Porfirianus (91) scheint den Genetiv 
cpOC neben häufigerem C|'C zugelassen zu haben. 



118 L. Traube, 

wieder verloren gegangenen ägyptischen Amulett s. VI anzusehen, 
falls die Lesung ganz sicher stände (37, vgl. Wilcken, Archiv f. Papyrus- 
forschung I 431). In koptischen Handschriften begegnet neben CHP 
auch CP und vor allem CUIP; es ist noch nicht bemerkt worden, 
daß Schreiber C des Sinaiticus (45) auch 1 CCüf hat; ein anderer 
gekürzter Nominativ findet sich in der Handschrift sonst überhaupt 
nicht. 

Für das Alter der Bildung haben wir ein indirektes Zeugnis, 
das um so mehr zustatten kommt, als auf den älteren Papyri das 
Wort weder ausgeschrieben, noch gekürzt begegnet. Codex Alexan- 
dras (49) hat 3 Mac. 6, 32 Of A statt CfA und 3 Mac. 7, 16 COI 
statt Cfl. 1 ) Die Kurzform stand also bereits in der Vorlage. 

Die Verbreitung war ganz allgemein; nur der Vaticanus (44), 
Codex Bezae (67) und Claromontanus (76) schreiben CCDTHf immer 
aus. Auch die verschiedenen Hände des Sinaiticus (45) schrecken 
im allgemeinen vor der Kontraktion des Wortes zurück. Gebraucht 
wurde sie bald nach der Einführung überall, wo eine Beziehung auf Gott 
und Christus herausgelesen werden konnte. Ihr eigentliches Feld 
war aber und blieb das Neue Testament. Bekannt ist sie noch 
dem Hrabanus Maurus (Migne, Patrol. lat. CVII 238). 

Vom Dativ Cfl weiter gebildet, findet sich zuerst im Propheten- 
Codex zu Grottaferrata s. VII (84) CflA, CflAN und CflON, in den 
Hamburger Fragmenten s. VIII (93) CflA und CflAN." 

14. CTAyfOC. 

Sicher auf christlicher Erfindung beruht die Kontraktion von 
oxavQog. Ein leicht zu benutzendes Vorbild war nicht vorhanden; 
OY^OC oder ANDC mag eingewirkt haben. Wenn aber eine 
ganz feste Kurzform nicht zustande kam, so kann dabei auch die 
späte Einführung der Kontraktion beteiligt sein. Zusammen mit der 
Kurzform des Substantivs (oravgog) tritt die des Verbs {oxavQovv) auf. 
Doch kennt z. B. der Sinaiticus (45) nur Kontraktionen des Verbs, 
der Alexandrinus (49) nur solche des Substantivs. 

Vorgekommen sind mir sechs verschiedene Formen. 2 ) 

l ) An der ersten Stelle läßt Vaticanus (44) das Wort aus, an der zweiten 
bietet er eine Verderbnis. 

') Vgl. die Vorbemerkung zu öamfe oben S. 117 Anm. 1. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. H9 



CTfC: in einem theologischen Fragment P. Oxy. III n. 406 
saec. III (11) liest man ecTfNOC xc, im Sinaiticus*) (45, Hand 
D*, Marc. 15, 15 = Tischendorfs Facsimile IV 28, 4) INA CTfGH, im 
Codex Bezae*) (67) TOy CTff (Marc. 15,30 und 32), TON 
CTfN (Marc. 8, 34) und CTf N (= ozavQcooov) AyTON (Marc. 15, 13), 
im Evangelistarium Barberinum s. VII (87, Joh. 19, 25) TCO CTfCU. 

CTfOC: dies ist die gewöhnliche mittelalterliche Form, für die 
meinen ältesten Beleg der Codex Porfirianus (91) s. VIII/IX gibt. Der 
Genetiv ist dann also otqov, nicht anqv. 

C£C: diese künstliche Ligatur, bei der das im Schaft durch- 
strichene f zugleich das Kreuz und das Monogramm Christi an- 
deutet, 3 ) findet sich im P. Rainer n. 8025 saec. IV/V(25) TOy Cfy 
(Marc. 15, 30). In den Atti della R. Accademia delle Scienze di 
Torino XXXI (1895—96) 919 führt F. Rossi ein von ihm in kop- 
tischen Handschriften gefundenes Benediktionszeichen auf eben diese 
Ligatur zurück. 

C-POC: dieselbe, nur etwas erweiterte Ligatur bietet der Sinai- 
ticus^45, Hand A ö , Apoc. 11,8 = Tischendorfs Facsimile IV 130, 3) 
ecpcÖGH (zwischen CO und O fällt Zeilenschluß) und eine kop- 
tische Handschrift in Paris 4 ) s.VII in ihren griechischen Bestandteilen 
C£ON 4>ej> GIN (Luc. 23, 26) und eCfCÖCAN (Luc. 24, 20). 5 ) 

CfOC ist die Kontraktion des Alexandrinus (49), der Cfoy 
(Matth. 27, 42; 1 Cor. 1,18; Galat. 5, 11) und CfCü (Galat. 6, 12) auf- 
weist; der Akkusativ CfON findet sich in der Homilie s.V unter 
dem Georgischen Text (60). 

CTC: auf diese Grundform führen zwei Stellen im Codex 



Bezae (67): INA CTH (oTavQwtifj Marc. 15, 15) und CTN (oravgcoaor) 
AyTON (Marc. 15, 14). 



*) Die andere Stelle, wo der Sinaiticus kontrahiert, vgl. unter C_pOC. 

*) Codex Bezae kontrahiert nur im Ev. Marc; vgl. die andern Stellen unter 

CTC. 

s ) Vgl. oben S. 13 f. über die ligierten Kürzungen von xqovo? und rgöjtog. 

*) Vgl. über sie unten S. 127, wo die späteren Neubildungen behandelt werden, 
bei ßaauevg. 

5 ) Ähnliche Gebilde sind irn Koptischen nicht selten. Weyh weist mir sie 
nach im Brucianus s.V der Pistis Sophia (ed. Schmidt-Petermann S. 357, 15), in der 
Handschrift der Cyprianuslegende (ed. Lemm S. 22) u. ö. 



120 L. Traube, 

Bemerkenswert ist, daß der Vaticanus (44) wie auch einzelne 
Hände des Sinaiticus (45) keinerlei Kurzform für das Substantiv zu- 
lassen; auch in dem Bruchstück des Hebräerbriefes P. Oxy. IV n. 657 
(19) steht ausgeschrieben CTAypON. 

15. MHTHp. 

Wir schließen die Reihe der Nomina sacra mit der Behandlung 
desjenigen Wortes, das aus dem Rahmen der bisher behandelten 
gänzlich herauszufallen scheint. Hört man von einer Kurzform für 
MttiQ, so wird man zunächst geneigt sein, sie für eine inhaltsleere 
Angleichung an die Kurzform für nm-qq zu halten. Findet man bei 
näherem Zusehen, daß auch diese Kontraktion (wie die von naxrjQ, 
nvevjua, ovgavög, äv&Qcojzog) von einigen Schreibern nicht anerkannt 
wurde, so kann man dadurch ebensowohl in der ursprünglichen 
Annahme bestärkt werden — denn in der heiligen Reihe mußte ein 
beziehungsloses Wort befremden — , als auch zu der feineren und 
vielleicht richtigeren Ansicht gelangen, daß hier eine Angleichung 
höherer Art vorliege. Die Forschungen Useners 1 ) und Dieterichs 2 ) 
haben das Verständnis erschlossen für eine Heiligkeit der jurjtrjQ, die 
älter ist, als die der fteoroxog und zusammenfällt mit der Personi- 
fikation der göttlichen Weisheit und der Kirche. 3 ) 

Je weniger in den kanonischen Büchern von dieser heiligen 
Mutter zu finden war, um so mehr mochte ein Schreiber, der in einer 
solchen Vorstellung lebte, sich aufgelegt fühlen, sie in die heiligen 
Texte hineinzutragen und dem Flf und yc ein Mf oder dem HHp 
ein MHf an die Seite zu stellen. Diese neue Bildung wurde zu- 
nächst an denjenigen Stellen angewandt, die über den jeweiligen Zu- 
sammenhang hinaus eine geheimnisvolle Nebenbeziehung zuließen. 

Ausgeschrieben findet sich MHTHf fast immer im Vaticanus (44), 
wogegen der Sinaiticus (45) einzelne kontrahierte Formen fast in jedem 
Teil aufweist; nur MHTHf kennt der Sarravianus (46) und der Codex 

») Dreiheit S. 41 ff. 

2 ) Mutter Erde S. 116 ff. 

3 ) Man wird Reste dieser Mutterverehrung außer in der Kalligraphie auch in 
der Buchmalerei finden. Zur Orientierung über die vorhandenen Darstellungen vgl. 
F. F. Leitschuh, Geschichte d. karoling. Malerei S. 258 ff. (die Kirche) und S. 267 ff. 
(Sophia sancta). 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 121 

Bezae (67); wie es scheint, auch die Genesis Cottoniana (57). l ) Der 
Claromontanus (76), und dies Beispiel ist besonders anschaulich, hat 
nur da, wo ju^rrjg zum ersten Male vorkommt, die kontrahierte Form 
(Rom. 16,13 MfA), sonst immer die ausgeschriebene (dabei Eph. 6, 2 
MHTGfA COy neben HfÄ COy). 

Zur Verwendung kommt sonst, soviel ich sehe, überall folgende 
Reihe, die genau der bei riHf anerkannten entspricht: 

MHf, MfC, Mfl, MfA. 
Die im Verzeichnisse der Melchiten 2 ) aufgeführten ganz richtigen 
Formen: JIsq, ]ÄQsg, figcov, Jigäg habe ich in alten Handschriften nicht 
getroffen. Nur M<pcü>N ist offenbar im Berliner Papyrus-Fragment 
der Briefe des Basilius s. V/VI (29) zu lesen, wo der Herausgeber 
M<HCü>N vermutet. Und der späte Porfirianus (91) hat MfAC. 

Der Nominativ Mp, der vielleicht in ältere Zeit zurückreicht, ist 
mir doch nur in jüngerer und nicht in Handschriften begegnet. 3 ) So 
steht auf dem Elfenbeindeckel des Evangeliars des Burkhard, Würz- 
burg Mp. th. f. 68, und auf dem Kuppelmosaik des Doms von Murano 
(Meier-Gräfe, Entwickelungsgesch. d. modernen Kunst, III Taf. 1) Mf 
Öy. Öfters aber liegt auf ähnlichen Denkmälern eine Ligatur von 
M, H und f vor, die mit Mp leicht zu verwechseln ist. 

Über den unregelmäßigen und wahrscheinlich verschriebenen 
Genetiv MHpc vgl. unten Anm. 1. 



5. Die Nomina sacra in nichtchristlichen Texten. 

Hier ist der Frage näher zu treten, ob die Nomina sacra außer- 
halb der biblischen Bücher und, allgemeiner gesprochen, überhaupt 
außerhalb der christlichen Literatur in profanen Texten zu einer häu- 
figeren Verwendung kamen, eine Frage, die man auch so wenden kann: 
ob die sakrale Bedeutung und Bedingtheit der Kurzformen bis in 



*) Daß die Kontraktion in der Wiener Genesis (56) fehle, ist nicht richtig 
behauptet worden. Gen. 37, 10 steht MHp und Gen. 24, 28 in einer eigentümlichen 
Fassung dieses Verses MHpc als Genetiv. 

s ) Vgl. oben S. 8. 

s ) Älteste Beispiele für MHp geben die Papyri 23, 29, 36 und der Vaticanus (44). 
Auf Irrtum beruht MTf (23). 



122 L. Traube, 

das Mittelalter hinein wenigstens einigermaßen bekannt und bewahrt 
blieb. 

Wir haben zwar schon bei jeder einzelnen Form in unserer 
Aufzählung festgestellt, wo und wie weit der Gebrauch der kontra- 
hierten Nomina sacra die ursprünglich eng gesteckten Grenzen über- 
schritt. Aber es war dabei der Boden, auf dem wir uns bewegten, 
immer noch der biblische und christliche, und die Verallgemeine- 
rungen, die wir entstehen sahen, geschahen nur innerhalb des ur- 
sprünglichen Gebiets der kalligraphischen Erfindung. Doch von ihnen 
bis zu Wortbildern etwa wie: HHf ANAfCON TG 0CON TG oder 
OY AeN ANOy AGINOTGfON neAGI, ist ein weiter Schritt. 
Hat man ihn getan? Die Antwort ist wichtig für die Überlieferungs- 
geschichte und weil sie noch einmal den ganz speziellen Gehalt 
hellenistisch-jüdischer Spekulation uns fühlen läßt, den die Kontrak- 
tionen bergen. 

In der Fülle literarischer Papyri, über die wir jetzt verfügen, 
finden wir nichts dergleichen. Nur auf einem Blatt eines Papyrus- 
buches aus dem Faijüm begegnet ANOIC; es enthält eine eigen- 
artige Fassung der Vita Aesopi. Der Herausgeber, Henri Weil, 1 ) setzt 
es in das 6. Jahrhundert. 

Ganz verbreitet scheint dagegen die Übertragung in den Perga- 
menten vom 9. Jahrhundert an. Nicht wenige Philologen werden 
darüber aus eigener Erfahrung berichten können. Heiberg schreibt 
mir folgendes: „In den alten Ptolemaioshandschriften kommt der- 
gleichen nicht vor (Gelegenheit war da bei ovoavög). Dagegen hat 
Marc. 196 s. IX (Olympiodor. in Piaton.) immer avcov und dergl. (in 
Überschriften regelmäßig avv #«). München gr. 427 s. XIII (Hypsi- 
kles = Eukl. Eiern. XIV, in meinem Euklid vol. V) S. 2, 2 nQi, 10 ngog, 
S. 4, 2 txqo. (einzige Gelegenheit). Cod. Constantinopolit. von Heron 
S. XI — XII fol. 27 avöig (einzige Gelegenheit)." Aber schon ein flüch- 
tiges Blättern in einer einzigen Sammlung wie Omonts Fac-similes 
des plus anciens manuscrits grecs en onciale et minuscale zeigt 
avövg im Hesiod Paris gr. 2771 s. X, avöi im Cisalpinus des Thuky- 
dides (Paris suppl. gr. 255 s. XI), nrfq in der Alkestis Paris gr. 2713 
s. XI. 



J ) Revue de philologie, Nouvelle serie IX (1885) 20; abgedruckt in Weils 
Etudes de litteiature grecque, Paris 1902, p. 119 sqq. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 123 

Zwischen diesen Pergamenten und den vorher erwähnten Papyri 
klafft die bekannte große Lücke. Nur die beiden Wiener Dioskurides, 
die Ilias Ambrosiana, die vatikanischen Bruchstücke des Cassius Dio, 
ferner die griechischen Palimpseste aus Bobbio zeigen das Vorhanden- 
sein und die Art der dazwischen liegenden Überlieferung an. Und 
auf solchen Pergamenten, nicht unmittelbar auf den Papyri beruhen 
wohl zumeist die membranacel und chartacei, auf denen wir unsere 
Texte aufbauen müssen. Diese älteren Pergamente scheinen nun 
aber die Kurzformen der Nomina sacra nicht zugelassen zu haben. 
Wenigstens weiß ich nur, daß im Dioskurides der Anicia (Wien 
med. gr. 1), der c. 512 in Konstantinopel geschrieben wurde, neben 
ANepconoiC und ANefGOnCüN je einmal ANOy, ANOIC und 
ANOyc vorkommt. 1 ) Meine Hilfsmittel für diesen Zweig der Über- 
lieferung sind freilich gering. 

Gedenken möchte ich hier Diels' sehr sinnreicher Herstellung 
eines Q \ in den Worten des Heraklit bei Apuleius de mundo (Sitzungs- 
berichte der Berliner Akademie 1901 S. 199), wenn sie auch als gesichert 
nicht gelten darf (z. B. könnten die beiden O, die Diels auf seine Ver- 
mutung brachten, als Beziehungszeichen gedeutet werden, so daß 
dann fteov, was an sich nötig scheint, bei Apuleius ebensowenig über- 
liefert wäre als beim Auetor jieqI xoojuov, beim Armenier und bei 
Stobaeus). Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß Diels selbst sich 
die Frage vorgelegt hat, ob seine Annahme historisch möglich sei. 
Er sagt: „Die Abkürzung OC ist in den kirchlichen Handschriften 
regelmäßig und seit dem 3. Jahrhundert nachgewiesen. Wann sie 
freilich in den Profangebrauch übergegangen ist, ist mir nicht be- 
kannt. Das Material literarischer, nicht kirchlicher Texte aus den 
letzten Zeiten des Altertums ist auch sehr spärlich." Die Antwort 
freilich, die er für möglich zu halten scheint, glaube ich einstweilen 
ausschließen zu müssen. 2 ) Auch stünde ein Text wie liegt xöojuov ge- 
wiß nicht auf derselben Stufe wie die Klassiker; das gilt auch von 
dem oben erwähnten Volksbuch, der Vita Aesopi, von der Bearbeitung 
des Dioskurides und z. B. vom Olympiodor (oben S. 122) — und um 



2 ) Vgl. Wessely in der Leidener Ausgabe (1906) I 201. 

*) In der Deutsche n Literatu rzeitung 1903, S. 3006, setzt Diels die Möglich- 
keit des Übergangs von ANCÜN zu AAACUl in einem Zweig der Platonischen 
Überlieferung vielleicht auch zu früh an. 



124 L. Traube, 

wieviel mehr z. B. vom Lactanz, wo uns 9N und ANCON in den 
sibyllinischen Versen ganz natürlich dünkt. Fände sich dergleichen 
etwa in den Graecis des Rhetor Seneca, wo ich es aber nirgends ver- 
spürt habe, so würde man weit eher denken können, ein Ire habe 
es in die- Überlieferung hineingetragen, als dort gefunden und ge- 
duldet. Gewiß könnte man dies auch vom Apuleius sagen, voraus- 
gesetzt, daß ein volles Q\ in der Mitte und am Schluß jenes Satzes 
erhalten wäre. 

Zunächst muß man also wohl annehmen, daß Photius, Leo, 
Arethas und ihre Schüler und Schreiber es waren, die bei gleich- 
mäßiger Hinneigung zu den Klassikern und den kirchlichen Texten 
eine Vermischung schufen, die vor dem 9. Jahrhundert nur ganz selten 
vorkam. In der Tat, wenn man den Clarkianus des Plato öffnet, so 
findet man nicht nur am Rand, sondern auch im kalligraphisch rein- 
gehaltenen Text, wenngleich nicht sehr häufig, die vorausgesetzten 
Gebilde (z. B. fol. 64 uvööv, fol. 144 ivömm). Vgl. über Paris gr. 451 
oben S. 95. 

Es verträgt sich sehr gut mit dieser Feststellung, daß in unsern 
nichtkirchlichen Texten manche in die Augen springende Verderbnis 
zu heilen ist, wenn man als Grundlage des Mißverstehens und 
Verschreibens die Kurzformen der Nomina sacra ansetzt. Ja, wo diese 
Art der Heilung ganz sicher ist, mag in ihr zugleich ein Stück Text- 
geschichte liegen. Aber man sollte dann zunächst nur immer an den 
großen Patriarchen und seine Schüler oder überhaupt an die Zeit 
dieses ersten Wiederauflebens der Klassiker im christlichen Mittelalter 
denken und nicht an frühere Phasen der klassischen Überlieferung. 

Nach dem Vorgange Bentleys l ) hielten besonders Cobet 2 ) und 
seine Schüler 3 ) große Stücke auf die hier bezeichnete paläographische 
Kur. Wenn viele von ihren Voraussetzungen, wie etwa Ol NOMOl 
KOI = ol vö/uot xvqioi, ganz undenkbar sind, so ist anderes, das sie 
mit glücklichem Scharfsinn aufgedeckt haben, wie gesagt, der histo- 
rischen Verwertung zugänglich und harrt des geschickten Deuters. 4 ) 



*) Vgl. oben S. 9 Anm. 2. 

2 ) Vgl. besonders Novae Lectiones, Leiden 1858, p. XII. 
s ) Vgl. besonders J. Chr. Vollgraff, Studia palaeographica, Leiden 1870, p. 69 sqq. 
4 ) Cobet bedient sich noch in der zweiten Auflage der Variae Lectiones 
(Leiden 1873) S. 13 eines Scholions zur Odyssee a 275, um das Alter der Kurz- 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 125 

6. Spätere Neubildungen. 

Wie sehr den Griechen die fremde Herkunft und der sakrale 
Gehalt der Kontraktion bewußt blieb, zeigt aufs deutlichste eine letzte 
Beobachtung, die wir zu machen haben. Während das in der Kon- 
traktion liegende Prinzip von den Lateinern erkannt und fast bis^zum 
Äußersten ausgenutzt wurde, haben es die Griechen, selbst in der 
kirchlichen Kalligraphie, zur Schaffung neuer Wortbilder kaum ver- 
wendet. Mit der Bildung der Kurzformen von ocotijq .und oravQÖg, 
die ich für die jüngsten halte, war die Triebkraft erloschen. Man 
hat im ganzen Umkreis griechisch-christlicher Schreibkunst den da- 
mit erreichten Bestand der kontrahierten Nomina sacra weit eher zu 
vermindern als zu bereichern getrachtet, freilich auch hierin ohne 
eigentlichen Erfolg. Wenn nicht überall in vollzähliger Gemeinschaft, 
lebten doch, alles in allem, die anerkannten Kurzformen der 15 Nomina 
sacra ohne Einbuße fort. 

Der kleine Zuwachs, der allmählich eintrat, entstand zunächst 
nur aus der Einrichtung abgeleiteter Wörter. Wir sahen schon, wie 
flHf (oder vielmehr der Dativ rlfi) zu nflc",i) ÜNÄ (oder fiRi und 
ÜNÄTT) zu HNIKOC und JINATIKOC,*) ANOC zu ANINOC, 3) 
CHf (oder Cfl) zu CfiÄ, 4 ) CTf OC zu CTf CUCAIs) führte. Wie 
von selbst folgte z.B. OyNIOC,«) CpIAANIA,?) AMCüf (=d^Tö)g), 
Formen, die sich immer noch auf Wörter des biblischen Textes 
bezogen. Ableitungen, wie nQixiog ngiaQxrjg, gehören einer späteren 
Zeit an. 

Nicht so einfach ist &xög für öeotöxog zu bestimmen. Nimmt 
man, wie es natürlich erscheint, &g als Ausgangspunkt an, so er- 



formen nachzuweisen. Er zitiert es, offenbar nach Buttmanns hier auf Porsons 
Exzerpt sich stützender Ausgabe (Berlin 1821), so: Tfj dQxaia avvrj&eiq iyiyeanzo 
firjQ • rovio ayvor\oag rtg jigooe&rjXE x6 ä. Inzwischen war aber Dindorfs Sammlung 
erschienen (Oxford 1855), wo man die richtige Gestalt der ganz andersartigen Be- 
merkung finden konnte: Tfj aQxaiq ovvr]&eiq iysygajiro MGTGp dvrl xov MHTH|\ 

1 ) Vgl. oben S. 97. 

2 ) Vgl. oben S. 95. 
s ) Vgl. oben S. 103. 
4 ) Vgl. oben S. 118. 
6 ) Vgl. oben S. 118 f. 
6 ) Vgl. oben S. 100. 
') Vgl. oben S. 103. 



126 L. Traube, 

wartet man &roxog. Wenn sich ohne Ausnahme nur Vxog findet, 
so mag vielmehr IAHM das Vorbild gewesen sein und eine alte 
gute Tradition die Bildung empfohlen und geschützt haben. 
Wir können für sie freilich kein altes Zeugnis beibringen. Das 
Wort selbst, das im Neuen Testament noch fehlt, scheint sich erst 
im 3. Jahrhundert eingebürgert zu haben. 1 ) Vor dem 11. Can- 
ticum steht es im Alexandrinus, aber ausgeschrieben nfOCey^H 
MAflAC THC eGOTOKOy; an derselben Stelle fehlt es im 
Psalterium bilingue zu Verona. 2 ) Dennoch liegt die Möglich- 
keit vor, daß aus dieser Überschrift oder aus dem Gebrauch der 
Väter (vielleicht des Origenes) die Kurzform in die Minuskel-Hand- 
schriften überging und als alt anzusehen ist. 

Wir gehen zu eigentlichen Neubildungen über und schließen 
siagdevog an fteoroxog. Hier überrascht zunächst folgende seltsame Form : 
es findet sich in den Evangelien Paris gr. 62 saec. IX 3 ) und in dem Ox- 
forder Teil der von Tischendorf auseinander gerissenen und in ein- 
zelnen Stücken verkauften Handschrift des Alten Testamentes saec. IX/X 4 ) 

e 

HAfNOC. 
Derselben Kurzform begegnet man dann öfters auch in späteren kirch- 
lichen Handschriften, wobei bisweilen der Strich unter dem fehlt. 

Vergleichbar ist in einer oberägyptischen Handschrift saec. X 
e e 

ANCON (= äv&QtoJicov) und <J>1ANC (= (pääv&Q(07iog), 
vgl. Junker-Schubart, Zeitschrift f. ägypt. Sprache XL (1903) 10 und 19. 
Eine Kurzform von ßaodevg mochte leicht entstehen in An- 
lehnung an xvQiog oder oconfe. Aber an das von Bruno Keil 5 ) 
postulierte BA*Y"Q das in viel höhere Zeiten hinaufginge, kann ich 
nicht glauben. Daß auf smyrnischen Münzen des 2. Jahrhunderts 
v. Chr. BAyc die Auflösung ßaodevg auch nur zulasse, 6 ) wird von 
Numismatikern wie Pick und Riggauer bestritten. Scheint sie in 



x ) Vgl. Salzer, Sinnbilder Mariens, S. 101; Reitzenstein, Zwei religions- 
geschichtliche Fragen, S. 125. 

2 ) The Old Testament ed. Swete III 809. 

*) Vgl. Tischendorf, Monumenta sacra ined., Leipzig 1846, p. 18. Die Alters- 
bestimmung gebe ich nach Omont. 

4 ) Vgl. Tischendorf, Monumenta sacra ined., Nova coli., Leipzig 1857, II 179. 

B ) Vgl. oben S. 12 Anm. 4. 

6 ) Vgl. oben S. 12 Anm. 3. 



Nomina sacra. III. Nomina sacra im Griechischen. 127 

einer Verbindung wie AlONy^lOC BAyc zu passen, so erweist 
sie sich als ungeeignet in einer andern wie MHNOcj)IAOC Kf ABAyc 
(Head, Jonica p. 246). Seitdem auch in einem Papyrus des zweiten 
nachchristlichen Jahrhunderts das Gebilde ßaoorjg, das man einen 
Augenblick als Kontraktion von ßaodiaorjg angesehen hatte, von 
Kenyon 1 ) als eben dieses Wort mit allen, nur sehr flüchtig hin- 
gesetzten, Buchstaben erkannt wurde, bleibt nur ein ßavg im Mar- 
cianus s. XV des Lexikons des Hesychius, wo nun, wenngleich eine 
versehentliche Auslassung nicht unwahrscheinlich ist, vielleicht auch 
eine Kontraktion vorliegen könnte, die der Schreiber der Vorlage s. IX 
zugelassen hätte. Auf eine sofort anzuerkennende und an sich be- 
greifliche Kontraktion stoßen wir in einem Stück griechischen Evan- 
geliums in der koptischen Handschrift Paris copt. 129 8 fol. 150, viel- 
leicht saec. VII, wo zweimal deutlich BACAC TCUN lOyAAlCON 
steht. 2 ) 

Alles Weitere, was hier dem Scheine nach angeführt werden 
könnte, ist sehr zweifelhaft: es beruht teils auf irrtümlicher Lesung 
oder Deutung der Forscher, teils auf privater momentaner Laune der 
Schreiber. 

So glaubte Detlefsen 3 ) in dem Bruchstück einer griechischen 
Legende vom hl. Georg, die er in Wien 954 unter einem lateinischen 
Texte s. VIII fand, ONOC gelesen zu haben und als övojuarog ver- 
stehen zu dürfen. Diese Deutung gibt aber in dem betreffenden Satze 
keinen Sinn. 

Dieterich 4 ) schloß aus der freilich an zwei Stellen vorliegenden 
Verschreibung KfOC für KfONOC, die er in dem Leidener Zauber- 
papyrus J. 395 fand, 5 ) auf eine Kontraktion KfOC für Kgövog, deren 
sich die Vorlage bedient habe. 



J ) Vgl. The Palaeography of Greek Papyri, p. 33 adn. 2, und oben S. 12 
Anm. 4. 

2 ) Vgl. Am&ineau, Notices et extraits XXXIV 2, p. 387 und pl. I; dazu E. 
v. Dobschütz, Literarisches Centralblatt 1895 S. 1858, von welcher Stelle ich den 
Hinweis empfangen. 

J ) Sitzungsberichte der phil.-hist. Cl. der Wiener Ak. XXVII (1858) S. 394. 

4 ) Abraxas S. 11. 

5 ) Vgl. oben S. 38. 



128 L.Traube, 

In den Katakomben von Syrakus steht einmal AACü (= dovXcp) 
neben ©C, 1 ) auf einer christlich-griechischen Inschrift in Rom MNC 
für juvtjjurjg', 2 ) eine syrische Inschrift 3 ) bietet nebeneinander QC ABfM 
ICK lAKCUß und <}>A2.N (= <pvXa£ov)\ der koptische Schreiber eines in 
Oberägypten aufgezeichneten griechischen Gebetes 4 ) läßt Formen wie GTC 
(für dvolag), 0TCAHPIOT (für &voiaotr]Qiov), UTCPIUIH (für juvotrjQicov) 
einfließen. Dies und dergleichen gibt uns kaum ein Recht, von mehr 
zu sprechen als einer gelegentlichen Nachbildung der Kontraktion der 
anerkannten Nomina sacra. Eine wirklich legitime Vermehrung des 
Bestandes werden wir dagegen im Kirchensla vischen antreffen. 6 ) 



J ) Kaibel, Inscriptiones gr. Siciliae et Italiae n. 158. 

2 ) Ebenda n. 1776. 

3 ) Le Bas, Voyage archeologique n. 2068. 

*) Herausgegeben von Junker und Schubart, Zeitschrift für ägyptische Sprache 
XL (1903) 1 ff. 

s ) Unten Kap. VI § 1. 



IV. NOMINA SACRA IM LATEINISCHEN. 



Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 



1. Übertragung der griechischen Nomina sacra ins 

Lateinische. 

In den ältesten Handschriften von Stücken des Neuen und 
Alten Testaments in lateinischer Sprache finden wir einen Teil der 
griechischen Nomina sacra in einer Form wieder, die offenbar auf 
unmittelbarster Nachahmung und Übernahme beruht. Unter der Ein- 
wirkung von ÖC ist deus zu DS, unter der Einwirkung von TINA 
ist Spiritus zu SPS geworden. Griechisches 1HC XfC hat Latei- 
nisches IHS XPS ergeben. KC wird seit dem 5. Jahrhundert durch 
DNS und DMS vertreten; ein dem Griechischen entsprechendes DS 
wäre mit der Kurzform für Gott zusammengefallen: so gebrauchte 
man zunächst verschiedene Suspensionen, die man aus der Titulatur 
der Kaiser herübernahm, und bildete dann aus diesen Suspensionen 
die erwähnten Kontraktionen. Die anderen griechischen Nomina 
sacra haben im Lateinischen keine Entsprechung. Für OHf oyNOC 
ANOC Y^ CHf CTC MHf kommen keinerlei lateinische Kurz- 
formen vor. Von AAA IHA IAHM (oder deren Nebenformen) gibt 
es wohl schon in ziemlich alten lateinischen Handschriften genaue 
oder ziemlich genaue Nachbildungen; aber in der Überlieferung 
biblischer Stücke findet man sie schwerlich vor dem 6. Jahrhundert. 1 ) 
Sie sind nicht aus der Übersetzung der heiligen Schriften, sondern 
aus sonstiger ekklesiastischer Literatur in Umlauf gekommen. 

Die älteste lateinische Kurzschreibung der Nomina sacra geht 
mithin von jener alten griechischen Stufe aus, die uns in einem 



J ) Vgl. oben S. 104 ff. 

9* 



132 L.Traube, 

Teile des Vaticanus (B 2 und B 4 ) erhalten ist, 1 ) nur daß dort für IHC und 
XfC ausschließlich IC und XC gebraucht wird; doch waren die 
Formen IHC und XfC andern Schreibern derselben Handschrift 
wenigstens nicht unbekannt und wir wissen, daß IHC wie XfC 
den Formen Tc und XC an Alter auch sonst mindestens gleich- 
kommen. Die Kurzformen der Nomina sacra im Koptischen (in dem 
IHC XfC und IC XC neben- und durcheinander vorkommen) und 
im Gotischen und Armenischen (wo IC und XC nachgebildet wird) 
setzen etwa dieselbe griechische Stufe voraus wie das Lateinische; 
davon wird unten im fünften Kapitel gehandelt werden. Nur fehlen 
im Gotischen und Armenischen die Kurzformen von jzvevjua, was im 
Gotischen durch den Arianismus bedingt ist. Auch im Lateinischen 
gibt es einige Handschriften, die SPS meiden, wobei denn wahr- 
scheinlich gleichfalls antitrinitarische Gründe mitgesprochen haben. 
Das Koptische und Armenische besitzen dagegen die Kurzformen von 
'IoQarjX und e IeQovoaXrj[x. 

Dürfen wir annehmen, wie wir das auch oben S. 43 getan 
haben, daß im Codex Bezae die Kürzungen ©C KC LINA IHC 
XfC, wie sie die geläufigen sind, aus der Vorlage übernommen wurden, 
dagegen die Kürzungen HAf und CTfC (CTC), die dort nur ge- 
legentlich begegnen, als Zutat der verhältnismäßig späten Abschrift 
zu betrachten sind, so haben wir für die lateinischen Kürzungen DS 
DMS (DNS) SPS IHS XPS eine auf das genaueste entsprechende 
Grundlage gewonnen, und wir können dann auch die von der 
Textgeschichte nahegelegte Vermutung auf das Paläographische aus- 
dehnen, daß nämlich die griechischen Vorlagen der ältesten latei- 
nischen Übersetzungen aus Syrien gekommen sind. 

Es ist kaum nötig zu sagen, daß aus der biblischen Überliefe- 
rung die so gestalteten Nomina sacra sich der gesamten christlichen 
lateinischen Literatur mitgeteilt haben. 



2. Alter und Heimat der lateinischen Nomina sacra. 

Wann und wo wurden die lateinischen Nomina sacra in die 
Kurzformen gebracht, die sie auf Jahrhunderte hinaus nicht mehr ver- 
lassen sollten? 

*) Vgl. oben S. 66 f. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 133 

Das Material zur Antwort auf diese Fragen ist niedergelegt in den 
Abschnitten, die unten den einzelnen lateinischen Nomina sacra ge- 
widmet sind. Hier will ich versuchen, von den Sonderbeobachtungen 
zu einer Gesamtanschauung zu gelangen. 

Hinreichend deutlich stellt sich sofort heraus, daß die Kon- 
traktion der lateinischen Nomina sacra nicht die beliebige Erfindung 
irgend eines lateinisch schreibenden Christen war, sondern nur ent- 
stehen konnte im engsten Anschluß an die Übersetzung der Bibel. 
Der epigraphische Gebrauch bot keinerlei Anlaß zu dieser Neuerung. 
Er ist auf die Suspension gestellt und bevorzugt diese auch dann 
noch, als die Kontraktion schon allgemein sich eingebürgert hat. 1 ) 
Wenn wir daher nach dem Alter der Erfindung fragen, ist von vorn- 
herein in Betracht zu ziehen, daß die epigraphischen Zeugnisse durch- 
weg um ein Beträchtliches nachhinken, von den festen Daten also, 
die sie bieten und derentwegen sie wertvoll sind, auch immer eine 
Anzahl von Jahren abzuziehen ist. Eine wie große, ist freilich schwer 
zu sagen. Nur bei Filocalus, dem Zeitgenossen des Damasus und 
Hieronymus, der zugleich Steinmetz und Kalligraph war, braucht der 
Unterschied nicht allzu bedeutend zu sein. 

Die epigraphischen Zeugnisse leiden noch an einem andern 
Übelstand. Eben weil sie von einem Gebiete kommen, auf dem die 
Erfindung nicht gemacht worden ist, sind sie großer Zufälligkeit 
unterworfen. Das gewöhnliche Formular der Inschriften umfaßte 
nicht alle Nomina sacra gleichmäßig. Es kam in ihm Christus viel 
häufiger vor als Jesus, deus nicht oft und Spiritus fast nie. Da uns 
aber der innere Zusammenhang der Kontraktionsbildungen feststeht, 
da wir von der Gleichzeitigkeit der Erfindung von ds, sps, ihs und 
xps ebenso überzeugt sind, wie davon, daß dns und drris erst etwas 
später hinzukamen, wird die Spärlichkeit des Materials einigermaßen 
ausgeglichen. 

Ich stelle in einer Übersicht zusammen, wie ich mir auf 
Grund dieser allgemeinen Erwägungen die epigraphischen Zeugnisse 
auslege. 



*) Beispiele dafür werden unten in den Sammlungen für die lateinischen 
Nomina sacra überall gegeben. 



134 L.Traube, 

Verbreitung der kontrahierten Nomina sacra: 

in Rom vor 366 — 384: in diesen Zeitraum fällt eine Inschrift mit 

XPS von der Hand des Filocalus; 
in Afrika vor 408: aus diesem Jahre ist eine Inschrift mit DS und 



XPS erhalten; 
in Gallien ziemlich lange vor 431: in diesem Jahre ist DNS in 

Lyon bezeugt; 
in Sizilien vor 435: in diesem Jahre kommt XPS in Catania vor; 
in Oberitalien ziemlich lange vor 442: in diesem Jahre kommt 

DMS in Lodi vor; 



in Spanien vor 446, in welchem Jahr XPS nicht ganz gut, oder 
ziemlich lange vor 485, in welchem Jahre DNS bezeugt ist. 

Es kommt noch folgendes hinzu. Wir können feststellen, daß 
im 5. Jahrhundert in Italien die Kurzformen der Nomina sacra bereits 
so sehr eingebürgert waren, daß man Analogiebildungen auf anderen 
Gebieten als dem sakralen wagte. Hier nur soviel davon : die alte ita- 
lienische Überlieferung des Codex Theodosianus, die durch die Jahre 438 
und 533 umgrenzt ist, kennt nicht nur xps und s~cs (= sanctus), 
sondern auch Bildungen wie ppö (= praefectus praetoriö), wofür 
man noch kurz vorher p.p. geschrieben hatte. Christlicher Einfluß 
muß diesen Umschwung bewirkt haben. 

Ist es nun ein Zufall, daß für Italien die Kurzschreibung der 
Nomina sacra früher bezeugt ist als für Afrika? 

Hier ist eine prinzipielle Bemerkung einzuschieben. Wenn das 
paläographische Problem, das wir erörtern, ersichtlich ganz hinein- 
fällt in das größere literarische, das durch die Frage nach dem Alter 
und der Herkunft der Übersetzungen der lateinischen Bibel auf- 
geworfen wird, so muß doch unsere Darlegung sich frei halten von 
aller Rücksicht auf die nicht hinreichend sicheren Antworten, die 
diese wichtigere Frage gefunden hat. Umgekehrt dürfen wir hoffen, 
daß der Versuch, das paläographische Problem auf rein paläo- 
graphischem Wege zu lösen, auch der Lösung des literarischen zu gute 
kommen muß. 

Eines darf als durchaus sicher angesetzt werden: die ältesten 
Schreiber der Vulgata kannten und gebrauchten ausschließlich die 
sakralen Kurzformen ds, Ihs, xps, sps und dns. Ferner: in den Hand- 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 135 

Schriften mit vorhieronymischen Texten herrscht dieselbe regelrechte 
gräcisierende Bildung; nur ist dms häufiger als das. Man kann 
dabei an und für sich schwanken, ob der Gebrauch des Hieronymus 
einen vor ihm liegenden fortpflanzt oder ob der Gebrauch der 
uns erhaltenen Handschriften vorhieronymischer Übersetzungen be- 
reits die Eigentümlichkeit der Vulgata angenommen hat. Doch ist 
die zweite Annahme bei der Fülle von vorhieronymischen Hand- 
schriften verschiedenster Art, die in der Bildung der Nomina sacra 
doch völlig übereinstimmen, mehr als unwahrscheinlich. Nichts be- 
weist und das Vorhandensein dieser vielen freilich nur in Bruchstücken 
überlieferten älteren Texte widerlegt, daß die Übersetzung des 
Hieronymus bereits im 5. Jahrhundert solchen Einfluß gewonnen 
hätte. 

So müssen wir denn annehmen, daß ein Übersetzer vor Hie- 
ronymus angesichts des griechischen Textes, den er ins Lateinische 
übertrug, auch die graphische Umbildung der Nomina sacra voll- 
zog. Denn kein anderer kann das getan haben als ein Mann, dem 
das Griechische nicht viel ferner stand als das Lateinische, der das 
Griechische durch das Lateinische zu erreichen, zu ersetzen suchte, 
d. h. nicht ein beliebiger Kalligraph, nicht ein gewöhnlicher Leser, 
sondern ein Übersetzer. Gewiß ist es auch, daß es sich zunächst 
um eine Übersetzung aus dem Neuen Testament handelte. Die 
Sparsamkeit der Nomina sacra, die er dem Lateinischen aneignete, 
und die Bildungen ihs xps, die er nur in alten griechischen Hand- 
schriften finden konnte, sprechen dafür. 

Das Übereinstimmen so vieler Handschriften vorhieronymischer 
Texte in der Schreibung der Nomina sacra beweist noch nichts für 
ihre Gleichzeitigkeit oder unmittelbare Zusammengehörigkeit; sie legt 
nur Zeugnis ab für die Stärke einer geschlossenen Tradition, in der 
sie stehen. Da eine Anzahl Handschriften örtlich zu bestimmen 
ist, so ist man darnach geneigt, diese Tradition eine italienische, ge- 
nauer eine oberitalienische, zu nennen — die Tradition; über den 
ersten Übersetzer ist damit noch nichts ausgesagt. 

Eine einzige Handschrift, die uns in ziemlich umfangreichen 
Bruchstücken erhalten ist, steht außerhalb dieser italienischen Tra- 
dition, und der Gegensatz, der sich hier offenbart, fördert uns mehr 
als die vorher betonte Übereinstimmung. 



136 L.Traube, 

Ich spreche von dem Evangelienfragment Turin G. VII 15 (k), 
das im folgenden Paragraphen ausführlicher behandelt wird. In k 
finden sich die regelrechten Kontraktionsformen nur von deus; da- 
gegen Jesus, Christus und dominus werden durch Suspensionsformen 
ausgedrückt; oft ist der Versuch gemacht, diese Suspensionsformen 
durch Herüberschreiben des Endbuchstabens zu Kontraktionen um- 
zugestalten. Die dadurch hergestellten Gebilde entsprechen aber 
immer noch nicht den uns sonst geläufigen. Nach dem ganzen Be- 
fund können wir nicht annehmen, daß k der Vertreter eines Zeit- 
abschnittes ist, in dem aus der Suspension die Kontraktion sich ent- 
wickelte. Eine solche Phase kann es überhaupt nie gegeben haben, 
da die lateinischen Formen den griechischen nachgebildet sind, die 
bereits kontrahiert waren. In k treffen sich vielmehr bereits völlig 
ausgebildete Prinzipe verschiedener Herkunft. Anerkannt ist noch 
größtenteils das Prinzip der Suspension; ihm aber steht gegenüber 
das Prinzip der Kontraktion, und was wir sehen, ist ein Kampf, in 
dem, wie es den Anschein hat, die Suspension erliegen wird. 

Es gab also außer der gräcisierenden Kontraktion noch die echt 
lateinische Suspension der Nomina sacra. Und da k einen vorhiero- 
nymischen Text in sehr alter Niederschrift bietet, so gab es diesen 
Gegensatz in der Zeit vor Hieronymus. 

Die geschlossene Gruppe von Handschriften, in der die Kon- 
traktion der Nomina sacra herrscht, ist in Italien geschrieben; die 
einzelne Handschrift k, in der die Suspension der Nomina sacra 
vorwiegt, kann ihrem ganz eigenartigen Aussehen nach nicht dort, 
sondern muß außerhalb geschrieben sein. Die Suspension der 
Nomina sacra, so voll entwickelt, findet sich in andern Handschriften 
nicht wieder vor. Aber die Überlieferung der christlichen lateinischen 
Schriftsteller frühester Zeit, darunter des Cyprianus, weist öfters in der 
Schreibung der Nomina sacra eine gewisse Art von Verderbnissen auf, 
die sich nur dann erklärt, wenn die betreffenden Archetypa dieselbe Eigen- 
art hatten wie k. 1 ) Es ist also gar nicht nötig zu wissen, daß der Text 
der Evangelien in k, wie die biblische Forschung festgestellt hat, 
afrikanisch ist, um mit großer Wahrscheinlichkeit behaupten zu dürfen, 
daß die Eigenart der Schrift und besonders die Eigenart der Nomina 



l ) Vgl. unten S. 142 ff. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 137 

sacra in diesem Fragment ebenfalls afrikanisch sind. 1 ) Womit denn 
auch erwiesen scheint, daß die Kontraktion der Nomina sacra in 
der k gegenüberstehenden Gruppe nicht nur italienische Tra- 
dition, sondern auch italienische Heimat und italienischen Ursprung hat. 

Es spricht auch alle innere Wahrscheinlichkeit dafür. Die 
Christen, deren Muttersprache das Lateinische war, bedienten sich an- 
fangs noch der nicht übersetzten griechischen heiligen Schriften. Zu 
den christlichen Symbolen, die sie selbst zu schreiben hatten, nahmen 
sie, wie es dem epigraphischen Gebrauch und Bedürfnis entsprach, 
Suspensionen: sie setzten so die griechischen Monogramme >ß und 
IH für Christus und Jesus; für dominus (xvgiog) setzten sie DOM. 
oder DMN. oder DM. oder DN., Formen, die man sonst für den 
Kaiser verwandte. Diese Art war überall verbreitet, wo es lateinisch 
schreibende Christen gab. Sie ging über in ihre ersten literarischen 
Werke, sie sollte dort die Kontraktion der Griechen ersetzen. Sie 
herrschte lange in Afrika. Wenn man dort biblische Schriften über- 
setzte, so hat man sich, wie k bezeugt, zunächst noch dieser älteren Art 
bedient, die aber weder für diese Übersetzungen, noch überhaupt ur- 
sprünglich für literarischen Gebrauch bestimmt war. 

Daneben aber und ursprünglich völlig getrennt davon wurde die 
griechische Kontraktion unmittelbar durch entsprechende lateinische 
Formen nachgeahmt. Das geschah an einem andern Ort; geschah, 
als man in Italien Stücke des griechischen Neuen Testaments ins 
Lateinische übertrug. 

Innerhalb der italienischen Kontraktion der Nomina sacra, wie 
wir nun wieder sagen dürfen, hat man, in Fällen der Not oder aus 
alter Gewohnheit, hie und da Formen der älteren Art zugelassen; 
man schrieb für dominum etwa dorn, statt dmm oder dergleichen. 
Umgekehrt wurde die Suspension in Afrika später durch die italie- 
nische Kontraktion verdrängt. Und nicht nur dies: die afrikanischen 
Kalligraphen gingen bald darauf zu einer Kurzschreibung über, 
die von der sonst üblichen sich entfernte, aber gerade auf dem 
Prinzip der Kontraktion ruhte, das ihnen durch die italienische Bildung 
der Nomina sacra erst bekannt geworden war. 



l ) Über andere spätere Handschriften mit afrikanischem Text vergleiche unten 
§ 5, 2, 7. 



138 L.Traube, 

Wann diese Verdrängung der Suspension in Afrika erfolgte, 
können wir mit eignen Mitteln aus k, den epigraphischen Zeugnissen 
und den paläographischen Tatsachen der Überlieferungsgeschichte 
z. B. des Augustinus ungefähr bestimmen : es geschah etwas vor 400. 
Wann aber die verdrängende Kontraktion in Italien erfunden worden 
war, dafür kann die Paläographie ein festes Datum leider nicht auf- 
stellen. Doch gestattet der Filocalianische Stein (oben S. 134) zu 
sagen: vor 350. Nimmt man aber hier endlich aus der biblischen For- 
schung die wohlbegründete Annahme hinzu, daß der Erfinder, der zu- 
gleich Übersetzer war, doch nicht unmittelbar vor Hieronymus gearbeitet 
hat, so wird man dieses Datum noch wesentlich erhöhen müssen. 
Daß er sich des tieferen Sinnes der griechischen Kurzschreibungen 
noch voll bewußt war, ist nicht durchaus nötig anzunehmen. Es 
könnte sich ihm nur darum gehandelt haben, wie den Worten des 
Originals, so auch der auffälligsten, stetig sich wiederholenden Eigen- 
tümlichkeit der Schrift des Originals möglichst nahe zu kommen. 
Wenn freilich ein Spätling wie Christian von Stavelot 1 ) die Absicht 
der sakralen Kurzschreibung noch durchschaut, so wird man dem 
Manne, der den Zusammenhang zwischen den griechischen und latei- 
nischen Formen hergestellt hat, ein volles Verständnis um so eher 
zutrauen wollen. 2 ) 



3. Die Nomina sacra im afrikanischen Evangelienfragment 

Turin G. VII 15 (k). 

Seit langem gilt der von k gebotene Text als afrikanisch. Daß 
aber die Handschrift selbst sehr hohes Alter habe und in Afrika auch 
geschrieben sein müsse, haben wohl zuerst ich und Burkitt aus- 
gesprochen. 3 ) 

J ) Vgl. oben S. 6 f. 

2 ) Der sogenannte Hieronymus de monogrammate (vgl. oben S. 4 f.) be- 
trachtet die sakralen Kontraktionen freilich als gewöhnliche Abkürzungen. 

3 ) Von der Literatur über k führe ich an: Old-Latin Biblical Texts, II, Oxford 
1886; Traube, Neues Archiv der Gesellschaft f. ältere d. Geschichtsk. XXVI (1900) 231 ; 
Turner und Burkitt, Journal of Theological Studies V (1903) 88—107. Ein Bild 
findet sich vor dem Titel der Old-Lat. Bibl. Texts und jetzt auch in Cipollas Codici 
Bobbiesi (Milano 1907), tav. XIV et XV. Ich benutze ferner Aufzeichnungen, die ich 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 139 

Undenkbar ist irischer Ursprung, für den Ceriani eintritt. Wir 
haben gut bezeugte irische Schriften aus allen Epochen und finden 
darunter nichts, was irgendwie verglichen werden könnte. Dagegen 
gibt es in der Tat noch einige andere sonst unbestimmte Hand- 
schriften, die ein Vergleich mit k nach Afrika verweist, wenn der 
erste Ansatz richtig ist. Nach Bobbio können sie alle über Spanien 
gekommen sein. 

Burkitt nimmt an, k sei im vierten Jahrhundert niedergeschrieben 
worden. In der Verwendung des Monogrammes 

w 

als Schreibung für Christus und seine Kasus, wie sie k kennt, würde 
ich keinen ernstlichen Einwand dagegen erblicken. Inschriftlich 
finden wir diese Form (ohne den Strich über ihr, den nur ein hand- 
schriftlicher Kontext erforderte) in Rom zuerst, wie Rossi gezeigt 
hat, 1 ) a. 347 (Inscr. Christ. I 95); in Afrika begegnet sie erst a. 419 
(CIL. VIII 8641) und überhaupt nur noch einmal ohne Datum (CIL. 
VIII 14128). Die Form ohne den Querbalken des Kreuzes ist frei- 
lich auch in Afrika viel häufiger. Aber beide Formen sind auch 
vorchristliche Zeichen, und keine Wahrscheinlichkeit spricht dafür, 
daß Rom mit der Verwendung der zweiten voranging. 

Auf der anderen Seite nimmt Turner, wie mir scheint, mit 
Recht an, daß die vielen Fehler in k die Fragmente als Abschrift 
charakterisieren, als Abschrift einer, wie ich glaube, kursiv geschriebenen 
Vorlage. Wenn man dies erwägt und hinzunimmt, daß Benützung 
und Verbreitung eines Textes, wie k ihn bietet, nach Augustins Tod 
nicht erweislich und unwahrscheinlich ist, 2 ) daß ferner am Beginn 
des 5. Jahrhunderts sich auch in Afrika schon die kontraktiven Kurz- 
formen der Nomina festgesetzt haben, 3 ) kommt man für die Nieder- 
schrift von k auf das Jahr rund 400. Damit haben wir in den 
Resten der Turiner Handschrift immer noch eines der ältesten Zeug- 



C. U. Clark und C. H. Turner verdanke. Die Handschrift hat bei dem Brande gelitten, 
ist aber noch benutzbar. Vgl. ferner oben S. 136. 

*) Vgl. aber die ähnliche Form a. 338 Inscr. Christ. I 48. 

a ) Vgl. Burkitt p. 107. 

3 ) Vgl. oben S. 134 über die epigraphischen Zeugnisse und S. 138 die An- 
deutung über die Überlieferung des Augustinus, die die gewöhnlichen Mißverständ- 
nisse der älteren christlich-afrikanischen Literatur nicht mehr aufweist. 



140 L- Traube, 

nisse für die erste Epoche des eben an die Stelle der Rolle ge- 
tretenen christlich-römischen Buches. 

Die Handschrift ist klein und hat vierzehn Langzeilen auf 
jeder Seite. Hierdurch steht sie dem Rufin Wien 847 nahe; aber 
seiner runden gräcisierenden Unciale gegenüber könnte man ihre 
Buchstaben als eine Unclalis rustica bezeichnen. 

An Kurzschreibungen kommen in k folgende vor. 

Ein Strich über (nicht neben) dem Vokal am Schluß der Zeilen 
bedeutet ohne Unterschied m und n. In der bekannten Weise wird 
-bus und -que gekürzt; letzteres auch in reliquerit. Es stehen 
Formen wie puer. und iudaeor. für puerum und iudaeorum; h für 
non; alles nur am Zeilenschluß. 

Ganz herausgeführt aus dem Kreis des uns sonst Gewohnten 
werden wir durch die Schreibungen der Nomina sacra. Wir stellen 
sie hier zusammen. 

deus: 
ds steht einmal für den Nominativ von deus; fälschlich wird dagegen 

für deus (Nominativ und Vokativ) zehnmal dl geschrieben; 
di steht sechzehnmal für den Genetiv; vgl unter ds; 
dö steht einmal für den Dativ; 
dm dreimal für den Akkusativ; 
dei zweimal für den Genetiv. 

Christus : 
^ viermal für Christus, zweimal für Christi; 
^ einmal für Christus, einmal für Christi, einmal für Christum; 
t£ einmal für Christus. 

lesus: 
hi steht zweimal für lesus; 
hi s steht zweiundsechzigmal für lesus, dreimal für lesu (Genetiv und 

Dativ), zweimal für Iesum; 
hs steht viermal für lesus, einmal für lesu (Ablativ) und für Iesum 

desgleichen; 
hs s steht zweimal für lesus; 

hi N steht dreimal für Iesum, einmal für lesu (Ablativ); 
hi m steht einmal für Iesum, einmal für lesu (Ablativ); 
hi v steht einmal für lesu (Vokativ); 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 141 

is fol. 2\ 7: dafür liest Turner hi s ; 
ih u steht einmal für Iesa (Genetiv); 
ih N steht einmal für Iesum. 

dominus: 
dorn steht dreimal für dominus, sechsmal für domini, zweimal für 

domino (Dativ), vier- oder fünfmal für dominum, für domine 

einmal; 
doni s steht einmal für dominus; 
dorn 1 steht vielleicht einmal für domini-, 
dorn steht zweimal für domino (Dativ und Ablativ), für dominus 

einmal; 
dorn" steht einmal für dominum-, 
dom e steht einmal für dominum, einmal für domino-, 
dorn' steht elf mal für domine, dreimal für domini; 
dominum steht einmal für dominum. 

Spiritus sanctus: wird nicht gekürzt. 

Zu bemerken ist, daß vor und hinter diesen Schreibungen (auch 
beim Monogramm) sich Punkte finden. 

Ordnet man die vorstehenden Reihen nach der Stellung, die in 
ihnen die einzelnen Kurzschreibungen zum Prinzip der Suspension 
und Kontraktion einnehmen, so ergibt sich folgendes Bild. 

Die Kontraktion d's, di u. s. w. für deus u. s. w. hat sich schon 
durchgesetzt; die vielen Verschreibungen gehen auf die kursive Vor- 
lage zurück oder zeugen für die noch herrschende Unsicherheit. Für 
Christus und die Kasus steht dagegen in Gestalt des Monogrammes 
eine Form der Suspension. Ebenso für Iesus. Doch schwankt der 
Schreiber zwischen rein griechischem 1H und latinisiertem HI. Durch 
Hinzufügen der Endung in Gestalt von Exponenten schafft er auch 
wieder zur Hälfte griechische, zur Hälfte lateinische Formen. Grie- 
chisch bildet er Th N und hi N , lateinisch Jh u und die regelmäßige De- 
klination : 

hi s , hi u , hi a , hl m , hi u . 

hs ist eine neu gewagte Suspension: H(ie)-s(us); dazu ist hs s die 
Kontraktion: H(ie)-s(u)-s. Die zahlreichen Irrtümer sind bei diesem 
Wort ebenso zu beurteilen, wie bei deus. 



142 L. Traube, 

In dominus ist Grundform die Suspension dorn. Dies Gebilde 

steht noch für alle Kasus. Daneben wird, wieder durch Zufügen des 

Exponenten, der Kontraktion zugestrebt: 

dö~rh s , dorn', dorn , döm e . 

Wichtig ist, daß für den Akkusativ nicht die Kontraktion 

döm m , 

sondern eine neue Suspension 

dorn" 
gebildet wird. 

In dei und dominum haben wir Reste der Art, die Nomina 
sacra durch Überstreichung hervorzuheben, ohne Buchstaben in ihnen 
aus- oder wegzulassen. 1 ) 



4. Entstellung der Nomina sacra in der Oberlieferung 
der ältesten christlich-lateinischen Schriftsteller. 

Unsere Annahme, daß der Zustand, in dem wir die Nomina 
sacra in k finden, vor der Aneignung der griechischen Kurzformen 
bei den Lateinern der gewöhnliche war, können wir auf sonstige, 
noch vorhandene Handschriften nicht mehr stützen. Deutlich aber 
bekunden es die Fehler, die sich" überall in den späteren Abschriften 
eingenistet haben. Nicht mehr in der Überlieferung der Schriften 
des Hieronymus, 2 ) Augustinus und Cassianus, aber fast durchgehend 
in der Überlieferung der vorausliegenden Autoren findet man selt- 
same Verschreibungen da, wo dominus, Iesus, Christus oder irgend- 
welche Kasus dieser Wörter vorkommen. 3 ) Meist sind es höchst auf- 
fällige Vertauschungen der einzelnen Kasus untereinander. Der Grund 
dieser Erscheinung ist in den Mängeln des Prinzips der Suspension 
zu suchen: es unterrichtet nur knapp über das Wort und nicht über 
die jeweilige Endung. Es kam bei der Kurzschreibung der Nomina 



J ) Vgl. oben S. 49 ff. 

s ) Wir verfügen freilich, besonders bei Hieronymus, nur über wenige genaue 
kritische Apparate. 

3 ) Über die Mißverständnisse von noster vgl. unten § 5,3b; sie kommen auch 
in der Überlieferung späterer Schriftsteller vor, da die Suspension N länger gebraucht 
und verstanden wurde. Über sanctus unten §5, 3 a. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 143 

sacra bis ins vierte Jahrhundert zur Anwendung (man schrieb aber 
z. B. stellenweise noch im sechsten Jahrhundert dorn für den Ak- 
kusativ von dominus, vgl. darüber unten § 5, 2, 6); inzwischen waren 
die kontrahierten Nomina sacra aufgekommen und wurden bald die 
einzig zugelassenen und sofort verstandenen Formen; es begann 
gleichzeitig die Verstümmelung der aus älterer Zeit überlieferten sus- 
pensiven Formen. 

Die folgenden chronologisch geordneten Stellen wollen nur als 
Beispiele betrachtet werden. Sie könnten eine genauere Auslegung 
nur innerhalb der einzelnen Textgeschichten finden. 

Epistola Clementis ad Cor. c. 7 (ed. Morin, Anecdota 
Maredsol. II p. 8, 9): veniamus ad omnia saecula et consideremus, 
quia in saecula poenitentiae dedit locum dominus (Morin, omnibus 
Handschrift von Florennes s. XI) volentibus converti ad eum. 

Epistola Clementis c. 46 p. 44,2: memores estote verborum 
domini Iesu (Morin, dm ihm Handschrift von Florennes). 

Epistola Clementis c. 60 p. 55, 15: tu, domine (Morin, 
ordinem Handschrift von Florennes) orbem (Morin, orbis Hand- 
schrift von Florennes) creasti. Vgl. Epistola Clementis c. 61 p. 57, 8. 
Schon Morin hat alle diese Fehler des ersten Clemens-Briefes zusammen- 
gestellt. 

Tertullian. de idololatria c. 12 (edd. Reifferscheid et Wissowa 
p. 43, 19): iam tunc demonstratum est nobis et pignera et artificia 
et negotia propter dominum (dho cod. Agobardinus saec. IX) 
derelinquenda. Vgl. de anima c. 9 p. 312, 4; de spectaculis c. 10 
p. 13, 13; ib. c. 30 p. 29, 12. 

Cyprian. ad Fortunatum c. 4 (ed. Hartel p. 325, 5): si de- 
linquendo peccet vir adversus virum, orabunt pro eo dominum 
(dorn München lat. 4597 s. IX, dessen Lesart hier von Hartel nicht 
angeführt wird); si autem in domino (dnb München 4597, in oder 
ad deum andere Handschriften, ausgelassen von Würzburg 145 s. IX) 
peccet homo, quis orabitur (orabit die Handschriften) pro eo? 

Cyprian. epistula 6 p. 480, 10: quid iocundius et subli- 
mius quam osculari nunc ora vestra quae gloriosa voce dominum 
(Montecassino 204 s. X, dni Paris lat. 12126 s. IX von zweiter Hand 
und Vatic. Regin. lat. 1 18 s. X, dno Paris 12126 von erster Hand, ebenso 
Wien 962 s. IX und Troyes 581 s. IX) confessa sunt. Ebenda 



144 L- Traube, 

p. 480, 17 habentes dominum (die anderen Handschriften, dno 
Wien 962) protectorem. 

Cyprian. epistula 6 p. 482, 10: Paulus etiam nos adhortatur, 
ut qui ad domini {dnm Vatic. Reg. lat. 116 s. IX und Reg. lat. 118) 
promissa venire cupimus, imitari dominum {dm Troyes 581, dno 
Wien 962 und Reg. 116) in omnibus debeamus. 

Cyprian. epistula 39 p. 582, 8: quem sie dominus {dno 
Paris 12126 und Reg. 116, dnm Paris 12126 von zweiter Hand) 
honoravit caelestis gloriae dignitate. 

Cyprian. epistula 39 p. 583, 9: veri et spiritales dei milites, 
dum diabolum Christi confessione prosternunt, palmas domini {a 
dno Paris lat. 1647 A s. IX und Troyes 581, dno Reg. 116) et Coronas 
inlustri passione meruerunt. Ähnliche Vertauschungen finden sich 
an fast unzählig vielen Stellen im Corpus der Briefe. 

Cyprian. de bono patientiae c. 24 p. 415, 8: qualis Jesus 
dominus {iesus dns Würzburg 145 s. IX, hie dns St. Gallen 89 
s. IX, iesu domini der alte verlorene Veronensis) et quanta patientia, 
ut qui in caelis adoratur, needum vindicetur in terris. 

Sententiae episcoporum de haereticis baptizandis c. 60 
(Cyprian. ed. Hartel p. 455, 14) : ecclesiam Christus {christi Wien 962) 
instituit, haeresim diabolus. Ebenda c. 67 ubi deus et Christus 
{christi Wien 962) et ecclesia non est. Vgl. c. 11 p. 458, 17; c. 73 
p. 457, 19; c. 79 p. 459, 7; c. 80 p. 459, 15. 

Sententiae episcoporum de haereticis baptizandis c. 29 
p. 447, 16: legis ecclesiasticae regulam dominus et deus {ds dno 
Wien 962) noster Iesus Christus suo ore apostolos docens perim- 
ülevit. 

Arnobius adversus nationes II 65 (ed. Reiff erscheid p. 46, 20): 
cumque novitas rerum et inaudita promissio audientium turbaret 
mentes et credulitatem faceret haesitare, virtutum omnium dominus 
{dorn Paris lat. 1661 s. IX, die Schreibung wird von Reiff erscheid 
nicht erwähnt) atque ipsius mortis extinetor hominem suum permisit 
interfici. 

Anonymus in Matthaeum c. 12 (ed. Mercati, Studi e testi 
XI 36, 6; ed. Turner, Theological Studies V 236, 8): haec utique 
requies in saeculo data est ad momentum vel diem, illa requies in 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. ^45 

regno Christi (Mercati und Turner, xps Ambros. I 101 sup.saec.VII) 
aeterno aeterno,. 1 ) 

Lactantius divin. inst. IV7, 4 (ed. Brandt vol. I p. 293, 8): Iesus 
(ihm Bologna 701, erst von der späten Hand richtig gestellt) quippe 
inter homines nominatur. 

Lactantius divin. inst. I 6, 4 vol. I p. 19, 17: hie (sc. 
Mercurius Trismegistas) scripsit libros . . ., in quibus maiestatem 
summi ac singularis dei asserit isdemque nominibus appellat quibus 
nos dominum (dorn Paris lat. 1663 saec. IX, darüber von einer Hand 
s. XII dm) et patrem; vgl. divin. inst. II 1, 4 p. 96, 1, wo die spätere 
Hand im selben Parisinus dhm über dorn (d. i. dominum) setzt; 
divin. inst. V21, 2 p. 472, 2: deus ille singularis . . ., quem dominum 
(doin Rom Palat. lat. 161 saec. IX von der Hand des Lotharius von 
St. Amand) omnium confiteris. 

Lactantius de ira dei c. 16, 6 vol. II p. 109, 4: inania ergo 
reperiuntur argumenta vel eorum, qui cum irasci dominum (so ist 
wohl zu lesen, domino hat Bologna 701 saec. VI — VII, dm eine späte 
Hand in diesem Codex) nolunt, gratificari volunt. 

Filastrius diversar. hereseon c. 78 (ed. Marx p. 65, 17): propheta 
itaque Esaias de anno Mo dixit salvatoris domini (dnö Hand- 
schrift aus Corbie saec. IX). 

Ambrosius de Abraham I 8, 79 (ed. Schenkl vol. I p. 553, 4): 
hinc quoque promeruit dominum (Schenkl, dorn Paris lat. 12137 
aus Corbie saec. IX von erster Hand, dno Troyes 550 saec. XI, 
donum Paris 12137 von zweiter Hand und jüngere Handschriften, 
de um andere jüngere Handschriften) Abraham. 

Ambrosius de Abraham II 3, 9 ib. p. 571, 20: tunc deum videre 
coepit et eum cognoscere esse dominum (dorn Paris 12137, dnm 
Brügge 101 saec. XIII, deum Schenkl mit den andern jüngeren Hand- 
schriften), cuius invisibili virtute advertit omnia regi et gubernari. 



*) Mercati hat die Irrtümer zusammengestellt, die in dem Anonymus in 
Matthaeum da zu finden sind, wo Formen von sanetus stehen. Es steht ses für 
sanetis (ed. Turner p. 230, 2) und sanetos (p. 230, 5 und 237, 1), man kann dabei 
als Fehlerquelle die Kurzform sc. denken (vgl. unten § 5, III a, 3). Dann aber liest man 
sentorum (p. 236, 15) neben scötorum (p. 240, 6) und ist versucht, eine der Neben- 
formen, wie z. B. snet., verantwortlich zu machen; scötorum kommt daher, daß der 
Schreiber sich das abgekürzte Wort vorsprach. So steht im Salmasianus Paris 
lat. 10318 fol. 32 scitissima für sanetissima. 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 10 



146 L.Traube, 

Ambrosius de Abraham II 6, 36 ib. p. 592, 8: manebat apud 
dominum (dorn Troyes 550, diim Paris 12137 und Brügge 101, 
dm die jungen Handschriften und daher Schenkl de um) Susanna 
pudica valde, etiam cum damnaretur adulterlo, quia deus non ad- 
sertionibus falsorum testium facti examinabat fidem, sed intimae 
conscientiam mentis interrogabat. 

Hieronymus de psalmo X (ed. Morin, Anecdota Maredsolana 
III 3 p. 8, 15): alii vero impii, qui pro peccatoribus non numquam 
intelleguntur, quia minoris malitiae sunt, domini {dum Vatic. 
Ottob. lat. 478, dei Venedig lat. cl. I 96 saec. XII und Vatic. lat. 317 
a. 1554) iudicio reservantur. Vgl. ebenda p. 8, 20, wo für domini, 
wie Venedig cl. I 96 richtig bietet, im Ottob. 478 und Vatic. 317 dum 
geschrieben ist. 



5. Die einzelnen Nomina sacra. 

Es wird in den folgenden Abschnitten das Beweismaterial für 
die einzelnen Formen der lateinischen Nomina sacra vorgeführt. Be- 
gonnen wird mit der zusammengehörigen Gruppe DEUS, IESUS, 
CHRISTUS, SPIRITUS. Der Abschnitt über DOMINUS, der aus 
chronologischen Gründen diesen Worten folgt, bietet in der synoptischen 
Tafel, die den Gebrauch des Typus DMS verdeutlichen soll, manche 
Handhaben für vorher gemachte Ausführungen. Am Schluß werden 
die Attribute (SANCTUS, NOSTER) behandelt, deren kontrahierte 
Kurzformen in steter Beziehung auf SPIRITUS und DOMINUS, aber 
erst in etwas späterer Zeit aufkommen. 

I. Hauptgruppe. 

a) DEUS. 

1. D. 

Auf Inschriften ist die Suspension D. für deus alt, selten aber 
ist ihre christliche Verwendung. Rossi (Bullert. VI 10) hat nach 
Boldetti die Beispiele zusammengestellt und vermehrt. Wenn in viel 
späterer Zeit eine Königsurkunde aus Kent a. 679 beginnt: in n. d 
nostri saluatoris ihu xpl, so kann nur domini gemeint sein. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 147 



2. DES. 
Diese Form findet sich einmal für deus im Palimpsest des Penta- 
teuchs in München (Freising) lat. 6225. l ) Es wäre davon kein Auf- 
hebens zu machen, da sie am Zeilenschluß steht, wenn nicht die 
freilich auch singulare griechische Form 0GC sich zum Vergleich böte; 
vgl. oben S. 89. 

3. DS. 

Über das Alter dieser in der gesamten christlich-lateinischen 
Literatur fast ausnahmslos gebrauchten Form vgl. oben S. 131. Der 
Zufall fügt, daß die ältesten datierten epigraphischen Zeugnisse jünger 
sind als die für XPS; ferner daß Afrika an der Spitze steht, wohin 
die Form erst später kam (vgl. oben S. 134). 

Sicher belegen können wir DI und DO aus Afrika a. 408 mit 
CIL. VIII 21551. Dieselbe Inschrift hat auch XPL Sie ist wohl jünger 
als das oben S. 138 ff. behandelte Evangelienfragment k. Es folgt 
ein Grabstein in Vercelli a. 471 (CIL. V 6741). Aus den Jahren 486 
und 498 stammen die ersten Inschriften, die DS und DI für Gallien 
(und zwar die Nähe von Lyon) bezeugen: CIL. XIII 1655 sq. Für 
Rom ist das früheste Datum a. 527 bei Rossi Inscr. Christ. I 1011 
(DS); es folgt a. 569 ib. 1119 (DM). Ein viel älteres Zeugnis scheint 
das undatierte PAX TECVM IN * DO * in der Priscillakatakombe zu 
sein (Rossi, Bullert. IV 4, 143), denn Rossis Deutung auf DOmino ist 
ohne Analogie, wogegen das Mangeln des Striches bei der Lösung 
D^O unter den epigraphischen Belegen für die kontrahierten Nomina 
sacra keineswegs beispiellos ist. 3 ) 

Regelmäßig gebildet kann der Akkusativ von ds nur dm lauten. 
Gelegentlich hat man dafür dum geschrieben; so in einem Teil des 
Codex Bezae, angeblich 3 ) auch im Palatinus (Wien 1185). Wo Neuere 
von der Form das sprechen, scheint ein Versehen vorzuliegen; gerade- 
so, wie wenn die Männer des Nouveau Traite dmTs statt dris und 
die heutigen Bischöfe eptis statt eps schreiben. Durch die Form epus 

') Vgl. über die sonstigen Kürzungen in dieser Handschrift unten S. 180. 

•) Selbst IN DO VIBANT auf einer Inschrift in Porto bei Ostia soll nach 
Rossi (Bullett. I 4, 41 adn. 1) in domino vibant bedeuten, obgleich andere Portueser 
Inschriften, die er daneben abbildet, IN DEO VIBAS ausgeschrieben geben. Rossis 
Deutung ist in CIL. XIV 1956 eingedrungen. 

3 ) Scrivener, Bezae Codex Cantabrigiensis, Cambridge 1864, pag. XLIV. 

10* 



148 L. Traube, 

verrät sich auch sofort z. B. einer der Fälscher der Carte di Arborea 
als Neuling. Doch werden wir unter IHÜS, XPUS und SPUS den- 
selben Fehler schon aus recht alter Zeit nachweisen. 1 ) 



4. DEUS. 

Über nicht kontrahierte Formen von deus, die gleichwohl über- 
strichen sind, vgl. oben S. 51 f. 

5. Falsche Anwendung der Kurzformen. 

Deus wird durch die Kurzform nur da hervorgehoben, wo es 
im christlichen Sinne steht. Verpönt ist also vor allem der Pluralis 
dl (= dei). Im Heptateuch von Lyon wird z. B. ängstlich geschieden 
zwischen ds etc. und dii oder daei, daeorum, daeis, deos oder daeos 
(Robert p. XV). Doch finden wir schon im 6. Jahrhundert Fälle 
wie dm matre in der Halb-Unciale von Augustinus de civ. dei Lyon 
523 bis . Anders zu beurteilen ist Lactantius epit. (ed. Brandt p. 723, 5), 
wo der Taurinensis ganz folgerichtig kürzt: ideo profetas ante prae- 
misit, qui de adventu eins predicarent, ut . . ab hominibus et dl 
filius et ds crederetur. nee tarnen sie habendum est, tamquam duo 
sunt dl. pater enim ac filius unum sunt. 

Später geht der Sinn für die Unterscheidung ganz verloren. 
Schreibungen wie nam ds omnipotens qui rex hominumque dmque 
oder sce dm summi custos Soractes Apollo (beide im Salmasianus 
s. VIII der Anthologia latina) oder dm mater Idaea (in den Hand- 
schriften des 9. Jahrhunderts im Cyprian, ed. Hartel p. 21, 13) sind 
alltäglich geworden. 

Aber von älteren Klassikertexten ist mir bisher nur der Ver- 
gilius Romanus bekannt geworden als eine Handschrift, in der die 
sakralen Formen ds und do inmitten der nationalen Capitalis für 
ihren kleinen Teil das Verschwimmen der heidnischen und christlichen 
Welt bezeichnen. Ich habe darüber besonders gehandelt in der Strena 
Helbigiana (Leipzig, 1900) S. 307—314. 



*) Vgl. auch über Formen wie nrurn (statt nrm) unten unter NOSTER 24 
und über sciis unter SANCTUS 3. Über entsprechende Irrtümer der griechischen 
Kalligraphen oben S. 89 und 92. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 149 

b, c) IESUS CHRISTUS. 

1. Vorbemerkung. 

Die Worte Iesus und Christus dürfen hier sowenig voneinander 
getrennt werden, wie im Griechischen, da die zugehörigen Kurzformen 
sich in ihrer Entwicklung gegenseitig beeinflußt haben. Bevor wir 
diese vorführen, muß die Orthographie von Iesus besprochen werden ; 
denn hier, wie bei dem gotischen Wort für Gott, hat die beständige 
und wohlberechnete kurze Schreibung dazu geführt, daß uns be- 
rechtigte Zweifel über die volle Schreibung aufsteigen können. 

Die einzige quellenmäßige Darlegung des kleinen Problems, 
das seit dem ausgehendem Altertum die Geister beschäftigt hat, 1 ) 
haben Wordsworth und White gegeben, vor allem im Index zu ihrer 
Ausgabe der Evangelien (Novum Testamentum I 776) und ebenda 
zum Text von Matth. 1,1. Ihr Ergebnis kann durch Heranziehen 
anderer Quellen noch ergänzt werden; aber im wesentlichen trifft es 
gewiß das Richtige. 

Die Schwierigkeit besteht in Folgendem. Iesus Christus ist 
überaus selten ausgeschrieben worden; allermeist steht dafür die Kurz- 
form, das Symbol, das einen Rückschluß auf die Orthographie nicht 
gestattet. Die Homonymen dagegen (Iesus Nave, Iesus Sirach, Iesus 
Eliezer u. a.) werden gewöhnlich ausgeschrieben, und nur selten 
steht für sie und nur mißbräuchlich die Kurzform. Da die Heraus- 
geber patristischer und anderer christlicher Texte bei Iesus Christus 
die Kurzform gewöhnlich auflösen und jetzt meist Iesus trans- 
skribieren, bei den Homonymen aber die gute handschriftliche Über- 
lieferung beibehalten, welche mehr für Hiesus ist, pflegen sich in 
diesen Texten, als läge eine beabsichtigte Differenzierung vor, Iesus 
Christus und z. B. Hiesus Nave gegenüberzustehen. Das Richtige 
wäre ja, wie es seit Tischendorf bei der Wiedergabe alter biblischer 
Texte geschieht, die Kurzformen stehen zu lassen; geschieht das 
nicht, so müßte mindestens da, wo Hiesus z. B. für Iesus Nave über- 
liefert ist, auch Hiesus Christus gedruckt werden. 

Hiesus war vielleicht die ältere Form im Lateinischen, iesus 
war wohl vor Hieronymus schon im Gebrauch; aber erst er hat 
Hiesus zu Gunsten der nichtaspirierten Form verdrängt. Für die 



') Vgl. oben S. 3 ff. 



150 L- Traube, 

Werke und Übersetzungen des Hieronymus scheint in der Tat Iesus 
die berechtigte Schreibung zu sein. 1 ) Ihesus ist eine jüngere Form, 
die sich erst seit dem 6. Jahrhundert nachweisen läßt; veranlaßt war 
sie, wie auch Hiesus, durch das Bestreben, der Dreisilbigkeit des 
Wortes gerecht zu werden. Ich gebe schnell die Belege. 

Hiesus: für diese Form sprechen die eigenartigen Kompendien 
von Jesus Christus im Turiner Itala-Fragment k. 2 ) Ausgeschrieben 
kommt die Form für Iesus Christus erst a. 530 (?) auf einer In- 
schrift in Canosa bei Barletta (CIL. 1X411) vor, dann im Laudianus 
und Cavensis des Neuen Testaments (beidemal neben Ihesus), Sehr 
interessant ist die Überlieferung in einem Gedichte des Paulus 
Diaconus (c. IV 21 ed. Dümmler, Poet. lat. I 43): am Schluß eines 
Hexameters hat die eine Handschrift (Leipzig Rep. I 74 saec. IX) ihs, 
die andere (St. Gallen 899 saec. IX/X) hiesus; gemeint ist auch hier Christus. 
Dagegen in der Bedeutung von Iesus Nave und Iesus Sirach geben 
Hiesus auch von biblischen Handschriften der Bonifatianus des Victor 
von Capua (Act. 7, 45) und die gute alte Überlieferung in folgenden 
Schriftstellern: Firmicus Maternus, Filastrius, Ambrosius (ed. Schenkl 
IV 219, 18), Hegesippus (im Fuldensis zu Kassel saec. VI fol. 65), 
Augustin (Speculum ed. Weihrich p. 438, 12), Salvian, Junilius, Jor- 
danis, Excerpta Barbari, Fredegar. 

Iesus: diese Form kommt ausgeschrieben für Iesus Christus 
nirgends vor. Von vorhieronymischen Texten haben sie für Iesus 
Eliezer der Heptateuch von Lyon und verschiedene Itala-Fragmente, 
die von Wordsworth und White p. 41 aufgezählt werden. Die Vulgata- 
Handschriften, alte (wie Mailand C. 39'inf. in Act. 7, 45) und karo- 
lingische, haben für Iesus Nave immer Iesus. 



x ) Nestles Hinweis auf die Interpretatio hebraicor. nominum des Hieronymus 
(Onomastica sacra ed. de Lagarde, Göttingen 1870, p. 61, 24 = Göttingen 1887 p. 94), 
auf den die englischen Gelehrten im Index sich berufen, erledigt diese Frage nicht 
ganz. Vgl. die ähnlichen Bemerkungen des Hieronymus p. 38, 27 und 74, 7. Wenn 
Hieronymus dem griechischen Vorbild folgend fast durchweg eigene lexikalische 
Artikel des Buchstabens H vermied, so hat er doch oft dieselben Worte in dem 
gleichen Werk auch wieder mit H geschrieben, wo sie nicht als selbständige Artikel 
vorkamen. Vgl. Eusebius Onomasticon ed. Klostermann p. XXXV Im Floriacensis 
der Chronica des Hieronymus heißt Iesus filius Iosedec auf einer Seite Iesus, auf 
einer andern Hiesus (vgl. tab. 34 und 36 des Leidener Facsimile). 

2 ) Vgl. darüber oben S. 140 f. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 151 

Ihesus: der älteste Beleg 1 ) für diese Form scheint in den Flo- 
rentiner Digesten fol. 16 vor der Const. Tanta (ed. Mommsen I 
p. XXXII*) vorzuliegen. Da Justinian die Kürzungen verboten 
hatte, wurde hier mit allen Buchstaben geschrieben: in nomine 
domini dei nostri Ihesn Christi. Es kommen ferner der Reihe nach 
als Zeugnisse für Ihesus {Christus) die Schreibungen im Laudianus 
(neben Hiesus), auf einer spanischen Inschrift a. 627 (Hübner, Inscr. 
Hisp. Christ, n. 119) und im Cavensis (neben Hiesus) vor. Auch für 
die Homonymen wurde gelegentlich Ihesus, doch nicht in sehr alten 
Handschriften, gesetzt. 

Aber, wie gesagt, Iesus Christus begegnet ausgeschrieben in 
Handschriften gar nicht, Hiesus Christus und Ihesus Christus findet 
sich ungemein selten. Die Regel war, statt der beiden Worte die 
Kurzformen zu setzen. Da diese zunächst aus dem Griechischen 
entlehnt waren und nicht nur ein fremdes Aussehen boten, sondern 
auch mißverständlich erschienen (das griechische Eta glich dem latei- 
nischen Ha, das griechische Ro dem lateinischen Pe), quälte sich die 
folgende Zeit an der Aufgabe; die griechischen Formen zu latinisieren. 
Dies gelang, aber nun heftete sich nachträgliche Klügelei an die Er- 
klärung der zu Wege gebrachten hibriden Bildungen und dem Pro- 
zeß der Latinisierung folgte ein neuer der Gräcisierung. 

2. IH und £. 

Über die alten griechischen Kurzformen IH und & ist oben 
S. 115 und 137 berichtet worden. 

Zunächst gebrauchte man das Monogramm ^ß auch im latei- 
nischen Kreise als christliches Symbol, das man am liebsten in seiner 
ursprünglichen Atmosphäre beließ. Dann benutzte man es auch 
wieder in beliebiger grammatischer Funktion, wie jede andere Sus- 
pension. Man setzte nun z. B. auf einem Stein: SANCTI MARTYRES 
APVT DEVM ET >ß ERVNT ADVOCATI. 2 ) 



*) Eine Inschrift zu Tropea (CIL. X 8076) gibt I|-ES V M, hat aber keinen chrono- 
logischen Anhalt. 

3 ) Rossi, Bullett. I 2, 34. Vgl. andere Beispiele, die Piper und Hauck in der 
Protestant. Realenzyklopädie, 3. Aufl. XIII 369, gesammelt haben; dazu eine spanische 
datierte Inschrift a. 484 (IN NOMENE XP) bei Hübner, Inscr. Hisp. Christ, n. 136, 
bei der wir aber auf eine Abschrift angewiesen sind. 



152 L. Traube, 

Mit IH kann es nicht anders gestanden haben als mit >ß oder 
XP. Das Turiner Evangelienfragment (k), über das ich oben im 
Zusammenhang berichtet habe, 1 ) hat für Christus und seine Kasus 
im Text zwischen den Uncialbuchstaben das Monogramm >ß mit 
oder ohne den Strich darüber. 2 ) Es hat für Iesus verschiedene 
Formen, darunter ih u und ih N , d. h. die Suspension IH, die man im 
Begriff ist, durch Anhängen der Endung (einmal der griechischen) 
zur Kontraktion umzugestalten. 3 ) Sonst finden wir ih nur noch ein- 
mal im sog. Sakramentar von Autun, Rom Reg. lat. 317, wo diese 
Suspension im Wechsel mit ihm für Iesum steht. 

3. HI und XR. 

Man hat bald versucht, die rein griechischen Formen IH und 
zg dem Auge des Römers weniger fremd erscheinen zu lassen. 

In den eben erwähnten Fragmenten k findet man neben den 
auf IH zurückgehenden Kontraktionsgebilden auch Formen wie hi, 
hl s , hi m , hi n , hi v , d. h. die Suspension HI mit verschiedenen Versuchen, 
aus ihr eine entsprechende Kontraktion zu gewinnen. Es handelt 
sich offenbar dabei um eine Latinisierung, bei der die Orthoepie 
Hiesus vorschwebte, die wohl bestimmt für den Schreiber und seine 
Zeit vorausgesetzt werden darf. Es hat sich hi sonst nur noch einmal 
erhalten: im Heptateuch von Lyon steht oft für das Demonstrativ- 
pronomen hi und hu. Man kann diese ganz seltsamen Gebilde nur 
damit erklären, daß dem Schreiber als Kürzung für Iesus die latini- 
sierte Suspension hi geläufig war. 

Ein Gegenstück zu HI wäre XR. Diese halblatinisierte Schrei- 
bung (nicht XP) scheint die portugiesische Inschrift a. 469 zu haben, 
über die ich in den Sitzungsber. der bayer. Akad. 1900 S. 507 ge- 
sprochen habe. 

Nicht erwiesen scheint mir, daß ein ziemlich häufiges mono- 
grammatisches Zeichen für Christus, in dem nicht das geschlossene P, 
sondern eine andere Form benutzt ist, die man für R halten kann, 
wirklich auch als Latinisierung aufzufassen ist. Rossi hat diese Be- 
hauptung aufgestellt (Bullett. III 5, 154). Aber das Unwahrscheinliche 



x ) Vgl. oben S. 138 ff. 

2 ) Das Nähere siehe oben S. 140. 

3 ) Im Codex Bezae begegnet statt ihm einmal gräcisierendes ihn. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 153 

seines Beweises zeigt sich schon darin, daß er die frühesten Beispiele 
des Gebrauches in Syrien findet und das Vorkommen von Raven- 
natischen Monumenten mit dieser Form auf byzantinischen Einfluß 
zurückführt. 

4. IC, IS, HS. 

Lange konnten die griechischen Formen IH und XP und die 
latinisierte HI sich nicht halten. Man verwandelte sie entweder selb- 
ständig in kontraktive Bildungen, wie HIS, über welche Form 
unten S. 154 f. zu sprechen ist, oder ersetzte sie durch gräcisierende 
Kontraktionen. Wir stellen dabei griechisches IC vor griechisches 
iHC, obgleich diese zweite Form oder doch ihre lateinische Nach- 
bildung älter ist. Aber die andern lateinischen Versuche, die von 
IC ausgehen, stellen sich jetzt im Lichte der gesamten Überlieferung, 
die sich für IHS erklärt hat, als ganz seltene Ausnahmen und frühe 
Erscheinungen dar. 

An einigen Stellen sehen wir das griechische IC einfach über- 
nommen. Der Bodleianus der Chronica des Hieronymus saec. V 
(Auct. T. 2. 26) hat auf fol. 11 l v : IPSE QUOQ. DUM IC (dieses Ge- 
bilde ist von links unten nach rechts oben durchstrichen) IHS XPS. 1 ) 
Der Schreiber tilgte schon während des Schreibens die griechische 
Form und ersetzte sie durch die Latinisierung, die auf der andern 
griechischen Form beruhte. 2 ) Nicht korrigiert findet sich IC in dem 
karolingischen Graeco-latinus der Paulus-Briefe (St. Petersburg gr. XX), 
wo DNS IC dem griechischen \<C IC (1 Kor. 11,23) gegenüber- 
steht. 3 ) 

An andern Stellen finden wir IC durch IS wiedergegeben und 
is iü im dekliniert. Es begegnen diese Formen in einigen franzö- 
sischen Halb-Uncialen des 6. Jahrhunderts. Lyon 483 (413) hat die 
ganze Reihe, Orleans 192 (169) im Augustin-Fragment (fol. 31 — 33) 
wenigstens im xpm. Wo Iesus Nave fälschlich gekürzt wird, hat der 
Vaticanus des Eugippius s. VI is zwischen zwei Punkten (ed. Knoell 



*) Ich habe dabei ausnahmsweise die Uncialen in unsere Versalien über- 
tragen. 

*) Vgl. über die Handschrift unten S. 170. 

*) Ich entnehme dies einer Tafel in Bianchinis Evangel. quadruplex, auf die 
Cavedoni verweist. Der Claromontanus bietet an derselben Stelle KC IC und 
DMS IhS. 



154 L. Traube, 

p. 272, 15). In dem einen Archetypon der Quaestiones in hepta- 
teuchum des Augustinus war Iesus Nave sicherlich auch mit is u. s. w. 
gekürzt. Daher haben unsere Handschriften die seltsamsten Fehler. 
Sie lesen statt Jesus (is) bald iis (ed. Zycha 420, 9), bald isri (419, 23; 
420, 19), dann wieder ihm (448, 24) und sogar moyses (448, 14); statt 
Jesu einmal ium (421, 19). Einmal hat Novara LXXXII saec. IX das 
Ursprüngliche weitergegeben (449, 16): Expt questiones de libro iü 
naue. Diese Schreibung muß es sein, die in der Überlieferung der 
Acta Archelai folgende Fehler verschuldet hat. 

Acta Archelai c. 11 (10) ed. Beeson p. 18,18: Uta autem 
arbor, quae est in paradiso, ex qua agnoscitur bonum, ipse est 
Iesus (für est Iesus hat Montecassino 371 saec. XI estis). 

Ketzerkatalog in meiner Handschrift der Acta Archelai (vgl. 
Sitzungsberichte d. bayer. Ak. 1903 S. 545,9; Acta Archelai ed. Beeson 
p. 98,26): Valentinus vero et ipse duplicem esse simulavit divini- 
tatem, is (so schrieb ich, ihs die Handschrift saec. XII) simul et 
aeonum numerum novum visus est introferre. 

Da aber tatsächlich im Lateinischen für 'Ir]oovg damals oft Hiesus 
gesagt wurde, so hat sich neben IS eine Zeitlang auch HS gestellt. 
Diese Form finden wir einige Male in den Turiner Fragmenten, frei- 
lich daneben auch hs s , was mehr dafür spricht, daß hs hier als Sus- 
pension aufzufassen ist. Der Genetiv zu HS mußte HU lauten. Er 
steht in dem älteren Teil des Casinas CL fol. 385 v : dni ni hü xpi, 
während die Handschrift sonst immer gewöhnliches ihü hat. Auch 
in der lateinischen Übersetzung des Barnabas hat Petersburg Q. V. 1 39 
saec. IX einmal hu, wo freilich der Akkusativ gefordert wird. 1 ) Auch 
diese Handschrift folgt sonst der Regel. 3 ) Im Freisinger Pentateuch, 
München lat. 6225, hat sich einmal hm filium naue erhalten. 

Eine den Formen IS und HS entsprechende lateinische Bildung 
XS ist mir nirgends aufgestoßen. 

5. HIS. 

Die eben geschilderten Versuche waren unmittelbar an das grie- 
chische zweibuchstabige IC angelehnt. Nun gab es die andere Mög- 



*) Vgl. Patres apostolici, iterum edd. Gebhardt et Harnack I 2 p. 27, 16. 
2 ) Nur p. 37, 9 und 10, wo freilich die Wortstellung schwer ist, steht ihs 
statt ihü. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 155 

lichkeit, an die bereits vorhandenen Suspensionen anzuknüpfen. Hier 
standen sich, wie wir gesehen haben, IH und HI gegenüber, die 
griechische und die latinisierte Form. Ganz einfach war da zunächst 
die Kontraktions-Bildung HIS. Entstehen sehen wir sie wieder in k: 1 ) 
hl, hi s , hi v , hl m (neben gräcisierendem hi N ). München (Freising) 
lat. 6224, die bekannte Evangelien-Handschrift des Valerianus, hat 
neben regelmäßigem ihs wenigstens an einer Stelle den alten No- 
minativ his. Der regelrecht dazu gebildete Genetiv hin begegnet 
zweimal im Cassian zu Autun 24 s. VII (ed. Petschenig I 180, 15 
und 21). Der Akkusativ htm kann in dem Ottonischen Evangeliar 
der Queriniana zu Brescia, wo er sich an einer Stelle findet, auf 
Verwechselung beruhen {htm statt ihm). Dagegen auf einer Inschrift 
von Castellamare, nach Rossi (Bullett. III 4, 120, vgl. CIL. X 8140) 
saec. IV, könnte trotz der falschen Struktur IN NOMINE >ß HIM, wie 
Rossi meint, wohl Iesum (oder vielmehr Hiesum) gedeutet werden 
und ursprünglich sein. 2 ) 

Man könnte auch denken, daß die Form his für Jesus an zwei 
merkwürdigen Stellen der römischen Literatur den Fehler veranlaßt 
hat, der dort offenbar vorhanden ist und dessen Heilung freilich noch 
einfacher wäre, wenn man die seltene Form his als Fehlerquelle voraus- 
setzen würde. 

In der Apologie des Apuleius c. 90 hat die Florentiner Hand- 
schrift (ed. Helm p. 100, 10): si quamlibet modicum emolumentum 
probaveritis, ego ille sim carmendas vel damigeron vel his (hier ist 
Zeilenschluß) moses vel ioh vel apollo hqc vel ipse dardanus vel 
quicumque alia s post zoroastren et hostanen inter magos celebratus 
est Die Eigennamen sind, wie man sieht, z. T. entstellt; Bosscha 
schlug vor: vel Hisus (vel) Moses. Er hätte Hiesus (his) schreiben 
sollen. 

Die Fulder Handschrift des Ammianus Marcellinus gibt XXII 
16, 22: ex his fontibus per sablimia gradiens sermonum amplitudine 
lovis aetnulus non visa Aegypto militavit sapientia gloriosa. Ver- 
mißt wird ein Eigenname. Valesius setzte Piaton für non ein ; A. von 



1 ) Vgl. oben S. 140 f. 

2 ) Rossi vergleicht IN XPO IHES V M auf der Inschrift in Tropea, jetzt CIL. 
X 8076; vgl. oben S. 151 Anm. 1. 



156 L - Traube, 

Gutschmid 1 ) dachte an den Ausfall von Hiesus (oder wie wir sagen 
würden: his) nach his. Gegen diesen geistreichen Vorschlag ist 
manches eingewandt worden; 2 ) unwahrscheinlich ist hier, wie im 
Apuleius, daß ein Abschreiber an einer so außergewöhnlichen Stelle 
den Namen nicht ausgeschrieben haben sollte. Im Mediceus des 
Tacitus steht an der bekannten Stelle Christus mit vollen Buchstaben. 
Anderseits konnte ein Christ, der noch ganz in der Tradition stand, 
sich veranlaßt sehen, die kurze Form der Namen zu wählen. 



6. IHS und XPS. 

Die lateinische Suspension HI war von der eigentlich grie- 
chischen Form IH ausgegangen, und diese, wie die griechischen 
Formen ^ und XP, von der sie erst nachgezogen war, war auch im 
Lateinischen, wie wir sahen, weit verbreitet. Man könnte also er- 
warten, daß neben HIS s ) und auf demselben Wege, wie diese Form, 
auch IHS und XPS sich entwickeln mußte. In der Tat sind diese 
beiden Formen nicht nur gebildet worden, sondern es sind die 
eigentlichen Kurzformen der lateinischen Kalligraphie. Die Ansicht, 
daß sie zu betrachten seien als die zur Kontraktion gesteigerten Sus- 
pensionen IH und XP, ist nicht neu und von einem Kenner wie 
Henri Omont ausgesprochen worden, 4 ) der zugleich den Nachweis ge- 
führt hat, daß die ältesten lateinischen Formen, eben diese hibriden 
Gebilde, ursprünglich IHS und XPS und nicht, wie man so oft be- 
hauptet findet, IHC und XPC geschrieben wurden. Sehen wir, was 
sich dafür geltend machen läßt. 

Wir beginnen mit XPS. 

Wenigstens in einer Handschrift hatten wir für alle Casus von 
Christus das Monogramm ^ gefunden. 5 ) An Beispielen für den Ver- 
such, durch Beigabe der Endung dieses Monogramm dem Zusammen- 
hang deutlicher anzupassen, fehlt es nicht ganz. Ich denke dabei 
weniger an das Amulett im Louvre (Rossi, Bullett. I 7, 62), dessen 

Rückseite 

IESV >ßSTVS 

*) Vgl. seine Kleinen Schriften, V 576. 

2 ) Vgl. Petschenig in Bursians Jahresberichten LXXH 8. 

3 ) Eine entsprechende völlige Latinisierung für Christus war nicht leicht 
möglich. Über XRS vgl. unten S. 161. 

4 ) Vgl. oben S. 11 Anm. 1. 

5 ) Vgl. oben S. 139. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 157 

zeigt, als an das Evangeliar von Aix. Diese Handschrift des 10. Jahr- 
hunderts, dort früher 1042, jetzt 7, 1 ) hat unter der Aufschrift Versus 
sancti Gregorii papae das Gedicht des Orator Andreas (Anthol. lat. 
ed. Riese n. 766). Es ist ganz in künstlicher Capitalis geschrieben; 
in v. 4 steht statt xpl, wie die andern Handschriften haben, $^I und 
ebenso v. 15, wo die andern nati geben. 2 ) Auch die Inschrift zu 
Como a.556 (CIL. V 5418): FAMVLVS XPTI MARCELLIANVS, kann 
dafür angeführt werden, daß man durch Anhängung der lateinischen 
Endung das Monogramm einzurichten versucht habe. 3 ) 

Noch fester scheinen die Stützen bei IHS. Hier sehen wir ja 
in der Schreibung ih u , die in k steht, vor unsern Augen die Sus- 
pension ih in die Kontraktion übergehen; vgl. oben S. 141. 

Dennoch meine ich, daß diese freilich naheliegende Erklärung 
gegenüber der Tatsache nicht standhält, daß im Griechischen selbst 
die Formen IHC und XfC nicht nur überhaupt gebildet worden 
sind, sondern sogar recht alte Bildungen sind. Es wäre ein merk- 
würdiger Zufall, wenn das Lateinische aus sich selbst auf die gleichen 
Formen gekommen wäre. Fand der Philolog und Kalligraph, der 
zuerst die griechischen Nomina sacra ins Lateinische übertrug, IC 
und XC, warum hat er nicht IS und XS darnach gebildet? An sich 
sprach doch nichts gegen diese Formen. Vgl. oben S. 153 f. Fand 
er aber IHC und XfC vor — und je früher man seine Tätigkeit an- 
setzt, für um so wahrscheinlicher muß man dies halten — , welch 
einen Umweg macht die Annahme, die den Übergang von IHC und 
XfC zu IHS und XPS über IH und XP erfolgen läßt. Vielmehr ist 
das Lateinische fast ganz genau in derselben Lage wie das Koptische; 
es hat im Griechischen IHC und XfC vorgefunden und sich diese 
Formen, so gut es ging, angeeignet; es hat später, als IC öfter ge- 
lesen wurde, den Versuch gemacht, diese Form durch IS wieder- 
zugeben; es ist nur eine Lücke unserer Überlieferung, wenn daneben 



J ) Vgl. Catalogue general XVI 2 ff. 

s ) Ich verdanke die Kollation meinem Freunde C. U. Clark. Die andern neuen 
Lesarten haben nichts auf sich. 

3 ) Plumpe Unmöglichkeiten sind dagegen E. W. B. Nicholsons Lesungen auf 
der Bleitafel von Bath, vgl. Archiv f. Stenographie LVI (1905) S. 201. 



158 L.Traube, 

XS fehlt, das jedenfalls auch einmal dem griechischen XC gegenüber- 
gestellt wurde. 

Daß man aber mit den hibriden Formen XPS XPI XPO XPM 
XPE und IHS IHU IHM sich überhaupt befreundete, das hängt wohl 
damit zusammen, daß man das griechische X nicht gut umgehen 
konnte. Setzte man dafür lateinisches CH, so hätte man dem Ori- 
ginal nicht so treu bleiben können, wie bei DS und SPS. Auch 
war man wenigstens an die Monogrammbildung bei XP völlig ge- 
wöhnt, und war man es weniger bei IH, so mußte das Wagnis XPS, 
durch das man dem griechischen XfC so nahe kam, das andere 
Wagnis IHS notwendig herbeiführen. Man hat also an diesen 
hibriden Bildungen keinen Anstoß genommen; ja, es lag in ihnen 
etwas von dem geheimen Zauber, den die hellenistischen Juden em- 
pfanden, als sie in den griechischen Texten den Gottesnamen mit 
hebräischen Buchstaben schrieben. 

Für die Chronologie und Topographie der Bildung XPS l ) steht 
uns auf Inschriften ein ziemlich ausgiebiges Material zur Ver- 
fügung. 2 ) Ich beginne mit Rom, das die ältesten Beispiele 
liefert. Es findet sich XPI zwischen zwei Hederae auf einer Da- 
masianischen Inschrift in den Buchstaben des Filocalus a. 366 — 384 
(letzte Abbildung bei Grisar, Anal., tav. I 1). Dann XPI a. 401 
(Rossi, Inscr. Christ. I 497), a. 444—461 (Grisar I 6), a. 461—468 
(ebd. I 4), XPO mit einer Hedera dahinter a. 483 (Rossi, Inscr. Christ. 
I 882), etwa aus gleicher Zeit dieselbe Form (Nuovo Bullert. V 208), 
XPM a. 544 oder 533 (Rossi, Inscr. Christ. I 1087). 

In oder bei Como finden wir FAMVLVS(-A) XPI a.484 (?CIL. 
V5241), a. 501 (ebd. 5241), a. 505 (ebd. 5417), a. 530 (ebd. 5428), 
a. 546 (ebd. 5427), a. 556Jebd. 5403). 

Aus Salona wird XPE saec. V in. angeführt (Nuovo Bullett. di 
archeologia crist. VIII 233). 

In Catania findet sich a. 435 (CIL. X 7113) IN PACE XPI; 
der Stein selbst ist nicht erhalten. 



! ) Diese Form fehlt auf älteren Inschriften nur zufällig. Die Casus obliqui 
finden sich sämtlich. 

2 ) Vgl. zum Folgenden C. Caesar, Observationes ad aetatem titulorum lat. 
Christ, definiendam spectantes, Bonn 1896, p. 3. Rossi (Bullett. IV 5, 96) will XPS etc. 
auf Steinen schon seit dem 3. Jahrhundert gefunden haben. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 159 



Narbonne a. 445 gibt XPO (CIL. XII 5336) ; die Inschrift ist 
aber höchst bedenklich wegen der Fülle und Seltsamkeit der Abkür- 
zungen. 

Die afrikanische Inschrift mit XPI a. 408 (CIL. VIII 21551) 
wurde schon oben für DI angeführt (vgl. S. 147). 

Zwei ältere spanische Steine a. 446 und 485 (Hübner, Inscr. 
Hisp. Christ. 98 und 46) sind beide nicht recht sicher. 

Datiert ist ferner, aber örtlich nicht genau zu bestimmen, das 
Konsular-Diptychon des Probus a. 406, vgl. CIL. V 6836; auf der 
Fahne steht IN NOMINE XPI VINCAS SEMPER (so, mit zwei 
Strichen, nicht XPI). 

Die Kurzform IHS wird auf den eben angeführten oder gleich 
alten Steinen nicht gefunden ; Jesus gehört nicht zum Formular dieser 
Zeiten. 

Aber in den Handschriften ist sowohl xps als ihs die herr- 
schende, man kann sagen: die ausschließlich gebrauchte Form. Die 
wenigen Fälle, in denen is, hs oder his statt ihs vorkommen, haben 
wir bereits aufgezählt; sonst steht in den alten Handschriften der 
Itala, wie der Vulgata, nur ihs und xps. Die genaueren Belege 
werden unten (S. 178 ff.) bei der Behandlung des Typus dms 
gegeben werden. Von sehr alten Handschriften kommen noch 
die der Chronik des Hieronymus hinzu. Vom Bodleianus wurde 
oben S. 153 berichtet; in den Fragmenten aus Fleury begegnet 
xpö und xpi . anos. 1 ) Das letztere ist zu vergleichen mit XPIA NE 
auf einer Toskanischen Inschrift s. V (Rossi, Bullett. IV 5, 95). Der 
Punkt innerhalb des Adjektivs (xpi . anus) findet sich z. B. auch in 
Petersburg Q. V. I. 3 (Typus dms, vgl. unten S. 182 f.) und in Paris 
lat. 2235 Hieronymus in Ps. (Chatelain pl. XIX). 



x ) Derartige Fortbildungen waren einwandfrei (vgl. oben S. 125). Recht alt 
sind indessen nur einige wie mttcoe und xpianus. Das letztere ist die einzige 
legitime Form. Wenn also Halm als Stütze von Stiebers falscher Konjektur im 
Minucius Felix (p. 18, 14), Christianorum statt pistorum, ein ganz unbezeugtes 
xpistorum oder xpiörum annimmt, so hatte Haupt (Opuscula III 390) recht, ihm 
diesen S chnitz er aufzumutzen. Eine ganz richtige Vorstellung hatte aber auch er 
nicht. XPIST, als Lesart des Vatic. Reg. lat. 886 s. VI von Mommsen in der Ausgabe 
des Theodosianus p. CLII verzeichnet, ist Druckfehler statt xpianos. 



160 L.Traube, 

Noch eine graphische Eigenheit sei hier kurz erwähnt. Seit 
dem 12. Jahrhundert findet man hie und da (z. B. bei unserm Ludwig 
von Wessobrunn, aber auch in Beneventanischen Handschriften) 

x statt xpi. 
Man begreift diese Bildung sehr wohl. Nach dem Muster von 

P — pri 
hatte man eingeführt, daß t über einem Konsonanten den Ausfall 
eines r zwischen dem Konsonanten und dem übergeschriebenen i 
bedeute. Dies dehnte man auf x in xpf aus, aber so, daß 

x nicht nur xri, sondern auch xpi 
bedeutete. Man ging aber noch weiter und schrieb z. B. 

x für Christe, 
wie ich das z. B. in München (Tegernsee) lat. 19411 saec. XII ex. fol. 56 
fand, und 

o 
X, 

wie in meiner Handschrift der Acta Archelai geschrieben wird. 



7. IHUS und XPUS. 

Im allgemeinen vgl. über falsche Schreibungen dieser Art oben 
S. 147 f. (unter DEUS). 

XPVS auf einer Inschrift in Süditalien a. 529 (CIL. X 6218) ist 
freilich nicht ganz einwandfrei überliefert. Aber ihus steht im Bres- 
lauer Evangeliencodex aus Aquileia einmal neben häufigem ihs; öfters 
hat der Cavensis der Evangelien die Form, gleichfalls neben ins; des- 
gleichen das Sakramentar von Gellone (Paris lat. 12048); ihus steht 
in Berlin (Metz) Phill. 1662 s. VIII/IX, und ebenso stand im Eugippius 
Paris lat. 11642 s. IX an einer Stelle (p. 272, 15 ed. Knoell, vgl. oben 
S. 153 f.) für Iesus Nave und wurde erst vom Korrektor in ihs ver- 
wandelt. Desgleichen hat Colmar (Murbach) 39 und Cassel (Fulda) 
Theol. O. ös.VIII einmal ihus xps, ebenso auch ein Fragment des Arator, 
das aus der Handschrift München (Tegernsee) lat. 18710 gelöst ist. In 
VeronaXIII(l l)fol.480 v schrieb unter denHilarius eine ziemlich ungebildete 
Hand im 8. Jahrhundert den kernigen Spruch In none dni dl nostri ihuln 1 ) 



l ) Vgl. oben S. 155. Es fiel ja Iesu und Iesutn in der Aussprache zusammen; 
daher die öftere Vertauschung der beiden Formen. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 161 

xpi Ariperto rege fuit uera iastitia et sincera, und so hat für den 
Akkusativ gelegentlich auch der Irenaeus aus Corbie, Berlin Phill. 
1669 saec. IX. 



8. XRS. 

Wenn man den ersten Buchstaben in XPS ruhig hinnahm, da 
man ihn nur umschreiben, nicht ersetzen konnte, und wenn man in 
IHS den zweiten Buchstaben oft wahrscheinlich deshalb duldete, weil 
man ihn fälschlich für das Zeichen der Aspiration hielt, so blieb das 
P in XPS unbequem. Man wird sich daher nicht wundern, neben 
XPS auch gelegentlich XRS anzutreffen, geradeso wie für XP auch 
XR versucht worden war; vgl. oben S. 152. 

Ich kenne für XRS zwei Beispiele aus Oberitalien. Von den 
Resten der bischöflichen Kanzel in der Metropolitana zu Ravenna 
berichtet Bormann (CIL. XI 266) gelegentlich die auffällige Einzelheit, 
die ich sonst nicht erwähnt finde, daß auf der einen Inschrift 
SERVVS XPI AGNELLVS ■ EPISC HVNC PYRGVM <FECIT>, 
auf der andern derselbe Satz, aber XRI steht. Agnellus war Bischof 
von 553 bis 568. Etwas später entstanden ist das Evangeliar von 
Aquileia, jetzt in Breslau Rehd. 169. Hier sind neben den gewöhn- 
lichen Formen sehr zahlreich die xrs, xrl u. s. w., die ein Korrektor 
öfters durch übergeschriebenes p einzurichten versucht. In einer 
Veroneser Halb-Unciale XXII (20) entschlüpft dem Schreiber saec. VI 
die Mischform xprö. Man kann damit vergleichen die aus- 
geschriebenen Worte xristus und xrisptus in einer Handschrift aus 
Leon saec. IX/X, die auch sonst ein beredtes Zeugnis für die Tiefe 
der damaligen spanischen Kultur ablegt (vgl. Poetae aevi Carolini III 
125 sqq.). 



9. IHC und XPC. 
Obgleich die Gelehrten und Schreiber des frühen Mittelalters 
keine ganz klare Einsicht in die Bildung der Formen IHS und XPS 
gehabt hatten, so war ihnen deren Zusammenhang mit dem Grie- 
chischen doch nie ganz entgangen. Vgl. die Stellen oben S. 5 ff. Je 
mehr aber allmählich der philologische Sinn erwachte, um so skep- 
tischer wurde man Gebilden gegenüber, die doch nicht ganz mit 
ihrer Herkunft übereinzustimmen schienen. Man begriff, daß H, X 
und P griechische Buchstaben waren, aber dann mißfiel das lateinische 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 1 1 



162 L.Traube, 

S. 1 ) Es ist ein gewisser Rationalismus, der jetzt beginnt, an dem 
historisch Gewordenen herumzudeuteln und schließlich herumzumodeln. 
Auf dem Kontinent geschah das im 9. Jahrhundert, auf den Inseln 
vielleicht schon früher. 

Zunächst suchte man die griechischen Bestandteile der beiden 
Worte in der lateinischen Schrift abzuheben. Es geschah dies häufiger 
bei ihs als bei xps, vielleicht weil man jetzt hauptsächlich glaubte, 
die Deutung des h als eines lateinischen Buchstabens ausschließen 
zu müssen; x und p sahen zwar fremd aus, waren aber doch nicht 
mehr zu verkennen. So schrieb man nun in verschiedenen karolingischen 
Schulen in den Minuskel-Texten nicht mehr ihf, sondern iHf; man 
schritt auf demselben Wege fort und kam später auch von xpf 
zu XPl 

Für iHf iHü 2 ) itim (neben xpf u. s. w.) führe ich von turo- 
nischen Handschriften an: Paris lat. 3, London Add. 10546; 3 ) von 
Handschriften des Stiles ,franco-saxon' : Paris lat. 2, Paris lat. 2290, 
Leiden publ. 48. Diese Art bleibt stellenweis bis ins 1 1 . Jahrhundert 
erhalten. 4 ) 

XPf XPi u. s. w. (neben ihf oder iHf) fand ich zuerst in der 
St. Galler Handschrift saec. IX ex. London Add. 11852. 

Es ist möglich, daß ähnliche Versuche schon in früherer Zeit 
unternommen wurden. Zum Beispiel schreibt die freilich nicht sehr 
alte Unciale Wien 15216 nicht IhS, sondern IHS. Sonst ist H in 
der Unciale nicht gebräuchlich, der Buchstabe steht also hier für Eta. 

Man ist noch weiter gegangen und hat ihc und xpc statt ihs 
(oder iHf) und xps (oder XPf) gebildet. Die insularen Schreiber 
gingen darin, wie es scheint, den kontinentalen voran. In Würzburg 
Theol. F. 69 steht über dem Bild einer Kreuzigungsgruppe IHS 
Xfis. Der Buchstabe am Schluß der Wörter könnte als eckiges S 
gedeutet werden, wahrscheinlicher ist er ein Sigma von epigraphischer 
Gestalt, wie es neben n für P in irischen Handschriften nicht selten 



») Die Endbuchstaben der Casus obliqui (*', o, m, e) ließen sich mit dem 
Griechischen besser in Einklang bringen. 

2 ) Ottonische Handschriften schreiben dafür gelegentlich iHV. 

3 ) Nicht alle turonischen Handschriften scheinen diese Eigenart zu zeigen. _ 

4 ) Es verbindet sich dann manchmal, nicht immer, damit die Schreibung iHC. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 163 

begegnet, n in XiJsT beruht auf einer belustigenden Verwechselung, 
die sich durch folgende Gleichungen erläutert: 

(lat.) R = (griech.) J> 

(lat.) P = (griech.) n 

R = n. 

An solchen Experimenten sieht man wenigstens, daß die insularen 
Schreiber die beiden Nomina sacra ganz zu gräcisieren suchten. 
Wirklich erreicht ist dieses Ziel in dem kambrischen Iuvencus Cam- 
bridge Univ. Ff. 4. 42, wo im Text neben Ihf und IHC auch öfter 
Ihc, in den Interlinearglossen auch xpc vorkommt. Ich glaube nicht, 
daß die Handschrift viel älter ist als saec. IX. Auf dem Vorsatzblatt 
in Laon 26 steht xpc von irischer Hand saec. IX. 

In eigentlich karolingischen Handschriften findet sich ihc und xpc 
schon ziemlich oft: so in Paris lat. 9428, München (S. Emmeram) 
lat. 14000, Paris lat. 9451 (hier steht xps neben ihc), Bern 258. Auch 
schrieb man mit großen Buchstaben [HC innerhalb der Minuskel; so 
z. B. Sintram von St. Gallen c. a. 900, die Schüler von Winchester, 
viele ottonische Kalligraphen. 1 ) Von einer ganz allgemein angenommenen 
Regel kann nicht die Rede sein: der Schreiber des Trierer Codex 
Egberti setzt ihs xps, der Maler IHC XPC. 2 ) Und in vielen Handschriften 
späterer Zeit trifft man nach wie vor nur ihs xps. Die Holztafel, 
die Bernardino von Siena 1427 zur Andacht ausstellte, zeigte IHS 
in goldenen Buchstaben mit einer Sonne darum. 3 ) Wohl hauptsäch- 
lich hierdurch wurde im kirchlichen Gebrauch das alte Symbol in 
seiner ursprünglichen Form wieder lebendig. 

Wir schließen diese Betrachtung, indem wir erneut hinweisen 
auf den großen Unterschied des Wahrscheinlichen vom Wahren, des 
Naheliegenden vom historisch Eingetroffenen, den die Analyse auch hier 
aufgedeckt hat. IHC und XPC sind im Griechischen alt, im Lateinischen 
jung. Die Lateiner haben diese Formen den Griechen nicht entlehnt, 
sondern sie haben durch einen rationalistischen, unhistorischen Ver- 



1 ) Berlin Phill. 1681 saec. X/XI hat xpictianam fidem. 

2 ) Auf Aachener Inschriften aus Ottonischer Zeit (Kraus, Die christl. In- 
schriften der Rheinlande II 479, 480) ist gelegentlich HIC für IHC verschrieben 
worden. 

3 ) Piper hat darauf aufmerksam gemacht, vgl. jetzt in der Protestant. Real- 
enzyklopädie, 3. Aufl. XIII 372. 

11* 



164 L.Traube, 

such spät und zufällig das wieder eingeführt, was dort ursprünglich 
vorhanden war. . 

10. Falsche Anwendung der Kurzformen. 

Es ist ganz selbstverständlich, daß wie im Griechischen (vgl. 
oben S. 113) die Form ihs nur für Iesus Christus aufgebracht worden 
war. In alten Handschriften ist auch die mißbräuchliche Übertragung 
der Kurzformen auf die Homonymen noch ganz selten; immerhin liest 
man ihs für Iesus Nave in der Itala Würzburg Mp. theol. 64 a und im 
Hegesippus auf Papyrus in der Ambrosiana; 1 ) über is und hs für 
Iesus Nave vgl. oben S. 153 f. Doch selbst in jüngeren Hand- 
schriften wird die Übertragung meist sorgfältig gemieden. 

Schließlich soll bemerkt werden, daß man xps auch z. B. im 
Worte Antichristus kürzte; die Möglichkeit einer Kurzschreibung von 
Christus in diesem Worte ging schon aus dem oben S. 4 er- 
wähnten Traktate des Hieronymus De monogrammate hervor. 

d) SPIRITUS. 

1. SPS. 

Das Formular der christlichen Inschriften enthielt einen Hinweis 
auf die Trinität selten genug. 2 ) In diesen wenigen Fällen aber ist 
in älterer Zeit SPIRITVS SANCTVS ausgeschrieben worden. Rossi 
kennt für SPS SCI (so, ohne Striche) erst ein afrikanisches Beispiel 
aus Theveste saec. VI, 3 ) das zudem nicht ganz einwandfrei ist; neuer- 
dings wurde in Henchir Akhrib (Dep. Constantine) eine Inschrift 
a. 582 ausgegraben, auf der in der Trinitätsformel SPSCI so mit 
Einem S in der Mitte steht, wie auch SCECLSE mit Einem E statt 
SCE ECLSE. 4 ) 

Die frühesten epigraphischen Beispiele stammen also aus Afrika 
und sind ziemlich jung. Man könnte vermuten, daß die Kurzform 
erst spät aufkam. So hat mich auch Turner darauf hingewiesen, was 



J ) Über die Lesart des Hegesippus Fuldensis vgl. oben S. 150. 

2 ) Vgl. die Beispiele bei Rossi, Bullert. IV 3, 102^ 

3 ) Bullert. III 3, 8; ein sicheres Beispiel mit SPS SCI aus Capua s. VII ebd. 
IV 3, 102. 

4 ) Vgl. Melanges d'archeologie XXIII (1903) 12. Man könnte freilich auch 
auflösen: SC ECLSE. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 165 

mir selbst nicht aufgefallen war, daß in einzelnen alten Handschriften 
Spiritus nur ausgeschrieben vorkommt. Doch von sehr alten Codices 
dieser Art kenne ich nur Turin (Bobbio) G. V. 37 — auf ihn wies 
mich Turner — und vor allem die Turiner Evangelien-Fragmente k (vgl. 
oben S. 141). Sonst geht aus meiner tabellarischen Übersicht über 
die Handschriften des Typus dtris (unten S. 178 ff.) und aus gelegent- 
lichen Beobachtungen über die alten Handschriften des Typus dns 
(unten S. 190) mit Wahrscheinlichkeit hervor, daß sps mitgehört zu den 
ältesten Kontraktionen. Dafür spricht vor allem die Einheitlichkeit 
der Überlieferung. Es gibt zu SPS keine Nebenform von irgend- 
welcher allgemeineren Verbreitung. SPS aber gehört zu DNA, wie 
DS zu ©C. Wäre Spiritus erst später angeeignet und eingerichtet 
worden, so würde man schwerlich in der alten Weise buchstäblich 
genau das griechische Vorbild befolgt haben. Sollte es sich dennoch 
bestätigen, daß hier und da in alten Handschriften die Kurzform sich 
nicht findet, so ist wohl eher ein absichtliches Meiden anzunehmen l ) 
und die Begründung wird, wie bei k, in besonderen Verhältnissen zu 
suchen sein. 

Zu sps gehört der Regel nach als Dativ spi, als Akkusativ spm. 
Doch hat die Bildung des Dativs Schwierigkeiten bereitet. Ich habe 
spi nur selten gefunden; 2 ) häufiger spul, worüber ich unter spus 
sprechen werde; daneben spu (= spiritu für spiritui) und statt spu 
wieder als Dativ und Ablativ auch spo, 3 ) wie in Boulogne-sur-Mer 32 
saec. VII (Ambrosius ed. Schenkl II 322, 1) und Paris lat. 12168 
saec. VIII/IX (Augustin. Quaest. in hept. ed. Zycha p. 327, 28). 



2. SPUS. 



Für SPS tritt manchmal SPUS ein, ganz wie in den oben 
S. 147 angeführten Fällen. Zwar im Heptateuch in Lyon steht, so- 
viel ich sehe, sps und nicht spus, wie U. Robert in der Ausgabe des 
Pentateuchs p. XV verzeichnet. Aber im Rehdigeranus der Evangelien 
ist spus einmal überliefert (ed. Haase p. 123); auch für den Hilarius 
Verona XIII (11) haben wir Zingerles ausdrückliches Zeugnis; ebenso 
steht spus und spuin im Irenaeus von Corbie, Berlin Phill. 669 saec. IX. 



>) Vgl. oben S. 132. 

2 ) Für den Genetiv steht es in Paris lat. 2769 saec. VI fol. 16. 

3 ) Vgl. unten S. 171 f. unter dorris. Über spirl vgl. unten S. 166. 



166 L- Traube, 

Und spat, was zu sptis gehört, haben Rehdigeranus, Sessorianus LV, 
Amiatinus 1, die Lyoner Handschrift des Leidrat (Notices et ex- 
traits XXXV 2 pl. X und p. 838), St. Gallen 98 saec. IX, Oxford Laud. 
misc. 259 saec. X; spum hat München (Tegernsee) lat. 27152. 



3. SPRTS, SPIRS, SPITUS. 

Ich vereinige hier die wenigen Kurzformen von spiritus, die 
mir neben sps begegnet sind. 

Ein nicht datierter Grabstein in Marseille (Le Blant, Inscriptions 
ehret. II pl. 73 n. 440, CIL. XII 483) hat CONMENDO SPRTM 
MEVM. Die Bildung erscheint ganz afrikanisch oder spanisch. 1 ) Berlin 
(Lyon) Phill. 1745 saec. VII bietet neben sps ses und seinen Formen 
fol. 45 v spirl sco. Die einzige Handschrift von Commodians Carmen 
apologeticum (Cheltenham 12261 saec. VIII) liefert mit spitx sanetus 
eine andere Seltsamkeit, die, wie es scheint, im Ablativ spitu 
des Isidor Wolfenbüttel (Bobbio) Weiss. 64 wiederkehrt. 2 ) 

4. SPC. 
Die gräcisierende Schreibung ihc xpc ä ) hat bewirkt, daß in 
einigen Kurzformen c statt des schließenden 5 geschrieben wurde. 
So in epc (episcopus, hier kann aber in älteren Handschriften das c 
auch als der fünfte Buchstabe des Wortes aufgefaßt werden), ompe 
[pmnipotens) und sp'c (spiritus); vgl. Wattenbach, Anleitung z. lat. Paläo- 
graphie, 4. Aufl. S. 67. Das erste Beispiel von spe gibt mir einst- 
weilen der Cassellanus der Thebais des Statius aus Mainz (?) 
a. 1010.*) 

5. Falsche Anwendung der Kurzformen. 
Die Kurzform sps war ersonnen nur für den Heiligen Geist. 
Doch fehlt es nicht an einzelnen frühen Beispielen falscher Über- 
tragung. 



1 ) Vgl. unten § 6 über die Entfaltung der lateinischen Kontraktion. 

2 ) Ich schließe das einstweilen nur aus Walthers Lexicon diplomaticum 377, 22, 
wo auch ähnliche Formen späterer Zeit gesammelt sind. 

5 ) Vgl. oben S. 161 f. 

") Vgl. Theb. ed. Müller p. 248 v. 361 und C. F. Webers Programm, Marburg 
1853. Für ompe führt Wattenbach Köln 139 saec. XII an; ebenso alt ist Paris 
lat. 9551, älter das Troparium London Cotton. Calig. A. XIV, in welchen beiden 
Handschriften gleichfalls die Form mit c begegnet. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 167 

Bern F. 219, Oribasius saec. VI: quodsi inpneumatosis fuerit, 
id est habundantia sps ventositatis (Hagen, Zur Geschichte der Philo- 
logie, S. 261, 18). 

Florenz Laur. pl. 65, 1, Orosius saec. VI: Delphici Ullas vanissiml 
sps. et mendaclsslml nebulonls responso clrcumventus (ed. Zange- 
meister p. 207, 10). 

Berlin (Lyon) Phill. 1745, Concilia saec. VII: fol. 42 neqae verum 
corpus habulsse, sed tantum modo spm futsse; fol. 4S v sps verltatls 
. . . sps falsltatls. 

Mailand B. 159 s., Gregorii dialogi c. a. 750, hat öfters mallgnl 
sps und dergl., daneben fol. 39 qul In exfugandls spirttlbus inmensae 
virtutis gratia pollebat. Vgl. oben S. 95 über FlNATA. 

Paris lat. 10318, Salmasianus der Anthologia latina saec. VIII, 
bietet viel Schreibungen wie sps interdum gemitus. 

In den karolingischen Abschriften der Klassiker sind Fälle, wie 
quapropter delictis tarn enerves anlml spm exercltus nostrl sustinere 
non potuerunt (Valerius Max. ed. Kempf p. 426, 23 in Bern 366 
saec. IX aus Ferneres), oder quid ergo? non caperls tantae molis 
adspectu, etlam st te non tegat, non custodtal, non foveat generet- 
que ac spü suo rlget (Seneca de benef. ed. Hosius p. 106, 9 in Rom 
Palat. lat. 1547 aus Lorsch), durchaus nicht selten. 

II. Dominus. 

1. Übersicht. 
Eine Kontraktion für dominus in der Bedeutung „Gott der 
Herr" kam wahrscheinlich erst im 5. Jahrhundert auf. Bis dahin 
schrieb man auch in den Texten, welche die Nomina sacra deus, 
lesus, Christus, Spiritus schon als Kontraktionen gaben, dominus 
nach den Regeln der Suspension. Und zwar war die häufigste Form 
dorn., von der daher die folgende Darstellung ausgeht. Im 5. Jahr- 
hundert wurden die Kontraktionen dms und dns geprägt; im 6. war 
dns bereits allgemein angenommen und hatte dms überall aus dem 
Felde geschlagen. In den ältesten Handschriften des Typus dms und 
dns begegnen von Suspensionen außer dorn, noch dmn. und don. 
Unser Weg mußte also von dorn, über diese nach alter Art gebildeten 
Formen zu dms und dns führen. Ich habe es dabei für richtig ge- 
halten, sowohl mit dorn, als mit dmn. und don. gleich die Kontrakta 



168 L. Traube, 

zu verbinden, die sich auf diesen suspensiven Formen aufbauten 
(doms, dmns, dons). An dmns habe ich dnms gehängt. Als Schluß 
folgt noch eine kurze Nachricht über domn. und domns. Es ent- 
stehen so sieben kleine Abschnitte, in denen jedesmal erst die Sus- 
pension, dann die Kontraktion behandelt wird: dorn. — doms, 
dmn. — dmns und dnms, don. — dons, dm. — dms, dn. — 
dns, domn. — domns. Die Abschnitte werden dadurch weiter ge- 
gliedert, daß bei der Suspension erst der Gebrauch in der Titu- 
latur, dann der auf sakralem Gebiete vorgeführt wird, und um- 
gekehrt bei der Kontraktion erst der sakrale Gebrauch, dann der 
Gebrauch in der Titulatur. Unter Titulatur verstehe ich die An- 
rede oder sonstige ehrende Bezeichnung der römischen Kaiser, ferner 
deren Nachbildung für die Barbarenkönige, die Bischöfe, Äbte u. s. w. 
Die Kaisertitulatur war für den christlich-sakralen Gebrauch das Vor- 
bild, wie ich schon in den Sitzungsberichten der bayerischen Aka- 
demie 1900 S. 498 angedeutet habe. Daß dies Verhältnis bei allen 
Formen der Suspension das gleiche ist, wird auch da einleuchten, 
wo die überlieferten Beispiele für den christlichen Gebrauch zu- 
fällig älter sind. Umgekehrt muß man annehmen, daß die einzelnen 
Formen der Kontraktion für den sakralen Gebrauch geschaffen 
wurden. 



2. DOM. und DOMS. 

Rossi scheint andeuten zu wollen, 1 ) daß auf epigraphischem 
Gebiet die Form dorn, erst im 6. Jahrhundert begegne. Doch trifft 
das nicht mehr zu. Wir haben vielmehr in dorn. n. einen ziemlich 
alten Konkurrenten der Titulatur d. n. (= dominus nostef) zu er- 
blicken. 

Rom a. 388? (Rossi, Inscr. I 371): BOM MAGNO MAXSIMO; 
zwei ägyptische Quittungen a. 398 (Papyrus Rainer bei Wessely, 
Schrifttafeln zur älteren lateinischen Paläographie, Tafel VII 17 u. 18): 
post cons. dorn n Honori Augusti quater; Bordeaux a. 405 (CIL. 
XIII 912): PC DOM NTRI HONORI AVGVSTI SEX; Lyon a. 466 
(CIL. XIII 2360, vgl. 2363): DOM N LEONE III;_Auvergne a. 526 
oder 527 (CIL. XIII 1531): ANNO XV REGNO DOM THEVDORICI; 
ebenda a.538 (CIL. XIII 1532): ANNO IUI RIG DOM NÜS TEVDO- 

x ) Inscr. Christ. I 1316. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 169 



BERTI; Sevilla a. 573 (Hübner, Inscr. Hisp. Christ. I 76): DOM 
LIVVIGILDVS; 1 ) Rom a. 578 (Rossi, Inscr. I 1122): IMP ' DOM-N* 
IVSTINO etc.; 2 ) Acque Salvie bei Rom a. 689 (Rossi, Bullett. I 7,84 
und 87): DOM SERGI PAPA ■ ANNVS ■ SECVNDV. 

Handschriftlich findet sich dorn, (dorn, dorn., dorn) als Titulatur 
ziemlich oft vom 6. bis zum 7. Jahrhundert. So in Köln CCXII, 
Paris lat. 8913, Bern (Fleury) 219,3) Berlin (Lyon) Phill. 1745, 
St. Gallen 226. Vatic. (Bobbio) lat. 5758 hat den Herkunfts- 
vermerk: de arca dorn Bobuleni, Turin (Bobbio) Hofarchiv Ib. VI 28: 
de arca dorn Vorgasti abbi.*) In der Überlieferung von Schriftstellern 
des 6. Jahrhunderts haben dorn, auch Handschriften späterer Zeit ent- 
weder rein oder in durchsichtigen Fehlern erhalten, wie der Bruxel- 
lensis des Ennodius, die Handschriften des Konzils von Mäcon vom 
Jahre 583, die der Gedichte des Fortunatus (vgl. das Schwanken der 
Kasus bei Leo p. 80 n. II und III, p. 81 n. IV, p. 248 n. XV), die der 
Briefe Gregors I. Aus dem 7. Jahrhundert bewahrt die Überlieferung 
des Marculf dorn. 

Kaum nötig zu sagen, daß die Urkunden diesen Gebrauch fort- 
pflanzen: ann XIIII regh dorn nl gibt in Nachahmung einer mero- 
wingischen Privaturkunde Paris lat. 10756 fol. 64; die langobardische 
Königsurkunde a. 755 hat dorn ebenso, wie die private aus Ceneda 
a. 762. 

Noch in karolingischer Zeit ist die Verwendung ganz lebendig. 
Als Beispiele mögen stehen: München (Diessen) lat. 5508, 5 ) Wolfen- 
büttel (Heimst.) 287 und 513, Vat. lat. 5007, Modena Est. lila. 800, 
La Cava 22, Montecassino 439, 6 ) Turiner Fragment der Constitutio 
vom Jahre 832. ?) 

J ) In derselben Inschrift steht ausgeschrieben: domni nostri Ermingildi regis. 

2 ) Vgl. Grisar, Analecta, tav. II 1. 

3 ) Fol. 64 (Zangemeister et Wattenbach, Exempla, tab. 59): primus domicianus 
dorn, et dm se appellari iussit. Hier schreiben die Abschriften des älteren Floriacensis 
dominum und deum aus. 

*) Vgl. aus späterer Zeit Rom (Nonantula) Sess. 40: hie codex adquisitus 
per dorn Anselmum ati (f 803). 

6 ) Hier steht fol. 106 auch: in basilicam dorn Mariae matris dni; derselbe 
Gebrauch findet sich in einer stadtrömischen Urkunde noch im 12. Jahrhundert, vgl. 
Archivio d. R. Societä di Storia patria XXVII 443. 

•) Hier steht dorn Eusebii neben domno Eusebio. 

7 ) Vgl. Cipolla, Atti d. R. Acc. delle Scienze di Torino, Vol. XIX. 



170 L.Traube, 

SVB TEMP. DOM. VALERII ARCHIEP. liest man auf einer 
bekannten Inschrift des 9. Jahrhunderts zu Ravenna; ja, eine Neapo- 
litaner des 12. gibt noch neben DOMi auch DOM. 

Früh fand die Übertragung auf den Gottesnamen statt. Ich 
beginne wieder mit den inschriftlichen Belegen. 

Wir finden IANVARI IN PACE DOM in Porto (Rossi, Bullett. 
I 4 p. 47 = CIL. XIV 1962), VENECESTVS PREVITER IN PACAE 
DOM DORMIT in Rom (Nuovo Bullett. VII 270), AVGVRINE (vgl. 
den Vokativ in der eben zitierten Portuenser Inschrift) IN DOM. 
ET -P in Rom (Rossi, Roma sott., II tav. 39, 30), IN NOM DOM 
2-EPELVTTA (= sepulta) IANVARIA in Afrika (CIL. VIII 15639). 

In Handschriften begegnet dorn, für Gott den Herrn seit dem 
5. Jahrhundert, also früher als für den Herrn und Herrscher; was 
erklärlich ist, da unsere kirchlichen Handschriften höher hinaufgehen 
und in den nichtkirchlichen Handschriften zur Anbringung und daher 
auch zur Kürzung der Titulatur überhaupt seltener Gelegenheit ge- 
boten war. 

Um 400 hat das afrikanische Fragment Turin G. VII 15 dorn 
neben den kontraktiven Formen dom s u. s. w.; vgl. oben S. 141 f. 

Oxford Auct. T. 2. 26, die etwa zwischen 400 und 450 ge- 
schriebene Handschrift der Chronik des Hieronymus, bietet fol. lll v 
dorn ins (davor ist ic getilgt, vgl. oben S. 153) xps neben dem Typus 
dns u. s. w. Zu dns, dni, dnö, dne tritt dorn, (oder dorn) als Ak- 
kusativ in Verona LV (53) saec. V/VI regelmäßig, in Wien 2160* 
saec. VI, wie es scheint, nur gelegentlich. Doch dies sind wohl Aus- 
nahmen; dagegen im Typus dms, dmi u. s. w. stellt die Suspension 
dorn, (oder dorn), man kann sagen, ein für allemal den Akkusativ. 
Vielleicht wollte man drnrh vermeiden 1 ) aus Furcht vor Verwechse- 
lungen mit dm (= deum)\ sieht man aber auch im Typus dns, dm 
die regelrechte kontraktive Form dnm zunächst gemieden und beim 
Typus dms neben dorn, auch die Suspension dmn. aus der älteren 
Stufe hinübergerettet, so könnte es wahrscheinlicher dünken, daß ein 
rein graphisches Unbehagen den Ausschlag gegeben hat. Die Belege 
für dorn als Akkusativ innerhalb des Typus dms folgen unten bei 
der Behandlung dieses Typus (S. 175 ff.). Hier bleibt zu bemerken, daß im 



l ) Vgl. Sitzungsberichte der bayer. Akademie 1900 S. 500. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 171 

Grunde alle Handschriften, die im Nominativ dms haben, den Ak- 
kusativ dorn bilden; die wenigen, in denen dorn fehlt, bieten über- 
haupt keine Stelle für den Akkusativ (wie St. Gallen 1394), oder sie 
sind nur unvollständig bekannt (wie der Vercellensis), oder sie neigen 
teilweise zum Typus dns (wie der Würzburger Priscillian). Von den 
übrigen siebzehn Handschriften haben fünf neben dorn das erwähnte 
dmh, zwei das seltene dort. Für den Genetiv scheint in dieser 
Schicht dorn nur ausnahmsweise zu stehen, wie im Cyprian Turin (Bobbio) 
G. V37; ebenso ist dorn eine Ausnahme für den Dativ in der Itala 
Würzburg theol. F 64 a und für den Nominativ im Cyprian von Brescia. 

Aus der Fehlerliste oben S. 142 ff. ist ersichtlich, in welchen Über- 
lieferungen die Form dorn für Gott den Herrn von Handschriften 
saec. IX — XI fortgetragen wurde; es handelt sich dabei ausnahmslos um 
Schriften der frühesten christlich-römischen Literatur vom 3. bis zum 
4. Jahrhundert: Epistola Clementis, Tertullian, Cyprian, Arnobius, 
Lactantius, Filastrius, Ambrosius. In Handschriften des Cyprian, Ar- 
nobius, Lactantius und Ambrosius ist dabei die Suspension selbst er- 
halten; in den übrigen Schriften lassen die Fehler mit Sicherheit auf 
sie schließen. 1 ) Wie wir es nach dem Befund 2 ) in Turin G. VII 15 
erwarten dürfen, vertritt dabei dorn in der Überlieferung der ältesten 
Autoren nicht nur den Akkusativ, sondern jeden beliebigen Kasus. 

Das Entstehen einer Kontraktion doms können wir in der zuletzt 
genannten Handschrift (k) verfolgen. Vgl. oben S. 141. Die Suspension 
dorn, wird dort vor unsern Augen zur Kontraktion doms, indem die 
Endbuchstaben als Exponenten angehängt werden (döm s ). Die Hand- 
schrift gehört nach Afrika und etwa ins Jahr 400. Nach Rossi (Inscr. 
Christ. I p. CXV) würde eine stadtrömische Inschrift, die zweimal DOMS 
bietet (einmal mit Punkt dahinter, einmal zwischen zwei Punkten), sogar 
schon ins 4. Jahrhundert zurückreichen. 3 ) Dann käme eine zeitlich 
nicht einzuordnende Inschrift aus Aquileia, wo DOMS erscheint, zu- 



! ) Es kommen noch von erhaltenen alten Handschriften solche des Hilarius 
und Augustinus hinzu, vgl. unten S. 178 ff. Auch in der Überlieferung des Hieronymus 
findet sich ausnahmsweise dorn; vgl. über den Bodleianus der Chronik oben 
S. 153 und unten S. 177 Anm. 4 über den Cavensis. 

2 ) Vgl. oben S. 138 ff. 

3 ) Vgl. Bücheier, Carmina epigraphica n. 656. 



172 L.Traube, 

gleich auch SPO (= spirito für spiritu). 1 ) Von Handschriften geben 
nur noch das Brescianer Fragment des Cyprian in Unciale (Typus 
drrts u. s. w.) einmal domo (neben drhö) und der Codex Bezae (Typus 
dfris) einmal dorne (neben dme oder dhe)\ im Irenaeus von Corbie 
(Berlin Phill. 1669 saec. IX) begegnet neben drfs einmal doms (fol. 10), 
neben dum hat dieselbe Handschrift auch dorn (fol. 9 V , 10 v ) und 
einmal (fol. 2 V ) die aus drirn und dorn hervorgegangene Mißschreibung 
dnom. 

Im 7. Jahrhundert lebt doms u. s. w. wieder auf in französischen 
Urkunden und Handschriften und vereinzelt wohl auch in spanischen. 
Es wird da scharf gesondert zwischen dris, Gott dem Herren, und 
doms, dem weltlichen Herrscher oder dem ,Herren', wo dies Anrede 
und Titel ist. Man kann daher und soll wohl auch doms mit domnus 
auflösen. So steht dornt Dionisii (oder Diunense) in den Urkunden 
a. 692 (Tardif n.30), a. 695 (Tardif n.35), a. 769 (Mühlbacher 1 1 7) ; 2) 
domo Medardo auf einem Pergamentstreifen des Reliquiars in Sens 
(Prou, Recueil 1904 pl. 5). Es begegnet ferner domo und dornt 
(neben dorn und domnö) in den Handschriften der Konzilien (vgl. 
Concilia ed. Maassen I 98, 3 und München [Diessen] lat. 5508 
fol. 107 v ); dorne neben dmns (wie auch in der eben angeführten 
Urkunde Karlmanns abgewechselt wird) in der Überlieferung der 
Briefe des Desiderius von Cahors (St. Gallen 190 saec. IX). Die 
spanische Kursive Autun 27 hat a domo Esidoro. Vereinzelt 
steht es noch in Montecassino 3; die Handschrift ist saec. IX (jedoch 
nicht a. 811, wie die Mönche von Cassino sagen) von beneventa- 
nischer Hand geschrieben, folgt aber einer französischen Vorlage. Aber 
selbst im 12. Jahrhundert wird es in Neapel angetroffen. 3 ) 



3. DMN. und DMNS. 

Die regelmäßige polysyllabare Suspension von dominus ist 
dmn. Angewandt wird auch sie ursprünglich in der Titulatur und 
dann erst übertragen auf das Nomen sacrum. 

Für die Titulatur kenne ich an Belegen nur die stadtrömische 
Inschrift a. 476 (Rossi, Inscr. Christ. I 863): CONS . DMN . Basilisci II 



r ) Rossi, Bullett. III 1 p. 8 und tav. 1 (jetzt CIL. V 1722); vgl. oben S. 165. 

2 ) Vgl. unten S. 192. 

3 ) Vgl. oben S. 107. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 173 

et ARMATI und die numidische a. 578—582 (CIL. VIII 4354): INP 
DMN NST FLO COSTANTINO ET ANASTASIE. 

Die Verbreitung war dennoch wohl allgemeiner, wie die Bei- 
spiele aus dem sakralen Gebiet zeigen. Im Typus dms, der be- 
kannten kontraktiven Form für Gott den Herrn ist als Akkusativ 
neben der Suspension dorn auch die Suspension dmh im Gebrauch 
aus Gründen, die bei der Bildung dorn erörtert wurden. 1 ) Zwei Ver- 
treter des Typus dns, in denen gelegentlich dmh erscheint, Monte- 
cassino (Castellum Lucullanum) CL und Mailand (Bobbio) O. 210 s., 
gehören erst dem 6. Jahrhundert an. 

Die Kontraktion dmns wurde nur bei der Titulatur aufgenommen. 
Häufiger lassen spanische Schreiber sie zu; so der des Ildefonsus, 
Florenz Laur. Libri 1. Aber auch im St. Galler Desiderius von Cahors 
kommt neben doms auch dmns vor, was in diesen Fällen wohl 
richtiger mit domnus wiedergegeben wird. 



4. DNMS. 
Es ist die Frage, ob die vorstehende Form ein Versehen für 
dmns ist oder eine Zwitterbildung, die aus dms und dns zusammen- 
wuchs. DNMO GVDOMARO REGE setzte a. 527 ein Steinmetz auf 
einer Inschrift, die sich in der Nähe von Genf 2 ) erhalten hat (CIL. 
XII 2584). Hier ist gewiß domno gemeint. Das Nomen sacrum 
meint der Korrektor des alten Lactanz in Bologna, der aus dnfh her- 
stellt dnmi (vgl. Brandt I 326). In Leiden Voss. Q. 69 aus St. Gallen 
c. a. 800 begegnet einmal dnms. 



5. DON. und DONS. 

Die eigentümliche Suspension don. ist mir in ihrer Verwendung für 
die Titulatur nur aus einer späten Stelle bekannt. Im Liber ponti- 
ficalis (bei Mommsen p. 142, 13) hat Vatic. (Farfa?) lat. 3761 saec. X 
Augusto don Iustiniano, wo die andern Handschriften domno aus- 
schreiben. 3 ) 



J ) Vgl. oben S. 170. 

2 ) Jetzt in Lausanne; vgl. Egli, Die christl. Inschriften der Schweiz, Zürich 
1895, n. 40 und Taf. II 12. 

3 ) In Handschriften (saec. X — XI) des Registrum Gregorii I kommen für 
domnus neben dti, dorn, dms auch don, donn (domno nostrol), donnl (statt domn?) 
vor. Vgl. bei Ewald und Hartmann I 315, 8; 351, 2; II 275, 6; 276, 5 sq. 



174 L.Traube. 

Als Nomen sacrum findet sich dieselbe Form auf einer afrika- 
nischen Inschrift a. 582— 602 (CIL. VIII 12035): IN NOMINE AON 
(die beiden letzten Buchstaben sind ligiert, die Herausgeber lösen 
fälschlich ANI auf). Von Handschriften hat sie sicher der Hilarius 
Verona XIII (11) an einigen Stellen bewahrt, eine Unciale des 5. Jahr- 
hunderts, die sonst den Typus dms aufweist. Es wechselt hier doh 
mit dorn im Akkusativ, dort bedeutet aber auch den Dativ. In Paris 
lat. 11947 (Psalterium S. Germani), wo neben dms auch dns gefunden 
wird, kommt außer dorn mindestens zweimal (fol. 2 V und fol. 44) des- 
gleichen doh vor. Aus einer Stelle des Veronensis notiert Zingerle (Hilar. 
in ps. p. 22, 6) den Genetiv dorn h ihs (so) xpl. Das wäre eine aus don. 
regelmäßig weiter gebildete Kontraktion. 

Wenn wir in späteren Schriftstücken öfters doni, döno, done 
lesen und die modernen Herausgeber diese Formen zu dominus 
ziehen, so liegen hier vielmehr gewöhnliche Schreibungen von domni etc. 
vor, in denen das m über dem o durch einen Strich wiedergegeben 
ist. Zwar aus der Handschrift des Vergilius grammaticus Neapel 
IV 434 saec. IX führt Huemer (p. 168, 30) mi done an mit dem Strich 
über n und e, und dies könnte allenfalls mit ihm domine zu lesen 
sein, obgleich auch hier an sich domne wahrscheinlicher ist. Aber 
in einer italienischen Privaturkunde des Turiner Archivs (Sesto- 
mercado a. 892) ist regnante dono nostro Berengario gewiß nicht 
mit Vayra (Tavole grafiche ad uso delle Scuole di paleografia, tav. 1) 
domino, sondern vielmehr domno wiederzugeben. In der Würzburger 
Traditionsnotiz a. 1138 (München lat. 12633) hätte der Herausgeber 
(Sitzungsberichte der bayer. Akademie 1898 I 401) für uice cton' statt 
vicedomnus nicht vicedominas drucken sollen. Davor warnt z. B. 
folgender Hexameter in unserm köstlichen Ruodlieb-Fragment (bei 
Seiler IV 68 p. 218): 

Inde petant summum, velut est dignum, viceüonum. 
Gerade mit durchstrichenem d kommen solche Schreibungen für 
domnus seit saec. X öfters vor. Auch C. Caesar liest 1 ) wohl fälsch- 
lich in der Handschrift des Sedulius im Musee Plantin-Moretus saec. X 
do{mi)nus Beda statt domnus Beda. 



l ) Rheinisches Museum f. Philologie LVI (1901) 255. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 175 

6. DM. und DMS. 

Die Suspension DM. ist nur mit afrikanischen Inschriften zu 
belegen. 1 ) Auf mauretanischen Steinen steht a. 469 und 493 (CIL. 
VIII 21680 und 21689): AISCESSIT IN PACE DM; auf einem byza- 
zenischen a. 510 (CIL. VIII 11649): ANO XIIII AM RG TSM 
(= Thrasamundi). Die gewiß sehr lückenhafte Überlieferung kehrt 
dabei den Sachverhalt um; denn auch bei dieser Suspension wird 
die sakrale Verwendung die jüngere sein. 

Zur Suspension dm. gehört die bedeutsame Kontraktion dtris. 
Sie ist den Paläographen von jeher aufgefallen und gilt als ein An- 
zeichen besonders hohen Alters. 2 ) Doch mit einer solchen Aussage 
ist noch wenig getan. Wenn irgendwo, möchten wir hier eine klarere 
Einsicht gewinnen, schon um unter der großen Menge alter kirch- 
licher Handschriften aufräumen zu können. Sie bieten für Gott 
den Herrn bald dms, bald dns. War dms die alte Bildung, an 
deren Stelle später die jüngere dns trat? Oder liegt eine nur örtlich 
unterschiedene Entwickelung vor? 

Bis jetzt ist dms in vierundzwanzig alten Uncial- und in einer 
Halb-Uncialhandschrift nachzuweisen. Da die zahlreichen auf uns 
gekommenen Handschriften in Halb-Unciale sich über das ganze 
christlich-römische Reich ausbreiten, so haben wir damit sofort einen 
festen zeitlichen Anhalt: die Uncialen mit dms fallen im großen und 
ganzen vor die Entwickelung der Halb-Uncialschrift, d. h. vor das 
6. Jahrhundert. Dazu paßt, daß sie wohl den Gebrauch von n. für 
noster kennen, aber noch nicht die kontraktive Weiterbildung m. 3 ) 
Dagegen enthalten sie außer n. noch viele andere Überreste von 
Suspensionen, oft auch die alten überstrichenen Formen dei etc. 4 ) Die 



*) Ein nicht afrikanisches älteres Zeugnis ist unsicher: Rossi bei Pitra, 
Spicileg. Solesm. IV 533. Auch dm als stenographische Grundform (Kopp, Palaeo- 
graphia critica II 101) und in den Notae iuris (Gramm, lat. ed. Keil IV 282) ist hier 
nicht weiter zu verwerten. 

2 ) Vgl. Nouveau Tratte II 399; III 544. Delisle, Melanges de paleographie 
p. 14. Amelli, Un antichissimo codice biblico lat. purpureo, Montecassino 1893, 
p. 4. Spagnolo, L'evangeliario purpureo veronese, Turin 1899, p. 5. Burkitt in 
Texts and Studies IV 3 p. 81. Sickel, Lehre v. d. Urkunden d. ersten Karolinger, 
S. 309, und Prolegomena zum über diurnus I S. 29. 

3 ) Vgl. unten III b, 6. 

*J Vgl. oben S. 51 f. und unten S. 178 ff. 



176 L.Traube, 

biblischen Texte, die durch sie überliefert werden, sind vorhierony- 
mische. Die Normalisierung des Hieronymus vermissen wir z. B., 
sobald wir die Orthographie von Israel betrachten. Die allermeisten 
der Handschriften mit dms haben Istrahel, Istrael, Isdrael, Sdrael. 1 ) 
Vgl. oben S. 106 Anm. 1. Die Stücke des Neuen Testamentes in ihnen 
zeigen den europäischen Text. 

Diese allgemeinen chronologischen Erwägungen werden durch 
das ausdrückliche Zeugnis einiger Inschriften ergänzt. Auf einer Grab- 
schrift aus Lodi a. 442 wird von einer Magd Proiecta gesagt (CIL. 
V6402): SERVIVIT DM° SVO AN IUI M VI DEMISIT DE DOMINO 
SVO FILIVM. Man sieht DM (= dominö) steht hier im Sinne von 
possessori; aber die Fassung (ein Kreuz zwischen B und M, REQ" 
IN PACE, die Crax monogrammatica nach dem Datum) ist unzweifel- 
haft christlich. Wir finden also so frühe schon in Oberitalien eine 
nichtsakrale Anwendung von drris. Sakral wird dagegen dms ge- 
braucht auf einer Marmortafel der Cripta di S. Marziano in Syrakus 
a. 423 (Notizie degli scavi 1905 II 396, Nuovo bullettino di archeo- 
logia crist. XII 1906 p. 166): DEPOSITA EST IN PACE DM! V 
NONAS MÄRT POST CONSS DD NN HONORIO Xffl ET 
THEODOSIO X AAGG. Ferner bot eine Inschrift aus Vienne a. 491 
(CIL. XII 2058): IN XPO DMO NOSTRO. Diese Inschrift ist nur 
durch Spon bezeugt, aber dmö darf in ihr als sicher gelten, da zu 
Spons Zeit die Paläographie sich noch nicht mit dem Alter dieser 
Bildung beschäftigt hatte und man schwerlich damals darauf verfallen 
konnte, dms einzuschmuggeln, um die Ehrwürdigkeit eines Zeugnisses 
zu beweisen oder zu erhöhen. Endlich hat eine vor kurzem ge- 
fundene jüngere afrikanische Inschrift (Comptes-rendus de l'Academie 
des Inscriptions, 1906, p. 141): POSITA A DMÖ PATRE FAVSTINO 
EPISCOPO VRBIS TEBESTINAE SVB DIE V IDVS APR INDICT 
XIII, wo dmö wieder in der Titulatur steht. 

An lokalen Handhaben stehen, abgesehen von diesen Inschriften, 
folgende zur Verfügung. Es liegen oder lagen in Brescia 2 2 ) und 3; 



J ) Vgl. in der folgenden Tabelle die Handschriften 2, 3, 4, 5, 7, 11, 15, 20, 
22, 25; in einigen fehlt das Wort, für «ndere habe ich keine Ausweise. 
2 ) Ich gebrauche die Nummern der folgenden Tabelle. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 177 

in Bobbio 9, 17, 18, wahrscheinlich auch 10, vielleicht 23; in Ver- 
celli 19; in Verona 20 und 21. Von 4 und 12 vermutet A. Souter 
sardinischen Ursprung. 1 ) Italienisch sind gewiß 5 und 6, jetzt in 
St. Gallen. Auch die obere Schrift in 25 führt für diesen Codex auf 
Oberitalien. 2 ) In Frankreich sind oder waren niedergelegt 1 (jetzt in 
Bern) und 14 (Psalterium S. Germani), wohl auch 13; ferner und 
zwar in Lyon 7 und 8, in Corbie 15 und 16. 11 lag in Freising. 
Spanisch könnte 22 den 3 Kolumnen zufolge sein. Auch in 2 könnte 
die dort gebrauchte Form Sdrael und die Einleitung 3 ) einen gewissen 
Zusammenhang mit Spanien herstellen. In Spanien ist aber inschrift- 
lich die Form dris schon für das Jahr 485 belegt und bleibt dann die 
regelmäßige. Wenn in einer Theodulf-Bibel, London Add. 24142, 
dtriö gefunden wird, so kann hierin wohl ein älteres spanisches Vor- 
bild befolgt sein, es bleibt aber dieser Fall eine Ausnahme. 4 ) In der 
Titulatur dagegen ist seit dem 7. Jahrhundert dnis fast ausschließlich 
in Spanien nachzuweisen; vgl. unten S. 186. Es mag aus Afrika 
herübergekommen sein, wie die eben angeführte afrikanische In- 
schrift nahe legt. 

Man kann diese Verhältnisse, wie ich glaube, so auslegen: aus 
frühchristlichem dm. bildete man in einem oberitalischen Scriptorium 
dnis; diese Form kam im 4., 5. und 6. Jahrhundert von dort nach 
Sizilien, Frankreich und Afrika, von Afrika nach Spanien. Ein etwa 
gleichzeitig aus Rom vordringendes dris gebot ihr aber Halt oder 
schränkte doch die Verwendung ein. 6 ) 

Ich führe nun in Tabellenform die Belege für sakrales dnis vor 
und bemühe mich dabei, indem ich neben die Formen von dnis die 
gleichzeitig sich findenden Formen der übrigen Nomina sacra und 
die aus der Suspensionsschicht bezogenen Ergänzungen für dnis setze, 
das historisch treue Bild einer Zeit zu zeichnen, in der die einzelnen 
Momente der Entwickelung sich noch kreuzen und gegenseitig durch- 
wachsen. 

*) Sie seien nach 533 dort geschrieben worden. 

2 ) An einer fehlerhaften Stelle des Ambrosius in ev. Luc. VII 110 (ed. Schenkl 
IV 328, 9) hatte das Archetypon einiger Handschriften dnis. 

*) Vgl. Haupt, Opuscula II 408, und Kauffmann, Zeitschrift f. deutsche Philo- 
logie XXXII (1900) 306. 

*) Dagegen schließt sich dorn in der Bibel von La Cava an den älteren oben 
geschilderten Gebrauch an. 

5 ) Darüber unten S. 189 ff. 
Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 12 



178 



L. Traube, 



Im folgenden bedeutet *, daß wegen fehlender Möglichkeiten andere Formen als die angeführten nicht 

können. Fr. ist Fragment, Pal. Palimpsest. Die übrigen Abkürzungen 



Ort 


Inhalt 


Schrift 


Besondere 
Zierde 


deus 


dorn. 
döfns 


1. *Bern 611 
Fr. Pal. 


Ev. Mc. 
(t) 


Unciale 
2 Kol. 








2. Brescia 
Quir. 


Ew. 

(f) 


Unciale 
1 Kol. 


Purpur mit 
Silberschrift 






3. * Brescia 
Quir. H.VI. 11 
Fr. 


Cyprian. 
Testim. 


Unciale 
2 Kol. 






dorn 
(nom. acc.) 

domo 


4. Cambridge 
Un. NN. II. 41 
(Codex Bezae) 


Ew. Act. 
griech. u. lat. 

(d) 


Unciale 
mit halb- 
uncialem 
Einschlag 

1 Kol. 




del 

deö 

deüfh 


dom (acc.) 
dorne 


Chur vgl. 
St. Gallen 












Darmstadt vgl. 
Weingarten 












Fulda vgl. Wein- 
garten 












5. *St. Gallen 912 
Fr. Pal. 


Jer. 


Unciale 
1 Kol. 








6. * St. Gallen 1394, 
St. Gallen Vad. 
und Chur, erzb. 
Arch. 
Fr. 


Ew. 
(n + a*) 


Unciale 
2 Kol. 




del 





Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 



179 



vorkommen konnten ; f, daß die Handschrift mir nur ungenügend bekannt ist, und also manche Formen fehlen 
sind die gewöhnlichen in der Textkritik des Neuen Testamentes verwandten. 



don. 
döns 


dmn. 


dms 


dns 


noster 


Die übrigen 
Nomina sacra 


m und n am 
Zeilenschluß; 
Punkte nach 
oder vor und 

nach den 
Nomina sacra 






drrii 






ihs 
sps 


— m 






drrie 


dns 
gewöhnlich 

(dns 
herrscht auch 
auf den vier 
Blättern der Ein- 
leitung) 




ds 
ihs 
xps 
sps 
scs 


— m 

— n 
Reste von 
Punkten 






dnis 
dml 
dtriö 






ds 
xps 


-7- m 

— n 

Reste von 

Punkten 




dmh 

(acc.) 


dnis 
dml 
dniö 
dme 


dns 

gelegentlich, fast 

ausschließlich in 

Act. 




ds 
ihs 
xps 
sps 


— m 
















































dnis 
dmi 
dniö 
dnie 








— m 






dms 
dml 
dme 


dns 
statt 
dms 

in dem später 

restaurierten 

Stück 

(0) 




ds 
ihs 
sps 


AI 

i n 

Reste von 
Punkten 



12 = 



180 



L. Traube, 



Ort 


Inhalt 


Schrift 


Besondere 
Zierde 


deüs 


dorn, 
döms 


7. Lyon 425 (351) 


Ps. 


Unciale 
1 Kol. 


die Formen 
für deus und 
dominus rot 


deus 


dorn 

(nom.?, acc.) 


8. Lyon 483 (413) 


Orig. in Rom. 


Halb-Unciale 
1 Kol. 






dorn 

(acc.) 


9. * Mailand C. 73 i. 
(Bobbio) Fr. 


Ev. Lc. 

(s) 


Unciale 
2 Kol. 






dorn 

(acc.) 


10. fMontecassino, 
Archiv (Sarez- 
zano) Fr. 


Ev. Joh. 


Unciale 
2 Kol. 


Purpur mit 
Silberschrift 






11. *München lat. 
6225 (Freising) 
Fr. Pal. 


Pentat. 


Unciale 
2 Kol. 




deö 


dorn 

(acc.) 


12. fParis gr. 107 
(Claromontanus) 


Epp. Paul. 

griech.undlat. 

(d) 


Unciale mit 

halbuncialem 

Einschlag 

1 Kol. 




deo 


dorn 

(acc.) 


13. fParis lat. 10592 
(Seguerianus) 


Cyprian 


Unciale 
2 Kol. 






dorn 

(acc.) 


14. Paris lat. 11947 
und St. Peters- 
burg 


Psalterium 
,S. Germani' 


Unciale 
1 Kol. 


Purpur mit 

Silberschrift, 

Nomina sacra 

in Gold 


deüs 


dorn 

(acc.) 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 



181 



don. 
döns 


dmn. 


dms 


dns 


noster 


Die übrigen 
Nomina sacra 


m und n am 

Zeüenschluß ; 
Punkte nach 
oder vor und 

nach den 
Nomina sacra 






dms 
dml 
dmö 
dme 


dns 
in den ältesten 

Partien und 

wieder in den 

jüngeren 


n 


ds 
xps 
sps 


— m 




dmh 

(acc.) 


dms 
dml 
dmö 
dme 




n 

m 

N 
(nostrum) 


ds 
Ö (!) 
xps 
sps 
scs 


In 






dms 
dmö 
dme 






ds 
ihs 
xps 








dms 
dme 


dns 

(von der 

Hand eines 

Korrektors) 




ds 
ihs 
xps 
sps 


— m 

— n 






dms 
dml 
dmö 






ds und 

einmal des 

hs 

(lesus Nave) 

sps 

sts (!) 


\n 




dmn 
(acc.) 


dms 




n. 


ds 
ihs 
xps 
sps 








dms 
dml 
dmö 






ds 


— m 


don 
(acc) 




dms 
dmö 
dme 


dns 
häufig 




ds 
xps 
sps 
scs 


Zfo 



182 



L. Traube, 



Ort 


Inhalt 


Schrift 


Besondere 
Zierde 


deus 


dorn, 
dofns 


15. f Paris lat. 17225 
(Corbie) 


Ew. 
(ff 2 ) 


Unciale 
2Kol. 






dorn 

(acc.) 


St. Paul in Kärn- 
then vgl. Wein- 
garten 












16. fSt. Petersburg 
Q. V. I. 3 
(Corbie) 


Augustin. 
de ag. Chr. 


Unciale 
2Kol. 






dorn 

(acc.) 


St. Petersburg 
vgl. Paris lat. 
11947 












Sarezzano vgl. 
Montecassino 












Stuttgart vgl. 
Weingarten 












17. f Turin E. IV 43 
(Bobbio, gehörte 
mit dem Sedulius 
E. IV 42 zusam- 
men) 


Cerealis 
contra Max. 


Unciale 
1 Kol. 








18. Turin G. V 37 
(Bobbio) und A. 
112*. 


Cyprian. de 
op. et el. 


Unciale 
2 Kol. 




dei 
deö 


dorn 

(gen.?, acc.) 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 



183 



dort, 
döns 


dmn. 


dms 


dns 


noster 


Die übrigen 
Nomina sacra 


m und n am 
Zeilenschluß ; 

Punkte nach 
oder vor und 

nach den 
Nomina sacra 






dms 
dml 
drriö 






ds 
ihs 
xps 
sps 


=i: 




















dms 




n 


ds 
ihs 
xps 


— m 

Reste von 

Punkten 
















































dms 

(gelegent- 
lich) 


dns 

(meist) 




ds 
ihs 
xps 
sps 
scs 






dtrih 

(acc.) 


dms 
dmi 
dmo 
dme 






ds 

ihs 

xps 

spiräus 

sanctus 


■_<m 
(n 

mit Punkten 



184 



L. Traube, 



Ort 


Inhalt 


Schrift 


Besondere 
Zierde 


deus 


dorn. 
dörns 


19. fVercelli, Cap. 


Ew. 
M 


Unciale 
2Kol. 




deo 




20. Verona VI (|) 


Ew. 

(b) 


Unciale 
2Kol. 


Purpur mit 
Silberschrift, 
die Nomina 
sacra in Gold 


del 


dorn 

(acc.) 


21. tVeronaXIII(ll) 


Hilar. in Ps. 


Unciale 
2Kol. 






dorn 

(acc.) 


22. * Weingartener 
Fragmente in 
Fulda, Darm- 
stadt, St. Paul, 
Stuttgart 


Proph. 


Unciale 
3Kol. 




del 
deo 


dorn 

(acc.) 


23. Wien 1235 
(Neapel) 
Fr. 


Ew. 
0) 


Unciale 
1 Kol. 


Purpur mit 

Silberschrift, 

die Nomina 

sacra in Gold 




dorn 
(acc.) 


24. Würzburg 
Th. Q. 3 


Priscillian 


Unciale 
2 Kol. 








25. * Würzburg 
Th. F. 64* 
Fr. Pal. 


Proph. 


Unciale 
2 Kol. 






dorn 

(einmal dat., 

acc.) 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 



185 



dort, 
döns 


dmn. 


dms 


dns 


noster 


Die übrigen 
Nomina sacra 


m und n am 
Zeilenschluß ; 
Punkte nach 
oder vor und 

nach den 
Nomina sacra 






dms 
dme 






ds 


\n 






drris 






ds 


— m 






dml 






ihs 


— n 






dmö 
dme 






xps 
sps 
saric 


Reste von 
Punkten 


doh 




drris 


dns 


n. 


ds 


— m 


(dat., acc.) 
dorn 

(gen.) 




dml 
drrie 


(hie und da) 




ihs 

xps 

sps 

SCS und scts 


Reste von 
Punkten 






drris 
dml 


• 




ds 
xp 


m 1 immer aus- 
n (geschrieben; 






dmö 
dme 






(einmal am Rand 
als allgemeiner 

Hinweis, vgl. 

Ranke p. 50) 

sps 


mit Punkten 




dtrih 
(acc, die 
Lesung ist 
unsicher) 


dms 
dml 
dmö 
dme 






ds 
ihs 
xps 
sps 


f m 
~\n(7) 
Reste von 
Punkten 






dms 


dns 


.ri. 


ds 


— m 






nur dreimal 


gewöhnlich 




ihs 

xps 
sps 

SCS 


— n 






dms 
dml 






ds 
ihs 


l n 






dmö 
dme 






(lesus Nave) 

sps 

SCS 

omp 

(= omnipotens) 

ang 

(= angelus) 


Reste von 
Punkten 



186 L. Traube, 

Als die Kontraktion dns fast allgemein im sakralen Gebrauch 
anerkannt war, griff man auf die Kontraktion dms, die dadurch frei 
wurde, zurück, um sie in der Titulatur zu verwenden. Man pflegte 
diese Unterscheidung, wie wir bereits sagten (vgl. oben S. 177), be- 
sonders in Spanien, 1 ) man begann damit im 7. Jahrhundert. Da also 
stehen sich dns (dominus) und dms (domnus, Herr, Herrscher) gegen- 
über; eher wird dabei dns auch für den weltlichen Herrn gebraucht, 
als dms für Gott. 

Vgl. Hübner, Inscr. Hisp. Christ. 100 a. 660: DMS BACAVDA 
EPSCPS (neben ara scä dm); ebda. 110 saec. VII: DMI THEODE- 
RACIS EPSCPI (neben in nomine dni 2 ) nostri Iesu Christi). 

Escorial R. II 18 saec. VII/VIII: dml Ysidori neben domno Isidoro 
und dno et filio Sisevuto; Madrid (S. Millan de la Cogolla) bei 
Hartel-Loewe S. 486 saec. X/XI: dml Martini aepspl. Im Codex 
Regularum aus S. Maximin in Trier (jetzt München lat. 281 18) saec. IX in. 
trifft man, wo spanische Überlieferung durchleuchtet, auf ein un- 
erwartetes regula a dmo et patre nostro Fmctaoso edita in pace. 



7. DN. und DNS. 

D. N. ist bis in die späteste Zeit — man denke nur an viele 
Reihen von Münz-Legenden — von den Kurzschreibungen der Titulatur 
bei weitem die geläufigste; D. N. ist dominus noster zuerst und be- 
sonders, wenn von den Römischen Kaisern die Rede ist. 3 ) 

Als Mehrzahl gehört dazu, wie bekannt, DD. NN. domini 
nostri, DDD. NNN. (tres) domini nostri, u. s. w. 



*) Für ein weiteres Übergreifen spricht die Inschrift aus Clermont-Ferrand 
a. 612 (CIL. XIII 1485): ANNV XVI REGNO DMI THEVDOBERTI. Die Handschrift 
des Registrum Gregorii (vgl. oben S. 173 Anm. 3), die dms schreibt, stammt aus 
Montecassino saec. XI. 

J ) Die folgenden Worte waren erst richtig zu stellen; vgl. darüber unten 
S. 235. 

3 ) Auf einer phrygischen Inschrift saec. III IV (CIL^III 13661) ist D N die 
Kaiserin. Ganz unsicher ist dagegen die Beziehung von D N als domina nostra auf 
eine Private, die Rossi bei einem Graffito der Kallixtus-Katakombe gelten läßt 
(Inscr. Christ. I 571). Die alten Sammlungen der Notae iuris geben für domina 
auch die Kontraktionen dmü und dnä. Doch ist man nie sicher, ob dort nicht künst- 
liche oder spätere Formen eingedrungen sind. Im Bobiensis der Reden des Cas- 
siodor wird dns für den gotischen König gesetzt, aber domina für die Königin aus- 
geschrieben. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 187 

Ich habe für diesen Gebrauch nie besonders gesammelt und 
weiß nicht, wann er beginnt. Doch kommt auf Münzen schon 
am Anfang des 3. Jahrhunderts *) und auf einem ägyptischen Papyrus 
schon a. 293 dd. nn. vor 2 ) und der Singularis ist im 3. Jahrhundert 
auf Inschriften recht häufig. Die Schreibung DN findet sich bereits 
a. 376, vgl. CIL. XI 6665; daß dort dominus noster aufzulösen ist, 
zeigt ib. 6640 und 6658, wo die Worte ausgeschrieben sind. Sonst 
kann man in der Tat, besonders später da, wo die Schreibung dri 
vorliegt, schwanken, ob man dominus oder dominus noster zu deuten 
hat. Denn dn. oder dn wurde mit der Zeit eine sehr beliebte Schrei- 
bung für einfaches d(omi)n(us) oder d(om)n(us). Hierfür sind zu- 
nächst sichere Beispiele zu beschaffen. 3 ) 

Ich komme da freilich über das 6. Jahrhundert nicht hinauf. 
Rom (Verona) Vat. lat. 1322 hat auf fol. 166: consolatu dn m Mar- 
ciani pp Augi, dem gegenüber z. B. fol. 34 unum filium, unum dnm 
confitemur. Eine stadtrömische Inschrift a. 604 (Grisar, Analecta Rom., 
tav. III 2) hat: IMP. DN N FHOCA PP. AVG. ANNO SECVNDO; 
eine Inschrift in Porto saec. VIII (Rossi, Bullett. 14 p. 102): SALBO 
BEATISSIMO DN N LEONE TERTII PAPAE. Gerade in der päpst- 
lichen Kanzlei erhält sich dauernd dn (z. B. dn meo papae) und dn n 
(besonders für Kaiser und Papst). Vgl. Sickel, Prolegomena zum 
Liber diurnus I S. 29, und von Bullen, die im Original erhalten sind, 
die Paschalis' I (Jaffe Reg. 2551) a. 819, Benedikts III (Reg. 2663) 
a. 855, Nicolaus' I (Reg. 2718) a. 863, Johanns VIII (Reg. 3052) a. 876, 
Silvesters II (Reg. 3906) a. 999; die Kurzform dn n, die in ihnen 
regelmäßig steht, wird dabei bisweilen selbst von Meistern der Diplo- 
matik fälschlich mit donno wiedergegeben, wie auch in einer Privat- 
urkunde von Treviso a. 780 verlesen wird (Bullett. dell' Istituto storico 
it. XXII 50). Oft nachgewiesen ist AN (= domni u. s. w.) in Neapler 
Privaturkunden vom Jahre 912 an; vgl. Capasso, Mon. Neap. II 1 



J ) Vgl. Eckhel, Doctrina numor. VIII 365. 

2 ) Grenfell and Hunt, Oxyrhynchos Papyri I p. 159 n. CX, pl. V. Wie lange 
in den Kanzleien sich die iterative Bildung erhielt, zeigt die Überlieferung eines 
Briefes des Papstes Bonifaz IV a. 613 (M. G. Epp. III 455). Die Handschriften saec. X 
bewahren in ihm dd. nn. piissimis Augustis Heraclio . . . et Heraclio Constantino. 

3 ) Die Inschrift zu Lyon a. 470 (CIL. XIII 2362): DN N SEVERO ET IOR- 
DANE ist technisch fehlerhaft und kritisch bedenklich. 



188 L. Traube, 

p. 18 sqq. Auf römischen ist saec. XI dnh fast erstarrt und das 
zweite n wird dabei öfters überflüssig; vgl. Archivio della R. Societä 
rom. di storia patria XXII (1899) 74 sqq. 

Bisweilen tritt die Form dn. uns in jüngeren Handschriften ent- 
gegen, wo diese ohne rechten Verstand der Vorlage folgen. Auch 
da ist eine Entscheidung oft nicht leicht zu treffen. Paris (Mainz) 
lat. 4860 a. 939/954 und München (Regensburg) lat. 14613 haben 
übereinstimmend in der Chronik des Cassiodor (Chron. min. ed. 
Mommsen p. 159 a. 1326) a dn. nostro rege Theoderico. So muß 
der Schreiber des Reichenauer Archetypon dieser Handschriften saec. IX 
schon gegeben und wahrscheinlich auch selbst schon gefunden 
haben. Hier ist also dn. = domino. In der Widmung von Servius 
De metris (Gramm, lat. ed. Keil IV 468) gibt die einzige Handschrift 
Paris (Montecassino) lat. 7530 saec. VIII fol. 35 v : Servius Fortunatiano 
dn. Hier scheint dn. füglich nur domino oder domno, 1 ) nicht domino 
nostro vertreten zu können. Dagegen würde in der Widmung des 
Eutropius in Gotha (Murbach) mbr. I 101: DN Valenti Maximo 
perpetuo Augusto, sich sowohl domino nostro als domino empfehlen. 
Im Laterculus des Polemius a. 449 (Chron. min. ed. Mommsen I 523), 
wo die einzige Brüsseler Handschrift saec. XII hintereinander gibt: 
dm n Theodosius praesens Augustus und dn n Placidus Valentinianus, 
könnte beide Male dn n als Überlieferung gelten; dagegen ist an 
einer andern Stelle desselben Laterculus (CIL. I 2 p. 257): {natalis} 
d n TheipdosiV) Au(gusti}, diese Lesart des Bruxellensis wohl die 
Bezeugung von dn = dominus noster. Die Subscriptio des Solinus 
lautet in der Heidelberger Handschrift Pal. 1568 saec. XI: studio et 
diligentia domni Theodosii invictissimi principis; für domni steht on. 
in Paris (Blois) lat. 6810 saec. X; Mommsen möchte d. n. (= domini 
nostri) schreiben, vielleicht ist dn. (domini, domni) nicht weniger be- 
rechtigt. 

Aus dem Eindringen von dn. in die geistliche Sphäre 2 ) kann 
man noch auf ein etwas höheres Alter der Titulatur dn. schließen, 



*) Gerade diese Lösung geben einmal die Laterculi der Notae iuris, Gramm, 
lat. ed. Keil IV 282. 

*) Auch D. N. als dominus noster wird vor IHS XPS auf Münzen Iustinians II 
gebraucht (Eckhel, Doctrina numor. VIII 228); D. N. IHS XPS soll auch auf einem 
Contorniaten stehen (ebd. 174). 



Nomina sacra. IV. Nomina Sacra im Lateinischen. 189 

als die zufällig dafür erhaltenen Beispiele gestatten. IN PACE DN 
auf der spanischen Inschrift (Hübner, Inscr. Hisp. Christ. 311) gehört 
angeblich ins Jahr 511; IN PACE DN N IHS XPl (ibid. 302) belegt 
den Gebrauch noch für a. 706. Aus Italien kann ich den Hinweis auf 
die oberitalienische Handschrift Vatic. lat. 4938 bringen, 1 ) wo ursprüng- 
liches dn riö oft von zweiter Hand in dris nor verwandelt wird; aus 
Südfrankreich den Hinweis auf das sog. merowingische Sakramentar 
Rom Reg. lat. 317, 2 ) wo per dn (neben dnrn) rirn häufig ist. 

Die herrschende Form für Gott den Herrn wird, wie bekannt, 
die aus dn. entwickelte Kontrakion dris. Wann und wo tauchte sie 
zuerst auf? Wir sahen (oben S. 177) dms im 5. Jahrhundert viel- 
leicht von Oberitalien aus sich verbreiten. Aber im 6. Jahrhundert 
war diese Form überall niedergekämpft; für sakrales dominus schrieb 
man da nur noch dris. Man hat daraus geschlossen, daß dms die 
ältere, dris die jüngere Form ist. Und der Schein spricht dafür, 
wenn man nach diesem Merkmal die Handschriften des Alten und 
Neuen Testamentes ordnet: die Texte vor Hieronymus pflegen dms 
zu haben; die Handschriften der Vulgata haben dris. Prüfen wir aber 
den Befund näher, so ergibt sich ein wesentlich anderes und deut- 
licheres Bild. 

Daß schon die Kalligraphen des Hieronymus dris geschrieben 
haben und diese Form nicht erst später in die Überlieferung der 
Vulgata eindrang, beweist der Umstand, daß ebenso die gesamte 
insulare Paläographie 3 ) wie alle alten mittel- und unteritalienischen 
Handschriften und die Mehrzahl der oberitalienischen Handschriften 
der Vulgata allein den Typus dris kennen. 



x ) Vgl. unten S. 228. 

2 ) Vgl. unten S. 221. 

s ) Man kann das zeitlich ziemlich genau durch die einzelnen Stationen hindurch 
verfolgen. Es hatten dris die alten Handschriften, die aus Rom und Süditalien nach 
England durch Augustin und seine Nachfolger kamen, Handschriften, von denen wir 
selbst noch besitzen z. B. den Bonifatianus I in Fulda, die Evangelia S. Augustini 
Cambridge C. C. C. 286 und Würzburg Theol. Q. 2 (der Laudianus dagegen schreibt die 
Nomina sacra aus). Dann haben wir mit dris die großen englischen Bibel-Hand- 
schriften, das Lindisfarne-Buch und die ganze Gruppe des Amiatinus, d. h. Hand- 
schriften, die man als Abschriften der aus Italien gelieferten Originale nachweisen 
kann. Aber auch die irische Paläographie kennt nur dris, eine Erscheinung, die im 
ersten Teil meiner Paläographischen Forschungen erläutert wird. 



290 L. Traube, 

Von Handschriften der Werke des Hieronymus, die vielleicht 
noch auf ihn selbst zurückgehen, wenigstens ungefähr in die Jahre 400 
bis 450 fallen, haben wir die Fragmente der Chronik aus Fleury, in 
denen aber keine Form von dominus begegnet, und die Bodleianische 
Handschrift der Chronik (Auct. T. 2. 26), wo dns geschrieben wird; nur 
fol. lll v steht das alte ipse qaoq. dorn ihs (davor ist ic getilgt) xps 
(vgl. oben S. 170). Es haben ferner von Handschriften der Vulgata, 
die hierher gehören, wenn sie auch etwas jünger sind, dns Vatic. 
lat. 3281 und St. Gallen 1395. Nach der Zeit und dem Ort ihrer 
Entstehung rechne ich von Handschriften anderer Schriftsteller noch 
in die Hieronymische Epoche Wickhoffs Rufin Wien 847, der 
dns n. hat, und die Quedlinburger Fragmente aus den Büchern der 
Könige, deren Text vorhieronymisch ist: hier steht dns noch ge- 
wöhnlich zwischen zwei Punkten und neben .ds. begegnet dei. Von 
späteren italienischen Handschriften wird es genügen auf die Evan- 
gelien München (Freising) lat. 6224 (= q) und Breslau (Aquileja) 
Rehd. 169 (= 1) zu verweisen und auf die Veroneser und Bobbieser 
Tradition, die mit Ausnahme der oben S. 177 angeführten Fälle dns 
bestätigt; vgl. z. B. Sulpic. Severus Verona XXXVIII (36) a. 517, Psal- 
terium duplex 1(1), die Itala-Fragmente in 1(1) App. und II (2), Cassiodorus 
Complex. XXXIX (37), Cyprianus Mailand D. 519 i., Evangelien Turin 
F. VI 1. Inschriftliche genau datierte Beispiele sind mir nicht auf- 
gestoßen. Ein metrisches Epitaph in Rom, das DNÖ zeigt, will Rossi 
(Bullett. IV 5 p. 71) noch ins 4. Jahrhundert verlegen; und gewiß war 
die Form, die in Gallien schon vor der Mitte des 5. Jahrhunderts 
auftritt, in Rom, wie man nach sonstigen Erfahrungen annehmen darf, 
schon im 4. Jahrhundert zu Hause. 

In Spanien ist der Typus dns auf Inschriften in einer fest zu- 
sammenhängenden Reihe seit a. 485 nachzuweisen: a. 485 (Hübner, 
Inscr. Hisp. Christ. 135), a.510 (ib. 25), a.594? (ib. 342), a. 630 (ib. 100 
und 142), a. 641 (ib. 333), a. 661 (ib. 143, vgl. II p. 68), a. 662 (ib. 31 
und 88), a. 691 (ib. 172). Von alten Handschriften, die diesen Be- 
fund bestätigen könnten, haben wir ja fast nichts. Zögernd führe 
ich an Mailand (Bobbio) D. 84 i., ein Stück Vulgata (II Paralip. 5, 9—6, 8), 
in dem dns ds srl charakteristisch ist, und mit viel größerem Vertrauen 
die Freisinger Fragmente der Paulinischen Briefe München lat. 6436, 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 191 

wo wenigstens das Fragment fol. 16 mit dni nsi ihu xpl spanischen 
Ursprung deutlich zur Schau trägt. 1 ) 

Für Frankreich steht der epigraphische Gebrauch der Form dns 
schon vor der Mitte des 5. Jahrhunderts fest: Lyon a. 431 (CIL. XIII 
2354), Vienne a. 450 (CIL. XII 2081), Arles a. 533? (CIL. XII 944), 
Avignon a. 587 (CIL. XII 1045). Wir haben oben S. 176 gesehen, daß 
a.491 zu Vienne auch dms gefunden wird. Es ist kein Zufall, der in diesen 
Zahlen herrscht: dris ist in Gallien in der Tat älter als dms, das da- 
neben kaum aufkommt und bald auch wieder verschwindet. Wenn 
man annehmen darf, daß von den zahlreichen Handschriften des 
6. Jahrhunderts, die jetzt in Lyon liegen, in Lyon oder doch in diesem 
Teile Frankreichs oder überhaupt in Frankreich die Mehrzahl auch 
geschrieben ist, so finden wir dort (Lyon 352, 381, 372, 392, 408, 
517, 519, 521, 523 bis ) immer dns. Lediglich in Lyon 351 und 413 
steht dms; vgl. oben S. 180. In Lyon 351 haben aber die älteren 
Partien, wie dann auch wieder die jüngeren, dns. Und, wenn man 
den Heptateuch von Lyon an den Anfang dieser Reihe stellen kann, 
so geht er mit der Form dns voran, die neben ds, sps, scs, n 2 ) dort 
allein gefunden wird. Ähnliches kann man für die alten Handschriften 
von Fleury und Corbie feststellen. 

In Afrika war dorn, zu Hause; später wurde versuchsweise doms 
gebildet; vgl. über die Itala-Fragmente k oben S. 138 ff. Wenn der 
auf Purpur mit Silber und Gold geschriebene sog. Palatinus Wien 1185, 
der seiner Textfassung nach afrikanisch ist {e der Ew.), die Reihe 
dns, ds, 3 ) ihs, xps, sps aufweist und die Fragmente der Apokalypse in 
Paris (Fleury) lat. 6400 G dns, ds, ihs, xps, sps, scs oder sts haben, 
so kann es sich um europäische Abschriften afrikanischer Originale 
handeln, oder aber: auch nach Afrika ist dns vorgedrungen. Für 
dms dagegen haben wir keinen afrikanischen Beleg außer der S. 176 
angeführten späten Inschrift. 



*) Der Augustinus De baptismo im Escorial (Camar. de las rel.), mit dem 
Ewald und Loewe die Reihe ihrer Bilder eröffnen — der Text selbst in Unciale und 
die beigefügte Benedictio cerei in Kursive haben dns — , ist keine in Spanien ge- 
schriebene Handschrift. 

*) Über die Form hl und hü. vgl. oben S. 152. 

s ) Öfters steht del statt dl. 



192 L.Traube, 

Es dauerte nicht lange und die bequeme Form dns wurde auch 
auf den weltlichen Herrscher übertragen. Wir haben Zeugnisse 
des 6. Jahrhunderts für diese Erweiterung des Gebrauches aus Italien, 
Sardinien, Frankreich, Spanien und Afrika. Für Italien spricht der 
Bobiensis der Reden des Cassiodor und Rom Reg. lat. 2077. Für 
Sardinien gibt es die genauere Datierung im Basilicanus des Hilarius 
a. 510 1) und auf einer Inschrift a. 582 (Eph. epigr. VIII 175 n. 721). 
In Frankreich hat eine Inschrift der Auvergne a. 530: ANNO Villi 
DECEMO REGNO DNI NOSTRI THODORICI RE (CIL. XIII 1503); 
das Jahr (605?) einer anderen zu Clermont-Ferrand (CIL. XIII 1482) 
ist nicht sicher. In zwei Inschriften aus Auch ist DNI • N, da 
der Name des Königs nicht folgt (CIL. XIII 498 sq.), chronologisch 
nicht zu fassen. Spanien zeigt uns die Ausdehnung des Gebrauches 
zuerst im Jahre 577 und 594 (Hübner, Inscr. Hisp. Christ. 115), 
dann wieder a. 691 (ib. 172). Zwischen diesen beiden Daten fanden 
wir früher dtris für den Herrscher gebraucht (vgl. oben S. 186). 



8. DOMN. und DOMNS. 

Die Suspension DOMN. kann von vornherein nur domnus ver- 
treten und ist deshalb nur in der Titulatur anzutreffen. 

Auf einer afrikanischen Inschrift a. 530—534 (CIL. VIII 10862) 
steht: AOMN GEILIMER; auf einer stadtrömischen saec. VIII ex. 
(Duchesne, Liber pontificalis 1514): TEMPORIBVS DOMN STE- 
PHANI IVNIORIS. 

Von DOMN. ist man zu domris übergegangen, der regelrechten 
dazu gehörigen Kontraktion. Sie begegnet schon im Jahre 503 auf 
einer aquitanischen Inschrift (CIL. XIII 1529): ANNO NONO X REG 
DÜMNl NOSTRI ALARICI. Und so steht domnö in Berlin (Lyon) 
Phill. 1745 fol. 85 v aus dem 7. Jahrhundert und domris in einer Ur- 
kunde Karlmanns a. 769 (Mühlbacher 117) mit Bezug auf das unmittelbar 
vorausgehende dorm DionisiL 



l ) Diese Handschrift bezeugt zugleich, daß damals in Sardinien für Gort den 
Herrn dns im Gebrauch war. So hat die Subscriptio, während dns für den Kaiser 
im Texte selbst steht (vgl. Steffens, Lat. Paläogr. I 17), also nicht notwendig für 
Sardinien sprechen muß. Wäre Souters Vermutung richtig, so hätte später dms 
auch Sardinien erobert; vgl. oben S. 177. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 193 

9. Falsche Anwendung der Kurzformen. 

Wir haben bei fast allen Kurzformen von dominus einen be- 
ständigen Übergang aus dem Gebiet der Titulatur auf das sakrale Ge- 
biet und umgekehrt zu bemerken gehabt. Nur im Vorbeigehen wurde 
die fast selbstverständliche Erscheinung berührt, daß schon frühe 
die christlichen Formen dms und dns auch da gesetzt wurden, wo 
dominus nicht dominus deus, sondern possessor, den Menschen 
als Besitzer, bedeutet. Ich meine nicht Fälle, wie sie in den 
Gleichnisreden Christi vorkommen, wo die Kurzform ein Aus- 
druck der Interpretation sein kann, die der betreffende Schreiber 
der Stelle gab. Aber auch sonst sind solche Schreibungen schon 
früh zu beobachten, z. B. in dem alten Evangelien-Fragment Mailand 
C. 73 i., wo dms für den Menschen steht. Im allgemeinen halten 
die lateinischen Schreiber nichtkirchlicher Texte den Unterschied genau 
ein, wie das z. B. für die Sortes in St. Gallen 908 Winnefeld 
p. 2 seiner Ausgabe gut hervorgehoben hat; sie sind vielleicht etwas 
sorgsamer darin als die griechischen Schreiber. Seit der Karolingischen 
Zeit etwa wird dominus gewöhnlich ohne Rücksicht auf den Inhalt 
des Wortes abgekürzt. 

III. Die Attribute. 

a) SANCTUS. 

1. Vorbemerkung. 

Wenn es so gut wie sicher ist, daß die Kontraktion sps zum 
ältesten Bestände dieser Art von Kurzschreibungen gehört, so ist die 
im Mittelalter allgemein verbreitete Kontraktion scs entschieden jünger; 
sie bürgert sich erst allmählich ein und hat allerlei Nebenformen. 
In der alten griechischen Kontraktionsreihe ist eine Form für äyiog 
nicht enthalten; die Kürzung von sanctus ist eine lateinische Schöpfung. 
Ich glaube mit der Annahme nicht fehl zu gehen, daß sanctus ur- 
sprünglich nur, wo es bei sps stand, zusammengezogen wurde; es hat 
sps eine entsprechende Kurzform von sanctus ebenso hervorgerufen, 
wie dns (dms) eine von noster. Dann aber freilich stand sanctus 
in so vielen der Bedeutung nach ähnlichen Verbindungen, daß es 
bald überhaupt gekürzt wurde, welcher Verbindung es auch immer 
angehörte. Die Kurzformen von sanctus und noster, die eine weit 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 13 



194 L. Traube, 

größere Ausbreitungsfähigkeit hatten als die Reihe der älteren Nomina 
sacra, haben denn auch sehr viel mehr zur Ausbreitung und all- 
gemeinen Annahme des Kontraktionssystems beigetragen als etwa 
äs und xps. 1 ) 

2. S. 

Es fehlt nicht ganz an epigraphischen Beispielen vorchristlicher 
Zeit, in denen S. eine Form von sanctus bedeutet. Auf die Ent- 
wicklung der christlichen Kontraktion konnte aber eine solche Sus- 
pension ursprünglichster Prägung keinen Einfluß üben, da SS. für 
sapra scriptus seit ältester Zeit vergeben war. 2 ) Auch die Beispiele 
für christliches S., wie etwa .S. PETRVS in Neapel saec. V (Rossi, 
Bullett IV 5, 122) oder S. LVCAS in Ravenna saec. VI (vgl. CIL. XI 
285 und 293 und dazu Caesar, Observationes p. 4), sind nicht ge- 
rade häufig. Doch kann dieser epigraphische Gebrauch nie ganz 
verschwunden sein. 

Für uns ist besonders wichtig ein Grabstein zu Bordeaux 
(CIL. XIII 906): AIVTIT (*= adiutet) SPIRITVS S; nach Le Blant ist 
er saec. IV, nach Jullians wohl treffenderem Urteil saec. V; die beiden 
Gelehrten mußten aber nach einer älteren Zeichnung urteilen, da das 
Original nicht mehr erhalten ist. Ich glaube : die Schreibung Spiritus s. 
setzt voraus, daß sps scs schon gebildet war. 

Eine Kontraktion zu S. wäre säe aeccL catholicae in Berlin 
(Reims) Phill. 84 saec. VIII, wenn hier nicht eher eine Verschreibung 
(für sce) vorläge. 



3. SC. und SCS. 

Die Suspension sc. hat die allgemein verbreitete Kontraktion 
scs hergegeben. Sie verdient daher besondere Aufmerksamkeit. 



*) Über Kurzformen von sanctus vgl. C. Caesar, Observationes ad aetatem 
titulorum lat. christianor. definiendam spectantes, Bonn 1896, p. 4. 

2 ) SS. kann in älterer Zeit aus demselben Grunde durchaus nicht sancti be- 
deuten, was selbst sehr bewährte Forscher behauptet haben; vgl. Neues Archiv d. 
Gesellschaft f. ältere d. Geschichtskunde XXVI 231. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 195 

Wir beginnen mit einer tabellarischen Übersicht über die ver- 
schiedenen Kurzschreibungen der bekannten christlichen Formel 1 ) 
sanctae memoriae ille episcopus (presbyter etc.) auf datierten In- 
schriften. 

(Vgl. die Tabelle S. 196—197.) 

Darnach ist sc. zuerst a. 519 nachzuweisen; allein aus der 
ältesten Inschrift für sce folgt, daß in Italien schon vor a. 471 das zu 
Grunde liegende sc. gebräuchlich war. Aus der afrikanischen Inschrift 
a. 440 mit SCS (vgl. unten S. 198) geht für sc. noch höheres Alter 
hervor. 

Außerhalb der Verbindung s(an)c(tae) m(emoriae) habe ich sc. 
nicht häufig getroffen. Doch weitverbreitet war die Form. Für Afrika 
vgl. oben S. 164 (denn es ist wohl richtiger SC ECLSE zu trennen 
und bei SPS <S>CI einen zufälligen Ausfall anzunehmen, als auf ein 
eigenes Prinzip zu schließen); eine spanische Inschrift saec. VI? (bei 
Hübner, Inscr. Hisp. Christ, n. 90) hat RELIQVIAE SCORV | MAR- 
TIRVM • IB (= id est) SC ■ TOME | SC ■ DIONISI ■ SCÖRV COSME 
u. s. w. In Dalmatien wurde jüngst die Aufschrift DOMOS SC S 
(hier ist der Name abgebrochen) gefunden, jetzt im CIL. III 14902. 
Am besten beweist die Lebenskraft der Form sc, daß in den alt- 
französischen Texten der Handschrift Clermont-Ferrand 189 saec. X 
für die romanischen Formen sancz, sanz, sanct in der Passion scs 
nach der gewöhnlichen lateinischen Art geschrieben wird, daß aber 
im Saint Leger dafür sc. steht. Diese Form würde also wohl nicht 
im Wege stehen, eine Schweizer Inschrift an der Kirche zu Windisch 
(bei Egli, Die christl. Inschriften der Schweiz n. 52), auf der IN 
ONORE SC MARTINI ECP vorkommt, wie es geschieht, in die 
karolingische Zeit zu verlegen. 

Wie und wo ist sc. zu scs geworden? Ich habe schon oben 
(S. 193) gesagt, daß meiner Meinung nach sps die Kontraktion scs 
nach sich zog. Alle andern Verbindungen, in denen sanctus sonst 
vorkam, boten keine Veranlassung zu einem Wandel der Form. Im 
epigraphischen Gebrauch war die Suspension immer vor der Kon- 



x ) Vgl. Caesar, Observationes p. 28. 

13= 



196 L. Traube, 

Übersicht über die Entwickelung der Suspension und 



SC. M. 

S. C. M 



ACACI 



SCM 



FYLACRIVS 



EPS 



SCM 



CYPRIANVM 



SANC. M. 



SANCM 


ADEODATVS 


PREBS 


SCE MEMORIAE 






SCE MEMORIAE 


CENOBIA 


DÖ SACRATA 


SCE-MR' 


PRISCVS 


EPISC 


SCE MEMORI • 


GALLVS 


EPS 


SCE M ») 


<Valentianus> 


EPCS 



traktion bevorzugt. Als man begann, auf Inschriften SCE M(emoriae) 
statt SC. M. zu setzen, war sicher SCS schon anderwärts gebildet 
worden. Man sieht das am besten daraus, daß memorlae in der 
alten Suspensions-Form oder ganz ausgeschrieben oder sonst ver- 



*) SCE (oder SCE ■ oder SCE) M steht z. B. auch auf den undatierten 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 
Kontraktion in SANCTAE MEMORIAE (vgl. S. 195). 



197 



Canosa bei Barletta 

Novara 
Rom 



a. 519 CIL. IX 410 

(nach einer Abschrift) 

a. 554? CIL. V 6633 

a. 578 Rossi, Inscr. Christ. I 1122 



Mailand 



a. 525 



CIL. V 5683 



Vercelli 
Nola 
Turin 
Chur 



a. 471 


CIL. V 6741 


a. 523 


CIL. IX 1318 


a. 546 


CIL. V 6858 


a. 548 


Egli, Die cl 



Schweiz, n. 37 

(nach einer Abschrift ; auf dem Stein stand 

als Überschrift des metrischen Epitaphs, 

Bücheier n. 1378, nur SCE M EPCS) 



kürzt, aber nie als Kontraktion in der Verbindung sce memoriae er- 
scheint. Auch in einer andern Verbindung: presbyter (episcopus etc.) 
sanctae ecclesiae illius, wird auf Inschriften und in alten Hand- 
schriften vielfach sanctae kontrahiert, während für ecclesiae nur die 



Inschriften CIL. V 5454. 5455 (Como), V 7136 (Turin), X 7747 (Cagliari). 



198 L. Traube, 

Suspension {eccl. und dergl.) eintritt. Wenn in derselben Verbindung 
für episcopus eine Kontraktion gesetzt wird, so geschieht das doch 
erst seit dem 5. Jahrhundert und die mannigfachen Formen der Kon- 
traktion zeigen wieder, daß die Bildung neu war. Nicht eps und 
ecclä {ecclesia) haben scs nachgezogen, sondern scs hat dazu bei- 
getragen, eps und ecclä hervorzurufen, und allesamt stehen diese 
Formen unter dem Einfluß der alten Reihe der Nomina sacra. 

Wir vervollständigen nunmehr die chronologisch sicheren Be- 
lege für scs aus den Inschriften. Die Reihenfolge ist die der über- 
lieferten Jahreszahlen. 

Sitifis in Afrika a. 440 (CIL. VIII 8634): HIC IACET ANTISTES 
SCSQVE NOVATVS. Wilmanns löste sacerdosque auf, Bücheier 
(Carm. epigr. 687, 1) stellte das Richtige her. 

Beziers*) bei Narbonne a. 455 (CIL. XII 4311): IN HON SCRM 
MART (die letzten fünf Buchstaben sind auf dem Stein nicht mehr 
zu lesen, doch ist SCRM völlig sicher), vgl. unten S. 199. 

Vercelli a. 471 (CIL. V 6741), vgl. oben S. 147. 

Spoleto a. 489 (CIL. XI 4972): DP. SCI AMASI EP. 

Ravenna a. 494 (CIL. XI 304): SCS ■ PAP IOHÄN. 

Rom a. 526 (Rossi, Inscr. Christ. I 1005): sCÖ ET VENERA •; 
es ist unsicher, welches Substantiv dazu zu ergänzen ist. 2 ) 

Sevilla a. 556 (Hübner, Inscr. Hisp. Christ. 357): ECESIA (so!) 
SCE MARIE. 

Hiernach ist nur das ganz deutlich, daß scs schon einige Zeit vor 
a. 440 in Afrika im Gebrauch war. Kein Zufall scheint es, daß es 
zuerst in einer metrischen Inschrift begegnet. Es steht damit, wie 
mit XPI in der damasianischen Inschrift (oben S. 134 und 158). 
In metrische Inschriften gingen Eigenheiten der Buchschrift schneller 
über als in Inschriften des gewöhnlichen epigraphischen Formulars. 
Aus diesem Grunde möchte ich aber die Erfindung der Form scs nicht 
ohne weiteres für afrikanisch halten. Dagegen spricht unter anderem, 



*) Die Inschrift in Narbonne a. 445 (CIL. XII 5336) ist als gänzlich unsicher 
übergangen worden. 

s ) Es folgen a. 565 und 578: SCE ECL (565, ECCL. 578) ROMANE (565, 
ROM 578) bei Rossi I 1098 und 1122. Vgl. Nola saec. V (CIL._X_1365): SCE ■ NÖL 
ECCL-; dagegen Pinguente in Istrien saec. VI (CIL. V 474): SCAE ECCLESIAe. 



Nomina sacra. IV. Nomina Sacra im Lateinischen. 199 

daß wir gerade in Afrika mehrere Nebenformen nachweisen können 
(vgl. unten S. 200—203). 

Wenn wir als wahrscheinlich angenommen haben, daß die Kon- 
traktion scs von den Handschriften auf die Inschriften übergegriffen 
hat, so haben wir doch zugleich vermutet, daß scs in den Hand- 
schriften wieder erst eine spätere Zutat war. Es zwang zu dieser 
Annahme der Befund, wie er oben in den Übersichten über den 
Typus dms und dns dargelegt worden ist. Das jedoch darf behauptet 
werden, daß das etwa am Anfang des 5. Jahrhunderts erfundene scs im 
6. Jahrhundert überall angenommen war. Und schon vorher hatte sich 
in Handschriften auch das Feld der Anwendung verbreitet. Der Frei- 
singer Pentateuch verwendet scs ebensowohl als der Heptateuch von 
Lyon an Stellen, an denen von sps nicht die Rede ist. Doch noch 
am St. Galler Palimpsest des Lactantius kann S. Brandt die scharfe 
Beobachtung machen: 1 ) 'sanctus ist in Verbindung mit Spiritus SCS, 
sonst steht die volle Form'. 

Es ist noch übrig, Bemerkungen über die Bildung einzelner 
Kasus hinzuzufügen. 

Für den Nominativ fand sich scus im Fragment aus Optatus, 
Orleans 192 (169) saec. VI fol. 15; scüm hat Cassel (Fulda) Theol. 
O. 5 saec. VIII fol. 40 v . 

Der Genetiv Pluralis würde, regelmäßig gebildet, scorum sein. 
Und diese Form ist später die gebräuchliche; sie kommt auf spani- 
schen Inschriften 2 ) schon a. 644 und 657 vor (Hübner, Inscr. Hisp. 
Christ. 111 und 89). Wir finden aber auf verhältnismäßig alten In- 
schriften dafür SCOR. So in Afrika saec. V/VI (CIL. VIII 8632 und 
Rossi, BuIIett. V4, 39, beidemal neben SCI) und in Spanien a. 662 
(Hübner, Inscr. Hisp. Christ. 88). Es ist dabei Kontraktion (SCO) und 
Suspension (-OR.) miteinander verbunden. Die letztere fanden wir 
in Afrika oben S. 140, begegnen ihr aber auch z. B. in den Chronica 
des Hieronymus aus Fleury. Häufig fand ich die Form scrm; so 
schon auf der Inschrift Beziers a. 455 (vgl. oben S. 198), in der Halb- 
Unciale saec. VI Lyon 372, im Sessorianus LV, im Rehdigeranus der 



*) Sitzungsberichte der Wiener Akademie CVIH247. 
2 ) Über Hübner n. 90 vgl. oben S. 195. 



200 L. Traube, 

Evangelien, in einer Randschrift der Freisinger Evangelien des Vale- 
riana, desgl. in einer alten Beischrift zum Augustin Rom. Ottob. lat. 319, 
und auf der Inschrift einer römischen Katakombe, die frühestens aus 
dem 6. Jahrhundert stammen soll (Zettinger, Römische Quartalschrift 
XVI, 1902, S. 341). 

Der Genetiv sing. fem. ist scae, oft aber auch sce. 1 ) Vgl. darüber 
unten S. 237. 



4. SCT. und SCTS. 

Neben sc. bestand auch die Bildung sct., die aus sanctus ebenso 
gewonnen worden war, wie etwa nst. aus noster. 

Erhalten ist sie nur auf dem afrikanischen Ziegel (Bullett. 
IV 3 tav. III 2): SCT MARIA AIUBA NOS, der ins 6. Jahrhundert ge- 
setzt wird. 

Zur Suspension sct. gehört die Kontraktion scts. Es ist wesent- 
lich, daß die Beispiele spanisch und südfranzösisch sind: Toletanisch 
a. 587 (?) ein Stein mit ECLESIA SCTE MARIE (Hübner, Inscr. Hisp. 
Christ. 155); aus Lyon, Paris lat. 8913 saec. VI/VII, wo scs das ge- 
wöhnliche ist, aber fol. 1 scts pontifex steht. Für die Bestimmung 
des Hilarius Verona XIII (11) saec. VI, der nach Zingerle neben scs 
auch scts hat, kann das wichtig sein. 

5. STS. 

Für die seltene Kontraktion sfs ist eine Suspension st. voraus- 
zusetzen, die sich bisher mit keinem Beispiel belegen läßt. Man 
konnte schwanken, wo in sanctus die Silben zu trennen seien, ob 
vor c oder vor t. Darf man nach der Verbreitung der Kontraktion sfs 
schließen, so wurde st. in Afrika gebildet oder war dort verbreitet 
gewesen. 

Für den afrikanischen Gebrauch von sfs sprechen die Inschriften: 
HIC MEMORIA STl FELICIS und HIC MEMORIA STl IVLIANI 
(Melanges d'archeologie et d'histoire XXIII 17 und 19). Ferner, daß 
im Palimpsest aus Fleury, Paris lat. 6400 G mit Resten aus der Apo- 



x ) Vgl. oben S. 196. Auch ausgeschrieben kommt freilich SANCTE MEMO- 
RIAE nicht selten vor, z. B. in Nola a. 553 (CIL. X 1357) und in Lodi a. 575 (CIL. 
V 6401), als handelte es sich um ein Wort (vgl. terre motus und bone memorius). 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 201 

kalypse, der Apostelgeschichte und den katholischen Briefen, a sfö 
(1 Joh. 2, 20) und sü homines (2 Petr. 1,21) geschrieben wird. 1 ) 

Wenn im Freisinger Pentateuch, München lat. 6225, immer stm 
statt seih steht, wie Ziegler beobachtet hat (slclum stm Num. 7, 43. 
49. 61. 67. 73; populum stm Deut. 28, 9), so mag man dieses Merk- 
mal bei der Bestimmung der Herkunft heranziehen. Freilich hat auch 
Montpellier (Autun) 55 saec. VIII, wie Krusch anführt, sta Gerdrudis 
(SS. Merow. II 453). Andere Beispiele aus älterer Zeit, wie STAE 
RECORD ATIONIS in einer Trierer Grabschrift saec. VI, die nur auf 
Browers Zeugnis beruht (Kraus, Die christl. Inschriften der Rheinlande 
II 402), sind sicher verunechtet. 



6. SANC. und SANCS. 

Sehr verbreitet war einst sanc. für sanetus, gebildet wie dorn. 
von dominus; es wechselte mit sc, konnte aber neben der be- 
quemeren Bildung sich nicht behaupten. 

Aus Rom stammt das wohl älteste epigraphische Zeugnis: 

DEO SANC >ß VNI, 

eine Inschrift von häretischer Färbung, die an der Via Latina ge- 
funden wurde (Rossi, Bullett. IV 86, vgl. Nuovo Bullett. IX 313). 

Stadtrömisch sind auch zwei datierte Inschriften a. 521 (oder 525) 
und 522: A PRESVITERIS (521, A PETRO PRESVITERO 522) 
TITVLI (521, TTL522) SÄNC. (521, ohne Punkt 522) CRISOGONI 
(Rossi, Inscr. Christ. I 975 und 977). 

Eine Mailänder Inschrift a. 525 (CIL. V5683) bietet SANCM • 
ADEODATVS PREBS ; vgl. dazu eine dalmatinische CIL. III 14895. 

In Nola fand sich die Grabschrift a. 484 (CIL. X 1344): DEP« 
SANC • FE • LI- CIS ■ EPC. 

Auf dem älteren Reliquiar von Grado (Rossi, Bullett. II 3, 156) 
steht: SANC. MARIA. SANC. VITVS u. s. f. 

Aus Afrika stammt die Aufschrift eines Reliquiars a. 474, das 
jetzt dem Louvre gehört (P. Lejay, Revue d'histoire et de litterature 



J ) Berger, Le palimpseste de Fleury, Paris 1889, p. 11, sagt, daß auch ses in 
der Handschrift vorkomme, wofür ich sichere Beispiele vermisse. Vgl. über die 
Handschrift oben S. 191. 



202 L- Traube, 

religieuses VIII 599): MEMORIE SANC MARTIRVM LAVRENTI 
IPPOLITI u. s. f. 

Auch auf spanischen Inschriften begegnet die Form, bei Hübner, 
Inscr. Hisp. Christ. 157 saec. VI? (SANC. VINCENTI MARTERIS) 
und ebd. 165 a. 680? (SANC . . vitAM in einer metrischen Grab- 
schrift). 

Wenn nun im Purpureus der Evangelien, Verona VI (6), de 
spü • sdnc I to steht, so sieht man, daß der Schreiber ursprünglich die 
alte Kurzform setzen wollte, nach dem Zeilenschluß aber in die aus- 
geschriebene Form überging. 

Die Kontraktion sancs, die zur Suspension sanc. gehört, hat 
sich bisher nur einmal in Afrika gefunden. Mosaikmedaillons in 
einer altchristlichen Kapelle zu Karthago (Nuovo Bullert. X281) haben 
als Beischriften: SANCS SPERATVS, SANCS ISTEFANVS, SANCT 
SIRICA, SANCS SATVRVS, SANCS SATVRNINVS. Man beachte 
die Unterscheidung der Genera: SANCT steht vor dem Femininum, 
SANCS vor den Maskulinis. 



7. SANCT., SNCT., SNCS. 

Die Bildung sanct, die wir soeben auf einem afrikanischen 
Mosaik angetroffen haben, finden wir wieder im Lactantius 
Bologna 701 saec. VI — VII: sanct. et incorruptibilem spiritum (ed. 
Brandt I 286, 7). 

Eine vielleicht aus sanct. verkürzte Form snct. ist einmal 
überliefert in dem Cyprian-Fragment Orleans 192 (169) fol. 1: sps. 
snct. 1 ) 

Zu snct. mag die Kontraktion sncs gestellt werden, die auf einer 
spanischen Inschrift saec. V— VI begegnet: SNCE ECCLESIE VALEN- 
TINe (Hübner, Inscr. Hisp. Christ, n. 184). 



8. SAC. und SACS. 
Aus der Kontraktion sacs müssen wir eine ursprüngliche Sus- 



') Vgl. über diese Handschriften oben S. 51. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 203 

pension sac. erschließen, obgleich das Recht einer solchen Bildung 
nicht einleuchtet. 1 ) 

Tatsächlich steht auf einem Grenzstein, der jetzt im Lateranischen 
Museum ausgestellt ist und von Rossi (Bullett. III 2, 17) ins 6. Jahr- 
hundert verwiesen wird: LIMES IVRIS BASILICAE SAC ANDRAE 
ET STEFANI. 

Für die Kontraktion fand ich drei Beispiele. Auf einem afrika- 
nischen Reliquiar (Melanges d'archeologie et d'histoire XXIII 15) gibt 
eine nicht ganz klare Aufschrift saec. VI (?): HI SACS. In Berlin (Lyon) 
Phill. 1745 saec. VII steht fol. 68 sedis apostolica sacd. Paris lat. 
4627 saec. IX gibt in den 'Cartas Senicas', die man als Formeln aus 
Sens deutet: domne (= domnae) sacq hac (= ac) reverentissimae 
(Formulae Merowingici et Karolini aevi ed. Zeumer p. 190, 21). 

9. SCSS., SCISS. 

Einer späteren Zeit blieb es vorbehalten für den Superlativ 
sanctissimus, der in der Rede häufiger wurde, eine geeignete Kurz- 
form auszudenken. 

In einfacher Weise hilft sich der Schreiber von Wolfenbüttel 
Weiss. 99 saec. VIII. Er gibt 2 ) scismi für sanctissimi, wie er auch 
(aber hierin mit andern übereinstimmend) karmi für karissimi schreibt; 
doch karmi ist reine Kontraktion auf Grund der Suspension kar., die 
Kontraktion scismi ist an die Kontraktion scis angelehnt. 

Im Liber diurnus (ed. Sickel 74, 8) ist scss episcopo meo eine 
geschickte Ausgestaltung der Suspension sc. Wieder auf der Kon- 
traktion sei beruht die Form sciss, welche allgemeinere Gültigkeit 
gehabt zu haben scheint; vgl. die stadtrömische Inschrift a. 741 — 52 
SClSS. ZACCHARIAE PRESVLIS (Grisar, Analecta, tav. IV 2), ad 
pfax sciss. pontif im Liber Pontificalis Lucca 490 c. a. 800, sciss in 
einer Urkunde a. 1362 bei Walther Lexicon diplomaticum p. 359, 26. 



] ) Vielleicht zog man SAC, eine bekannte richtige Suspension von 
sacrum, heran. 

8 ) kh benutze zu dieser Feststellung Walthers Bild im Lexicon diplomaticum 
359, 25. 



204 L. Traube, 

10. Falsche Anwendung der Kurzformen. 

Wie oben S. 199 hervorgehoben, wurde der Gebrauch von scs 
allmählich ganz allgemein und beschränkte sich keineswegs mehr auf 
die Stelle neben sps. Die Form steht vor allem überall in der 
Titulatur, wobei es dann freilich leicht unterlaufen konnte, daß auch 
sc§ capido in einer sehr weltlichen Anrede Amors gesetzt ward, wie 
im Codex Salmasianus der Anthologia latina. Andersartig ist der 
Fehler in folgender Schreibung des Lugdunensis der Concilia, Berlin 
Phill. 1745 saec. VII: quibus bis in anno, quod nobis pro temporum 
qualitate diffecele est, sein est conuiniri. 

b) NOSTER. 

1. Vorbemerkung. 

Die Geschichte der Kürzung von noster habe ich zuerst in den 
Sitzungsberichten der phil. und hist. Kl. der bayer. Akademie d. Wiss., 
1900, S. 497 — 538, zu zeichnen und mit den nötigen Belegen zu ver- 
sehen gesucht. Sie steht in festestem Zusammenhang mit den Schick- 
salen der verschiedenen Kürzungen für dominus. Überliefert war 
das klassische D. N. {dominus noster) in der Titulatur der 
Kaiser. 1 ) Erhielt in dieser Verbindung dominus christliche Be- 
deutung und Form, so konnte es nicht ausbleiben, daß man sich 
bemühte, auch die Suspension für noster zu einer Kontraktion um- 
zuarbeiten. Die verschiedenen Versuche, die dahin führen sollten, 
die dadurch bewirkten Mißverständnisse, die örtlichen Unterscheidungen, 
die zu unserm Nutzen daraus entsprangen, überhaupt die gerade hier 
sehr weitverzweigte geschichtliche Entwicklung, durch die allmählich 
das Personalpronomen sich den Nomina sacra zugesellte und dann auch 
wieder selbständig wurde und sich löste, bildete den Inhalt meiner 
eben erwähnten Arbeit, die hier mit wenigen Auslassungen und 
sehr vielen Zusätzen wiederholt wird. 2 ) 

Zu noster gehört uester \ aber noster zieht die Abkürzung von 
uester erst nach sich. Deshalb fehlen in der Entwickelung der Kür- 



») Vgl. oben S. 186. 

2 ) Zum Teil wird dadurch den Ausführungen des nächsten Paragraphen vor- 
gegriffen. Es war das aber nicht zu vermeiden, wenn ein Gesamtüberblick über 
die Geschichte der Kürzung von noster an einer Stelle gegeben werden sollte. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 205 

zungen von uester einige der ersten Stufen. So habe ich ii lis usi 
nirgends gefunden. Ebenso ausdrücklich will ich aber erklären, 
daß ui uri ut uri ues neben den entsprechenden Bildungen rii nri 
u. s. w. manchmal auch da vorkommen, wo ich sie nicht besonders 
anführen werde. Der Kürze halber sage ich oft 'rir nri u. s. w.' oder 
'rii u. s. w.' oder ähnliches; zu ergänzen ist dann jedesmal die Fort- 
führung der Deklination durch den Singularis, also 'rif nri nrö nffü 
und l rii rio rihT. Im selben Sinne spreche ich vom 'Typus rii und 
meine zunächst die Formen rii riö rim, und vom 'Typus nri und 
meine dann nri nrö nrm. Über den Nominativ soll in diesen Fällen 
nichts ausgesagt werden. 

2. Grund der Kürzung. Theoretische Möglichkeiten. 
Die Entwickelung der Kürzungen von noster ist ungemein 
reich. Das kommt daher, weil auch in den Zeiten, die sich gegen 
die Abkürzungen im allgemeinen ablehnend verhielten, bei noster 
immer ein Grund zur Kürzung vorhanden blieb. Und das war 
die Stellung von noster sowohl in der staatlichen als in der 
gottesdienstlichen Anrede: dominus noster imperator Caesar steht 
auf der einen Seite, dominus noster Iesus Christus auf der anderen. 
Die althergebrachte Abkürzung der römischen Formel veranlaßte und 
beeinflußte die der christlichen. 

Da, wie wir wissen, von den beiden Arten der Kürzung die 
Suspension die früher ausgebildete und eigentlich antike ist, die 
Kontraktion dagegen die spätere und eigentlich christliche, so wird 
man es verstehen, daß die Suspension von vornherein das Gebiet 
der staatlichen Anrede beherrscht und auch auf das der gottesdienst- 
lichen übergreift, daß andererseits die Kontraktion das der gottes- 
dienstlichen sich zuerst erobern muß, mit der Zeit aber sich überall 
durchsetzt und die Suspension aus noster überhaupt verdrängt. Es 
wiederholt sich also hier der bei dominus geschilderte Prozeß. 

Die theoretisch vorhandenen Möglichkeiten der Abkürzung 
waren folgende, auf Grund 

der Suspension: der Kontraktion: 

n. rir 

ns. nt. nst. nsr ntr nstr 

nos. nost. nosr nostr 

no. nor 



206 L. Traube, 

Es wäre nicht rätlich, diese Fälle alle einzeln und der Reihe 
nach durchzusprechen. Etwas anderes ist die systematische Zusammen- 
ordnung der möglich gewesenen Bildungen, etwas anderes der hier 
unternommene Versuch, die tatsächlich benutzten in der Verkettung 
ihres historischen Zusammenhanges vorzuführen. Ich stelle mich 
dabei auf den Standpunkt, daß vor allem erkannt werden muß, wie 
die für uns wichtigste Stufe (das ist die in der karolingischen Zeit 
endgültig angenommene, sehr unregelmäßig gebildete Abkürzung rir 
nrl u. s. w.) allmählich erreicht worden ist. Wir stoßen dabei, wie 
von selbst, auf alle die Formen, die in der Überlieferungsgeschichte 
der Schriftsteller durch ihre Mehrdeutigkeit Verwirrung gestiftet haben 
und daher eine besondere Aufmerksamkeit beanspruchen. 

3. Die Kürzung N. 

An der Spitze der Entwicklung steht n. = noster. Es ist 
überflüssig, dies aus der römischen Titulatur d. n. (dominus noster), 
dd. nn. (domini nostri), ddd. nnn. (domini nostri, wo es sich um drei 
handelt) u. s.w. eigens zu belegen; vgl. oben S. 186 ff. Der Gebrauch 
von n., in dieser und allen möglichen andern offiziellen Anreden und 
Benennungen (auch der Päpste), erhält sich lange, besonders in Ur- 
kunden und auf Inschriften. 1 ) 

Von hier lag die Übertragung auf das gottesdienstliche Gebiet 
nahe, und in der Verbindung dominus noster Iesus Christus wurde 
zunächst die Suspension n. eingeführt, obgleich dominus (in diesem 
christlichen Sinne) und Iesus und Christus bereits durch Kontraktion 
gekürzt wurden, so daß also zuerst die unorganischen Gebilde ent- 
standen: dns n (oder n. oder .7z., denn so wurden die Suspensionen 
damals schon geschrieben) ihs xps, dm h ihu xpl u. s. w. Sehr 
bald aber wirkte die Umgebung und das Bedürfnis nach Klarheit. 
Die Suspension n wurde aufgegeben, und an ihre Stelle trat in den 
Casus obliqui die Kontraktion rii no nm. Seit diesem Ausgleich 
bildete man also dni ni ihu xpi u. s. w. Länger erhielt sich h als 
Bezeichnung des Nominativs. Die so entstandene metaplastische 



x ) So schrieb Petrus Presbyter auf der vorderen Archivolte des Ciboriums in 
S. Apollinare in Classe noch im 9. Jahrhundert: DNI ■ N ' IHV ■ XPI (Ricci, Ravenna 
p. 252; Kuhn, Allgemeine Kunstgeschichte S. 307). 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 207 

Deklination 7z ni nö rim hat nichts Auffälliges; auch in der Abwand- 
lung von dominus mischen sich in gleicher Weise Kontraktion und 
Suspension (vgl. oben S. 178 — 185). Ein Grund liegt wohl immer vor: 
wenn man bei dominus meiden wollte dmm zu setzen, x ) so genügt bei 
noster der Hinweis darauf, daß man vor nr (dies wäre doch für den 
Nominativ die natürliche Folge der Genetivbildung ni gewesen) einst- 
weilen noch zurückschreckte, da man nur erst ds, dns (oder dms), 
ins, xps, sps, also lauter Bildungen auf s anerkannte. Man kann ni 
kurz als Analogiebildung zu dni bezeichnen. 

Der Typus ni ist in den Uncialen und Halb-Uncialen des 6. Jahr- 
hunderts schon so häufig, daß bei Handschriften, die in der Ver- 
bindung mit den Nomina sacra nur die Suspension n zulassen, ohne 
weiteres auf hohes Alter geschlossen werden könnte, wenn nicht die 
feste Datierung der einen von ihnen, des Codex Bonifatianus 1, der 
nur dni . n . ihü xpi kennt, zeigte, daß auch diese Form bis in die 
Mitte des 6. Jahrhunderts sich erhielt. Aber sicher sind die folgenden 
Uncialen und Halb-Uncialen, die im Nominativ und den Casus obliqui 
.n. (Priscillian, Evangelienharmonie, Orosius) oder n. (Heptateuch, 
Hilarius Veron., Hilarius Lugd., Epistulae Pauli) oder n (die übrigen) 
haben, alle noch aus dieser Zeit und einzelne von ihnen noch etwas 
älter: Rufinus Wien 847, Hilarius in Ps. Verona XIII (11), Heptateuch 
aus Lyon (dort 329), Paris lat. 8907 in der berühmten Randschrift, 
Priscillian Würzburg Mp. th. q. 3, Evangelienharmonie in Fulda Boni- 
fatianus 1 (c. a. 540), Claromontanus bilinguis der Epistulae Pauli 
(Paris gr. 107), Augustinus in Ps. Lyon 352, Hilarius in Ps. aus Lyon 
(dort 381 und Paris n. a. lat. 1593), Hilarius in Ps. St. Gallen 722, 
Orosius Laur. 65, 1. 

Es gibt aber auch etwas jüngere Handschriften, die den Ge- 
brauch fortsetzen: Sacramentarium Leon. Verona LXXXV (80), Lac- 
tantius Bologna 701, Hieronymus Regin. lat. 2077 (beide saec. VI 
bis VII), Cassianus Autun 24 (es ist wohl eine französische Halb- 
Unciale saec. VII), Gennadius Ambros. O. 212 sup. (eine irische 
saec. VII oder VIII). Über andere werde ich sprechen, wenn ich die 



J ) Vgl. oben S. 170. 



208 L. Traube, 

Bildung des Genetivs nl und ihren Kampf mit der Bildung nri näher 
betrachte. 

4. Mißverständnisse im Gefolge von N. 

Etwas anderes als dieser bewußte Gebrauch ist es, wenn längst 
veraltetes n aus älteren Handschriften in jüngere durch zu genaues 
oder gedankenloses Abschreiben eindringt. So steht in München 
(Regensburg) lat. 14540 saec. VIII/IX dho n unigenito, wo eine spätere 
Hand ro hinter n eingefügt. Im Vatic. lat. 5007 (aus Neapel) wird 
nachträglich zwischen domino und ihu xpo ein n eingefügt. Jüngere 
Handschriften des Augustin setzen öfters n für noster und die Kasus: 
z.B. Metz 139 saec. XI und wahrscheinlich Salzburg A. VII 31 saec. XII 
de fide et symbolo c. 8 (vol. XLI p. 17,16 im Wiener Corpus scriptor. 
eccles.), Laon 135 saec. IX de opere monachorum c. 4 (XLI 538, 16). 
Man kann in allen diesen Fällen als sicher hinstellen, daß n dem 
Archetypon angehört, daß der Schreiber des betreffenden Apographon 
sich über seine Bedeutung keine Rechenschaft ablegte und einfach 
schrieb, was er fand. 

Dachte er aber nach, ohne vom Latein mehr zu kennen als das, 
was sein Beruf verlangte, nämlich die Form der Buchstaben und die 
Bedeutung der Abkürzungen, so lag eine Gefahr nahe, die man 
früher offenbar gering geschätzt hatte. Seit der ältesten Zeit wurde 
nämlich auch non durch n ausgedrückt. Nun war wohl anfänglich 
n (noster nostri u. s. w.) durch seine Beschränkung auf die Nähe 
von dominus, detis u. s. w. zur Genüge geschützt; aber es kam die 
Zeit, wo n für das Auge eines Schreibers nur noch non bedeutete. 
Und da brachte denn die Vorlage, in der n noch für noster nostri 
u. s. w. stand, arge Verwirrung in die Abschrift und oft in die ge- 
samte Überlieferung des betreffenden Schriftstückes. 

Ich belege das mit einigen Beispielen aus der Überlieferung des 
Irenaeus, Cyprianus, Ambrosius, Cassianus und Ennodius. 

Iren, lat») III 3, 4 (ed. Harvey II 12): 
qui dominum nostrum viderunt 



x ) Ich verdanke die Irenaeus-Stellen einem gütigen Hinweis C. H. Turners. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 209 

qui dominum non viderunt Berlin (Corbie) Phill. 1669 
saec. IX. 

Iren. lat. III 5, 1 (II 18): 

veritas ergo dominus noster existens 

veritas ergo dominus non existens Berlin Phill. 1669. 

Cyprian. ep. LXIII 18 (ed. Hartel 715, 22): 
domini nostri verba 

domini non verba Paris lat. 1647 A saec. IX und 
München lat. 208 saec. IX. 

Cyprian. ep. LXX 3 (769,19): 
a Christo domino nostro 
a Christo domino non Wien (Lorsch) 962 saec. IX. 

Ambros. de Noe 27 (ed. Schenkl I 483,21): 
dominus deus noster 
dominus deus N Paris lat. 12137 saec. IX 
dominus deus non Troyes 284 saec. XII etc. 
dominus deus (ohne non) die jüngeren. 

Ambros. de Noe 29 (488, 4): 
domini dei nostri 

domini dei non Paris lat. 12137 saec. IX 
domini dei nostri non Paris lat. 1723 saec. XIV. 

Ambros. de Abraham II 7 (594,5): 
a domino deo nostro 
a domino deo non Paris lat. 12137 saec. IX. 

Cassian. collat. XXI 22 (ed. Petschenig II 595, 25): 

dominus noster 

dominus non x ) München (Benediktbeuern) lat. 4549 saec. IX 
und (Freising) lat. 6343 saec. IX. 
Cassian. collat. XXIIII 19 (695, 10): 

domini nostri dilectione 

domini n dilectione München lat. 4549 saec. IX 

domini non dilectione München lat. 6343 saec. IX. 



x ) Ortum ex antiquissimo conpendio N pro 'noster' bemerkt der treffliche 
Herausgeber. 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 14 



210 L. Traube, 

Ennod. LXI (ed. Vogel*) 74, 14): 

Christo deo nostro (so vermutet Hartel) 

chrlsto deo non Brüssel 9845 saec. IX, Vatican. lat. 3803 

saec. IX/X etc. 
christo deo nunc Regln, lat. 129 saec. XIV etc. 

Ennod. LXXX (101,8): 

apud deum nostrum agere 

apud deum non agere Brüssel 9845 saec. IX. 

Ennod. LXXX (106, 16): 
cum laude dei nostri 
cum laude dei n. Brüssel 9845 saec. IX etc. 

Ennod. LXXX (106, 33): 
deus noster 

deus /z. Brüssel 9845 saec. IX etc. 
deus non Regln, lat. 129 saec. XIV. 

Ennod. LXXX (109, 16): 

apud redemptorem nostrum 

apud redemptorem n. Brüssel 9845 saec. IX etc. 

Ennod. LXXX (101, 19): 
in regni nostri circulo 
in regni non circulo Brüssel 9845 saec. IX. 

Das letzte Beispiel zeigt den ursprünglichen Gebrauch schon 
etwas verschoben; es geht aber trotzdem sicher auf das Archetypon 
zurück. Dasselbe gilt von folgenden Stellen aus 

Cyprian. ep. XLV3 (602,15): 

secundum consilium nostrum 

secundum consilium non Wien 962, Troyes 581 saec. IX etc. 

Cyprian. ep. XLV5 (603, 11): 

ad clerum istic nostrum et ad plebem 



l ) Auch dieser Herausgeber hat p. XLVII den Grund der Verderbnisse 
erkannt. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 211 

ad clerum Istic non et ad plebem Ambros. (Bobbio) 

D. 519i. saec. VI*) und Troyes 581 
ad clerum istic nee non et ad plebem Paris lat. 1647 A. 

Ambros. in Luc. IV 6F (vol. IV p. 142, 6): 

nostro periculo Adam scientiae boni et mall famem solvit 
non periculo Adam scientiae boni et mall famem solvit 
München (Freising) lat. 6273 saec. IX, München 
(Oberaltaich) lat. 9543 saec. IX. 
Concil. Epaonense a. 517 cap. XV (ed. Maassen 22, 14): 
cum ullo clerico nostro 
cum ullo clerico n Vatic. lat. 3827 saec. X 
cum ullo clerico non Berlin (Ham.) 435 saec. VIII/IX und 
Paris lat. 3846 saec. IX. 
Ebenso gehört hierher eine merkwürdige Stelle aus 
Cassiodor. orthogr. II (ed. Keil VII 154, 11): 

nobis satius est alieno bene uti quam nostro eleganter*) 
nobis satius est alieno bene uti quam N eligantur 

Köln 83 saec. X 
nobis satius est alieno bene uti quam nro ineliganter 

Brüssel 9581 saec. XI 
nobis satius alieno bene uti quam non ineliganter Bern 330 
saec. X 

Ferner kann hierher gerechnet werden: 

Seneca dialog. IX 3 : 

in opere esse nostro longe pulcherrimum est (so schreibt 
richtig Gertz) 

in opere esse non longe pulcherrimum est Ambros. C. 90 
inf. saec. XI 

in opere esse longe pulcherrimum est jüngere Hand- 
schriften. 

Damit sind wir ganz zurückgekehrt in die Sphäre des noch echt 
römischen Gebrauches. Die Überlieferung des Symmachus gibt Ge- 



x ) C. H. Turner machte mich auf die Stelle aufmerksam und gab mir die 
Lesart des Bobiensis an. 

2 ) So ist zu lesen trotz p. 157,29; nicht ineleganter, wie Keil gibt. 

14* 



212 L- Traube, 

legenheit, zu zeigen, daß die richtige Wiedergabe der staatlichen 
Titulatur noch größeren Gefahren ausgesetzt war, als die der rein 
christlichen, da die Tradition hierin viel spärlicher, die Kenntnis daher 
viel geringer war. 

Symmach. ep. IV 9 (ed. Seeck 101, 11): 

domini et principis nostri Honorii 

domini et principis n honorii Paris lat. 8623 saec. IX. 
Symmach. ep. IV 67 (121, 28): 

principem nostrum 

principem non Paris lat. 8623 saec. IX. 

Symmach. ep. V 34 (132,26): 

ad d. n. clementissimum principem 

ad dn clementissimum principem Paris lat. 8623 saec. IX 

ad eum clementissimum principem Rom Pal. lat. 1576 

saec. XI 
ad clementissimum principem das Florilegium. 



5. Die Kürzung N N 1 ) N. 

Es ist gesagt worden, daß n (noster) wegen der Gefahr einer 
Verwechselung mit n (non) eine beschränkte und bedrohte Stellung 
hatte; hiezu kam, daß, wenn man das erste n außerhalb des festen 
Gefüges gebrauchte, leicht Unklarheit über den gemeinten Kasus ent- 
stehen konnte. Das hatte in der juristischen Literatur dazu geführt, 
die Kasus-Endungen dadurch zu bezeichnen, daß man den End- 
buchstaben des betreffenden Kasus in kleinerer Schrift über das n 
setzte. Damit war ein neuer Weg beschritten worden, der ebensowohl 
zu größerer Deutlichkeit als zu sehr gesteigerter Gebrauchsfähigkeit 
führte. So geschrieben finden wir 

n (nostra) 
im Veronensis des Gaius, und die Handschriften der Notae iuris be- 
legen diesen Gebrauch noch mit anderen Kasus, wenn sie sich dabei 
auch zahlreicher Schreibfehler schuldig machen. 



J ) Über N als Nominativ vgl. unten S. 232 f. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 213 

Die Abkürzung eines Wortes durch den Anfangsbuchstaben und 
den über den Anfangsbuchstaben geschriebenen Endbuchstaben ist 
im juristischen Gebrauch nicht selten. Kurzschreibungen wie 

u (uero), q {qua), m (modo), n (nunc), 

die dorther ihren Ausgang genommen haben (womit ich nicht sagen 
will, daß sie auf geradem Wege aus dem juristischen Gebrauch in die 
karolingischen Handschriften kamen, vgl. unten S.240ff.), sind dem Paläo- 
graphen recht geläufig. Weniger bekannt dürfte es ihm sein, daß man zu 
einer Zeit, als die regelmäßige Kontraktion noch nicht begonnen hatte 
oder noch nicht durchgedrungen war, in viel allgemeinerer Weise diese 
Art der Abkürzung einzuführen, wenigstens den Versuch gemacht hat. 
Ich denke an Turin G. VII 15, in welcher Handschrift die Nomina 
sacra der Itala-Fragmente durch eine ähnliche Notation die Unter- 
scheidung ihrer Kasus erhalten; vgl. oben S. 138 ff. 

Doch ich muß mich hier auf noster beschränken. Ein Beispiel 
des soeben berührten Gebrauches findet sich in Lyon 413, einer Halb- 
Unciale des 6. Jahrhunderts. Sie schreibt für dominum nostrum 
fol. 212 und 213 dorn n, aber fol. 207 und 208 v 

m 

dorn (oder dmn.) N. 

An dieser Stelle kommt mir ein freundlicher Hinweis von Alfred 
Holder zu statten. Die Überlieferung von Caesars Bellum Gallicum 
ruht bekanntlich auf zwei ziemlich weit auseinandergehenden Hand- 
schriften-Klassen, a und ß. Aber auch die Klasse a selbst hat wieder 
eine doppelte Überlieferung; d. h. die vier Handschriften, aus denen 
sie besteht, haben zwei getrennte Archetypa, B' und A'. Nun kürzte 
das Archetypon B', auf das zwei von den vier Handschriften zurückgehen, 
nämlich Paris (Fleury) lat. 5763 saec. IX und Vatic. (Corbie) lat. 3684 
saec. X, noster in der eben besprochenen Art. Denn statt nostri 
hatte B' fast regelmäßig entweder n oder nisi oder nihil oder nim, 
statt nostro aber non. Man könnte non ja auch mit bloßem n oder 
riö erklären, nim ebensoleicht mit ni. Aber für n (und daher ent- 
standenes nisi) und für nihil reicht diese Erklärung nicht, und eben- 
sowenig für die Corruptel von nostrum in bell. Gall. III 20 und für 
folgende Stelle in 



214 L.Traube, 

Caesar bell. Gall. VII 73: 

opera nostra Galli temptare A' ß 

a 

opera . II . Galli temptare B'. 
Es ist dann freilich nicht nur a, sondern auch noch B' als eine 
alte vorkarolingische Handschrift und zwar etwa des 6. Jahrhunderts 
aufzufassen. 

Möglich, daß eben hierher gehört eine seltsame Überlieferung in 
Cassian. collat. XIIII 19 (ed. Petschenig II 423,25): 
dispensatoris nostri dei 

dispensatoris nisi dei, so hat Petersburg (Corbie) O. I 4 
saec. VII von zweiter Hand. ') 

Die gallische Inschrift CIL. XII 5343, wo domni nostri 
Athanagildi so geschrieben ist, daß statt des ersten Wortes ein d, 
statt des zweiten ein «, beidemal mit einem i in diesen ersten Buch- 
staben, steht, darf dagegen nicht einbezogen werden, da diese Stel- 
lung des i auf epigraphischer Gewöhnung beruht; sie kann eher als 
ein Beispiel des Gebrauches von rii für nostri gelten, zu dessen Fest- 
stellung wir jetzt übergehen. 

6. Die Kürzung NI NÖ NM. 

Es kamen nämlich, wie bereits vorher erwähnt wurde, zur Be- 
zeichnung der Kasus von noster schon im 6. Jahrhundert die Formen: 
ni no rirri auf (wohl zunächst diese allein, die Pluralbildungen sind 
vielleicht etwas späteren Ursprungs). Sie begegnen von nun an zu- 
sammen mit n, wobei entweder das Prinzip festgehalten wird, daß n 
für noster steht, die andern Formen für die Casus, die sie unmittelbar 
veranschaulichen, oder es tritt n noch hie und da auch für die Casus 
obliqui ein. Bisweilen scheidet n ganz aus; der Nominativ wird dann 
ausgeschrieben oder durch eine andere Bildung ersetzt, wie wir später 
zu erörtern haben werden. 

Der Zeitansatz müßte anders lauten, wenn E. Hübner Recht 
hätte. Er liest (Inscr. Hisp. Christ., Suppl. n. 312) auf einem Stein 
von Mertola in Portugal a. 489: IN PACE DOMINI N(OSTR)I 
IES(U) CHR(IS)TI. Aber auf seiner Abbildung steht N, nicht NT; 
und das stimmt sehr gut zu dem folgenden IHS, einer Sus- 

J ) Sed rursum deletum; uid. fuisse Nis = nostris sagt Petschenig. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 215 



pension, während die Kontraktion IHU lauten müßte; wie Christi 
geschrieben ist, kann ich genau nicht erkennen, ich denke: XP und 
nicht XPI. 1 ) Mein frühestes Beispiel ist der Hilarius Basilicanus vom 
Jahre 509/10. Dieser nicht italienischen Handschrift, die also sogar 
noch für ein etwas höheres Alter der Einführung des neuen Ge- 
brauches sprechen könnte, lasse ich die italienischen folgen, und zwar 
von Halb-Uncialen saec. VI: Verona XXII (20), LIX (57), LIII (51), 
Mailand O. 210s., Turin G. V26, Vatic. lat. 5750, Turin F. IV 1, 4 (diese 
letzten vier früher in Bobbio), Rom Sessor. LV, Paris lat. 13367; von 
Uncialen saec. VI: Wolfenbüttel Weiss. 64, Vatic. lat. 5757 (früher in 
Bobbio), Oxford Bodl. e Mus. 100 sqq. (früher in Fleury). 



7. Aufkommen der Kürzung NRI NRO NRM. 

Also im 6. Jahrhundert kamen die Formen nl nö nm in Italien 
auf und wurden neben dem absterbenden n die gebräuchlichen 
Kürzungen von noster. Diese Tatsache wird bestätigt durch den 
Befund der nicht italienischen Handschriften: die insularen und die 
französischen, mithin diejenigen, die von der italienischen Gepflogen- 
heit dieser Epoche abhängen (wenn auch beide in verschiedener 
Weise), haben am Beginn ihrer eigenen Entwickelung, ebenso wie 
die italienischen, n und nl nö nm; die spanischen Handschriften, also 
diejenigen, deren Eigentümlichkeit bedingt ist durch eine etwas frühere 
Lostrennung von Italien, kennen diese Formen nicht, sondern andere, 
die auf die syllabarische Suspension ns zurückgehen. 

Sind diese Verhältnisse einfach und in ihrem Zusammen- 
hang leicht zu verstehen, so bietet die weitere Entwickelung 
dem Urteil eine gewisse Schwierigkeit. Im 8. Jahrhundert nämlich 
tritt sowohl in Italien als in Frankreich (und in Deutschland) und in 
der insularen Schreibkunst nri nrö nffh an die Stelle von nl nö nm. 
Der Typus nl wird nicht gleich endgültig beseitigt, aber man kann 
sagen, daß die Neubildung nri u. s. w. im 9. Jahrhundert überall 
durchgedrungen ist und die alte Abkürzung anfängt, zur größten 
Seltenheit zu werden. Der Grund der Änderung ist klar: wie wir 
später sehen werden, boten die älteren Formen mannigfache Gelegen- 



*) DOMINI N IHS XP las auch der Herausgeber im Bulletin de la Soctete" 
des Antiquaires de France 1881 p. 105; vgl. Le Blant, Nouveau Recueil des In- 
scriptions p. 258. 



216 L- Traube, 

heiten zum Mißverstehen, denen die Neuerung aus dem Wege geht. 
Wer aber hatte diese Neuerung ausgedacht? Wer die Losung zu 
ihrer Einführung gegeben? Wessen Wort war damals auf diesem 
Gebiete so stark, daß es in nicht zu langer Zeit eine förmliche Um- 
wälzung herbeiführen konnte? Hier birgt die vorurteilsfreie Behand- 
lung des kleinen Problems in sich auch die Antwort auf paläo- 
graphische Fragen von viel größerer und allgemeinerer Bedeutung. 
Es ist daher jeder Schritt mit der größten Vorsicht zu setzen. 

Von vornherein scheinen drei Annahmen möglich zu sein. 
Entweder: die Bildung nri war eine alte, die man überall gekannt, 
nur hinter der kürzeren nl hatte zurückstehen lassen: sie brach mit 
elementarer Kraft wieder hervor, als nl zu weiterer Verwendung un- 
geeignet geworden war. Oder: die Neuerung geht von Rom aus. 
Oder: die Neuerung kam aus dem Kopfe eines findigen Insularen. 
Jede dieser Erklärungen hat ihr Bedenkliches. Zunächst gilt es, die 
Tatsachen vorzuführen. 

8. Kampf zwischen Nl und NRf in Italien. 

Mit dem italienischen Gebrauch steht es so. Rom (b. Mariae 
sedis Abruptiensis) Barb. XI 148 saec. VIII gibt per drim n ihn xpm, 
in xpö ihü dno nö, in uno dno n ihu xpö. Die Urkunde aus Ceneda 
a. 762 (vgl. oben S. 169) hat nl, nis, ui. Agimund, der die Vaticani 
latt. 3835 und 3836 wohl im 8. Jahrhundert in Rom schrieb, gebrauchte 
neben n {noster und nostri) und rifh und nö auch nrö und nfm. 
Die wichtige Handschrift aus Farfa, jetzt in Rom Barb. XIV 52, hat nl nur 
vereinzelt, sonst immer nri nrfn nrös u. s. w.; im Nominativ hat sie nri 
und nsr; nr steht einmal für nostrum. Sie gehört aber wohl schon ins 
9. Jahrhundert. 1 ) Ebenso herrscht in der Unciale aus Settignano Barb. 
XIV 44 nr nri. In den beneventanischen Handschriften, von denen z. B. 
Bamberg HJ. IV 15 in etwas frühere Zeit zurückreicht, habe ich immer 
nur die Form nri u. s. w. gefunden. Vaticanus lat. 4938, wohl saec. VIII 
aus Oberitalien stammend, hat neben nm schon die ganze Fülle von 
nrae, nre, uro (uestro), uräs; daneben stand nö für alle Kasus, wurde 
aber, wo es den Nominativ ausdrücken soll, später in her, nös und 
nör verbessert. Der Diakon Theodosius, der Schreiber von Verona 



x ) Vgl. über nri unten S. 229 f. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 217 

LX (58), ließ neben nosi, nr, nis und riös auch nri zu; vor dem 
8. Jahrhundert kann er nicht gut geschrieben haben, gewiß aber auch 
nicht später. Etwas älter ist Verona X (8) : hier ist nri u. s. w. durch- 
geführt; Nominativ dazu ist nr und nor. Die Handschriften des aus- 
geprägten Veroneser Stiles saec. IX haben alle nur den Typus nri. 



9. Kampf zwischen NI und NRI in Irland und England. 
Die insulare Schreibweise ist zunächst rü u. s. w., daneben wohl 
noch hie und da n. 1 ) Die frühesten irischen Beispiele sind Ambros. 
C. 5 inf. (das Antiphonar von Bangor a. 680 — 691), Wien 16 2 ) und 
Neapel IV. A. 8 (alle aus Bobbio) : sie flektieren nr (wie noster z. B. 
im Antiphonar gekürzt wird) nur nach dem Typus ni. Noch Diar- 
mait schreibt so im Ambros. C. 301 inf.; aber sonst ist bei den 
irischen Schreibern im 9. Jahrhundert der Typus nri durchgedrungen. 
Für den angelsächsischen Brauch haben wir das Zeugnis der Ur- 
kunden. So finden wir .n. (nostri) a. 692/93 in einer Urkunde 
Oethilreds (Facsimiles of Ancient Charters in the British Museum I 2); 
zahlreiche Beispiele für rii und nö stehen in den Urkunden aller Reiche 
aus dem 8. Jahrhundert; sichere Belege für nri scheinen erst in der 
zweiten Hälfte des Jahrhunderts vorhanden, denn die aus früherer 
Zeit (a. 734 II 1, a. 759 II 2) kann ich für alt (d. h. original) nicht 
halten. Die Handschriften schwanken zunächst, z. B. das Psalterium 
der Salaberga (Berlin, Hamilton 553) hat ni (auch nam für nostram, 
nöfn und num für nostrum), außerdem aber auch nr, nri. St. Gallen 
908 hat in der schönen wohl irischen Halb-Unciale, die auf S. 79 be- 
ginnt, öfters dnfh nrfh. Dies dürfte eines der ältesten insularen Bei- 
spiele sein. Im 9. Jahrhundert hat sich die Gesamtheit der insularen 
Schreiber zum Typus nri bekehrt und kennt den Typus ni nur als 
seltene Ausnahme. 

10. Kampf zwischen NI und NRI in Frankreich. 
Frankreich hat in der ältesten Zeit, soweit paläographische Zeug- 
nisse für sie vorliegen, d. h. seit dem 6. Jahrhundert, n (daneben 

*) So dris . n . itis xps und dnl . n . ihü xpi im Ambrosianus (Bobbio) 
O. 212 s., der nach Turner c. a. 700 — 750 geschrieben ist. 

*) Deshalb ist iuga ua in v. 311 des in dieser Handschrift überlieferten 
Priscian. in laud. Anast. natürlich mit Denis als iuga vestra und nicht etwa mit 
Baehrens als iuga vera aufzulösen. 



218 L. Traube, 

auch andere Formen dieser Suspension) und ni u. s. w.; seit dem 
Ausgang des 7. Jahrhunderts wagt sich für ni die Neubildung not 
vor; der Typus nri kommt erst unter den ersten Karolingern auf. 
Auch hier ermöglichen die Urkunden, mit denen durchaus die Hand- 
schriften gehen, eine ziemlich genaue Zeitbestimmung. Für die 
älteste Zeit stehen, wie bekannt ist, nur Handschriften zur Verfügung. 
Diese stelle ich daher voran. Die berühmte Sammlung der Canones 
aus Corbie, Paris lat. 12097, zeigt erst in ihrem zweiten etwas jüngeren 
Teil, d. h. von fol. 139 v an, mehr Abkürzungen als die üblichen der 
Nomina sacra; aber auch dieser Teil gehört noch ins 6. Jahrhundert. 
Hier steht nosx für noster und nostram, uesx für uester, no für nostro, 
nam für nostram. Aus Rom Reg. lat. 316, d.h. aus dem alten Bestand 
saec. VII, kenne ich no und nm, aus Rom Reg. lat. 9 saec. VII dm ni 
ihü xpi. Aus gleicher Zeit etwa stammt Paris lat. 12205, wo außer na, 
no, nm, nis, n\ (nostrae) auch ns und nosx, beide für nostris, be- 
gegnen. Der Augustin aus Luxeuil a. 669 hat ni. In der vorkaro- 
lingischen Schrift von Paris lat. 10756 und Bern 611, die zusammen- 
gehören und öfters ein schönes Beispiel von Kreuzung einer mero- 
wingischen Schrift und des insularen Abkürzungssystemes abgeben, 1 ) 
steht nm und ni; desgl. ni und nis in Berlin (Reims) Phill. 1743; nm in 
Paris lat. 10910; nae in Metz 134. Und so ließen sich viele Beispiele aus 
vorkarolingischen Handschriften anführen. Auch in frühen karolingischen 
ist der Typus ni noch sehr gebräuchlich. So in den Handschriften, 
die die ältere Schrift von Corbie zeigen, z. B. Donaueschingen 18 und 
Paris lat. 3836; auch in andern frühkarolingischen, wie Chartres 41 (3), 
Rom Reg. lat. 1040, Berlin Phill. 1667. Dagegen rir (und daneben andere 
Abkürzungen, über die ich später zu sprechen haben werde) für 
noster mit der Deklination über nri ist die angenommene Abkürzungs- 
bildung erst der karolingischen Zeit, neben der der Typus ni zwar 
noch ziemlich spät vorkommt, wie z. B. vereinzelt in der Bibel des 
Vivian (Paris lat. 1) und im karolingischen Sakramentar des Domes von 
Novara (Monum. palaeogr. sacra, tav. XIV), im allgemeinen aber 
durchaus verschwindet. 2 ) Da es nun hauptsächlich französische 

J ) Vgl. Neues Archiv d. Ges. f. ältere d. Geschichtsk. XXVI 238 Anm. 2 und 
hier unten S. 222 Anm. 1. 

2 ) Man stößt z. B. in St. Omer 15 ganz wie in den weiter unten erwähnten 
Sangallenses auf die Umgestaltung des Typus ni zum Typus nri. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 219 

Handschriften dieser Stufe sind, die uns wieder und wieder be- 
schäftigen, und die deutschen, die ihnen an Wert nicht nachstehen, 
die besprochene Eigenart mit den französischen teilen, so kann an 
dieser Stelle der besonders hohe diagnostische Wert des Typus rii 
hervorgehoben werden. In spätkarolingischer Zeit begegnet er überaus 
selten; in nachkarolingischer fand ich ihn nie. Aus den Urkunden 
führe ich nur an, daß nl, welches etwa von 653 bis 695, und nol, 
das von 692 bis ins 8. Jahrhundert hinein begegnet — aber natürlich 
könnten diese Zahlen bei einem genaueren Studium der Originale 
mit sehr viel größerer Bestimmtheit auftreten — , erst unter den Karo- 
lingern durch nr, nrl abgelöst werden. In der Urkunde Pippins vom 
Jahre 760 (Mühlbacher 90) fand ich nr, in der Karlmanns von 769 
(Mühlbacher 117) nosi für noster und nrä, nrl, url. Pippins Ur- 
kunde von 768 für St. Denis (Mühlbacher 108) soll eine Nachahmung 
aus dem Anfang des 9. Jahrhunderts sein: in der Tat steht in ihr, 
seltsam genug, nosi und url zusammen mit damals wahrscheinlich 
schon gänzlich abgeschafftem nol. Karl der Große hat wohl nur 
noch nrl u. s. w., aber für noster noch oft nosT. 



11. Kampf zwischen NI und NRI in Deutschland. 

In den deutschen Handschriften der karolingischen Periode 
können wir den Kampf der Bildung nrl gegen die Bildung ni deut- 
lich verfolgen, wenn wir die Bestände in Köln, Würzburg, München 
(aus Freising, Regensburg, Tegernsee, Salzburg), Zürich (aus Rheinau 
und St. Gallen) mustern. An St. Gallen 567 ist mir überhaupt die 
Bedeutung dieses Widerstreites erstmals zur vollen Klarheit gekommen. 
Die frühkarolingische Hand des Codex schreibt nafh, näe u. a.; eine 
spätkarolingische setzt jedesmal sorgfältig die neuere Form, also nräm, 
nre u. s. w., darüber. Nachher habe ich derartige Korrekturen viel- 
fach gefunden; auch oft bemerkt, wie wenigstens ein späterer Schreiber, 
wenn er die Bildungen des Vorgängers selbst nicht verbessert, doch 
da, wo er Zusätze macht, ebenso getreu die neue Schreibung an- 
wendet, wie sein Vorgänger die alte. Eine Ausnahme, wie Zürich 
(Rheinau) Kant. XXXIV, wo auf p. 220 eine spätere Hand uiclnls nis 
über einer Rasur schreibt, während die Hand des Textes ausschließ- 
lich nr, nrl u. s. w. anerkennt, ist nur scheinbar: in solchen Fällen 



220 L. Traube, 

ist der Korrektor eben der ältere Schreiber, der noch der früheren 
Richtung anhängt. Ich führe ganz wenige Beispiele an : Gotha m. I 85 
aus Murbach ni; 1 ) Rom Pal. lat. 574 aus Lorsch ni, rifh; Köln 83 II 
rii (a. 798) ; St. Galler Urkunde a. 757 drii nri ihu xpi partibus uris 
uel successoribus uis; St. Gallen 193 rifh, rii, urfh, urath (die kleinere 
Schrift scheint ausschließlich Formen des Typus rii zu haben); Mün- 
chen (Diessen) lat. 5508 rii, riis, rifh, rif, ure, uri; München (Freising) 
lat. 6300 opus rifh, nis oculis, nfh est neben nri, nra, nrae; Mün- 
chen (Regensburg) lat. 14422 nfh neben rif, nri, nrös, uris u. s. w.; 
München (Regensburg) lat. 14421 riis, rifh, um, uös neben urfh, uras; 
München (Tegernsee) lat. 19408 riis und riös neben den Formen des 
Typus nri; München Univ. 3 rifh, rii neben nri u. s. w.; Würzburg 
Mp. th. f. 78 rifh; Zürich (Rheinau) Kant. XCIXa rifh, ufh, uis, naht, 
rii neben rif, nf (nostef), uf, um, uras, uräm, nra u. s. w. Auch 
Bern 376 mit ebenso mannigfaltigen Mischformen (z. B. in der Folge 
der Seiten riis, riäs, riäm, urfh, rii, riös, uam, na, nis, nre, nö, ui, 
ni, ua, uös, dris rif, nrfh) gehört eher hierher als nach Frankreich. 



12. Die spanische Kürzung NSR NSI NSO NSM und die 

Suspension NS. 

Wer von der Feststellung des Gebrauches der kontinentalen 
und insularen Schreiber, der im allgemeinen nur in der Fortentwicke- 
lung vom Typus rii zum Typus nri besteht, zur Feststellung des 
spanischen Brauches übergeht, wird von der gänzlichen Abweichung, 
die er hier entdeckt, betroffen sein. Die normale spanische Form ist 
nicht rii oder nri, sondern nsi. Wir finden sie schon auf den In- 
schriften: vom Jahre 594 an liest man dort DNI NSI für den König 
und den Bischof ebenso wie für Christus; vgl. Hübners erste Samm- 
lung der christlichen spanischen Inschriften n. 115, 116, 111, 401. 
Die Formen nsf nsi u. s. w. sind dann geradezu Erkennungszeichen 
des spanischen Ursprungs geworden, und Handschriften wie Leiden 
Voss. F. 111, Verona LXXXIX (84), Paris lat. 2855 könnte man schon auf 
Grund dieses Merkmals für die spanische Paläographie in Anspruch 



x ) H. Bloch verweist mich auf die karolingische Abschrift einer Murbacher 
Urkunde a. 728, die noch ni, nö, näs und ua treu bewahrt und nirgends in den 
Typus nri übergleitet. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 221 

nehmen. Von älteren Handschriften haben wir oben S. 190 einige 
Freisinger Itala-Fragmente derselben Formen wegen als wahrscheinlich 
spanisch erklärt. Die Handschrift der Lex Visigot. Reccessvindi, 
Vatic. lat. 1024, sieht wie eine gallische Halb-Unciale saec. VII aus. Es 
bleibt aber eine gewisse unerklärte Eigentümlichkeit der Schrift, zu 
der noch Formen wie precepti nsl temerator und flä für flagella 
kommen, auch dies letztere eine nur in Spanien aus den Gesetz- 
büchern eingebürgerte Schreibung, vgl. unten S. 256. So wird Vatic. 
lat. 1024 zu den wenigen in Spanien geschriebenen Halb-Uncialen zu 
rechnen sein, die wir kennen. 

Die Nominative nsr und usr (uester) sind alt, sie begegnen 
schon im Legionensis des Breviars, über dessen Eigenheiten ich gleich 
sprechen werde, im Vossianus 111, in Madrid Acad. de la Hist. 65. 

Der Typus nsr nsl muß von der syllabaren Suspension ns seinen 
Ausgang genommen haben. Diese Form braucht nicht nur voraus- 
gesetzt zu werden, sie ist erhalten in Verona II (2) in der Unciale des 
Vorsatzblattes: dns ns; im Vatic. (Bobbio) lat. 5757 (Augustinus in ps. 
über Cic. de re publica saec. VII/VIII), wo neben nl, nä, nls, nm u. s. w. 
auf den ersten 180 Seiten achtmal ns nach dns, einmal dns ergo ns 
begegnet; ferner in Rom Reg. lat. 317, dem sog. merowingischen Sakra- 
mentar von Autun in Unciale mit merkwürdigen eingesprengten Teil- 
chen einer älteren Minuskel, die ich den 1-Typus nenne und in 
Burgund zu Hause denke. Hier steht n (nostmm) neben nl und nm, 
nosrr kommt für nostro vor, nos für noster und nostro, riö für noster 
und desgleichen öfters eben dieses ns. Noch später findet sich ns 
als Nominativ neben nr und als Akkusativ neben nrm und nm öfters 
in Berlin (Metz) Phill. 1662 saec. VIII/IX von insularer Hand. Auch, 
wie es zu erwarten ist, in einer sicher spanischen Handschrift, Escorial 
a. II 3 saec. X, begegnet neben nsr nsl ein dns ns ins xps. 

13. Die Kürzung NSR außerhalb Spaniens. 
Aus ns konnte sich, als die Suspension in die Kontraktion über- 
ging, nsr leicht an verschiedenen Stätten zu gleicher Zeit entwickeln. 
Tatsächlich findet es sich außer in Spanien und in einigen Hand- 
schriften, die aus spanischen abgeschrieben sind 1 ) und spanische 

x ) Für die Überlieferungsgeschichte belehrend ist folgender Fall. In dem 
ersten Brief des Papstes Leo I stehen die Worte quod nostris remediis congruebat 



222 L. Traube, 

Eigentümlichkeiten, man könnte sagen, unabsichtlich nachahmen (ich 
meine Paris lat. 11529, Glossarium Ansileubi, wo nsi begegnet, und den 
Isidor aus St. Hubert jetzt in Luxemburg und den aus Fulda jetzt in 
Basel F f. III 15, wo nsls und ähnliche Formen stehen), nur noch in 
einer Gruppe von Handschriften, die vielleicht raetischen Ursprungs 
sind x ) und ihr r eigentümlich mit heraufgeklapptem Arm bilden, statt 
es am folgenden Buchstaben Anschluß suchen zu lassen: Einsiedeln 
199 + 281 (6 nshi, 1 nrfh, 1 nrq, 2 nr, 1 uf, sonst nur Formen vom 
Typus m), St. Gallen 108 (nsr), Novara LXXXIV (nsr). Vereinzelt 
steht ds nsr in der Handschrift aus Farfa Barb. XIV 52. Erwähnen 
will ich, daß Riese im Apparat zur Historia Apollonii 2 ) aus Laurent. 66, 40 
usih für vestmm anführt, was vielleicht für ufm nur verlesen ist. In 
dem Uncial-Codex des Iulianus Pomerius (Wolfenbüttel Weiss. 76) 
steht nsr (nosträ); daneben nstrfn (nostrum), nostrs (nostris); ferner 
nori, norm (nostram), nor (nostro), norä; aber besonders da, wo, wie 
F. Köhler erkannte, ein anderer Schreiber tätig ist, stoßen wir auf die 
Formen des Typus nti, nämlich nras, nrä, nrarh, nrm, nrls, nrae, 
nri, nriim. Gewiß stammt dieser merkwürdige Codex aus dem süd- 
lichen Frankreich und mag an der spanischen Grenze entstanden 
sein. Auch Leiden Voss. 1 1 1 kennt neben nsr nsi, wenn auch seltener, 
Formen wie nore und nsro und nsrin; in den Teilen aber, die neben 
dem ausgesucht spanischen c p {per) auch das geläufige g zeigen, 
bietet er außer nsr nsi auch nre, ura. 



14. Die Kürzung NRI NRO NRM in Spanien. 

Diese Formen des Typus nri, die, wie wir gesehen haben, außer- 
halb Spaniens im 8. Jahrhundert auftreten und ni u. s. w. verdrängen, 
sind nun überhaupt für Spanien, wie es scheint, schon aus früherer 



und diaconum vice nostra direximus. Scherer (Die Codices Bonifatiani, Fulda 1905, 
S. 26) fand sie im Codex der Ragyndrudis zu Fulda (Bonif. 2) saec. VIII so ver- 
stümmelt: quo dns is remedüs c. und d. ui cen sa d.\ er nahm richtig nsis und 
nsa als Fehlerquelle an und vermutete mit Berufung auf meine Arbeit für diesen 
Teil der Handschrift eine spanische Vorlage. 

J ) Wahrscheinlich liegt auch hier nur spanischer Einfluß vor, wie es von der 
Einsiedler Handschrift fast gewiß ist; vgl. Sitzungsber. d. bayer. Akademie 1907 
S. 71 ff. Vgl. ferner unten S. 233 über eine ähnliche Mischung, wie sie in dieser 
Handschrift vorliegt. 

s ) In der zweiten Ausgabe p. 5. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 223 

Zeit belegt. Im 8. Jahrhundert begegnet z. B. nfm im Escorial R. II 18, 
nri in Madrid (Tolet.) 2. 1, nro in Madrid (Tolet.) 15.8. Hier stehen 
wohl überall auch Formen von nsr. Aber in höhere Zeiten hinauf 
kommen wir durch die Feststellung des Gebrauches im Breviarium 
Alarici von Leon, das nach Zeumer zwischen 546 und 660 geschrieben 
ist. Dieser Palimpsest hat in buntem Gewirr oft auf derselben Seite 
Formen wie nri, nris, nre, nrös neben nsr nsi u. s. w.; einmal fand 
ich hier auch nsiro (S. 339 der Ausgabe). Der Salmasianus der Antho- 
logia latina (Paris lat. 10318), den ich schon früher als ältere spanische 
Handschrift angesprochen habe, 1 ) hat nrä, nri, nrös, nf$\ daneben 
wie es scheint, kein nsr nsi. Eine spanische Inschrift aus dem 7. Jahr- 
hundert bei Hübner, Inscr. Hisp. Christ. 175 (vgl. Supplem. p. 74) hat 
NROR (die beiden letzten Buchstaben sind in der bekannten Weise 
verbunden). Also in Spanien herrscht, und zwar bis ins 11. und 
12. Jahrhundert, nsr nsi; daneben begegnet, verglichen mit den 
andern Ländern, sehr früh der Typus nri. 



15. Die spanischen Nebenformen NSTRI und NSRI. 

Ehe wir weiter gehen, ergänzen wir noch hier die Beobachtungen 
über den spanischen Gebrauch. Nächst nsi und nri fanden wir be- 
reits nstrm in der Handschrift des Pomerius zu Wolfenbüttel und 
nströ im Legionensis, dazu kommt nstri in einer alten spanischen 
Handschrift saec. VII/VIII ehemals des Lord Ashburnham, jetzt des 
Herrn H. Yates Thompson in London. Gebildet ist nstri u. s. w. so, 
wie andere speziell spanische Abkürzungen. 2 ) Es liegt eine Form 
zu Grunde, wie sie erhalten ist in der afrikanischen Inschrift DMN 
NST (dominis nostris) vom Jahre 578/82 (CIL. VIII 4354). Aus der 
Suspension nsr wurde die Kontraktion nstri, wie aus der Suspension 
apstl die spanische Kontraktion apsvls. 

Im Wolfenbütteler Iulianus Pomerius und im Ausonius Vossianus 
fanden wir nori: diese Bildung setzt die Suspension no voraus; vgl. 
darüber unten S. 232. 

nsri im Vossianus kann ebensowohl eine spanische nicht ganz 
rein entwickelte Schreibung statt nstri sein, als eine Mischung von 



1 ) Philologus LIV (1895) 124. 

2 ) Vgl. darüber unten S. 246 ff. 



224 L- Traube, 

nsi und nri; dies letztere ist nicht unwahrscheinlich; die Handschrift 
kennt ja beide Bildungen. Vgl. unten S. 233 einen ähnlichen Fall 
aus Cassel (Fulda) Theol. O. 5. Seltsam ist, daß in Paris lat. 12048, 
dem Sakramentar von Gellone, neben den Formen des Typus ni 
und nri vereinzelt auch usrm für vestrum vorkommt; denn die Hand- 
schrift hat, so oft es auch gesagt wurde, mit Spanien nichts zu tun: 
ich habe darüber ausführlicher in den Erklärungen zu Burns litur- 
gischen Denkmälern gesprochen. Überraschend ist im Sakramentar 
von Gellone auch nsi und usi für die Nominative. 



16. Erklärung des Typus NRI. 

Wir können jetzt das Aufkommen des Typus nri besser be- 
greifen. Wir hatten ihn, wie man sich erinnern wird, in der italie- 
nischen, insularen und französischen Paläographie im Wechsel mit 
dem früher verbreiteten Typus ni seit dem 8. Jahrhundert getroffen. 
Diesen Befund konnte man dahin deuten, daß etwa ein römischer 
oder irischer Schreiber damals sich genötigt gesehen habe, die alte 
Form durch eine bessere Erfindung zu ersetzen: infolge entweder 
des allgemeinen Einflusses, den Rom übte, oder der bereitwilligen 
Anerkennung der insularen Kunst sei die Verbesserung bald überall 
angenommen worden. Aber eine derartige Annahme kann vor den 
Ermittelungen nicht bestehen, die wir soeben an den spanischen 
Handschriften gemacht haben. Darnach muß der Typus nri not- 
wendig ein bereits vor der spanischen Sonderentwickelung vorhandener, 
d. h. allgemein römischer, gewesen sein; während die verhältnismäßige 
Neuheit und örtliche Begrenztheit des Typus ni, da ihn Spanien nicht 
kennt, noch einmal nachdrücklich sich erweist, nri kann durch die 
Bildung ni nicht veranlaßt, sondern muß im Gegenteil von ihr be- 
schränkt worden sein. Es muß wieder hervorgezogen worden sein, 
als ni aus irgend einem Grunde die Gunst verloren hatte. 

Wenn für diese drei Behauptungen die Beschaffenheit der spa- 
nischen Handschriften eine Art negativen Beweises ergab, so kann 
ein positiver geführt werden durch die Ergänzung des italienischen 
Materials für den Typus nri, durch eine genauere Charakteristik der 
Fundschichten des Typus ni, durch eine genauere analytische und 
historische Betrachtung der einzelnen Formen desselben Typus. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 225 



17. Der Typus NRI in Italien. Die Kürzung NTRI NTRO 

NTRM. 

Ich habe bisher eine Inschrift aus Ostia vom Jahre 425/450 zurück- 
gehalten (CIL. XIV 31). Sie hat: SALVIS D . D . N . NRIS (N und R 
sind ligiert) THEODOSIO ET PLACIDO. Hier ist also die gewöhnliche 
Suspension D. D. N. N. durch Anhängung der Endbuchstaben RIS zur 
Kontraktion erhoben. Wir haben damit ein vollgültiges Zeugnis für 
das Alter des Typus nri und können auf die spätere und verdächtige 
Inschrift CIL. IX 2826 verzichten. Auch theoretisch läßt sich gegen 
die Annahme nichts einwenden, daß nri alte und römische Bildung 
ist. Erwarten würde man zwar eher nstri, d. h. die durch An- 
hängung der Flexionssilbe stri oder tri erweiterte Suspension n. Und so 
findet sich in einer gallischen Inschrift vom Jahre 405 P. C. DOM NTRI 
HONORI (Jullian, Inscriptions rom. de Bordeaux n. 946) und dann 
viel später wieder ganz vereinzelt neben um, nrm, nr\ auch mri, 
mrfh, mram in der Handschrift München (Regensburg) lat. 13038 
saec. IX, wo htri ganz gebildet ist wie in einigen alten juristischen 
Handschriften hde hdem hdibhs für herede u. s. w. Aber die Re- 
duzierung der Silbe (s)tri auf die Endbuchstaben ri lag doch nahe, 
und die gewöhnlichen Kontraktionen, in denen vor der Endung nur 
ein Konsonant stand, mußten dazu einladen. 

Daß nl vor nri bevorzugt und bald übermächtig wurde, beruht 
darauf, daß seine Entstehung und Verbreitung ganz in den kirch- 
lichen Handschriften beschlossen war. Auch Bildungen wie nri gehen 
wohl auf die Anregung zurück, die durch die Abkürzung der Nomina 
sacra gekommen war. 1 ) Aber ni, eine Analogiebildung, wie ich oben 
(S. 207) sagte, zu dem christlichen dm, war von christlichen Kalligraphen 
geradezu für die Schrift der biblischen Bücher erfunden worden. Man 
kann sich also sehr wohl vorstellen, daß, von der ursprünglichen 
Suspension h fortgebildet, eine Zeitlang die Formen nri und ni, 
zu denen noch 

i 

n 
kommt, 2 ) bei getrenntem Gebrauch und Bedürfnis nebeneinander 



1 ) Vgl. das Nähere unten S. 237 ff. 

2 ) Vgl. oben S. 213. 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 15 



226 L- Traube, 

bestanden. So versteht man, daß einerseits ni überwiegen mußte 
— denn an die Kalligraphie der biblischen Bücher lehnte sich 
die der übrigen christlichen Schriften, und bald gab es wenig 
andere Literatur mehr als die christliche — , daß andererseits 
nrl doch nicht ganz in Vergessenheit geraten konnte. Nun aber 
stellte sich später die vollständige Unbrauchbarkeit der Bildung 
ni u. s. w. heraus, und da griff man dann auf das vernachlässigte nrl 
zurück. 

18. Mißverständnisse im Gefolge des Typus NI. 

Die Unbrauchbarkeit des Typus ni wurde hervorgerufen durch 
das allmähliche Anwachsen der Abkürzungen überhaupt und die weite 
Ausdehnung und Anerkennung, die der Strich über dem Vokal in 
der Bedeutung eines m und n erhalten hatte. Ursprünglich ließen 
die kirchlichen Handschriften nur die Abkürzung der Nomina sacra 
zu, und der Gebrauch des Striches war allgemein nur am Zeilen- 
schluß erlaubt gewesen. Mit dem allmählichen Aufhören beider Be- 
schränkungen entstand die Gelegenheit zu einer Fülle von Miß- 
verständnissen. Folgende Formen wurden zweideutig und gefährlich: 

nö stand für nostro und konnte gefaßt werden als non 

» » » » nos ) 

„ nam 

„ „ „ ■ „ uim 

. uero 

n » » » "IS ) 

n n » » UOS. J 

Daß das keine Ausklügelungen sind, sondern tatsächlich höchst 
lebendige Fehlerquellen, mag eine kurze Zusammenstellung zeigen. 

Augustin. ep. LXXV (ed. Goldbacher II 287, 6): 
in explanaüone nostra 
in explanaüone nam Köln 35 saec. IX. 



nos „ 


n 


nostros 


na „ 


n 


nostra 


Ul 


r> 


uestri 


uo „ 


» 


uestro 


uis „ 


» 


uestris 


uos „ 


n 


uestros 



*) In der insularen Schrift, wo einsilbige Worte Akzent erhalten; in derselben 
Schrift konnte auch die Interjektion uä (Matth. 27, 40), wie sie z. B. in St. Gallen 48 
aussieht, mißdeutet werden. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 227 

Eugipp. exe. CLXXXIIII (ed. Knoell 623, 15): 
inimica nostra 

inimica nam Vercelli XXX (94) saec. X. 1 ) 
Cassiodor. orth. praef. (ed. Keil VII 143, 5): 
in voce nostra possumus reddere 
in voce nam possumus reddere Brüssel 9581 saec. XI. 
Cellanus v. 19 (vgl. Sitzungsb. d. bayer. Ak. 1900 S. 487 und 496): 
vulneribus sanans vulnera nostra suis 
vulneribus sanans vulnera nam suis Florenz Laur. LXVI 40 
saec. IX. 
Bonifat. ep. 73 (ed. Dümmler, Mon. Germ. Epp. III 343, 18): 
mater nostra aecclesia 

mater nam aecclesia München (Mainz) lat. 8112 saec. IX 
und Wien 751 saec. IX ex. 
Dies waren Beispiele für die Gefahren, die nä {nostra) brachte; 
es folgen die Mißverständnisse von uo. Bekannt ist ja, daß für 
uero neben der juristischen Abkürzung u, besonders in einzelnen 
Schreibprovinzen, lange uö bestand (vgl. unten S. 266). 
Lactant. inst. V 17 (ed. Brandt I 453, 8): 
exemplis ex uero petitis 

exemplis ex uro petitis Paris lat. 1664 saec. XII. 
Dosithei ars (ed. Keil VII 411,26): 

ratio exigit certe, uocalitas uero certo 
ratio exigit certe, uocalitas uro certo St. Gallen 902 
saec. X. 
Welche Verwirrungen im allgemeinen die Kompendien der Titu- 
laturen und Ämter (z. B. u. c. } u. s., ppo) in den mittelalterlichen 
Handschriften geschaffen haben, ist bekannt. Hier zu erwähnen ist, 
daß u. m. oder u m, die geläufige Abkürzung von uir magnificus, 
mit um (vestrum) zusammenfiel. 

Gregor. I ep. III 1 (ed. Ewald 158, 13): 

Scolasticus uir magnificus Campaniae iudex 
Scolasticus urm Campaniae iudex Montecassino 71 
saec. XI. 



J ) Und so stand wohl auch von erster Hand in Paris lat. 11642 saec. IX. 

15* 



228 L. Traube, 

Ich schließe mit einem Beispiel für die Fehler, die ui im Ge- 
folge hatte. 

Symmach. relat. XXXI (ed. Seeck 305, 1): 

uim rescrlptl ... elasit München (Teg.) lat. 18787 saec. XI 

und Gelenius 
uestri rescripti . . . elasit Metz 500 saec. XI. 

Also, um Zweideutigkeiten und Unzuträglichkeiten, wie die eben 
besprochenen, zu vermeiden, griff man auf den Typus nri zurück. 
Man schuf ihn nicht, sondern fand ihn vor. Wir müssen, glaube 
ich, diese Lehre beherzigen: eine Reihe von paläographischen 
Eigentümlichkeiten, deren unmittelbare Fortpflanzung aus der römi- 
schen Schrift wir nicht genau gewahren können, behält doch unter 
der winterlichen Hülle der ersten mittelalterlichen Jahrhunderte ihre 
Triebkraft bei und wartet nur auf den Augenblick, um von neuem 
zu sprossen. 



19. Die Bildung des Nominativs NR und NER. 

Es war bisher vermieden worden, von dem Nominativ nr (und 
ur) zu sprechen. So geläufig er uns ist, so wenig einfach ist sein 
Entstehen. Uns, die wir ihn tausendfach in den Handschriften des 
Typus nri lesen, scheint er zu dieser Bildung zu gehören. Allein 
dann wäre er eine vollständige Unregelmäßigkeit; man vergleiche 
doch dris drii und scs sei mit nr nri. Zu nr würde ni gehören 
müssen, und von nri käme man nur zum Nominativ ner. In der 
Tat hat der Korrektor des Vaticanus lat. 4938 diese Form in seine Hand- 
schrift eingeführt: für no, was er antraf, hat er im Nominativ nof 
und ner verbessert. 1 ) Von erster Hand steht im Regin. lat. 1997 saec. IX 
aus Chieti, wo meist nach dem Typus nri, selten nach dem Typus ni 
dekliniert wird, fol. 136 redemptor ner; der Nominativ ner ist ferner 
zwei beneventanischen Handschriften eigen: Wien 1188 und Monte- 
cassino 3 saec. IX ex. Dagegen ist nr eine Bildung, zu der man auf 
anderm, doppeltem Wege kommen konnte und in der Tat auch, 
meine ich, gekommen ist: es ist die Kontraktion zur Suspension h 
und zugleich eine Rückbildung von ni. Deswegen kommt nr auch 
viel früher vor (d. h. in dem gewöhnlichen Gebrauch der Handschriften) 

*) Vgl. oben S. 216. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 229 

als nri. Veranlassung zur Bildung der neuen Nominativ-Form war 
die fortschreitende Bewegung der Kontraktion und die wachsende 
Furcht vor der Verwechslung mit n (nori). 

Ich fand bisher als früheste Beispiele für nf (noster) folgende des 
7. Jahrhunderts: aus Italien Vaticanus (Bobbio) lat. 5758, Verona X (8), 
aus Frankreich Berlin Phill. (Lyon) 1745, aus Irland Ambros. C. 5 inf. 
In den merowingischen Urkunden scheint nf zu fehlen; ich traf es 
erst a. 760 unter Pippin, l ) aber nosx ist noch lange Zeit viel ge- 
bräuchlicher. 

20. NR indeclinabile. 

Eine merkwürdige Erscheinung ist das starre, indeklinable nf, 
d. h. ein rir, das nicht nur für den Nominativ, sondern auch für die 
Casus obliqui gesetzt wird. Man kann es nur so erklären, daß der 
Nominativ nf zu gleicher Zeit als eine syllabare Suspension der 
Casus obliqui betrachtet wurde, als könne man trennen nost-rum. 
Wie dem sei, meine Beispiele kommen gewiß nicht alle auf Rech- 
nung des Zufalls: dnfh rir ihm xpm Bern 645 (gallische Halb-Unciale 
saec. VII/VIII) ; cum tullio rir Paris (Montecassino) lat. 7530 saec. VIII ; 
abicis rir (für apices nostros) uobis direximus in den Cartae 
Senonicae aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts Paris lat. 4627 
saec. IX; drim rir Rom (Farfa) Barb. XIV52 saec. IX; sce rir ecclißsiae) 
Lucca 490 c. a. 800. Hierher könnte man auch eine römische In- 
schrift ziehen, die Duchesne nach Bianchini mitteilt: AUXILIANTE 
DNO DO NR (es stand NP da) XPO . . HILARUS ARCHIDIAC 
FECIT. Duchesne 2 ) nimmt freilich an, mit Hilarus sei der spätere 
Papst (a. 461 — 468) gemeint. Vielleicht handelt es sich aber um eine 
Restauration der betreffenden Kirche unter Hadrian (a. 772 — 795), was 
Duchesne nicht auszuschließen scheint. 



21. Die Nominative NT und NRT. 

Die Anerkennung des Nominativs nf vollzog sich keineswegs 
ganz glatt. Er hat viele Mitbewerber besessen, und allerhand sonst 
gar nicht allgemeiner gewordene, aber der Bildung nach mögliche 
Abkürzungen wurden vorgesucht und machten ihm den Rang streitig. 

*) Vgl. oben S. 219. 

a ) Liber Pontificalis I 522. 



230 L. Traube, 

Über ris haben wir vorher gesprochen. 1 ) Wird aber die Silbe 
nicht nach no (also no-ster), sondern nach nos (also nos-ter) ge- 
schlossen, so kommt ni als eine zweite syllabare Suspension zum 
Vorschein. Die Form ni wurde in der Tat lange Zeit als Nominativ 
gebraucht. Wie alt sie ist und daß sie ursprünglich als echte Sus- 
pension für alle Kasus stand, lehren Sigilli doliarii aus der Zeit des 
Septimius Severus und Commodus mit der Ligatur rr für nostri*) und 
eine gallische Inschrift aus Saint-Pe d'Ardet, 3 ) wo PAULINIANI NI neben 
PAULINIANI NT begegnet, beides an Stelle des in diesem Gebrauch 
inschriftlich herkömmlichen N. Das lehren ferner die kontraktiven 
Weiterbildungen von ni. In München (Freising) lat. 6224 saec. VII steht 
nü für nostri und in Trier 1245 saec. VIII/IX ntis für nostris. In 
den Canones des Rachio, Bischofs von Straßburg (a. 788), war drii 
nix ihu xpi vielleicht ein Versehen für nri. 

Ehe über den Nominativ ni weiter geredet wird, ist es gut, den 
Hinweis auf eine nahestehende Bildung, den Nominativ nri, voraus- 
zuschicken, deren Ursprung, an sich ziemlich dunkel, doch offenbar 
mit ni zusammenhängen muß. Ein Vergleich der Beispiele für beide 
Formen lehrt nun, daß ni viel älter ist als nri. Das beweisen die 
Handschriften durch ihr verhältnismäßiges Alter; das beweist vor 
allem der Umstand, daß ni vielfach noch in Gesellschaft von ni auf- 
tritt, nri nur neben den späteren «n-Formen. Man kann darnach 
über den Ursprung von nri folgendes vermuten. Als der Typus nri 
den älteren rü verdrängte, konnte man diesen Vorgang einfach so 
auffassen, als würde nur überall der Deutlichkeit wegen ein r vor 
der Endung der alten Kürzung eingeschoben. Nun fand man in 
vielen Handschriften des Typus rü als Nominativ die nicht organisch, 
aber durch den Gebrauch mit diesem Typus verbundene Form ni. 
Ganz mechanisch schob man auch in diese Bildungen ein r ein. 
Man glaubte also an die Richtigkeit der Gleichung nri : ni = nri : ni. 
Die Unform nri für noster kann nicht besser erklärt werden. Der 



1 ) Vgl. oben S. 221. 

2 ) Nuovo bullettino di arch. crist. VII (1901) 132, 135, 137. Es wird sich 
aber unten zeigen, wie wenig R. Kauer, Wiener Studien XXVIII (1906) 114, be- 
rechtigt war, aus einem ui in Lyon 788 saec. IX auf eine Vorlage in Unciale zu 
schließen. 

*) Cagnat, L'Annee epigraphique 1888 S. 50. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 231 

Hinweis auf die Ligatur rt, die vielleicht mit der Ligatur st vertauscht 
sei, 1 ) wird angesichts der großen Zahl der vorhandenen Beispiele hin- 
fällig, und ebenso dürfen andere Abkürzungen wie prbsi (presbyter) 
und drrih {dominum) mit nri nicht etwa auf gleiche Stufe gestellt und 
alle mit dem allgemeinen Satz erklärt werden, es läge hier eine Um- 
ordnung der Konsonanten nach ihrer Folge im Alphabet vor. 

Zürich (Rheinau) Kant. CXL saec. VIII ist eine Handschrift, in 
der neben rii sich noch keinerlei Formen des Typus nri, sondern 
nur solche des Typus rix zeigen; rii steht hier im Wechsel mit nosr. 
Sonst kommt nx gewöhnlich mit Mischformen vor, unter denen der 
Typus rii überwiegt, selten ausschließlich mit Formen des Typus nri. 
Beispiele finden sich in folgenden Handschriften des 8. bis 9. Jahr- 
hunderts: Wien 1861 (Psalterium des Dagulf), Bamberg B. V13 (Hand- 
schrift des Bischofs Jesse von Amiens), Cassel (Fulda) Theol. Q. 10, Rom 
Vat. lat. 41, München lat. 208, Berlin Phill. 84 und Phill. 1743 (beide aus 
Reims), Reims 213 (im Stil 'franco-saxon'), Bamberg A. I 5 und Wien 468 
(beide aus Tours), Paris (Rebais) lat. 12048, Lyon 526, Bern 89, 
Bern 233, Rom Reg. lat. 612, Paris lat. 2718, Rom Reg. lat. 226, 
Paris lat. 8071, Zürich (Rheinau) Kant. XCIXa, München (Trier) 
lat. 28118, Filastrius Goerresianus (aus Trier) jetzt in Berlin, Berlin 
(Werden) Theol. F. 364, München lat. 23591, München (Salzburg) 
lat. 15813, Cassel Philol. Fol. 2. Aus späterer Zeit stammt Leiden 
Voss. F. 86, der an einer von ihm nicht mehr verstandenen Stelle 
in Cicero de legib. 11,4 (ed. Vahlen p. 6, 2) Ute rii*) aus der Vorlage 
wiedergibt. Auf die Überlieferung mag besonders rii (vester) ver- 
hängnisvoll eingewirkt haben, weil dafür ut gelesen werden konnte; 
vgl. Zeumer zu den Formulae Merowingici et Karolini aevi, p. 257, 2. 
Auf unverstandenem rii beruht vielleicht das folgende Versehen: 

Victor Vit. I 38 (ed. Petschenig 17, 9): 

Jesus Christus noster dominus 

Jesus Christus inter dominus Bern (Fleury) 48 saec. X. 



l ) Traube, Poetae Carolini III 754. 

*) Voss. F. 84 saec. IX hat an derselben Stelle Ute non, wobei aber die 
beiden letzten Buchstaben auf Rasur stehen; Leiden bibl. publ. 118 (olim N. Heinsii) 
in beneventanischer Schrift saec. XI hat deutlich Ute rir. In meiner früheren Arbeit 
hatte sich hier ein Versehen eingeschlichen. 



232 L. Traube, 

Wie nt in Frankreich und Deutschland, so wurde nfi in Frank- 
reich und Italien sehr gebräuchlich. Eine kurze Überlegung lehrt, 
daß deshalb sein Ursprung in Frankreich zu suchen ist. Wir finden 
es von saec. IX — XI in Corbie, St. Bertin, Reims, Troyes, Langres, 
Fleury und Tours, und zwar kenne ich folgende Handschriften, die 
es gelegentlich gebrauchen: Berlin Phill. 1669, Cambridge C. C. C. 223, 
St. Omer 33 bis und 202, Boulogne 35 und 40, Brüssel 9845, Utrecht 32, 
Epernay 1, Reims 8, 70, 82, 369, Parislat. 12949, Troyes 1165 und 550, 
Warschau 480 (Formulae ed. Zeumer p. 131), Rom Reg. lat. 140, Paris 
n. a. lat. 454, Orleans 233 (203), Bern 3, Paris lat. 6115, Bamberg A. I 5, 
Paris lat. 12958, Brüssel 10470, ferner Goerresianus 36 (jetzt wohl in 
Berlin), Berlin Theol. F. 339, Leiden Voss. F. 98. Bemerkenswert ist, 
daß in Chartres noch im Jahre 1028 pai nrx für pater noster ge- 
schrieben wurde. 1 ) In Italien ist das älteste Beispiel Rom (Farfa) 
Barb. XIV 52; ich habe es oben S. 216 bei der Altersbestimmung 
dieser wichtigen und schwierigen Handschrift mitsprechen lassen. 
Dann kenne ich Berlin (Verona) Phill. 1831, Padua 1117, Novara XXX 
und LXXXII. Aus Deutschland kenne ich nur Florenz Laur. LXV35. 



22. Die Kürzungen N, NO, NOI, NOR, NORI, NOT, NOTRI. 

Wurde als Abkürzung die erste Silbe gesetzt, so ergab sich 
noistef) oder nos(ter); wurde der erste Buchstabe der zweiten Silbe 
einbezogen, so erhielt man wieder nos{ter) oder nost{ef). Wir holen 
hier nach und wiederholen dabei zum Teil, was von den so gebil- 
deten Formen tatsächlich vorkommt. Denn alle haben sie gelegent- 
lich zur deutlicheren Bezeichnung des Nominativs herhalten müssen; 
wir verbinden aber damit die kurze Darstellung ihres sonstigen Ge- 
brauches und der auf sie gebauten Weiterbildungen. Die Kürzung riö 
ist ganz alt. Man vergleiche CIL. II 5736: DO. NO. POS. IUI ET 
VICT. COS (= domino nostro Postumo quartum et Vlctorlno con- 
sulibus, a. 267). Ferner steht no für alle Kasus im Vatic. lat. 4938 ; 2 ) 
desgleichen im Ottob. lat. 319, also in zwei ziemlich alten italienischen 
Handschriften; im etwas jüngeren französischen Reginensis lat. 317, dem 



*) Vgl. Merkt et Clerval, Un manuscrit chartrain du XI « siecle, Chartres 
1893, pl. 2. 

*) Vgl. oben S. 228. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 233 

Sakramentar von Autun, 1 ) für noster. Eine seltsame Nebenform 
von nö hatte ich früher übergangen. Auf der stadtrömischen In- 
schrift a. 404 (Rossi, Inscr. Christ. I 531) schien mir: 

consulatu DOMINI .N. HONORI AVG. 

nicht genügend gesichert, da der Stein nicht erhalten ist. 2 ) Nun 
aber weist mir Turner aus der Collectio Canonum Frisingensis in 
München lat. 6243 folgende Fälle nach, die eine gute Tradition haben 

o o 

müssen: fol. 79 coepiscopus n siccensis, ebenda fol. 82 ds n sancti- 
tatem uestram. Sonst folgt diese Handschrift dem Typus tu. Für 
die Geläufigkeit der Suspension nö sprechen auch die weiteren Ab- 
leitungen. Denn zu nö gehören die beweglich gemachten Kasus noi, 
noni; ferner der Nominativ nor und der Typus nori; aber auch noi 
und notri lehnen sich an. 

noi wurde oben 3 ) aus merowingischen Urkunden belegt. Turner 
fand in der Handschrift St. Petersburg F. II 3, die nach ihm zwischen 
650 und 700 zu Lyon geschrieben wurde und zu Berlin Phill. 1745 
gehört (vgl. Journal of Theological Studies IV 429), fol. 172 adiu- 
uante dnl di noi; sonst wird hier gewöhnlich noster ausgeschrieben, 
doch steht fol. 57 v dns n. und fol. 173 dns h; fol. 176 nri concilil 
ist von jüngerer Hand. Mir selbst stieß in Amiens 88, einer Hand- 
schrift aus der Zeit des Maurdramnus von Corbie saec. VIII, öfters noi 
auf; z. B. fol. 51 dni noi ihu xpi. Aus Cassel (Fulda) Theol. O. 5, 
einem alten Band saec. VIII, der wohl aus Südfrankreich stammt, 
notierte P. Lehmann nis fol. 3; noi fol. 10; nori fol. 16; nosx fol. 25; 
nri fol. 17, nrö fol. 47 v ; nsi fol. 17, nsö fol. 11, 25 v , 55 v ; nsrfh 
fol. 51. Chroust erwähnt aus Würzburg Mp. Theol. F. 64 noe 
(= nostrae) und noani (= nostram) neben nm; die Schrift ist insular, 
kontinentale Herkunft dennoch unzweifelhaft. Die Form nom steht 
im Psalterium der Salaberga 4 ) und in St. Gallen 732 a. 811, wo sonst 
nri herrscht. 



>) Vgl. oben S. 189. 

J ) Bekannt ist n = non als Nota iuris. Diesen Gebrauch setzen ganz ge- 
legentlich insulare Schreiber fort, wie in Turin F. VI 2 (wo über das o noch ein 
Strich gesetzt ist) und London Egerton 2831. 

») Vgl. oben S. 219. 

4 ) Vgl. oben S. 217. 



234 L. Traube, 

nor begegnet uns im Vatic. lat. 4938 *) als Verbesserung von no 
und in Verona X (8); 2 ) nachzutragen ist es aus München (Regens- 
burg) lat. 14540 saec.VIII. Aus dem Venezianischen Exemplar der Briefe 
Senecas saec. IX hat mir G. D. Kellogg nor für rif gemeldet. 

nori hatten wir für Spanien in Anspruch genommen. 3 ) Dazu 
stimmt, daß in Zürich (Rheinau) Kant. CIV saec. VIII/IX nora ge- 
braucht wird, denn diese Handschrift bietet auch sonst spanische 
Formen. 4 ) Vielleicht war Paris lat. 13373 saec. IX, wo noro vorkommt, 
ähnlichen Einflüssen ausgesetzt gewesen. Dieselbe Form scheint im 
Archetypon des über de dubiis nominibus, der nach Südfrankreich 
gehört, gestanden zu haben. Für Tyrio conspectus in ostro (Gramm, 
lat. ed. Keil V 585, 9), was verlesen wurde in conspectusi nostro und 
conspectui nostro fast notwendig ergeben mußte, hat München 
lat. 14252 tyrio conspectui noro, während die beiden andern Hand- 
schriften nrö lesen. 

not wies mir A. Souter 5 ) aus dem Augiensis CXIX in Karlsruhe 
nach, einem [Pelagius] in epistulas Pauli saec. IX, der manche Alter- 
tümlichkeit bewahrt hat; er schwankt zwischen den Typen rit und 
nri, hat aber einmal noch n für nostri 6 ) und sonst gelegentlich 
dorn 1 ) und istrahel. 8 ) 

notri steht auf einer gallischen Inschrift vom Jahre 608 9 ) in der 
Verbindung DOMINI NOTRI TEODORICI (CIL. XII 2654). 



23. Die Kürzungen NOS NOSI NOSO und NOST, NOSR. 

Für nos gibt es ziemlich alte italienische und französische Be- 
lege: Paris lat. 13367 saec. VI und Vatic. lat. 4938, hier öfters erst von 
zweiter Hand aus no verbessert; 10 ) für Frankreich hat man die Inschrift 



J ) Vgl. oben S. 228. 
2 ) Vgl. oben S. 217. 
J ) Vgl. oben S. 222. 
4 ) Vgl. Neues Archiv der Ges. f. alt. d. Geschichtskunde XXVI 237. 

6 ) Vgl. jetzt seine Abhandlung in den Berichten der Londoner Akademie. 
c ) Vgl. oben S. 207. 

7 ) Vgl. oben S. 169. 

8 ) Vgl. oben S. 106 Anm. 1. 

9 ) Vgl. Krusch zum Fredegar p. 134 n. 7. 

10 ) Vgl. oben S. 189 und S. 232. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 235 



a. 541 aus Narbonne (CIL. XII 5341): REGN DOM NOS TEUDERICI; 
den Papyrus des Augustin Paris lat. 11641 saec.VI car(itas) ues(trd)\ 
eine Urkunde von 680 (Tardif pl. XVIII) nos regni; im Sakramentar 
von Autun 1 ) steht nos für noster und nostro. Auch auf dem Deckel 
des Lindauer Evangeliars findet sich nos für noster. Als Weiterbildung 
gehören zu nos die Kasus: nosi, nosö u. s. w. Folgende Stellen 
habe ich dafür nach und nach gefunden, die sich zu einer kleinen wohl 
südfranzösisch-spanischen Gruppe zusammenschließen. In der gal- 
lischen Halb-Unciale St. Petersburg (Corbie) F. I. 2 fol. 4: dnl nosi 
ihü xpi; 2 ) in der Unciale Wien 563 fol. 172 v : defende dne pecura 
nosä. Dazu kommt noch die spanische Inschrift bei Hübner, Inscr. 
Hisp. Christ. 110 saec. VII, wo Hübner liest: DNI NOSII HU c, aber 
vielmehr DNI NOSI IHU <XPI> zu verbinden und zu ergänzen ist. 

Findet ein Leser, der an spätere Handschriften gewöhnt ist, 
irgendwo die Formen nosi oder uesi für noster und uester gebraucht, 
so wird er gewiß nicht hängen bleiben. Er wird sie sich mit der 
gewöhnlichen Schreibung % für ter erklären. Und so mag auch 
mancher spätere Schreiber gedacht haben, wenn er sie für den No- 
minativ anwandte. Aber zweifelsohne waren es ursprünglich Sus- 
pensionen, wie die alten Fälle beweisen, in denen durch nosi ein 
Casus obliquus bezeichnet wird. In der wichtigen Subskription des 
Würzburger Priscillian steht: lege felix (Amantia) cum tuis in . xpö . 
ihü . dno . nosv. In den Unterschriften der Konzilienbeschlüsse wird 
die Formel constitutionem nostram sabscripsi seit dem 6. Jahr- 
hundert in Frankreich häufig mit Kürzungen wie constitü nosi si 
wiedergegeben, z. B. in Paris (Corbie) lat. 12097 saec.VI, Berlin (Lyon) 
Phill. 1745 saec. VII. Dieselben Handschriften kennen den Gebrauch 
auch in anderen Fällen; von alten französischen ferner Paris lat. 12205 
(für nostris neben nis), Paris lat. 10756 (für nostro), Cambrai 684 (nosi 
und uesi für den Nominativ neben nm). Von dieser Seite aus wäre 
also gegen die Inschrift vom Jahre 642 mit der Kürzung DOMNI NOST 
CHLODOVEI (Jullian, Inscriptions de Bordeaux n. 862) nichts ein- 
zuwenden. Theodosius, der Schreiber von Verona LX (58), ge- 



») Vgl. oben S. 233. 

8 ) Diese Stelle kenne ich aus einer Photographie; nosas auf dem Kupfer 
des Nouveau Traite zu III 236 stammt aus derselben Handschrift. 



236 L. Traube, 

braucht host, ich weiß nicht, für welchen Kasus. 1 ) Im allgemeinen 
aber darf man es wohl als französische Bildung ansehen. Über seine 
Verwendung in den karolingischen Urkunden, wo es bereits nur den 
Nominativ darstellt, habe ich oben S.2 19 gesprochen. Auch Handschriften 
etwa der gleichen Zeit haben es in diesem Sinne nicht ganz selten, 
z. B. Harley (aus Corbie?) 208, München (Benediktbeuern) lat. 4547; 
Zürich (Rheinau) Kant. CXL hat nosi. neben ni. y Zürich (Rheinau) 
Kant. XCII nosi neben nr. Selbst der Ire, der Basel A VII 3 im 
9. Jahrhundert schrieb, ließ nosi zu. 

Unerklärt bleibt die Suspension nosr, für die ich früher gleich- 
falls keine Beispiele gebracht habe. Sie steht für nostris in Mailand 
(Bobbio) B. 31 sup.; dnm nosfrh in Brüssel (Soissons) 9850 c. a. 700 
ist die Kontraktion dazu. 



24. Die karolingische Deklination NR NRI. 

Die Geschichte von noster ist abgeschlossen. Nach so vielen 
hin- und hergehenden Versuchen, nach so vielem Streit und Aus- 
gleich ergab sich der karolingischen Zeit folgendes als die endgültige 

Deklination: 

nr nfa 

nrl nrortim nfae nrarum 

nfb nfis 

nrm mos nfam riras 

Doch blieben immer noch einige zweifelhafte Fälle, und sorg- 
fältige oder archaisierende Schreiber waren nicht mit allen Einzel- 
heiten zufrieden. 

Als Nebenformen von nr müssen die vorher besprochenen Bil- 
dungen ni, nri, nosi gelten. 

Im Accusativ sing. masc. kommt gelegentlich rirum vor, 2 ) z. B. 
in Mailand T. 120 s., Reims 377, München (Salzburg) lat. 15818, 
München (Tegernsee) lat. 27152, St. Gallen 914. 

Für den Genetiv plur. steht nrom in St. Gallen 914. In der 
Handschrift des Notker Wien 1609 saec. X liest man immer nor 
wobei r in bekannter Weise einen Suspensionsstrich erhält. Einmal 



J ) Vgl. oben S. 217. 

s ) Vgl. z. B. oben S. 199 über ähnliche Formen von sanctus. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 237 

wird zur Verbesserung ein zweites r herübergeschrieben. Und diese 
Form wieder (nrör) steht in Saint-Omer 33 bis fol. 23. 

Der Dativ plur. konnte, ohne unklar zu werden, noch verkürzt 
werden: nrs begegnet in Utrecht 32 (dem Psalter aus Reims). 

Die klassische Form des Genetiv sing. fem. ist nrae; aber nre, 
das einem gelegentlich unterläuft, zeigt e, nicht weil es im Vulgären 
häufig für ae steht (es ist also auch nicht nostre aufzulösen), sondern 
weil es, rein graphisch betrachtet, der letzte Buchstabe ist. 

Ich habe, der typographischen Bequemlichkeit zuliebe, hier 
wie sonst, den Abkürzungsstrich gewöhnlich über den Schlußbuch- 
staben oder den letzten Vokal setzen lassen. Dies entspricht nicht 
der älteren Sitte, die ihn mehr nach der Seite zieht, wo die Buch- 
staben fehlen, und ihn meist über dem r anbringt. Aber auch hier 
schwankt der Gebrauch. In Paris lat. 12949, einer Handschrift aus der 
Schule des Heirich von Auxerre, steht er mehr nach meiner Art; oft 
störend, wie ich zugeben muß: z. B. wenn aura reuerentia bedeuten 
soll a vestra reverentia. Ganz ebenso halten es turonische Schreiber, 
wenn sie, wie der von London -Add. 10546, corda urä kürzen. 

Doch die Setzung und Formung des Striches gehört in ein 
anderes Kapitel der Lehre von den Abkürzungen; vgl. oben S. 45 ff. 
Hier sollte nur das mannigfache Spiel der Buchstaben betrachtet 
werden. 



6. Entfaltung der lateinischen Kontraktion. 

Die sakrale Reihe der lateinischen Kontraktion war im 5. Jahr- 
hundert durch scs, am Beginn des 6. durch m etc. (= nostri) er- 
weitert worden. Das geschah in den Werken der christlichen Lite- 
ratur. Damals aber war der christliche Kalligraph bereits zum haupt- 
sächlichen Vervielfältiger der gesamten neuen und älteren römischen 
Literatur geworden. Er kopierte ebensowohl die Gesetzbücher und 
den Virgil, als die Evangelien und den Cyprian. Es hatte das 
eine doppelte Folge. Die ursprünglich sakralen Kurzformen wurden 
auch da angewandt, wo sie nicht hingehörten. Man schrieb im 
Virgil ds nobis haec otia fecit und nannte den Kaiser dns. Darüber 
ist oben am Schluß der betreffenden Abschnitte berichtet worden. 



238 L. Traube, 

Dann aber drängten sich unwillkürlich Analogiebildungen in die 
Feder, die mit dem sakralen Element der Kontraktion nur entfernt 
oder gar nicht mehr zusammenhingen. Nunmehr kann man eigent- 
lich erst von einem Prinzip der durch Kontraktion vollzogenen Kür- 
zung sprechen. Bis dahin waren es wenige und bestimmte Worte, 
die man durch Ausstoßung des Wortinnern ausgezeichnet hatte. Jetzt 
tritt die Kontraktion als eine Art der Schriftvereinfachung neben die 
ältere Suspension und beginnt diese zu verdrängen. 

Es ist nicht unwahrscheinlich, daß auf dem Gebiet der Titulatur 
der Ausgangspunkt für diesen Fortschritt zu suchen ist. Die nicht 
sakrale Verwendung der kontrahierten Kurzform für dominus 1 ) auf 
der einen Seite, auf der andern Seite die naheliegende Verwandlung 
von Suspensionen christlich gefärbter Worte wie EP. (= episcopus) in 
EPS, DIAC. (= diaconus) in DIACS 2 ), PB. in PBR, reu (= reve- 
rentissimus) in reus, die sich alle aus italienischen Handschriften 
und Steinen des 5. bis 6. Jahrhunderts nachweisen lassen und un- 
mittelbar durch die sakralen Formen dns, sps, scs hervorgerufen sind, 
erklären aufs einfachste, wie um dieselbe Zeit aus P. P. (= prae- 
fectus praetoriö) ppö z ) werden und magtro offörum (für magistro 
officiorum), augli (für Augustali) und dergleichen aufkommen konnte. 
Über den weiteren Anstoß, den die Erfindung von rii etc. geben 
mußte, vgl. oben S. 193. 

Besondere Gelegenheit zur Entfaltung des neuen Prinzips bot 
diejenige Klasse von Handschriften, in denen überhaupt vornehmlich 
gekürzt wurde. Es waren die juristischen. Die in ihnen seit langem 
gebrauchten Kürzungen (die sog. Notae iuris) hatten bis dahin aus- 
nahmslos auf Suspension beruht. Nun ging exsc. (== ex senatus 
consulto) in exsco, s. (= sententia) in sä, ac. (= actio, -nis etc.) in 
axne (= actione), iud. (= iudicium) in iudürh, pec. {= pecunia) in 



Vgl. oben S. 167 ff. 

2 ) Auf einem Capuaner Stein a. 565 steht das sprechende Zeugnis des Über- 
gangs: DIAO ROMANI. 

3 ) Neben P. P. waren PR. PR. und andere Formen im Gebrauch. In Hand- 
schriften saec. VI und in Überlieferungen von Schriftstellern saec. VI und VII, z. B. 
bei Ennodius ed. Vogel n. CCCLXIV p. 265 (ich habe die Stelle im Index zum Cas- 
siodorus unter vitis gedeutet), ist noch öfters pp erhalten. In den alten Hand- 
schriften des Theodosianus und in den sehr viel jüngeren des Cassiodor und der 
Briefe Gregors I herrscht bereits ppö. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 239 

pecäj mcip. (= mancipiö) in mcipio, mf. (= manifestum) in m/tum, 
aber auch z. B. Ic. (= licet) in B oder lex über. Die Suspensionen 
wurden in Kontraktionen verwandelt. Oft entstanden dabei Zwitter- 
gebilde, wie er. nus (= civis Romanus); hier ist er. die ursprüng- 
liche Suspension (c. r.), an welche die Endung ganz äußerlich an- 
gehängt ist. Der Punkt blieb dabei stehen, wie bei iud. um und 
andern derartigen Neubildungen. 

Wir müssen hier einen Augenblick anhalten, um auf das Ver- 
hältnis von Strich und Punkt zu dem neuen Prinzip der Kürzung 
hinzuweisen; vgl. oben S. 45 ff. 

Das Abzeichen der Suspension war im Lateinischen vordem der 
Punkt nach dem Worte gewesen oder die Punkte vor und nach dem 
Worte, wofür es ja nicht nötig ist, irgendwelche Beispiele anzuführen. 
Wie nun später die Suspensionen außer durch den Punkt auch durch 
den Strich und schließlich nur durch diesen bezeichnet wurden, so 
behielt man bald nach dem Aufkommen des neuen Prinzips bei den 
Contractis außer dem Strich auch oft noch den Punkt bei. Es führen 
die so geschriebenen Formen recht eigentlich in die Zeit des Schwankens 
und Werdens hinein. Wir sehen das am besten, wo diese Erschei- 
nung bei den älteren Nomina sacra auftritt. Es steht z. B. XPI auf 
einer Inschrift im Museo Laterano (bei Rossi tav. I 1) zwischen zwei 
Hederae, die hier die Punkte vertreten; auf der bekannten Inschrift 
des Clematius in Köln liest man PRO NOMINE . XPI . SANGVINEM 
SVVM FVDERVNT, x ) was einen durchaus echten und alten Eindruck 
macht. 

Ja, der Punkt oder die Punkte haben sich bei den Nomina 
sacra contraeta auch oft noch in Handschriften erhalten. Man ver- 
gleiche über Handschriften des Typus dms oben S. 178 ff., über Hand- 
schriften des Typus d'ns oben S. 190. Obgleich gelegentlich diese 
Eigentümlichkeit sich aus der Vorlage übertragen hat, ist man be- 
fugt, sie als ein Zeichen des Alters, als ein Merkmal gerade der Zeit 
des Übergangs vom 5. zum 6. Jahrhundert anzusehen. 2 ) 



') Vgl. G. Morin in den Melanges Paul Fahre, Paris 1902, S. 53. 
2 ) Vgl. oben S. 159 über die damit zusammenhängende gleichfalls alte 
Schreibung xpi. anus. 



240 L. Traube, 

Der Übergang von der Suspension zur Kontraktion, die Ver- 
einigung von Punkt und Strich, das allmähliche Überwiegen der kon- 
trahierten Formen zeigen uns in den vorher erwähnten alten juristischen 
Handschriften und in den Verzeichnissen der Notae iuris, die als 
Schlüssel für das Verständnis solcher Handschriften abgefaßt wurden 
und in jüngeren karolingischen Abschriften auf uns gekommen sind, 
aufs deutlichste die lebhafte Bewegung und das zielbewußte Vorwärts- 
streben der immer mehr mit dem neuen Prinzip sich durchdringenden 
Kalligraphie. Der Veroneser Gaius und der Wiener Ulpian nehmen 
eine ältere Stufe ein als die Fragmenta Vaticana. Von den Verzeich- 
nissen entspricht das des sog. Probus wieder mehr der Art des 
Gaius, die sog. Notae Lugdunenses mehr der Art der Fragmenta 
Vaticana. Das hat Mommsen gezeigt; 1 ) Sickel vervollständigte das 
Bild; 2 ) er deutete an, wie das Verzeichnis des Magno über die Notae 
Lugdunenses hinaus sich im Sinne fortschreitender Kontraktion be- 
wegt. Aber es war nicht das Vorbild der Tironischen Noten, wie er 
glaubte, das diese Entwickelung bedingte. 3 ) Die Kontraktion ent- 
faltete sich und wuchs, je weiter das Christentum vordrang und je 
mehr der christliche Kalligraph im römischen Schriftwesen zur Herr- 
schaft kam. 

Ist dies einmal erkannt, so wird die Analyse der Notae iuris 
und die zeitliche Bestimmung der älteren juristischen Handschriften 
ein gutes Stück weiter kommen können. Aber auch auf die gesamte 
römische Überlieferung fällt ein neues Licht. Man begreift die Ver- 
wandtschaft der kirchlichen und juristischen Unciale. 4 ) Der Kalli- 
graph, der im 5. oder 6. Jahrhundert den Gaius schrieb, war nicht 
weniger ein Christ, als der Schreiber, der im 7. Jahrhundert den 
Juristen tilgte und die Briefe des Hieronymus über ihn setzte. Und 
nicht anders als mit dieser Veroneser Handschrift wird es stehen mit 
der Bobbieser, in der Ciceros Bücher de re publica unter Augustins 
Psalmenkommentar begraben liegen. Aber selbst darüber hinaus glaube 



J ) Vor seiner Ausgabe der Notae in Keils Grammatici latini IV 277 und im 
Hermes XXV (1890) 153. 

2 ) Lehre von den Urkunden der ersten Karolinger S. 307. 

3 ) Vgl. oben S. 12 über Gitlbauer. 

4 ) Von der älteren juristischen Unciale ist die Rede; christlicher Ursprung 
für die der Digesten versteht sich ebenso von selbst, wie für die Unciale und Halb- 
Unciale des Theodosianus. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 241 

ich behaupten zu dürfen, daß unsere alten lateinischen Handschriften 
fast ausnahmslos von Christen geschrieben sind und älter als das 4. bis 
5. Jahrhundert nicht sein können. 

Das ergibt sich so. Die Griechen verwandten am Zeilenschluß, 
um die Zeile einzuschränken, 1 ) allerhand Ligaturen; statt N setzten 
sie neben den vorausgehenden Buchstaben einen Strich, der das N 
vertrat, etwa so: KAAO— | (= xaköv). Die Verwendung dieses Zei- 
chens hing mit der christlichen Tradition nicht zusammen, es be- 
gegnet bei den Griechen schon im 2. Jahrhundert vor Christus. 
Doch die römischen Schriftstücke, die wir aus früher Zeit haben 
(neben den Inschriften die Reste der herculanensischen und ägyp- 
tischen Rollen) kennen nichts Entsprechendes. Erst die älteste latei- 
nische Pergamentüberlieferung 2 ) hat, wo sich dazu Anlaß bot, dem 
)<AAO-| ein MAGNV I gegenübergestellt, und es spricht alles dafür, 
daß der Gedanke dieser Schrifterleichterung, der zu den Lateinern 
nachweislich so spät kam, durch biblische Handschriften vermittelt 
wurde, daß also zuerst die christlichen Kalligraphen Italiens nicht 
nur SPS und DNA, sondern auch das Schluß-/rz und das Schluß-»' 
sich entsprechen ließen. Nun kennen von alten lateinischen Perga- 
menten mit klassischem Inhalt diesen Gebrauch sowohl der Sallust 
von Fleury als die Exemplare des Livius aus Lorsch, Bobbio, Corbie 
und Bamberg, ferner der Cicero aus Bobbio u. s. w. Nur das von 
Chatelain entdeckte Fragment der Naturalis historia des Plinius aus 
Autun scheint eine Ausnahme zu machen; es hat am Zeilenschluß 
weder den m-Strich, noch den im Lateinischen später gewagten 
«. Strich.») 

Die juristischen Handschriften der älteren Zeit waren wegen der 
Fülle und der Art der Abkürzungen schwer zu lesen, und die Kon- 
traktion bewirkte hier zwar einigen Wandel und schuf größere Sicher- 
heit; aber die Veranstalter der Gesetzessammlungen im 5. und 6. Jahr- 
hundert 4 ) fühlten sich doch bewogen, den Gebrauch der Notae für 

') Vgl. Traube, Paläograph. Forschungen IV 53 (= Abhandlungen der Bayer. 
Ak., III. Kl. XXIV, 1). 

2 ) Gelegentlich auch der christliche Steinmetz Filocalus, der zugleich Bücher- 
schreiber war. 

3 ) Es wird hier auf die weitere Entwickelung dieses Gebrauches nicht ein- 
gegangen; vgl. Traube, Hieronymi chronicor. codicis Floriacensis fragmenta p. VII. 

4 ) Vgl. Traube in der Enarratio tabularum zu Mommsens Theodosianus p. 1. 
Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 16 



242 L- Traube, 

die Reinschrift der Corpora zu verbieten. Damit büßte auch die 
Kontraktion, die bereits begonnen hatte, aller Worte sich zu be- 
mächtigen, viel an Boden wieder ein. Ein völliges Verschwinden war 
freilich ausgeschlossen. Die große Bequemlichkeit der Notae und 
darunter gerade derjenigen, die schon durch Kontraktion gebildet 
wurden, schützte davor. So kürzten also die Notarii selbst da, wo 
es ausdrücklich untersagt war (in den Handschriften der Corpora), 
wenigstens hie und da, wenigstens ein und das andere Wort in alter 
Art. In den Urkunden aber, wo sie unbeschränkt waren, schrieben 
sie z. B. hdes (= heredes) und ssü (= suprascripti) fast regel- 
mäßig. Diese kontraktiven Formen waren mittlerweile an die Stelle 
der betreffenden älteren suspensiven % und s. s. getreten. 

Auch in den Handschriften der Konzilien ist manches derartige 
zu finden und geht auf den nicht ganz bezwungenen Hang der 
Notarii zu Kürze und Bequemlichkeit zurück. 

Nur die Techniker hatten sich ursprünglich den Gebrauch der 
Kürzungen erlaubt, als diese noch lediglich durch Suspension her- 
gestellt wurden. Also außer den Juristen die Mediziner, die Mathe- 
matiker, die Grammatiker, die Periegeten u. s. w. In den Rein- 
schriften von eigentlichen Werken der Literatur duldete man bloß 
die Kürzung der Namen und Ämter und einiger ähnlicher Technika. 
Auch auf diesem so eingeengten Gebiet macht sich der Übergang 
zur Kontraktion im 5. bis 6. Jahrhundert fühlbar. 

Zum Beispiel in der Überlieferung der Briefe des Symmachus 
(bei Seeck p. 212, 1 und 212, 12) scheint nicht mehr die Suspension 
lud., die so oft in unsern Klassiker-Handschriften vorkommt und neben 
iudices auch iudicium bedeutet, sondern die Kontraktion mdam vor- 
zuliegen. Im Archetypon des Valerius Maximus (vgl. Kempf p. 34,9) 
ebensowohl als in dem von Senecas De beneficiis (vgl. Hosius p. 44, 7) 
standen neben der Suspension aug. (für Augustiis etc.) auch die 
Kontraktionen augi (Augusti) und dugo (Augusto). Der Liber de of- 
ficio proconsulis wird im sog. Philoxenus-Glossar Paris lat. 7651 als 
liber de offo proconsulis zitiert (vgl. Rudorfs Tafel in den Abhand- 
lungen der Berliner Akademie 1865). 

Eine andere Ursache, die das völlige Erlöschen der Kürzung 
und damit auch der Kontraktion verhinderte, wird begriffen, sobald 
wir von der chronologischen Betrachtung zu einer lokalisierenden 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 243 

übergehen. Was nämlich an den Hauptplätzen der Kalligraphie zu 
verhindern gesucht wurde, geschah in provinzialen Schreibschulen 
ruhig weiter. Mag der Gaius von Verona in die Zeit fallen, als der 
Noten-Gebrauch noch nirgends eingeschränkt war, so fällt der Kom- 
mentar zum Gaius sicher in den Zeitraum des Verbotes und mag in 
Autun geschrieben sein, wo Chatelain ihn entdeckte. In Verona 
wurden im Laufe des 6. Jahrhunderts zwei Handschriften geschrieben, 
Verona LIII (51), Facundus, und Rom Vatic. lat. 1322, Canones, die als 
Erzeugnisse einer Schule gelten dürfen, in der die Notae iuris und 
andere Kürzungen — beide meist in kontrahierter Form — an den 
älteren juristischen Gebrauch erinnern. 

Haben wir hier noch die Handschriften selbst zur Verfügung, 
so ist eine gleichzeitige viel bedeutendere provinziale Schule nur aus 
ihren weit herabreichenden Wirkungen zu erschließen. Während näm- 
lich in Italien und Frankreich der Gebrauch der Notae im 6. Jahr- 
hundert als fast versiegt oder doch aufs äußerste zusammengeschmolzen 
erscheint, verfügen die insularen Schreiber des siebenten und der 
folgenden Jahrhunderte über den ganzen Besitzstand der älteren Zeit. 
Im Zusammenhang mit andern graphischen Tatsachen weist das auf 
eine bedeutende Schule in Südwestbritannien, in der im 5. und 6. Jahr- 
hundert — fast wie im bewußten Gegensatze zu Frankreich — die 
Notae aller Art gepflegt wurden. 

Unsere bisherigen Feststellungen bezogen sich auf die Ent- 
wicklung, Pflege und Beschränkung der Kontraktion in den Schulen 
verschiedener Länder, die aber von einem Zentrum abhingen. Das 
Zentrum war Rom, für die christliche Literatur eine Zeitlang vielleicht 
eine oberitalienische Stätte, wie Mailand. Von da aus empfingen die 
Schulen Italiens, Frankreichs, Südwestbritanniens und zunächst auch 
Spaniens ihre Regeln dadurch, daß die römischen oder von Rom aus- 
gehenden Literaturwerke rasch sich verbreiteten und die Moden der 
Schrift und vor allem der Kürzung überallhin trugen. Die dadurch 
verbreiteten Bildungsgesetze waren noch die einfachsten. An die 
vorhandene Suspension hing man, um die Kontraktion herzustellen, 
den letzten Buchstaben oder die letzte Silbe oder die letzten Silben 
des Wortes an: man vergleiche eps (= episcopus), pecä (— pecunia), 
Hdem (= heredem), ssti {== supra scripti), mftum (= manifestum), 
%\dibus (= heredibus), mcipio (= mancipiö). Die Suspensionen 

16* 



244 L- Traube, 

selbst 1 ) waren, je nach der Zeit, der sie entstammten, durch den oder 
die ersten Buchstaben des Wortes {% — heres, pr. = praetor), durch 
die erste Silbe 2 ) und den ersten Buchstaben der nächsten Silbe 
(ep, = episcopus, lad. = iudicium, off. = officium etc.), durch 
die ersten Buchstaben der führenden Silben (bf. = beneficium, mf. = 
manifestum) oder ähnliche Kombinationen (z. B. mcip. = mancipium) 
hergestellt gewesen. Dies eröffnete der Kontraktion weiten Spiel- 
raum, verlieh ihr viele Möglichkeiten. 

Dieser römischen oder italienischen Art der Bildung steht 
eine andere gegenüber, die ihren Ursprung in Afrika hat. 

Wir betreten damit abermals dies für die Entwickelung der 
christlichen Literatur so wichtige Land. Daß die folgenreichste Neue- 
rung der christlichen Kalligraphie, die Übernahme der kontrahierten 
Nomina sacra aus dem Griechischen, nicht in Afrika erfolgte, sondern 
dort erst am Ausgang des 4. Jahrhunderts von Italien aus bekannt wurde, 
hat sich oben bei der Analyse der Evangelien-Fragmente k ergeben. 3 ) 
Später aber stellten die afrikanischen Schreiber eine Reihe eigen- 
tümlicher auf Kontraktion beruhender Formen den italienischen Bil- 
dungen entgegen. Wir finden auf afrikanischen Inschriften : EPSCPS 
(= episcopus, ital. EPS) CIL. VIII 11645; a. 582 ECLSA (= ecclesia, 
ital. ECLÄ) Melanges d'archeologie XXIII 12 (vgl. oben S. 164); 
APSTS (= depositus) CIL. VIII 11645; BNCTS (= benedictus) und 
DMSTCS (= domesticus) CIL. VIII p. 2282. Wir können diese Art, 
dem Eindruck nach, als eine hebraisierende bezeichnen. 4 ) Der wahre 
Ursprung Hegt aber wohl vielmehr in der polysyllabaren Suspension 
vom Typus DMN. (= dominus). h ) 

Von Afrika kam diese neue Sitte im 6. und 7. Jahrhundert nach 
Spanien. Wir finden ihre ersten Spuren dort im Breviar von Leon, in 
dem sich italienische mit afrikanischer Art berührt. Spanien wieder 
bildete die hebraisierende Kontraktion noch weiter aus und vermittelte 
sie zu einem freilich nur kleinen Teile vom 7. bis zum 9. Jahrhundert 



») Vgl. oben S. 205 f. 

*) Selten durch diese allein, iu. = iure, fu. == fuit. 

3 ) Vgl. oben S. 138 ff. und S. 146 ff. über das früheste Vorkommen der Nomina 
sacra contracta auf afrikanischen Inschriften. 

*) Vgl. über derartige Schreibungen im Griechischen oben S. 35. 
5 ) Vgl. oben S. 172. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 245 

den andern Schreibschulen des Kontinents, auf die es durch die ge- 
waltigen Massen von Literatur Einfluß gewann, die es damals teils 
erzeugte, teils aus früherer Zeit übernahm und in Umlauf setzte. 

Die folgenden Übersichten wagen den schwierigen Versuch, die 
Errungenschaften der verschiedenen kalligraphischen Schulen zu- 
sammenzustellen, soweit sie auf dem Prinzip der Kontraktion sich 
aufgebaut haben. Die Abgrenzung der einzelnen Schulen und die 
Reihenfolge, in der sie dabei vorgeführt werden, ergibt sich aus den 
Darlegungen auf S. 243 ff. Nur wird hier noch die beneven- 
tanische Schule, die von der römischen abhängt, aber von der spani- 
schen und später der insularen beeinflußt ist, nach der spanischen 
eingefügt. 1 ) 

Römische, bezw. italienische Schule (vgl. oben S. 243 f.). 

1. Die alte sakrale Reihe ds, iks, xps, sps seit c. a. 300, dazu 
dns seit saec. IV; ferner die Attribute scs seit saec. V, m, no etc. seit 
saec. VI in. Vgl. darüber oben- S. 146 ff. und 243. 

2. Kirchliche Worte, von denen die meisten saec. V/VI gebildet 
wurden: 

omnips = omnipotens (saec. VI). 

pbi pbb etc. = presbyteri -ro (saec. VI), eps = episcopus 

(saec. VI), diacs = diaconus (saec. VI), clrs = clericus 

(saec. VIII). 
kme = karissime (saec. VI?), reas = reverentissinws (saec. VI), 

frabs = fratribus (saec. VII). 

eccld = ecclesia (saec. VII). 

3. Allgemeine Worte aus dem Bestand der Notae iuris, gebildet 
saec. V/VI, hier nur so weit aufgezählt, als sie sich außerhalb des 



J ) Zu vergleichen ist das alphabetische Verzeichnis der Kontraktionen 
unten S. 252 ff., wo vor allem die Suspensionen verzeichnet werden, soweit sie 
zum Verständnis der kontraktiven Bildungen dienen können. Die eingeklam- 
merten Angaben, wie (saec. VI) etc., bezeichnen kurz das Alter meines jedesmal 
ältesten Beleges. Es braucht kaum noch einmal hervorgehoben zu werden, daß 
mein Versuch nur darauf abzielt, die Kontraktionen zu erläutern; die Sus- 
pensionen sind hier nur subsidiär behandelt. 



246 L- Traube, 

engen technischen Kreises erhalten haben und später wieder hervor- 
treten : 

ee = esse uö = vero 

qä = quid qdo = quando. 

Über heres vgl. unten unter 5., über noster oben unter 1. 

4. Allgemeine Worte, dem Bestand der Notae iuris später hinzu- 
gefügt: 

oms = omnes, oma = omnia (saec. VI). 
qrh und quin = quoniam (saec. VII). 

5. Aus Urkunden (saec. VI): verschiedene Kontraktionen, be- 
sonders von heres und supra scriptus. 

Jüngere afrikanische Schule (vgl. oben S. 244). 

Wir sind für sie auf die Steine angewiesen; denn direkte hand- 
schriftliche Zeugnisse, wie sie k (vgl. oben S. 138 ff.) entnommen werden 
können, eröffnen einen Einblick nur in die ältere afrikanische Schule. 
Es folgt das Eindringen der italienischen Kontraktion; dann erst in 
einer Zeit, aus der wir, wie es scheint, afrikanische Handschriften 
nicht mehr haben, bildet sich die jüngere Schule aus. 

1 . Zu den italienischen Nomina sacra contracta fügen die Afrikaner 
sts = sanctus (saec. VI), vielleicht auch Formen für Israel und 
Jerusalem. 1 ) 

2. Über kirchliche Worte, wie epscps und eclsa (saec. VI) vgl. 
oben S. 244. 

3. Es ist sehr wahrscheinlich, daß viele der in der nächsten 
Übersicht zusammengestellten spanischen Formen schon in Afrika 
gebildet wurden. Über Israel und Iemsalem vgl. oben unter 1. 

Spanische Schule (vgl. oben S. 244). 

Die Eigenart der spanischen Schreiber gibt sich besonders in 
den hebraisierenden Formen der Kürzung kund; 2 ) sie unterscheiden 



J ) Vgl. oben S. 105 ff. 

2 ) Diese Bildungsgesetze sind so lebendig, daß die einzelnen Schreiber öfters 
neue und eigene und doch sofort als spanisch zu bezeichnende Formen hervor- 
bringen. So findet man in dem Uncial-Fragment (Labitte, Le Manuscrit 1 168), das 
sonst keine örtliche Bestimmung zuläßt, neben apstli das offenbar auch auf spanische 
Herkunft deutende tstmnti. Im karolingischen Isidor Basel F f. III 15 ist appltr 
gewiß aus der spanischen Vorlage übernommen. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 247 

sich aber schon dadurch z. B.'von den italienischen Schreibern, daß 
sie der Suspension fast immer aus dem Wege gehen. Bereits vor- 
handene suspensive Formen bedingen dann die Form der betreffenden 
spanischen Kontraktion, wie z. B. bei awh = autem, ppr = propter, 
flm = flagellum. 

Im einzelnen hervorzuheben sind folgende Formen. 

1. In der sakralen Reihe kann sprts (vgl. oben S. 166) hierher 
gehören; dmns (vgl. oben S. 173) kommt nur in der Titulatur vor. 

Von den Attributen ist spanisch nstr (saec. VII), nsf (später); 
vgl. oben S. 223 und S. 220. 

Über srhl und srivgl. oben S. 107; über ihrslrh oben S. 111. 

2. Kirchliche Worte: 

sclm = saeculum (saec. VII). 

prsr = presbyter (saec. VII/VIII), epscps (auch epscs) = epi- 

scopus (saec. VIII). 
apstts oder apsls — apostulus (saec. VII), prphtä = propheta 

(saec. VIII), dscpls = discipulus der Jünger (saec. VIII), 

epstla oder epslä = epistula (saec. VIII). 
gla = gloria, aber vielleicht war die hebraisierende Bildung 

glra die eigentliche spanische Form. 
msrcdia = misericordia (saec. IX). 
ah = amen (saec. X), ptr = pater (saec. XI). 

3. Allgemeine Worte, wo Notae iuris irgendwie vorangegangen 
waren: 

tmh = tarnen (saec. VII), qnrh= quoniam (saec. VIII, wahrschein- 
lich spanisch). 

aum = autem (saec. VIII), idsr und idr = id est (saec. VIII), 
ppxr und ppr = propter (saec. IX), ul = vel (saec. IX). 

tpore = tempore (saec. VII). 

4. Zusätze zu den allgemeinen Worten, wo Notae iuris nicht 
geprägt waren: 

homns = {h)omnes (saec. VIII), ms = meus (saec. VIII), scds = 

secundus (saec. IX). 
sex = sicut (saec. X). 

nmn = nomen (saec. VII), gns = genus (saec. VIII). 
ppls = populus (saec. VIII), grci = graeci (saec. VIII). 



248 L. Traube, 

5. Aus den Gesetzbüchern: 

aqä = antiqua, Überschrift der einzelnen Gesetze in der Lex 

Reccesv., Rom Reg. lat. 1024 (saec. VII). 
flm = flagellum (saec. VII). 

Beneventanische Schule (vgl. oben S. 245). 

Sie hat in der Kontraktion folgende Besonderheiten: 

1. Kirchliche Worte: 

mia = misericordia (saec. VIII), gloa = gloria (saec. VIII). 

2. Allgemeine Worte: 

ama = anima (saec. X), dann auch z. B. ami = animi; popls 
(saec. XI); tpe = tempore, vgl. oben S. 247. 

Insulare Schule (vgl. oben S. 243). 

Nach unserer Vermutung verhält sich die insulare zur südwest- 
britannischen, wie die spanische zur afrikanischen Schule. Da die 
südwestbritannischen Schreiber im Besitze der vollständigen Notae 
iuris waren, so verfügen über diese auch die insularen Schreiber. 
Aufgezählt wird hier nur das, was als ihre Zutat erscheint, nach 
dem Gesagten aber sehr gut auch älter, also südwestbritannisch und 
zum Teil darüber hinaus italienisch sein kann. 

1. Kirchliche Worte: 

ho und andere Formen = homo\ fls — filius; pr = pater; 
peccäfn = peccatum (saec. VIII). 

2. Allgemeine Worte, wo Notae iuris irgendwie vorausgegangen 
waren: 

si = sunt (saec. VIII) -n = -runt (saec. VIII) 

es = cuius (saec. VIII) nc = nunc (saec. IX) 

hs = huius (saec. VIII) tc = tunc (saec. IX) 

tn = tarnen (saec. VIII) im = tantum (saec. VIII) 

ts = trans (saec. IX) ql = qnot (saec. IX) 

qsi = quasi (saec. VIII) 
igr = igitur (saec. IX) 
t = vel. 



saec. VIII und IX. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 249 

3. Allgemeine Worte, wo die Notae iuris nicht vorangegangen 
waren : 

sm = secundiitn (saec. VIII), darnach auch Formen wie sa = 

secunda etc. 
sf — super (saec. VIII) lic = hunc (saec. VIII). 

dicere: 

df oder dir oder die? = dicitur 

dnr oder dntr = dieuntar j 
dr oder dec = dicit 

dm = dieunt 
dre = dicere 
des oder dies = dicens 
dem = dictum 

habere : 

h% = habet 
hm = habent 

hre = habere, 
noe = nomine und entsprechende Formen. 
ois = omnis und entsprechende Formen (also 01, oe, oes 

neben os, oium, oid neben oä); insular seit saec. VIII, bene- 

ventanisch seit saec. XI. 
pls = populus (saec. IX). 
«wo = namero (bei Johannes Scottus). 

Während die Kürzung und im besonderen die Kontraktion bei 
den Spaniern und den insularen Schreibern gedieh, war sie, wie wir 
gesehen haben, bei den Italienern — und ebenso bei den Franzosen, 
die ihre Anregung von den Italienern bekamen — mehr oder weniger 
eingegangen. Wir haben den Grund in dem Verbot der Notae iuris 
gesucht; doch sollte man vielleicht allgemeiner schon dieses Verbot 
selbst als ein Zeichen der Reaktion auffassen. Die Folge dieser 
Verhältnisse ist jedenfalls, daß die Grundlagen unserer Überlieferung: 
die gewöhnlichen festländischen Handschriften, die, wenn man weite 
Grenzen setzt, vom 8. bis zum 12. Jahrhundert reichen, arm sind an 
gekürzten Wörtern und dem Verständnis hierdurch kaum irgendwo 
ein größeres Hindernis in den Weg legen. Vornehmlich die 



250 L Traube, 

Karolingischen Schulen 

gewähren ständigen Einlaß ganz wenigen Kurzformen. Nur, wo 
starke insulare Einflüsse gewirkt haben oder Kreuzungen 1 ) ein- 
getreten sind, ist das Bild ein anderes. Gelegentlich haben auch 
spanische Vorlagen in dieser Richtung gewirkt. Eine kleine An- 
zahl insularer und spanischer Bildungen bürgert sich wirklich ein 
und stellt sich neben die überkommenen italienischen Formen, deren 
Zahl überwiegt. Beispielshalber, die Turonischen Kalligraphen der 
guten Zeit kommen mit folgenden Kontraktionen aus: sie gebrauchen 
die Kurzformen der alten sakralen Reihe und dns, dazu die Attribute, 
ferner . ee ., omps, isrt, eps, apls, scltn, qnfri neben qm\ daneben 
benutzen sie noch eine Anzahl von Suspensionen, die hier zu be- 
sprechen nicht der Ort ist. Die Schreiber Hincmars von Reims sind 
vielleicht noch etwas sparsamer, sie bevorzugen qnm 2 ) und irl. Der 
Veroneser Pacificus und seine Schule hält sich fast ganz an den 
Turonischen Gebrauch; eigentümlich ist ihm ma für misericordia, eine 
Form, die schon in älteren Veroneser Handschriften überrascht. 

In anderen karolingischen Handschriften findet man von Kon- 
traktions-Bildungen älterer Schulen in zum Teil etwas veränderter 
Gestalt außerdem benutzt die Kürzungen für epistula, discipulus, ec- 
clesia, gloria, 2 ) misericordia, propheta, f rater, omnis, vero, quando, 
nunc, tunc, sunt, vel. 4 ) 

Als Erfindungen oder Wiederbelebungen der karolingischen 
Schreiber könnten (abgesehen von den eben erwähnten Ausgestaltungen 
älterer Formen) folgende Kontraktionen gelten: gra (= gratid), angls 
(= angelus), dilmi und ähnliche Formen (= dilectissimi), ferner 
ca (= causa), apd (== apud), pr (= post) und qct (= quod). Doch 
sind auch diese Formen wahrscheinlich schon früher im Gebrauch (viel- 
leicht zunächst der insularen Schreiber) gewesen. 



*) Vgl. Neues Archiv d. Ges. f. ältere d. Geschichtskunde XXVI 238 Anm. 3. 

2 ) Daneben gebrauchen sie die Suspension quo. 

3 ) Auch Pacificus kennt gta. 

4 ) Vgl. für alle diese Worte das Nähere in dem Verzeichnis, das auf diesen 
Abschnitt folgt (S. 252 ff.). 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 251 

Die Zeit vom 9. bis zum 12. Jahrhundert 

bringt keine Neuschöpfungen hervor. Ein kontraktiver Versuch, wie 
sct für sed, den ich erst aus dem 10. Jahrhundert belegen kann, ist 
gewiß älter. Sicher darf man dies von andern Formen behaupten; 
sucht man, so finden sich für alle etwas auffälligen Erscheinungen 
die Vorbilder bei den Insularen. In der Tat war es denn auch die 
Hauptleistung dieser nachkarolingischen Periode, aus dem Vorrat der 
älteren Schulen Brauchbares auszuwählen und sich anzueignen. 

Die Zeit vom 13. bis zum 15. Jahrhundert 

bedeutet dagegen einen erneuten Aufschwung auf dem Gebiet der 
Kürzung und auch der Kontraktion. Die Blüte der medizinischen, 
juristischen und philosophischen Studien, welche die Schaffung neuer 
Technika bedingte; die große Literatur der Briefsteller und Formel- 
bücher, die zur Kürze und Knappheit drängte; das Diktieren und 
Nachschreiben der Kollegienhefte an den neuen Universitäten; das 
Konzipieren und Exzipieren der ins Massenhafte sich steigernden 
Predigten seit der Begründung des Dominikaner-Ordens — das sind 
die Momente, die zusammenwirken, um in diesem letzten Zeitraum 
der lateinischen Paläographie einen ebenso gewaltigen wie unorgani- 
schen Haufen von allerhand alten und neuen Kurzformen aufzutürmen. 
Ein gewisser Fortschritt besteht darin, daß man mit einiger Gleich- 
mäßigkeit im Innern der Worte Buchstaben oder Silben ausläßt. 
Man schrieb etwa mone für mon(ef)e, minoem für mino(f)em, spes 
für spe(cie)s, aucte für auc(torita)te, caü für ca(s)u. Später setzte 
man die Endbuchstaben nach der Auslassung etwas über die Zeile. 
Dadurch entstehen immer Formen, die sich als Kontrakta darstellen. 
Im ganzen aber, muß man sagen, ergaben sich damals mehr neue 
Schemata und allgemeine Möglichkeiten, als einzelne festumrissene 
neue Gebilde, die sich mit denen der früheren Zeit auf gleiche Stufe 
stellen könnten. Man darf etwa spes vergleichen mit Formen wie 
epta, -e für -ere mit -rt für -runt. Dagegen schaffen z. B. die Aus- 
lassungen von r und 5 wohl eine bequeme Freiheit für das Schreiben, 
aber nicht minder eine lästige Vieldeutigkeit für das Lesen. 



252 L. Traube, 

Das folgende Verzeichnis umfaßt die Kontraktionsbildungen der 
älteren, in festen Grenzen sich haltenden Epoche. Absichtlich aus- 
gelassen sind Formen wie Icö (= lectiö), dmnca (= dominica), die 
bei spanischen Schreibern nur gelegentlich vorkommen, sonstige 
nicht recht durchgedrungene Bildungen (z. B. für euangelium), sowie 
einige anerkannte Kontraktionen aus der Zeit vom 12./ 13. Jahrhundert 
(z. B. abbs, hatus, iohes). 



Verzeichnis der vom 5. bis zum 12. Jahrhundert gebräuchlichen 

Kontraktionen. 

amen. Die Kontraktion ah ist spanisch saec. X, vgl. oben S. 247. 

angeln s. Im Würzburger Propheten-Palimpsest steht einmal ang 
(vgl. oben S. 185), in französischen und deutschen Handschriften 
saec. IX angts, was eme Suspension angt vorauszusetzen scheint 
(vgl. oben S. 250). 

anima. Über die beneventanische Kontraktion ama (saec. X), die 
dann auch ami etc. nach sich zieht, vgl. oben S. 248. 

apostolus. Alte Suspensionen sind AP. (römisch a. 533—535), und 
APOS. (römisch a. 544); daneben treffen wir in insularen, fran- 
zösischen, deutschen Handschriften saec. VIII sq. zahlreiche andere 
Formen, wie apt, apol, aposl, aposv, apostt, apsl, die zum Teil 
viel älter sein werden als ihre Handschriften. Kontraktionen: 
apstls und apsls spanisch seit saec. VII (vgl. oben S. 247), 
apostls insular saec. VIII; apois, aposts, apts (dies die karolin- 
gische Normalform, vgl. oben S. 250) seit saec. VIII — IX in fran- 
zösischen, beneventanischen und deutschen Handschriften; oft 
begegnen fünf bis sechs verschiedene Formen (Kontraktionen 
wie Suspensionen) nebeneinander. 

apud. Die Suspension ap. oder ap ist Nota iuris, sie kommt bei 
den Insularen vor, wird karolingisch apd. Vgl. oben S. 250. 

autem. Neben der Suspension ax. oder av, welche als Nota iuris 
vorkommt, ist au nachzuweisen seit saec. VII in italienischen 
Handschriften ; doch gewiß war die Form älter, da aus ihr spa- 
nisch dum (saec. VIII) hervorgegangen ist; vgl. Neues Archiv d. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 253 

Gesellsch. für ältere deutsche Geschichtskunde XXVI S. 234 ff. 
und oben S. 247. 

carus vgl. karus. 

causa. Eine Suspension c. oder c. ist Nota iuris; die Kontraktion 
cd z. B. in St. Gallen saec. VIII IX; sie bleibt äußerst selten und 
wird von Philologen gewiß nur fälschlich öfters als die Ursache 
von Textverderbnissen vorausgesetzt. Anerkannte Abkürzung 
ist cd erst seit saec. XIII. 

clerus. Die ziemlich alte Suspension ctr ist erhalten z. B. im Lu- 
censis des über pontif.; cirs ist Kontraktion für clericas italie- 
nisch saec. VIII und französisch saec. IX, dafür auch clrici und 
eis saec. IX. Vgl. oben S. 245. 

cuius und huius. Die Suspensionen cui. und hui. oder cui. und hui. 
sind Notae iuris. Unabhängig davon entstehen die Kontraktionen 
es und fts (irisch saec. VIII). Von den Suspensionen, die ihnen 
zu Grunde liegen, ist h = huius in einer insular beeinflußten 
Handschrift saec. IX erhalten. 

dia conus. Die alte Iteration dd. = diaconi in der Tradition der 
Cyprianischen Briefe (vgl. dixerunt unter dicere und dilectissimi) 
setzt die Suspension d. = diaconus voraus, daneben gibt es 
diac. im Liber pontificalis, in Konzil-Handschriften, im Archetypon 
des Fortunat und Ennodius. Die werdende Kontraktion DIAC 1 
ROMANI steht auf einer Capuaner Inschrift a. 565, dann findet 
sich oft in Konzil-Handschriften seit saec. VII diaeö = diacono etc. 
Vgl. oben S. 245. 

dicere. Alt ist die Suspension ti (oder mit andersartigem Strich) 
= dixit, det = dixerunt, beides im Gebrauch der Notare (meist 
erhalten in den Konzil-Handschriften und Acta martyrum bei 
Aufzählung von Rede und Antwort [r. und rr. = respondit und 
responderunt}); sie drang auch in die Texte ein (z. B. Münchener 
Pentateuch, Überlieferung der Orestis tragoedia, Commodian, 
Auetor de dubiis nominibus); später schrieb man dfx und dx. 
Eine andere Suspension d. = dicitur wird von den Scholiasten 
saec. VI gebraucht. 



254 L. Traube, 

dicere. Über die Kontraktionen 

dr, dir, dicr (= dicitur), 

dnr, dtur (= dicuntur), 

dr, der (= dielt), 

dm (= dieunt), 

dre (= dicere), 

des, dies (= dicens), 

dem = {dictum), 
die seit saec. VIII oder IX nachzuweisen sind, zuerst wohl bei 
den Iren, vgl. oben S. 249. 
dilectissimi fratres. Die alte Iteration rfrf. (vgl. diaconus und 
dixerunt unter dicere) z. B. im Basilicanus saec. VI des Hilarius; 
die Kontraktionen d//m, rfi/mi, dilecmi (beeinflußt von den Kurz- 
formen für karissimi) seit saec. VIII italienisch, französisch, 
deutsch. Vgl. oben S. 250. 
discipulus (der Jünger). Eine Suspension diseip ist nachzuweisen (in- 
sular saec. VIII), auch andere Formen kommen vor, z. B. diseipü. 
Die Kontraktion dscpls ist spanisch (Berlin lat. F. 327); einer 
Reihe anderer Versuche, die nicht recht durchgedrungen sind, 
begegnet man in deutschen Handschriften saec. IX: deplis, auch 
eteiplina, displis, discplfs, diseiplis (gewöhnlich ist das / durch- 
strichen). Vgl. oben S. 247 und 250 und unten S. 264 die Kür- 
zungen von saeculum, an die einzelne der für discipulus ge- 
brauchten Formen angelehnt sind. 
ecclesia. Die eigentliche Suspension ist ECCL. oder ECL. saec. VI 
römisch und gallisch, sie kommt ziemlich häufig vor und hält 
sich lange in Urkunden, Konzil-Handschriften, aber auch in 
andern Handschriften (z. B. Dialogi Gregorii c. a. 750 aus 
Bobbio); daneben gab es die Suspension eccle. (erhalten in 
Wien 2232 saec. IX). Die Kontraktion ECCLÄ (a. 687—701 
römisch) wird die Normalform (vgl. oben S. 245), aber ecclea 
ist in französischen und deutschen Handschriften saec. IX, ecclla 
in italienischen und deutschen saec. IX nicht selten; eced traf 
ich vereinzelt in einer deutschen Handschrift saec. VIII/IX. Selbst 
die afrikanische Kontraktion ECLSA (a. 582, vgl. oben S. 246) 
bricht gelegentlich wieder durch, wie in München lat. 14446 b 
saec. IX. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 255 

episcopus. Suspensionen: EP. römisch a. 252 (lange erhalten in 
der päpstlichen Kanzlei), epl italienisch saec. VI, EPIS römisch 
a. 395, EPISC. in Rom und sonst verbreitet seit saec. VI (episc 
z. B. bei Victor von Capua a. 546), EPISCOP" Filocalus c. a. 354, 
EPC. römisch a. 397, EPCP. afrikanisch, E.P. S. afrikanisch a.475, 
epsc. in der Überlieferung des Praeceptum Theoderici a. 501. 
Kontraktionen: EPS seit saec. VI italienisch und römisch, episi 
(Genetiv) französisch saec. VII, episci (Genetiv) italienisch und 
französisch saec. VII, epcs italienisch saec. VI, EPSI (Genetiv) 
afrikanisch a. 582, EPSCPS afrikanisch und spanisch saec. VI 
und in spanischen Handschriften seit saec. VIII, epscs in spani- 
schen Handschriften seit saec. VIII. Vgl. oben S. 245 und 247. 

epistula. Die Kurzformen wurden zunächst für die Überschriften der 
neutestamentlichen Briefbücher angewendet. Von Suspensionen 
finden wir saec. VI italienisch episf., desgl. epis, saec. VII 
spanisch epistt., karolingisch saec. IX epsi. Darauf bauen sich 
auf die Kontraktionen epstla und epsla (spanisch seit saec. VIII, 
vgl. oben S. 247), ferner- episia (spanisch und karolingisch 
saec. VIII/IX) und schließlich das später so allgemeine epia (vgl. 
oben S. 250), das zuerst in Italien saec. VIII/IX nachzuweisen, 
aber in eigentlich karolingischen Handschriften noch gar nicht 
so recht geläufig ist (vgl. Seeck, Symmachus p. XXXVIII). 

ergo vgl. igitur. 

esse. Die Kontraktion ee. oder ee ist Nota iuris, sie wird auch 
schon saec. VI in Scholien verwertet. Vgl. oben S. 246. Es 
gehören dazu die gleichfalls schon als Notae iuris gebrauchten 
Weiterbildungen eet (= esset) und eent (= essent), ohne die ein 
karolingischer Schreiber kaum mehr auskommt. 

filius. Es gab dafür die alte Suspension F., sie war aber unbrauchbar 
geworden, seitdem man F. für frater (im christlichen Sinne) 
verwertete. Für sakrales yc stehen die Suspensionen //. und 
fil. in dem südfranzösischen Sakramentar Rom Reg. lat. 317. 
Kontrahierte Formen (fls, Gen. flu, Acc. Plur.//as) haben nur 
die Iren. In einigen kontinentalen Handschriften entstanden 
daher Mißverständnisse: z. B. fil. ctd = filii David in München 
(Freising) lat. 6329. Vgl. oben S. 248. 



256 L.Traube, 

flagellum. Die Suspension fit hat sich nur in späteren spanischen 
Handschriften erhalten. Die Kontraktion ftm oder film (Gen. 
Plur. auch fllor) wurde in den Handschriften der spanischen 
Gesetzbücher saec. VII ausgebildet und über Spanien hinaus 
verbreitet durch Handschriften des Eugenius und Isidor; sie wurde 
auch da angewandt, wo nicht vom Ausmaß körperlicher Strafe 
die Rede ist. Vgl. oben S. 248. 

f rater. Für das Wort im kirchlichen Sinne kommt die Suspension F 
(Plur. FF; f rater karissime in der Anrede FK, Plur. dazu FFKK) 
in der Überlieferung des Cyprian, Tyconius, Hilarius und anderer 
Patres und noch in vielen Abschriften saec. VI und später vor; 
dazu gehört FFB. (= fratrlbus) französisch saec. VII. 

Die Suspension fra. ist erhalten im Sakramentar von Autun 
(Reg. lat. 317), dazu frabs italienisch saec. VII und öfters fräs 
(=fratres) deutsch saec. VIII. Andere Kontraktionen gehen von fr 
aus. Man bildete wohl zunächst Formen wie fri {fratri), frs 
(fratres), nachher auch freih, frf (Jrater) u. s. w. Im No- 
minativ auch oft fri und davon wieder Nom. Plur. frts und 
Gen. Sing. fräs. Diese Entwickelung vollzieht sich im VIII. und 
IX. Jahrhundert. Vgl. oben S. 245 und 250. 

genus. Die Kontraktion gns, gnns, Plur. giira ist spanisch saec. VIII, 
sie dringt auch ins Beneventanische ein; mißbräuchlich verwenden 
spanische und beneventanische Schreiber gns für gens und 
gentes. Vgl. oben S. 247. 

gloria. Gekürzt wurde das Wort ursprünglich nur im sakralen Sinn 
(z. B. in caeli enarrant gloriam dei), wobei die Kurzformen für 
die Titulatur gloriosissimus mitwirkten. Auf die Suspension gl. 
geht zurück gta (spanisch saec. VIII, beneventanisch, französisch, 
deutsch saec. IX, englisch und italienisch saec. X); aus der Sus- 
pension gto (sie begegnet noch bei irischen und deutschen Schrei- 
bern saec. IX) entspringt die Kontraktion gloä (beneventanisch 
saec. VIII, französisch saec. IX); aber auch sie ist vielleicht spa- 
nischen Ursprungs. Gelegentlich trifft man andere Bildungen, 
wie z. B. glra (deutsch saec. IX). Vgl. oben S. 247 und 250. 

Graeci. Die Spanier verwenden seit saec. VIII die Kontraktion grcl; 
die Iren gel, was gebildet ist wie regdiens, nigdo und also 
nicht eigentlich als Kontraktion aufgefaßt werden darf. 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 257 

gratia. Die Nota iuris gra {verbi gra) war gewiß eine Suspension. 
Später wurde die Form für christliches gratia verwandt und 
dabei als Kontraktion betrachtet. Ich finde derartige Formen in 
deutschen Handschriften saec. VIII/IX, in französischen saec. X, 
in beneventanischen saec. X/XI. Neuschöpfer waren wohl auch 
hier die Insularen (oder die Spanier?), doch fehlen mir die Bei- 
spiele. Vgl. oben S. 250. 

habere. Die Kontraktionen hx (= habet), hm (= habent), hre 
(= habere) scheinen in älterer Zeit nur in insularen Hand- 
schriften vorzukommen. Somit macht die Lesart hm im Ger- 
manensis und huc im Oxoniensis des Catull (c. 62, 13) für 
habent wahrscheinlich, daß die spanische Vorlage durch die 
Hand eines Iren gegangen ist, oder daß Oxoniensis wie Ger- 
manensis erst aus einer Abschrift des Veronensis geflossen 
sind. Vgl. oben S. 249. 

he res. Die Suspension war h. oder h und daneben für die Casus 
obliqui hd. Aber schon juristische Handschriften saec. V/VI 
gehen zur Kontraktion hs,. hdem über. Im Plural kommt be- 
sonders in Urkunden neben hdes und hds die Iteration hhdes 
vor. Nachwirkungen solcher Formen begegnen noch ziemlich 
spät, z. B. in der Überlieferung der Briefe Gregors I, vor allem 
aber in Urkunden. Vgl. oben S. 246. 

homo. Es sind sehr wahrscheinlich insulare Kalligraphen gewesen, 
die etwa im 8. Jahrhundert, vielleicht durch griechische Psal- 
terien aufmerksam geworden, folgende Entsprechung versuchten : 
avöv = höis 1 ) für hominis, ctvov = hoem, 2 ) ävöi = höes, 3 ) 
avööv = ho um. 4 ) Eine bestimmte sakrale Bedeutung des Wortes 
hatten sie dabei gewiß nicht im Auge; sie wollten eine Ab- 
kürzung schaffen und glaubten Vergessenes nachzuholen. Im 
Nominativ und Dativ des Singulars, ebenso im Dativus Pluralis 
gerieten sie ins Schwanken; gerade dies spricht deutlich für die 
Nachahmung. Es wurde homo zu ho, z. B. im Boethius Leiden 



*) Turin F. IV 1 (VII) saec. IX irisch, Bern C 219 fol. 2 welsch. 
*) Bern C 219; auch in München lat. 15826, aus Salzburg mit cassinesischem 
Einschlag. 

3 ) Laon 55 Vorsatzblatt, irisch saec. IX. 

4 ) Johannes Scottus am Rand von Reims 875. 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 17 



258 L. Traube, 

Voss. lat. Q. 2 (welsch) und Bern C 219, Mediceus der Briefe 
Ciceros saec. IX/X (aus der insularen Vorlage übernommen), 
Paris lat. 12949 (Schule des Heirich), Boulogne 82 (insular), 
Paris lat. 7900 A (mit insularem Einschlag), im Propheten-Codex 
von Grottaferrata (am Rand von der italienischen Hand, die 
saec. X den Isaias schrieb), in München lat. 15826 und Stutt- 
gart Landesbibl. bibl. 4° Nr. 12 (beide Handschriften zeigen die- 
selbe Art; vgl. oben S. 257 Anm. 2 über die erste); zu h° in 
Paris lat. 12949; zu h°m° ebenda; hom° schreibt z. B. später 
Ademar von Chabannes; fimo fand ich in München lat. 6267, einem 
Augustinus de civ. dei, und zwar in den Partien, die den St. Galler 
Typus der zweiten Stufe zeigen. Homini ist hol im erwähnten 
Leidener Boethius und im Book of Mulling, hömi im insularen 
Augustin Vatic. lat. 491 saec. VIII. Dort steht auch hörn für 
hominem und homs für homines; dafür steht höns im älteren 
irischen Teil von Neapel IV. A. 8; später schrieb man höies. 
Für den Dativ des Plurals hat höib; und homib; der erwähnte 
Salzburger Codex, München lat. 15826. Die erste dieser Formen 
geht in allgemeineren Gebrauch über. 

hui us vgl. cuius. 

hunc. Die Kontraktion hnc ist insular; ich fand sie bei Iren 
saec. VIII. 

id est. Die Suspension I. E. gehört ältester Zeit (saec. II) an, sie er- 
hält sich im Gebrauch der Juristen {T7e., ie.), auch in dem der 
insularen Schreiber, die aber eine wohl gleichfalls alte Sus- 
pension . I . vorziehen, aus der, unter Hinzufügung des insularen 
Zeichens für est, früh schon k- oder Ähnliches wurde. Daneben 
gab es die Suspension ii italienisch saec. VI und auf christ- 
lichen spanischen Inschriften IB (in späteren spanischen Hand- 
schriften ist). Hierzu gehören die spanischen Kontraktionen 
idsi und idi, erstere nachzuweisen seit saec. VIII. Vgl. oben 
S. 247. 

igitur. Suspensiv ist die Nota iuris ig. oder ig.; die insularen 
Schreiber erkannten ig an, schrieben aber oft ig (/ und g mit 
einem fast senkrechten Strich darüber) und deuteten dies als 
igiy schrieben dann wirklich ig (i und g mit einem i darüber) und 
schließlich vereinfachend g. Analog und von igitur beeinflußt 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 259 

ist die Entwickelung der Kürzung von ergo. Nota iuris war 
eg (erhalten im Palimpsest von Autun); diese Form setzten die 
Insularen fort neben er und efg; daraus wurde dann eg {e und 
g mit einem o darüber) in dem beneventanischen Virgil Oxford 
Can. lat. 50 und schließlich g. Die Formen g und g sind 
bei insularen Schreibern schon ganz eingebürgert saec. VIII, 
in die kontinentalen Schulen ziehen sie erst allmählich ein. Die 
Kontraktion igr saec. IX hat vielleicht erst Johannes Scottus, 
der irische Philosoph, gewagt. Vgl. oben S. 248. 

karissime. Suspension war K (Plur. KK, vgl. oben S. 256 unter 
frater), auch ka, wofür wir ein altes merkwürdiges Zeugnis 
haben bei Velius Longus (Gramm, lat. ed. Keil VII 53): qui 
illam esse litteram defendunt (sc. k), necessariam putant esse 
nominibus quae cum 'a' sequente haue litteram inchoant; unde 
etiam religiosi quidam epistalis subscribant 'karissime' per 
'k' et 'a'. Der Verfasser denkt an Briefschlüsse, wie opto te 
frater carissime bene valere bei Cyprian. Darnach ist seine 
Zeit zu bestimmen. Kontrahierend schrieb man kme, welche 
Form oben S. 245 vermutungsweise als italienisch saec. VI an- 
gesprochen wurde. Sie findet sich zuerst im Breviar von Leon. 
Italienischer Ursprung ist aber wahrscheinlich wegen der späteren 
allgemeinen Verbreitung dieser Form, neben der krme und frs 
cai (= fratres carissimi, vgl. oben über die Suspension ka) 
ganz selten sind. Die eigentlich spanische Form krsmi zeigt 
uns der Cavensis der Evangelien. 

mens. Die Kontraktion ms hat zum Vorbild der Gestalt nach deus, 
dem Inhalt nach noster; sie findet sich italienisch saec. VII/VIII, 
insular und französisch saec. VIII, spanisch saec. IX, beneventa- 
nisch saec. X. Sie könnte gleichzeitig an mehreren Stellen auf- 
gekommen sein; wahrscheinlicher ist mir wegen des in Spanien 
sehr verbreiteten Gebrauches spanische Herkunft. Vgl. oben 
S. 247. 

misericordia. Von den Kontraktionen folgen sich chronologisch mia 

beneventanisch saec. VIII, misdia und midia französisch saec. VIII, 

msredia oder msreda spanisch saec. IX, mseda oder msda 

spanisch saec. X. Diese auf Grund unseres Materiales gegebene 

Chronologie entspricht schwerlich den wirklichen Verhältnissen. 

17* 



260 L. Traube, 

Vgl. oben S. 247 und 248. Nur mia erfreute sich schließlich 
allgemeiner Anerkennung. Außer den oben verzeichneten 
Formen kommen noch einige andere vor. Über Veroneser ma 
vgl. oben S. 250. 
nomen. Suspensionen: . N. in Formelhandschriften etc. = nomine; 
in xpi h Lyon saec. VII; daneben IN XPI NO Lyon a. 626; 
in xpi norh Lyon saec. VII; in xpi nm Lyon saec. VII. Die 
Kontraktion dazu hat zwei Typen: einen insularen von no ab- 
geleiteten; nb selbst bleibt dazu als Nominativ im Gebrauch; Abi. 
nöe, Plur. noä; dieser insulare Typus findet sich seit saec. VII/VIII. 
Genetiv dazu wird nöms von der Suspension nöm. Der andere 
Typus ist spanisch: IN NME DNI a. 691; Pluf. nmä; Nominativ 
Sing, rimh und nmeh. Der gleichfalls spanisch anmutende Ab- 
lativ nmne kann mit einer Veroneser Handschrift saec. VI ex. be- 
legt werden, die vor der Zeit des spanischen Einflusses ent- 
standen ist. Vgl. oben S. 247. 

numerus. Der Philosoph Johannes Scottus (saec. IX) gebraucht 
und bildet vielleicht zuerst nub = numero und nuos = nu- 
merus. Vgl. oben S. 249. 

nunc und tunc. Für die Notae iuris 

c c 

N und % 
wurden die regelrechteren Kontraktionen nc und tc wohl durch 
die insularen Schreiber saec. IX eingeführt. Vgl. oben S. 248. 

omnipotens. Es gibt zahlreiche Suspensionen: omp italienisch 
saec. VI, OMNP römisch a. 741/42, ommp italienisch saec. VI, 
ompi italienisch saec. VIII/IX, ompöi Lucca c. a. 800, omnipö 
insular saec. IX. Von den dazu gehörigen Kontraktionen ist die 
später geläufigste Form omps nachzuweisen erst bei Italienern 
saec. VII; da aber gleichzeitig auch insulare Schreiber so kürzen, 
wird man auf saec. VI zurückgehen müssen. Sicher saec. VI 
ist italienisch omnips; spanisch saec. VIII omnps. Weniger be- 
deutende Nebenformen werden hier, wie auch sonst gewöhnlich, 
übergangen. Vgl. oben S. 245. 

omnis. Die Suspension om. oder om kommt unendlich oft bis ins 
9. Jahrhundert hinein vor (wie natürlich, für alle Kasus und 
Genera). Sie muß alt sein, wofür auch die Nota iuris omb = 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 261 

omnibus spricht; omh ist daneben selten. Die zu om. gehörige 
Kontraktion verhilft zu folgender in den karolingischen Schulen 
des vorgeschrittenen 9. Jahrhunderts überall anerkannter De- 
klination: omis, omi, omem, oms (= omnes), omurh oder orhu, 
omibus oder ornb; (vgl. oben), oma oder omiä. Die Formen 
oms und oma sind italienisch saec. VI (vgl. oben S. 246), die 
andern saec. VII und VIII; oms wurde manchmal mißbräuchlich 
für omnis gesetzt, aber gewöhnlich von späteren Schreibern 
verbessert. Für omibus etc. steht saec. VIII italienisch omb 
nach alter Sitte; auch gleichzeitige Iren in Italien schreiben so; 
omiä findet sich bei Insularen schon saec. VIII/IX; sonst scheint 
es erst saec. X italienisch, besonders beneventanisch. Die Spa- 
nier haben in älterer Zeit gewöhnlich homls, homi, Plur. horhs 
etc., aber auch homris (vgl. oben S. 247). Zu letzterer Form 
paßt der insulare Genetiv omnm saec. VIII. Ein anderer Typus 
ist: ois, oi, oe, oes oder os, oiüm, oib; , dta und oä. Er ist 
insular seit saec. VIII (vgl. oben S. 249) und beneventanisch 
seit saec. XI. Doch fand ich os und oia nur in beneventanischen 
Handschriften. Die Formen onis etc. stellen keinen eigentlichen 
Typus dar; sie sind einfach durch den m-Strich gewonnen. 

pater. Eine Suspension pa kommt im Sakramentar von Autun (Rom 

Reg. lat. 317) vor. Kontraktionen werden versucht, die sich in 

früherer Zeit aber nicht durchsetzen: Genetiv pis Luxeuil a. 669; 

pr insular saec. IX; pfr spanisch saec. XI. Vgl. oben S. 248 

und 247. 
peccatum. Die Suspension peccä ist insular saec. VIII; in derselben 

Handschrift (Vatic. lat. 491) steht daneben die Kontraktion 

peccam (= peccatum); vgl. oben S. 248. Beneventanisch 

saec. XI scheint pecctm zu sein. 
populus. Von den Kontraktionen scheint ppts spanisch (saec. IX), 

popis beneventanisch (saec. XI), pts insular (saec. IX) zu sein. 

Feststehend ist in karolingischen Handschriften noch keine 

dieser Formen. Vgl. oben S. 247 und 248. 

post. In alten juristischen Handschriften mit Abkürzungen ist p 3 
sowohl pos (z. B. p'sessor) als post. Für post steht p 3 oft in 
karolingischen Handschriften; durch insulare Tradition kamen 



262 L- Traube, 

bisweilen kleine Nuancen (wie/?;) auf; besonders beliebt wurde 
bei den Insularen (seit saec. VIII) p (wobei der Halbkreis sich 
zum Kreis geschlossen hat) ; eine andere häufige insulare Schrei- 
bung p führte zu der kontraktiven Form p%. Vgl. oben S. 250. 
Man muß in Betracht ziehen, daß hier überall die Kurzform 
für post von den Kurzformen für per und prae unterschieden 
werden sollte. 

presbyter. Als Suspensionen kommen vor PRESB., PRB., PR., 
PB. (a. 555); dazu Bildungen der Mehrheit PRESBBB. (= pres- 
byteri tres), pprrbb (in Handschriften der Konzilien), pprf, 
ppbby pfr (in Handschriften des Cyprian), daneben zahlreiche 
andere Formen, wie presbi, presb, prsb, prebi, prbr, preb, psb 
und die seltsamen Mißgebilde prbsr, prbs und pbn. Zu prb. 
und pb. gehören als Kontraktionen prbr und pbr. Der Dativ 
pbo ist schon saec. VI/ VII in Italien und Frankreich nach- 
zuweisen; doch trifft man auf großes Schwanken noch saec. VII 
z. B. in Berlin Phill. 1745, einer Halb-Unciale aus Lyon. Spa- 
nische Schöpfungen sind pfsr saec. VII/VIII, prsbr saec. X. Vgl. 
oben S. 245 und 247. 

propheta. Von Suspensionen kommen vor propfii spanisch saec. VIII, 
proph (oder pro/) saec. VIII vielleicht auch ursprünglich spanisch. 
Kontraktionen sind prphxa und prfa spanisch saec. VIII, prop%a 
italienisch und deutsch saec. IX. 

propter. Nota iuris und im Gebrauch gewöhnlicher italienischer 
Schreiber saec. VI ex. ist die Suspension pp\ sie wird sehr viel 
später noch überall gefunden (auch in dieser Form: gg)\ andere 
Suspensionen waren ppr italienisch saec. VIII und pröp fran- 
zösisch saec. VIII, insular j?p saec. VIII. Über die spanischen 
Kontraktionen ppr und pptr (saec. IX) vgl. oben S. 247. 

quaesumus. Wir können die Kurzform qs (= quaesumus) seit 
saec. VII/VIII nachweisen. Sie ging von den Sakramentarien aus, 
die mit der alten Wortform 1 ) vielleicht auch eine alte Kürzung 



J ) Sittl in den Commentationes Woelfflinianae, Leipzig 1891, S. 403, ver- 
gleicht sehr gut das 'quaesumus der christlichen Liturgie mit der altheidnischen 
Formel deos quaeso'. Nur hätte er deos quaesumus sagen sollen, vgl. Cic. Epp. XI 3, 4 
(ed. Mendelssohn p. 282, 32). 



Nomina sacra. IV. Nomina sacra im Lateinischen. 263 

bewahrten. Zwar nicht qs im Bruxellensis saec. IX des Ennodius, 
aber die Fehler der Überlieferung für quaesumus in den Briefen 
Gregors I (vgl. Hartmanns Ausgabe II 374 g und 424 d) könnten 
dafür sprechen. In diesem Fall wäre qs eher als Suspension = 
q(uae)s(umus), denn als Kontraktion = q(uaesumu)s zu be- 
trachten. In jedem Fall aber hatte ich Unrecht und kann meinen 
Fehler nur mit einer argen Zerstreutheit entschuldigen, wenn 
ich in der Berliner Philol. Wochenschrift 1902 S. 727 dem Lexicon 
abbreviaturarum von Cappelli den Vorwurf gemacht habe, qs 
fälschlich mit quaesumus, statt, wie ich schrieb, vor allem mit 
quaeso aufzulösen. 

quando. Die Suspension qh (die in karolingischen Handschriften 
meist quoniam vertritt) steht (wie Versmaß und z. B. Verbin- 
dungen, wie aliqn, zeigen) seit saec. VIII auch für quando; 
daneben begegnet seit derselben Zeit auch die Suspension qn<$. 
Die Kontraktion quo ist seit saec. VIII nachzuweisen; qndo desgl.; 
qdo dagegen kommt schon in juristischen Handschriften saec. VI 
und vielleicht früher vor. Vgl. oben S. 246. Alle diese Formen 
fanden besonders den Beifall der insularen Kalligraphen. 

quasi. Es begegnet als Nota iuris (im Wiener Fragment De for- 
mula Fabiana und im Straßburger Ulpian) die Suspension qs; die 
Kontraktion qsi tritt zuerst bei insularen Schreibern saec. VIII auf. 

quia und quod. In den alten juristischen Handschriften soll unter- 
schieden werden zwischen q (= quam), q (= quod), qc 
(= quia). Die beiden ersten Zeichen werden aber oft ver- 
mengt. Als die Kontraktion aufkam, schrieb man qa für qc. 
Im Veroneser Gaius herrscht am Anfang qc, am Schluß qa. 
Vgl. oben S. 246. Beide Formen haben sich erhalten, doch ist 
die zweite selten geworden und oft erst aus Korruptelen zu 
erschließen. Auch q (= quod) erhält sich, ist aber öfters 
für quia gebraucht. Öfters wird aber auch q (== quia) und q> 
(== quod) oder in ähnlicher Weise differenziert. Kontraktionen 
für quod werden qd (oder qd) und qud, beide seit saec. VIII 
verbreitet. Die von qd; (= quod) geschiedene Form qd (= quid) 
hängt mit dieser Entwickelung nicht zusammen, sondern ist aus 
der Suspension g = qui weitergebildet. 



264 L. Traube, 

quid vgl. quid. 

quod vgl. quia. 

quo modo. Es ist wenigstens nicht ausgeschlossen, daß quo (was 
gewöhnlich quoniam bedeutet) gelegentlich suspensiv auch 
quomodo vertrat. Alt ist es nicht. Kontraktion wohl eher als 
Suspension ist das seit saec. VIII besonders von den Insularen 
verwandte qmö, neben dem quomo nur ganz selten vorkommt. 

quoniam. Von den Suspensionen kommt am frühesten qh vor (als 
Nota iuris im Berliner Papinian), quo ist erst seit saec. VIII 
nachzuweisen, aber, wie die Kontraktion quom zeigt, ersichtlich 
älter. Von Kontraktionen ist am frühesten nachzuweisen qnm 
(in Verona saec. VI ex., besonders beliebt in Spanien und dem 
dort herrschenden Bildungsgesetz entsprechend); zu quo gehört 
quom (saec. VIII). Anders gewonnene Kontraktionen sind qm 
und qum (seit saec. VII). Der Häufigkeit nach folgen sich etwa: 
qm, qnm, quo, qh, qum, quom. Von Raritäten, wie qoth und 
qunm, wird hier abgesehen. Vgl. oben S. 246, 247 und 250. 

quot. Die Kontraktion l[i ist wohl insulare Erfindung; man trifft 
sie aber schon saec. IX bei den Beneventanern. 

reverentissimus. Über die Kontraktion reus (in der Halb-Unciale 
Verona LIII saec. VI ex.) vgl. oben S. 245 und 243. 

-runt. Die bekannte schon in alten juristischen Handschriften häufige 
Suspension r (z. B. uider = viderunt) wird, wohl unter der 
Hand insularer Schreiber (saec. VIII), zur Kontraktion (z. B. 
ulden = viderunt). Vgl. oben S. 248. 

saeculum. Von Suspensionen liest man SEC. und SCL. (auf einer 
Mailänder christlichen Inschrift), daneben saecut, saecü, sae 
(die beiden letzten Formen neben sei in insularen Handschriften). 
Die Kontraktion SCLO steht auf einer spanischen Inschrift und 
sclrh etc., das früh schon in spanischen Handschriften vor- 
kommt (vgl. oben S. 247), wird die karolingische Normalform. 
Andere Versuche, wie slm und saclfn (schon im insularen Ge- 
brauch saec. VII/VIII), erhalten sich daneben auch noch in 
frühen karolingischen Handschriften. 

seeundum. Für seeundum (in der Bedeutung von iuxtd) setzten 
die insularen Schreiber die Suspension r ; aus derselben Schule 



Nomina sacra. IV. Nomina sa.cra im Lateinischen. 265 

ging die Kontraktion sm hervor (irisch saec. VIII) und darnach auch 
entsprechende kontraktive Formen wie sa = secunda. Es gab 
aber auch für secundum Suspensionen, wie scfi, sec, secfi, sect, und 
dazu wieder die Kontraktion scdm. Darnach wieder wurde ge- 
bildet sctfs, sccta u. s. w., Formen, die sich überallhin ver- 
breiteten, vielleicht aber von Spanien ihren Ausgang nahmen. 
Vgl. oben S. 247 und 249. 

sed. Nota iuris war dafür S' und ft; die Insularen schrieben 
(saec. VIII), um diese Suspension von der für secundum ab- 
zuheben, vielmehr .f. oder f. Eine Kontraktion sä habe ich 
erst saec. X/XI gefunden. Vgl. oben S. 251. 

sicut. Insulare Schreibungen seit saec. VIII waren 

s und s, 

eine deutsche saec. VIII sie. Die Kontraktion sei ist spanisch 

(saec. XI), sici beneventanisch (saec. XI). Vgl. oben S. 247. 
sunt. Die suspensive Nota iuris s. oder s bleibt lange erhalten; die 

dazu gehörige Kontraktion st taucht zuerst saec. VIII im Gebrauch 

der Insularen auf. Vgl. oben S. 248. 
super. Die insularen Schreiber (saec. VIII oder IX) bildeten die 

Kontraktion sr. Vgl. oben S. 249. 

supra scriptus. Die alte Suspension S. S. bleibt immer als ss er- 
halten; aber vom 6. Jahrhundert an werden daneben Kontrak- 
tionen versucht (Gen. Sing, und Nom. Plur. z. B. ssi, ssti, sspti), 
die zu vielen Mißdeutungen verleiten (z. B. sacrosanetus, sese 
oder dergl.; in der Überlieferung des Liber Pontificalis hat 
a sspto uiro ergeben: ad sanetissimum Petrum). 

tarnen und tantum. Notae iuris waren die Suspensionen tm. oder 
tfh = t(a)m{en) und tt. oder ü = t{an)t(um). Die Insularen, 
wie es scheint, schufen die Kontraktionen tn = t{ame)n und 
tm = t(antu)m, was viele Verwirrungen brachte, denn die Sus- 
pension für tarnen fiel mit der Kontraktion für tantum zusammen. 
Auf Grund der alten Suspensionen entstanden noch tmn = tarnen 
bei den Spaniern (saec. VII), ttm = tantum bei den Insularen 
(saec. VIII); bei diesen kommt aber auch noch tnm = tantum 
hinzu, was sie vielleicht erfanden, um der Verwirrung zu steuern. 
Vgl. oben S. 247 und 248. 



266 L. Traube, 

tantum vgl. tarnen. 

tempore. Die Suspension temp. ist Nota iuris; tempr., tpr. y tepr. 
sind überall verbreitet seit saec. VIII. Dazu gehören als Kontrak- 
tion außer spanischem tpöfe (vgl. oben S. 247) noch karolingisches 
tempre (saec. IX) und beneventanisches tpe (saec. IX, vgl. oben 
S. 248). Veranlassung zum Fortgebrauch und zur Ausgestaltung 
gaben die Lektionarien (in Mo tempore). Natürlich bildete man 
schon ziemlich früh auch Nominative zu den Ablativen. 

trans. Nota iuris war die Suspension TB; kontrahiert wurde von 
den insularen Schreibern ts (saec. IX). 

tunc vgl. nunc. 

ut und vel. Die Nota iuris u. oder ü bedeutete beide Wörter (daher 
kann auch wieder uü für velut stehen); sie erhielt sich für vel. 
Für ut schufen die Insularen v, die Spanier verwandten die 
Ligatur it. Für vel setzten die Insularen ganz originell und 
einzigartig t (ein / mit einem Strich durch den Balken), die 
Spanier (wenn sie es waren, die damit vorausgingen) ut. Vgl. 
oben S. 247 und 248. 

vel vgl. ut. 

vero. Die Nota iuris war u, daneben schrieben die Italiener aber 

auch üö (vgl. oben S. 246). Die Insularen und Spanier setzten 

das ältere u fort, die Insularen auch v (vgl. oben unter ut). 

Die Kontinentalen hielten sich lieber an üö und übernahmen 

u vielleicht erst von den Insularen. 



V. NOMINA SACRA IM KOPTISCHEN, 
GOTISCHEN UND ARMENISCHEN. 



Vorbemerkung. 

Die Übernahme der griechischen Nomina sacra ins Lateinische 
vollzog sich nicht ohne Schwierigkeit. Das völlig ausgebildete latei- 
nische Schriftwesen setzte stellenweis den neuen christlichen kon- 
traktiven Formen die aus eigner Kraft gebildeten suspensiven ent- 
gegen. Anders gestaltete sich der Übergang da, wo für das christ- 
liche Schrifttum zugleich eine im wesentlichen neue Schrift erst 
geschaffen wurde. Es war dabei nur natürlich, daß die Kurzformen 
der Nomina sacra als ein integrierender Bestandteil des Vorbildes 
betrachtet und so treu wie möglich wiedergegeben wurden. Das 
schloß neue und eigne Überlegungen nicht aus. 

1. Koptische Nomina sacra. 

Die Eigenheiten der koptischen Paläographie dürfen wir als im 
3. Jahrhundert n. Chr. entstanden und mit der Entwickelung einer 
nationalen christlich-ägyptischen Literatur verknüpft denken. Von 
den vorhandenen Handschriften — durch die fortgesetzten Funde und 
Grabungen treten beständig neue ans Licht — reichen die ältesten 
ins 4. Jahrhundert zurück. Von da an bis etwa zum 6. Jahrhundert 
und gelegentlich auch später mag zwischen koptischer und ägyp- 
tisch-griechischer Art noch ein gewisser Ausgleich stattgefunden haben. 
Immerhin gibt uns gerade die Beschaffenheit der Kurzformen ein 
Anrecht, die nachträglichen Einflüsse der griechischen Schreiber auf 
die koptischen für gering zu erachten gegenüber der früh erfolgten 
unmittelbaren Übernahme. 

Es gibt einen ziemlich festen Bestand anerkannter Kurzformen, 
in dem die ältesten und die jüngsten koptischen Handschriften 



270 L. Traube, 

übereinstimmen. Es gibt vor allem eine ganze Anzahl griechischer 
Kurzformen, die in koptischen Schriftwerken durchaus fehlen. Da die- 
selben Formen nun auch, wie wir (oben S. 43) festgestellt haben, in 
einigen der älteren griechischen Bibelhandschriften nicht oder selten 
vorkommen, so fällt eben der Ausgangspunkt koptischer Schreibeigen- 
tümlichkeiten in den früher bestimmten älteren griechischen Kreis 
hinein. 

Es fehlen im Koptischen die Kurzformen für TtatrJQ, ovgavog, 
ävßgcoTiog, 1 ) vlog, 2 ) fXTJrrjQ. 

Für C£ÖT (von oravgög, vgl. oben S. 119) und ClUP finden 
sich Beispiele schon im Codex Askewianus der Pistis Sophia saec. V 3 ); 
doch mögen diese Wörter und Wortbilder zu den älteren koptischen 
Gebilden erst durch die oben berührten Nachschübe hinzugekommen 
sein; denn die betreffenden griechischen Kurzformen sind gewiß die 
jüngsten ihrer Art. 

Sicher alt ist im Koptischen die Kurzform für Gott: statt GC, 
das nur selten, wie es scheint, übernommen wurde, setzte man 
<j>«F (= 4>H0TT, Gott). )<C, das als koptische Kurzform gleichfalls 



v i Das in Oberägypten geschriebene griechische Kirchengebet saec. X (Zeit- 
schrift für ägyptische Sprache XL, 1903, 1 ff.) weist Formen auf, wie nsoov und 

71SQV (= JiaTSQOiv), 31QS, JUXQS ', OVVÜiV, OVVICOV ', fernen 

d__ i? 

avcov, cpikvg {= (piläv&Qcojiog). 
Es müssen dabei nicht nur griechische Worte und Laute, sondern auch Erinnerungen 
an bestimmte geschriebene Wortbilder vorgeschwebt haben. Vgl. unten über vlög 
und ocorr/g. 

2 ) I1TC fand Weyh einige Male in der jungen Liederhandschrift auf Papier 
P. Berl. 9287 (= Ägyptische Urkunden aus den Museen zu Berlin, Koptische Ur- 
kunden 132). Ferner: GH OHOU3LTI TOT IIPOOC (für SPÖC, vgl. oben S. 97 
Anm. 3) TOT TIT TOT OtYIOT IlHC in einer koptischen Bauurkunde auf 
Stein vom Jahre 753, vgl. Zeitschr. für ägypt. Sprache XL (1903) S. 64. 

3 ) CHP kommt in der eben in Anm. 2 erwähnten jüngeren Berliner 
Handschrift vor; CP führt L. Stern, Koptische Grammatik, Leipzig 1880, S. 11 an. 
CHPI&JK für ooiTrjQiav, aber auch fälschlich dafür CHP^H, steht öfters in dem 
erwähnten griechischen Gebet aus der Feder eines oberägyptischen Schreibers. 



Nomina sacra. V. Nomina sacra im Koptischen, Gotischen und Armenischen. 271 

wohl nur selten vorkommt, 1 ) zog XC (oberägyptisch XOeiC, Herr) 2 ) 
und später GC (unterägyptisch 6TUIC)3) nach sich. 

Ebenso alt und häufig ist IIH3L; das dazu gehörige Adjektiv 
schwankt zwischen 'fifilKOC und llH^TIKOC. 

Sicher alt sind ferner im Koptischen die Kurzformen IHC oder 
IC, XPC oder XC>) IHC und XPC könnten wieder das Alter der 
koptischen Bildungen anzeigen. 5 ) 

^;XA kommt in jüngeren Handschriften vor, einen Beleg aus 
älteren habe ich nicht. Die mannigfachen Kurzschreibungen für 
Israel und Jerusalem, die wie im Griechischen nebeneinander be- 
stehen, dürften sicher alt sein. 

Für Jerusalem (vgl. oben S. 110 ff.) begegnet am häufigsten 
I\HH; Rahlfs 6 ) weist daneben nach: IPäJI, IHU, IMI, ICÜ, ICXHU, 
IHXHII, dazu kommt noch IGMI in der oben erwähnten Berliner 
Handschrift. Für Israel (vgl. oben S. 105 ff.) begegnet am häufigsten 
in alten Handschriften IHX, daneben in jüngeren IC\, ICPJV und 
ICHX. 



2. Gotische Nomina sacra. 

Die wenigen gotischen Handschriften, die auf uns gekommen 
sind, gehören durchweg dem 6. Jahrhundert an. 7 ) Sie haben alle 
nicht nur einst in oberitalienischen Bibliotheken gelegen, 8 ) sondern sind 



J ) In einer Verfluchung steht beispielsweise KC, Zeitschrift für ägyptische 
Sprache XXXIV (1896) 86,13; die ganze Formel ist aber griechisch. 

2 ) So öfters in den von Schmidt herausgegebenen Petrusakten, Texte und 
Untersuchungen IX (1903) S. 2 und 6. 

*) Vgl. Stern, Zeitschrift für ägyptische Sprache XXIII (1885) 30. 

4 ) Die beiden Doppelformen kommen oft in denselben Handschriften neben- 
einander vor. 

5 ) Vgl. oben S. 114 ff. 

6 ) Die Berliner Handschrift des sahidischen Psalters, Berlin 1901, S. 18 
Anm. 1 (= Abhandlungen der Ges. der Wiss. zu Göttingen, philol.-hist. Kl., N.F. IV 4). 

7 ) Das Alter des Carolinus kann man ganz gut nach der Schrift und den 
Abkürzungen {diu rii und scatn, vgl. Tischendorf, Anecdota sacra et profana p. 155) der 
beigegebenen lateinischen Übersetzung abschätzen. Zusammenhang und Ähnlichkeit 
des Argenteus mit dem lateinischen Purpureus in Brescia führt auf dieselbe Zeit; 
vgl. Kauffmann, Zeitschrift für deutsche Philologie XXXII (1900) 305. 

8 ) Über den Argenteus vgl. die vorige Anmerkung. Über den Carolinus vgl. 
Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde XXIX (1904) 567. 



272 L- Traube, 

auch aller Wahrscheinlichkeit nach die Erzeugnisse derselben oberitalieni- 
schen Schreibschule. Dennoch kann kein Zweifel bestehen, daß sie 
eine ältere bis in die Mitte des 4. Jahrhunderts zurückreichende 
Tradition mit aller möglichen Treue wiedergeben und daß im wesent- 
lichen Wulfila selbst die Feinheiten ersonnen hat, mit denen in ihnen 
die Nomina sacra behandelt werden. 

Kurz geschrieben werden in den gotischen Handschriften die 
Worte für: Gott, Herr, Jesus, Christus. 1 ) Wenn der heilige 
Geist in dieser Reihe fehlt, so kann Wulfila eine Kurzform für ihn 
einzuführen seinem Arianismus gemäß gemieden haben. Möglich 
bleibt aber immerhin, daß er ein Vorbild dafür im Griechischen nicht 
antraf. Gewiß scheint mir diese Annahme für die übrigen im Goti- 
schen niemals kontrahierten Nomina sacra. Sie lassen als Vorlage 
des Wulfila eine Handschrift voraussetzen, die, was das Paläographische 
betrifft, auf der Stufe des Neuen Testamentes im Vaticanus gr. 1209 (B) 
stand (vgl. oben S. 43 und 66 f.). 

Daß der Gote die Nomina sacra nicht nach einer lateinischen, 
sondern nach einer griechischen Handschrift formte, ist zweifellos. 
Zuletzt hat über die ganze Frage G. A. Hench sehr befriedigende 
Betrachtungen angestellt. 2 ) Aber das Hauptergebnis, zu dem er ge- 
langt, kann ich vom paläographischen Standpunkt doch nicht gut 
heißen. 

Es entsprechen sich im Gotischen und Griechischen folgende 
Formen: 

Gb = ec, gB = ey, gT>a = ocö, gF = erT. 



Seine Herkunft aus Bobbio und sein Zusammenhang mit Vat. lat. 5763 scheint mir 
gewiß. Er und die Ambrosiani A (= Mailand S. 36 s. + Turin F. IV. 1 n. X), 
B (= S. 45 s.), C (= I. 61 s.), D (= G. 82 s.) und die Handschrift der Skeireins 
(Vat. lat. 5750 -\- Ambros. E. 147 s.) sind in Bobbio auch reskribiert worden von 
Händen, die sich teils irischer Schrift, teils der dort gleichzeitig gepflegten ober- 
italienischen Kursive bedienen. 

*) Es versteht sich von selbst, daß es auch im Gotischen die Absicht war, 
Kurzformen nur da anzuwenden, wo diese Worte die sakrale Bedeutung hatten. 
Diese Absicht ist im allgemeinen recht treu durchgeführt worden, vgl. Gabelentz 
und Loebe, Ulfilas III, 88; 208; 112,20 und Hench im unten zitierten Aufsatz 
S. 562. 

2 ) Paul und Braune, Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache XXI 
(1896) 562 ff. 



Nomina sacra. V. Nomina sacra im Koptischen, Gotischen und Armenischen. 273 



FA (frauja) = KC, FINS (fraujins) = )<y, FIN (fraujin) = KCD, 

FN (fraujan) = )<N. 
IS (Iesus) = lc, IUlS (Iesuis) = \Y, IÜÄ (Iesua) = Ty, IU (Iesu) 

= IN. 



XS (Christus) == XC, XAUSj(Christaus) = xy, XAU (Christau) 
XÜJ, XU (Christu) = XN. 



Für FN kommt in allen Handschriften auch FAN vor; statt IS 
und XS hat der Ambrosianus B IUS und XUS. 

Diese Doppelformen beweisen, daß eine kleine Entwicklung 
innerhalb der gotischen Paläographie sich vollzogen hat, die vor den 
auf uns gekommenen Niederschriften liegt. Wir verstehen aber sofort 
den Anlaß des Schwankens, und dieses selbst scheint uns fast selbst- 
verständlich. Für Formen wie IUS brauchen wir nicht erst das Latei- 
nische heranzuziehen. 1 ) Auf FAN hat der Dativ FIN gewirkt. 

Im allgemeinen war das gotische Prinzip, das ganze Wort wie 
im Griechischen durch den ersten und letzten Buchstaben auszu- 
drücken. Es war durchzusetzen nur in den Nominativen und Akku- 
sativen. Wäre man auf demselben Weg fortgeschritten, so hätten bei 
frauja Dativ und Akkusativ, bei Iesus und Christus Genetiv und 
Nominativ, bei Christus ferner Dativ und Akkusativ zusammenfallen 
müssen. So kam man bei diesen drei Wörtern zu mehrbuchstabigen 
Endungen: die Genetive wurden durch die letzten drei, die Dative 
durch die letzten zwei Buchstaben bezeichnet. Das alles scheint ganz 
regelmäßig. Nur kann man fragen, weswegen man nicht mit drei- 
buchstabigen Gebilden (fns, fin; Tis, Tüä; xus, xau) auszukommen 
glaubte. Daraufscheint es nur eine Antwort zu geben: der Genetiv 
XUS wäre mit dem Nominativ XUS zusammengefallen, der sich in- 
zwischen mißbräuchlich eingestellt hatte. 

Wenden wir uns nunmehr den Kurzformen für Gott zu, die 
bisher absichtlich nicht herangezogen wurden, so gewinnt die eben 
ausgesprochene Hypothese an Wahrscheinlichkeit. Denn, sobald man 
die dreibuchstabigen Gebilde für Gott hinzunimmt, scheinen 



x ) Vgl. oben S. 89, 92, 114 ff., 117, 119, 147, 160, 165. Hier sei beiläufig bemerkt, 
daß die lateinischen Elemente der uns vorliegenden gotischen Alphabete in keiner Weise 
den Einfluß des nach Wulfila liegenden Übergangs von der lateinischen Unciale 
zur lateinischen Halb-Unciale zeigen. 

Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA. II. 18 



274 L. Traube, 

die ursprünglichen Deklinationen nur diese gewesen sein zu 
können: 

gp g\ß W" g\P 

f\a fins f\in fin 

i\s i\is i\ua i\u 



xs x\us x\au Xiii. 

Keinem Zweifel scheint mir zu unterliegen, daß Henchs oben 
berührte Annahme vom paläographischen Standpunkt betrachtet nicht 
bestehen kann. Man hat nämlich früher die Kurzformen für Gott, 
die sich nirgends ausgeschrieben finden, so aufgelöst: gup, gups, 
gupa. 1 ) Hench schlägt aus sprachlichen Gründen dafür vor: gup, 
gudis, guda. Er stützt diese Verbesserung mit dem Hinweis auf 
griechische Formen wie HfC, MfC, CfC, HNC. Von ihnen hat 
Wulfila höchstens die letzte gekannt. Sie bietet aber nichts Ver- 
gleichbares. Oder könnte man sagen: nvu (für Jtvevjua) verhält sich 
zu nvq (für Tivevjuaros), wie gp (für gup) zu gps (für gudis)? 

Aber auch DfC, CfC, MfC bieten keinen Vergleichspunkt. 
Und dieser dürfte überhaupt auf dem weiten Gebiet der alten Kurz- 
formen nirgends zu finden sein. Es ist nie ein Buchstabe in diesen 
Gebilden, der nicht in den aufgelösten Wortformen eine feste Stelle 
hat. Das Belassen des Nominativ-Endbuchstaben in einem Casus 
obliquus, der diesen Endbuchstaben selbst nicht aufweist, ist paläo- 
graphisch ein Unikum und Unding. Und deswegen meine ich: so 
scharfsinnig Hench entschieden zu haben scheint 2 ) und so allgemein 



*) Eine andere Auflösung, die man versucht hat, gup, gupis, gupa, ist unwahr- 
scheinlich. g(u)p<f)s hat an den sonstigen gotischen Kurzformen keine Analogie. 
Es wäre gis zu erwarten, und man hätte wohl, als man später zu fins, iuis und 
xaus überging, gpis gebildet, wobei denn alle Nominative und Akkusative aus zwei, 
alle Genetive aus vier, alle Dative aus drei Buchstaben bestanden hätten. Setzt man 
gups als G enetiv voraus, so verbot sich eine nachträgliche Annäherung an die 
Reihe fins, iuis, xaus von selbst; denn gups wäre das Wort selbst mit allen Buch- 
staben gewesen. 

2 ) Mit Recht weist Hench darauf hin, daß im Plural und in Kompositis ge- 
wöhnlich guda, selten gpa geschrieben wurde. Dies letztere kann aber nach meiner 
Ansicht nur als gupa aufgelöst werden. Da Wulfila in seinem Original nirgends 
einen kontrahierten Pluralis finden konnte (vgl. oben S. 90), so geht freilich gpa 
als Plural (Gal. 4, 8) lediglich auf die Laune eines Schreibers zurück. Ebenso 
steht es mit den kontrahierten Kompositis; auch dafür gab es durchaus kein 
griechisches Prototyp. Man kann daher in diesen Fällen gpa statt guda für ein 
einfaches Kopisten-Versehen halten. Um so mehr wird nun Hench behaupten, im 



Nomina sacra. V. Nomina sacra im Koptischen, Gotischen und Armenischen. 275 

man ihm bisher gefolgt ist — man muß vielmehr an Jakob Grimms Er- 
klärung festhalten und eher nach neuen Stützen für sie suchen als 
nach neuen Auflösungen für die Kürzung. 

Wenn wir aber dieser sprachlichen Angelegenheit eine so um- 
ständliche Behandlung eingeräumt haben, so geschah es, weil auch 
hier die eigentliche Absicht der Kontraktion sich in seltenem Maße 
bewährt hat. Sie bestand ja darin, ebensowohl hervorzuheben als 
zu verhüllen. Im Gotischen ist das nun so wohl gelungen, daß 
über dem Wort, das Gott bezeichnete, ein Schleier liegt, der sich 
noch immer vergleichen läßt mit dem über das hebräische Tetragramm 
gebreiteten. 



3. Armenische Nomina sacra. 

Von der Einrichtung des armenischen Alphabets durch Mesrop 
und den griechischen Kalligraphen Rufinus (etwa am Anfang des 
5. Jahrhunders), von der Übersetzung der heiligen Schriften aus dem 
Syrischen ins Armenische, von der Verbesserung dieser Arbeit aus 
griechischen, in Konstantinopel erworbenen Handschriften (nach dem 
Jahre 432) wird in der armenischen Geschichte des sogenannten Moses 
von Chorene sehr Genaues, vielleicht zu Genaues berichtet. Die 
literarische Überlieferung wird durch die paläographische Analyse der 
armenischen Nomina sacra, die wir hier zu geben haben, wirksam 
kontrolliert. 

Die ältesten unter den erhaltenen armenischen Handschriften 
gehen über das 9. Jahrhundert nicht zurück. An der Spitze steht 
wegen der gesicherten Zeitangabe der Pergament-Codex in Moskau, 
Institut Lazareff n. 1111, vom Jahre 887 n. Chr.; er wurde 1899 voll- 
ständig im Lichtdruck veröffentlicht. Ausgebeutet wurden ferner für 
mich durch Pater Merk das von Strzygowski beschriebene Evangeliar, 
Etschmiadzin 222 vom Jahre 989, dies freilich nur, soweit die spär- 



Recht zu sein. Allein, da die Kontraktion gp gps gpa gewiß nicht nachträglich 
von einem Schreiber ersonnen werden konnte und alle Gewähr der Ursprünglich- 
keit trägt, so meine ich, sie enthülle uns ebenso wie das freilich schlecht ge- 
schriebene gpblostreis neben gudafaurhts eine ältere zu Wulfilas Zeit noch lebendige 
Bildung, die später vielleicht verwischt wurde. 

18* 



276 L- Traube, 

liehen Facsimile es zuließen. Außerdem der Agathangelus-Palimpsest 
in der Wiener Mechitharisten-Bibliothek n. 56, nach Dashians An- 
nahme saec. IX — X, auch wieder nur auf Grund der betreffenden 
Tafel 3 in Dashians Katalog (Band 1, Wien 1895). Genau ferner die 
jüngeren Evangeliare: München arm. 1 vom Jahre 1287 und im Bayer. 
Nationalmuseum (Saal 73, Kasten 3) n. 3869 vom Jahre 1506. 1 ) 

Die frühesten unter diesen Codices zeigen eine schöne aufrechte 
rundliche, der älteren griechischen Kirchen-Unciale nachgebildete Schrift. 
Später neigen sich die Buchstaben nach rechts, werden mit der Zeit 
kleiner und gehen zur Kursive über. 2 ) Gemeinsam ist allen die Kon- 
traktion der Nomina sacra nach griechischem Muster. Kontrahiert 
werden die Wörter für Gott, Herr, Jesus und Christus und zwar 
dadurch, daß je der erste und letzte Buchstabe gesetzt und dies zwei- 
buchstabige Gebilde überstrichen wird. 3 ) Die einzelnen Kasus werden 
auf dieselbe Weise gebildet. Nur bei rein sakraler Bedeutung wird 
kontrahiert, da aber auch regelmäßig. Kontrahiert werden ferner 
Jerusalem und Israel mit Formen, die den griechischen IHAund IHM 
entsprechen. 

In jüngeren Handschriften wird auch heilig durch Setzung des 
ersten und letzten Buchstabens ausgedrückt; Merk fand diese Form 
zuerst in München arm. 1 (a. 1287). In dieser Handschrift wird auch 
eine grammatikalische Endung durch Kontraktion bezeichnet. Ähn- 



J ) Der in den Veröffentlichungen der k. Universitätsbibliothek zu Tübingen 
erschienene „Atlas zum Katalog der Armenischen Handschriften'' mit dem Abriß 
einer Armenischen Paläographie von Fr. N. Finck, Tübingen 1907, konnte von Traube 
nicht mehr, wie er es beabsichtigte, benützt werden. P. Marc. 

2 ) Einen ganz guten Überblick gibt Silvestre, Paleographie univ. pl. XLII. 
Man erkennt hier den Zusammenhang und die Entwickelung der verschiedenen 
Typen ; die Handschriften selbst könnten trotzdem ziemlich jung sein. Die Unciale 
pflanzt sich lange mit so großer Treue fort, daß Westwood (zu pl. 9 seiner Palaeo- 
graphia sacra) annehmen konnte, ein armenisches Fragment in London Burn. 277 
sei von derselben Hand wie ein armenischer Parisinus. In der Erklärung zu Sil- 
vestres Tafel herrscht offenbar einige Verwirrung: die geneigte Unciale (XLII) gibt 
den Anfang des Johannes-Evangeliums, ist also vielleicht aus der Papier-Handschrift 
Paris arm. 7 genommen. 

3 ) Von Gott (Luc. 1,47 und Joh. 10,34 u. 35) und Christus (ysvööxgiozoi 
Marc. 13, 22) kommen im Cod. Laz. 1111 dreibuchstabige Gebilde vor, die ihren 
späteren Ursprung ebensowenig verleugnen, wie kontrahierte Gebilde für das Äqui- 
valent von tieooeßrjg und die Adjektiva von Jerusalem und Israel. 



Nomina sacra. V. Nomina sacra im Koptischen, Gotischen und Armenischen. 277 

liehe Übergänge von der sakralen Kurzschreibung zur Kürzung, 
die lediglich der Bequemlichkeit dient, schaffen im Armenischen all- 
mählich ein umfangreiches Material gewöhnlicher Kompendien, die 
sich den lateinischen des Mittelalters vergleichen lassen (vgl. das 
Verzeichnis in Petermanns Grammatik, Berlin 1872, S. 4 ff.). Der hier- 
mit dargelegte Tatbestand erlaubt es, als Vorlage der frühesten 
armenischen Kalligraphen griechische Codices des 4. Jahrhunderts 
anzusetzen. Bemerkenswert ist das Fehlen einer Entsprechung für 
fJNA. 

Vervollständigt würde das Bild werden, wenn eine genügende 
Zahl älterer georgischer Manuskripte auf die Nomina sacra hin 
durchgesehen werden könnte. So muß es mit der Feststellung sein 
Bewenden finden, daß auch die georgische Paläographie ihre Abhängig- 
keit von der griechischen oder armenischen durch die sakrale Kon- 
traktion bekundet. 



VI. NOMINA SACRA IM MITTELALTER 
UND IN NEUERER ZEIT. 



Vorbemerkung. 

Die eigentümliche Kurzschreibung, die wir Kontraktion nennen, 
nahm ihren Ausgang in Ägypten von der Absicht griechisch 
schreibender Juden, den Gottesnamen zugleich auszuzeichnen 
und zu verhüllen. Andere griechisch -jüdische und griechisch- 
christliche Kreise lehnten daran die Sitte, eine ganze Reihe heiliger 
Namen in derselben Weise zu feiern. Aus den Exemplaren des 
griechischen Neuen Testamentes (oder einzelner Stücke, die sie 
zuerst übersetzten) übernahmen dann der Lateiner, der Kopte, Gote 
und Armenier die Reihen dieser von den Griechen umgrenzten 
Nomina sacra. Sie hatten dabei noch volles Verständnis für die 
sakrale Grundbedeutung oder doch für die Notwendigkeit graphischer 
Übereinstimmung ihrer Nachahmungen mit dem in diesem Punkte 
unantastbaren Original. 

Dies geschah während des 3., 4. und 5. Jahrhunderts. Es folgte 
innerhalb des lateinischen Schriftwesens eine weit über das religiöse 
Gebiet herausgreifende Entwickelung der Kontraktion, wodurch diese 
schließlich die bevorzugte Art überhaupt jeder Kürzung wurde. Nur 
das Armenische schlug einen ähnlichen Weg ein. 

Nicht erörtert wurde bisher, in welcher Weise die im Mittel- 
alter neuentstandenen Kulturkreise, die zum Teil von der griechischen, 
zum Teil von der lateinischen Lehre abhängig waren, sich zu den 
alten Symbolen stellten. 

1. Das Altkirchenslavische. 

Im 9. Jahrhundert wurde zusammen mit der kyrillischen Schrift 
(d. h. der griechischen Kirchen-Unciale) im Altkirchenslavischen die 



282 L. Traube, 

Kontraktion der Nomina sacra eingebürgert. Man ahmte dabei den 
Inhalt und die Form der griechischen Vorbilder genau nach. In den 
ältesten erhaltenen Handschriften — sie stammen aus dem 11. Jahr- 
hundert — ist die griechische Reihe wohl schon etwas erweitert, aber 
doch so, daß es nur sakrale Wörter sind, die kontrahiert werden. 
Zu den Äquivalenten für die fünfzehn griechischen Nomina sacra 
sind außer mehreren Compositis hinzugekommen z. B. die Äquivalente 
für ßaodevg (sc. xcbv ovgavcbv), Xoyog, äyyeXog. 'Seit dem 12. Jahr- 
hundert', wie Karskij sagt, 1 ) auf dessen Paläographie und Tafeln diese 
Darstellung sich stützt, 'werden die Kürzungen zahlreicher, und in 
manchen Denkmälern des 14. Jahrhunderts gibt es deren sehr viele. 
In der Kursive sind die Abkürzungen überaus verbreitet.' Sie haben 
dabei die ursprünglich gesteckte Grenze des heiligen Gebietes über- 
schritten. Doch z. B. in den modernen russischen Gebetbüchern, 
wie sie durch den Druck verbreitet werden, ist die Kontraktion wieder 
auf die Nomina sacra beschränkt; nur gibt es statt der griechischen 
fünfzehn heiligen Wörter jetzt mehr als die doppelte Zahl. Der Ur- 
sprung der Kurzschreibung leuchtet dabei noch so sehr durch, daß 
z. B. der Pluralis von Gott regelmäßig mit allen Buchstaben ge- 
schrieben wird. 



2. Das Irische. 

In den lateinischen Handschriften des Mittelalters hatte die Kon- 
traktion so sehr überhandgenommen, daß zwischen der sakralen Kurz- 
form und der rein graphischen Kürzung nur besonders Eingeweihte 
scheiden konnten. 2 ) Dies ist der Grund, daß in den keltischen, 
germanischen und romanischen Sprachen, deren literarische Fixierung 
gebunden war an die bis dahin entfaltete Eigenart der lateinischen 
Kalligraphie, das sakrale Element nicht mehr recht beachtet wurde. 

Das gilt zunächst für das Irische. Hier mag in älterer Zeit, 
wenn man sich der lateinischen Kurzformen bediente, die kon- 
sekrierende Absicht noch nicht ganz verwischt gewesen sein. Als man 
aber das Irische zur Schriftsprache erhob, waren die lateinischen Vor- 



*) Ocerk Slav. Kirillovskoj Paleografii (russ.), Warschau 1901, S. 241. 
2 ) Vgl. über Christian von Stavelot saec. IX oben S. 6. 



Nomina sacra. VI. Nomina sacra im Mittelalter und in neuerer Zeit. 283 

bilder bereits in der geschilderten Weise mit allerhand andern. Kür- 
zungen durchsetzt. Wo die irischen Schreiber nun selbst zu kürzen 
begannen, huldigten sie dem Prinzip der Suspension. In dieses 
übertrugen sie auch bei Christas (irisch crist) und Spiritus (irisch 
spirut) die älteren Contraeta xps und sps und schrieben er und spir. 
Bei Iesus traf es sich, daß eine Kontraktionsform ihu (lateinisch = 
iesu) für irisches isu (oder issu) bequem beibehalten werden konnte. 
Aber schon der Umstand, daß die irischen Worte für Gott (dia) und 
Herr (coimdiu) nicht in ähnlicher Art eingerichtet wurden, zeigt, wie 
sehr man von einem vollen Verständnis des eigentlichen Sinnes dieser 
Bildungen entfernt war. 



3. Das Angelsächsische. 

Ganz ähnlich ist das Verfahren der angelsächsischen Schreiber 
zu beurteilen. Öftere Weglassungen der letzten Buchstaben von 
dryhten, dryhtnes etc., z. B. im Vespasian-Psalter saec. IX in., sollen 
lediglich das Wort befähigen, in der Interlinear- Version mit ebenso 
geringem Platz auszukommen, wie die darüberstehenden Kurzformen 
von dns. Ebenso verhält es sich mit haelend, dem gewöhnlichen 
Äquivalent von lateinisch ihs, für welches Wort Suspensionen wie 
haet und h eintreten. Ausgeschrieben wird god und gewöhnlich das 
ebensowenig umfangreiche crist oder krist; doch trifft man gelegent- 
lich auch Kontraktionen, wie erst im Evangeliar von Lindisfarne 
(Joh. 4, 25). Im allgemeinen erkennt man deutlich, daß es sich hier 
überall nicht mehr um Konsekrierung, sondern lediglich um Kürzung 
handelt. 



4. Das Althochdeutsche. 

Die althochdeutschen Kalligraphen sind bei Iesus und Christus 
von dem lateinischen Vorbild stark beeinflußt. Sie deklinieren ihs, 
ihüses oder ihses, ihdse oder ihse, ihusan oder ihsan und xps, 
xpes, xpe, xpan. Diese Formen herrschen in den beiden Hand- 
schriften saec. IX in., aus denen wir die Isidor-Übersetzung und ihre 
Sippe kennen; xps, xpes, xpe begegnen auch in der Wiener Hand- 
schrift des Otfrid. Daneben haben wir bei Otfrid für die deutsche 



284 L. Traube, 

Form des Nominativs die Mißbildung xpx und endlich die von den 
Fesseln der Konvention befreite Form krist. Im St. Galler Tatian 
saec. IX ex. wagt sich ebenso neben lateinischem ihs deutsches Christ 
und crist hervor. Das erwähnte xpx des Otfrid und xpist und 
xpistan (neben xps und xpan) in der Isidor-Gruppe sind darnach 
nicht als Formen zu betrachten, die absichtlich sakralen Charakter 
zeigen sollten, sondern als bloße Ungeschicklichkeiten und, wie die 
übrigen latinisierenden Schreibungen, als die starren Reste einer 
jahrhundertalten, aber nicht mehr verstandenen Tradition. 



5. Das Altfranzösische. 

Viel näher lag es, in den romanischen Sprachen die lateinische 
Sitte fortzupflanzen, wo dazu nicht nur die Lehnworte Jesus und 
Christus (und spiritus, wie im Irischen) einluden, sondern die sämt- 
lichen Worte des sakralen Kreises einen gewissen Anlaß und Anhalt 
boten. Und in der Tat schreckten die tastenden Versuche der alt- 
französischen Schreiber, dem Laut der Volkssprache schriftlichen Aus- 
druck zu verleihen, anfangs vornehmlich bei den Nomina sacra vor 
selbständiger Entscheidung zurück. Mit den lateinischen Formen 
duldeten sie die lateinischen Schriftbilder gerade hier. Wir lesen in 
den ältesten Denkmälern ds und do (letztere Form für den Genetiv, 
also deo als Repräsentant für deu), ihs und ihm, xps, sps und spm, 
scs (aber auch sc, vgl. oben S. 194 ff.), nrö und nrae; andere lateinische 
Kürzungen treten dahinter zurück. 1 ) Aber an der Art, wie diese 
Formen gebraucht und wieder auch nicht gebraucht werden, sieht 
man deutlich, daß auch hier nur eine kalligraphische Tradition sie 
schützte und genehm machte. 

Alles in allem: man darf sagen, daß im 8. und 9. Jahrhundert 
das schreibende Irland, England, Deutschland und Frankreich die 
sakrale Bedeutung der Kontraktion nicht mehr verstanden. Man 
konnte diesen Ausgang erwarten : er entspricht der Wendung, welche 



l ) Es begegnen überhaupt nur noch iherltn, grae (für lateinisch gratiae), 
scta (für lateinisch saeculä) und p (für per), c /> (= pro für por) und öms (— omnes, 
als Plural zu hont). 



Nomina sacra. VI. Nomina sacra im Mittelalter und in neuerer Zeit. 285 

die Dinge in der lateinischen Paläographie seit dem 5. Jahrhundert 
genommen hatten. 



6. Biblische Druckwerke. 

Man wird sich daher auch nicht wundern, daß in die Drucke 
das sakrale System nicht mehr eingezogen ist. In der Complutensis 
(1514 — 1517) hat die griechische Kolumne hie und da noch ein ver- 
einzeltes &g, xg', xe', däd' u. s. w. und die lateinische zwar noch 
fast regelmäßig die sämtlichen kontrahierten Nomina sacra, aber diese 
sind umgeben von eben so vielen andern rein graphischen Kürzungen. 
Auch im Griechischen soll, wie man deutlich sieht, nur der Raum 
für den kompressen Satz des typographischen Meisterwerkes erübrigt 
werden. Ebensowenig haben Aldus, Erasmus und Stephanus oder 
die Sixtina der Vulgata (deren Original ich freilich nicht gesehen 
habe) die sakrale Kürzung wieder zur Geltung gebracht. 



7. Luther. 

Die Tradition war also abgerissen. Aber gerade hier am Ende 
der Geschichte tritt uns eine Erscheinung entgegen, die noch einmal 
helles Licht auf ihre Anfänge wirft. 

Es war Luther, der bei der Übersetzung des Alten Testamentes 
auf dasselbe Problem stieß, das ursprünglich, wie wir annehmen 
mußten, die Kurzschreibung der Nomina sacra veranlaßt hatte. Wie ist 
das hebräische Tetragramm wiederzugeben? Diese Frage legte der 
deutsche Übersetzer sich ebenso vor, wie die ersten griechischen 
Dolmetscher. Die Antwort, die er fand, hat er in der Einleitung 
zum Alten Testament vom Jahre 1523 formuliert. Man darf in der 
Verbrämung von Schrift und Sprache, die Luther für nötig hielt, 
um seiner Aufgabe gerecht zu werden, einen divinatorischen Zug 
erblicken, den in diesem Fall sogar der gegen Luther und seine 
Bibelbehandlung so kritische Lagarde anerkannte. 1 ) Seine Unter- 
scheidung von ^err, J}(£2U£ und !}<£rr tritt wie von selbst an die 



Göttinger Gelehrte Anzeigen 1885, S. 



286 ' L. Traube, 

Seite der Nuancierung von Ky^OC und KC. Dies sind seine 
Worte: 

(£s fol aud) tüiffen, tuer bife Bibel lieffet, bas icb mid? geflieffen 
fyabe, ben uamen (Sortis ben bie 3 u0en / tefragammaton (sie) Offert, mit 
groffen bucfyftafyen (sie) aus 5U fdjreyben, nemlid? alfo, ^€2?^(£, rmb ben 
anbern, öen fte fyeyffen, 2lbonai, £?alb mit groffen budjftaben, nemlid? 
alfo, f)<£rr, oenn tmter allen namen (öottts, teerben bife 3tr>een alleyn, 
öem redeten roaren (Sott ynn 6er fdmfft 3U geeygent, bie anbern aber 
werben offt aud) öen engelen rmb t/eyligen 3U gefcfyryben. Das t^ab id? 
barumb tfyan, bas man ba mit gar medjtiglid} fdjlieffen fan, bas Cfyriftus 
tr>arer (5ott tft, u>eyl ylm 3***™™- 2 3 ^€HH nennet, ba er fprid)t, fte 
werben ytm fyeyffen £}€HH unfer gerechter, alfo an mefyr orten bes 
gleichen 311 finben ift. 

Im Neuen Testament hat Luther erst 1541 §<££& für KC 
setzen lassen, wenn es sich auf Gott Vater bezieht und besonders in 
Zitaten aus dem Alten Testament, wo das Tetragramm wiederzugeben 
war; für KC, wenn es auf Christus geht, hat er hier meist £j(£rr ge- 
schrieben. 



Rückblick und Ausblick. 

Wir wenden den Blick zurück. 

Während wir durch die Jahrhunderte und Völker hindurch die 
Schreibung des Gottesnamens verfolgt haben und sich uns dabei ein 
Stück der Geschichte des Namenzaubers enthüllte, haben wir zu- 
gleich eines der wichtigsten Kapitel der Paläographie historisch ent- 
wickelt. Aber es ist hauptsächlich die lateinische Paläographie, die 
davon ihren Vorteil hat. 

Die Anfänge der lateinischen Kontraktion liegen im dritten Jahr- 
hundert nach Christus, das Ende fällt etwa ins sechzehnte. Im 
fünften fängt man an, das sakrale Prinzip zu vergessen, das den 
ersten Bildungen zu Grunde lag, und nun — ruckweise vom fünften 
bis zum siebenten und vom dreizehnten bis zum fünfzehnten Jahr- 
hundert — erwachsen nach der Analogie der ersten Nomina sacra und 
dann wieder nach der Analogie derjenigen Formen, die selbst bereits 
als analogische zu betrachten sind, die zahlreichen Kurzschreibungen, 
die das Lesen der lateinischen Handschriften des Mittelalters er- 



Nomina sacra. VI. Nomina sacra im Mittelalter und in neuerer Zeit. 287 

schweren und deren unterschiedslose Aufzählung — man darf es 
sagen — den Inhalt der Paläographie ausmacht, wie sie gewöhn- 
lich gelehrt wird. Anfangs sind es noch meist kirchliche Worte, die 
man auf diesem Wege angleicht, dann aber wird fast jedes Wort aus 
dem weiten Kreise der neuen Wissenschaften ebenso behandelt, und 
gleichzeitig erhält auch die kleine Münze des Alltags denselben 
flüchtigen Stempel, der noch gerade dazu ausreicht, ihren Wert im 
kurrenten Verkehr erkennen zu lassen. Daneben, wenn auch im 
Vergleich unendlich viel schwächer, wirkt freilich auch das Prinzip 
der antiken Suspension und das der antiken Iteration noch fort, die 
in ähnlicher Weise, wie es hier für die Kontraktion versucht worden 
ist, zu behandeln bleiben, damit ein volles historisches Verständnis 
erreicht wird. 

Aber ich gebe mich auch der Hoffnung hin, daß meine Arbeit 
der Überlieferungsgeschichte und Kritik von Nutzen sein wird, wenn 
auch vielleicht nicht durch das, was in diesem Zusammenhang vor- 
gebracht werden konnte, auch wohl noch nicht durch das, was ich 
überhaupt vorbringen könnte, aber doch durch die weitere Verfolgung 
der Wege, die sich der paläographischen Analyse eröffnet haben. 

Und so mag es gestattet sein, mit einem sich daran knüpfenden 
Wunsch zu schließen. Die Paläographie ist eine mutige Disziplin. 
Sie ist im Streite geboren, hat in manchem Kampf die Waffen zur 
Entscheidung geliefert. Aber ihre schönsten Siege hat sie gewiß 
noch nicht erfochten. Ihre Waffen können und müssen erst geschliffen 
und geschärft werden. So ist hier ein Tummelplatz für frische und 
jugendliche Kräfte. Dies Buch möchte daher gleichzeitig lehren und 
werben. 



Register der lateinischen Handschriften. 

Verfaßt von C. H. Beeson und P. Marc. 



Aix 7 (1042) 157 

Amiens 9 108 

— 88 233 
Anvers, Musee Plantin-Moretus 39 174 
Autun 24 112; 155; 207; 241 ; 243; 259 

— 27 172 
Bamberg A. 15 231 ; 232 

— B. II 17 107 

— B. V 13 231 

— HJ. IV 15 216 
Basel A VII 3 236 

— F III 15 222; 246 2 
Berlin lat. misc. F. 327 254 

theol. F. 339 232 

F. 364 231 

F. 485 (Quedlinb. 

Italafr.) 51; 190 

— Goerres. 21 (Filastrius) 231 
36 232 

— Ham. 435 211 
553 106; 107; 108; 217; 233 

— Phill. 84 194; 231 

1662 160; 221 

1667 218 

1669 161; 165; 172; 209; 232 

1681 163 » 

1743 218; 231 

1745 106; 166; 167; 169; 192; 

203; 204; 229; 233; 235; 
262. 
1831 232 

— Aegypt. Mus., Papinian 264 
Quellen u. Untersuch, z. lat. Philologie des MA 



Bern 3 

— 48 

— 89 

— 219 

— C219 

— F219 

— 233 

— 258 

— 330 

— 366 

— 376 

— 611 

— 645 



232 

231 

231 

169 

257 1 -*; 258 

167 

111; 231 

49; 163 

211 

167 

220 

178; 218 

229 



Bobbieser Cassiodor (Mailand Ambr. 
G. 58 s. + Nancy 317 -f Turin 
A. 112**) 186»; 192 

Bologna 701 51; 52»; 89; 145; 173; 

202; 207 
Boulogne sur Mer 32 165 

35 232 

40 232 

=- — 82 258 

Brescia Quirin., Purpureus der 

Ew. 22; 178; 271—272 

Ottonisches Ev. 155 

H. VI. 11 171; 172; 178 

Breslau Rehdig. 169 105; 108; 109; 112; 

160; 161; 165; 166; 

190; 199—200 

Brügge 101 145; 146 

Brüssel 9581 211; 227 

— 9845—9848 169; 210; 232; 263 

ii. 19 



290 



Register der lateinischen Handschriften. 



Brüssel 9850 

— 10470 

— 10615—10729 
Cambrai 684 



236 
232 
188 
235 



Cambridge, Corpus Christi College 

223 232 
286 189 3 

— Trinity Coli. B. 17. 1 (Augiensis) 115 

— Univ. Ff. IV. 42 163 
Nn.II.41 42;43;51 1 ;52;78— 79 

89; 94; 95; 96; 98; 100 
104; 106; 110; 114 
115; 117; 118; 119 
121; 132; 147; 152 3 
172; 178 
Cassel Philol. F. 2 231 

— Poet. F. 8 166 

— Theol. F. 65 (Hegesipp) 106; 150 

Q. 10 106; 108; 113; 231 

O. 5 111; 160; 199; 224; 233 

la Cava 14 107; 111; 150; 151; 160; 

171»; 177 4 ; 259 
— '— 22 169 

Chartres 41 (3) 109; 218 

— Obituaire de N.-D. vgl. St. Etienne. 
Cheltenham 12261 166 
Chur, erzb. Archiv, Ew. n 178 
Clermont-Ferrand 189 195 
Colmar 39 160 
Cordova, Codex Legionensis 161 
Cues 9 (= A. 6) 102—103; 108; 112 

— 10 102 
Darmstadt 789 110 

— Itala-Fragmente vgl. Weingartener. 
Donaueschingen 18 218 
Dresden A. 145b (Boernerianus) 115 
Dublin A. 4. 6 (B. of Mulling) 258 
Durham B. II 30 108 
Einsiedeln 27 ' 108 

— 199 4- 281 222 
Epernay 1 232 
Erfurt Amplon. F. 42 49 
Escorial A. II 3 221 

— A. III 5 106 

— R. II 18 107; 186; 223 

— Camar. de las rel., Augustin 191 
St. Etienne 104 (958, Obituaire de 

N.-D. de Chartres) 232 x 



Fleury, Chronik des Hieronymus 

(Leiden Voss. Q. 110a -f Paris 
lat. 6400 B + Rom Vat. Reg. 
lat. 1709) 150 »; 159; 190; 199 

Florenz Laur., Digesten 48; 151 

49, 9 (Cicero-Briefe) 258 

65, 1 167; 207 

65, 35 232 

66, 40 222; 227 

68, 1 (Tacitus) 156 

68, 2 (Apuleius) 155; 156 

Amiatinus 1 107; 166; 189* 

Libri 1 173 

Fulda Bonifat. 1 150; 189»; 207 
2 221 » 

— Itala-Fragmente vgl. Weingartener. 

St. Gallen, Stift 11 107 

48 113; 226 l 

56 (Tatian) 284 

89 144 

98 166 

108 222 

190 172; 173 

193 220 

213 (Lactanz) 199 

226 169 

249 115 1 

567 219 

722 207 

732 233 

899 150 

902 227 

908 193; 217 

912 52; 178 

914 236 

1394 52; 171; 178 

1395 190 

— Stadt (Vad.), Ew. n 178 
Gotha mbr. I 85 220 

I 101 188 

Grottaferrata, Propheten-Palimpsest 

84—85; 108; 118; 258 

Heidelberg Pal. 1568 188 

Ivrea 97 109 

Karlsruhe Augiensis 119 234 

Köln 35 226 

— 83 211 

— 83 II 220 



Register der lateinischen Handschriften. 



291 



Köln 139 

— 212 
Laon 26 

— 38 

— 55 

— 135 

— 328 

— 444 

Leiden Bibl. publ. 48 
118 

— Voss. F. 84 

F. 86 

F. 98 



45 



166 i 
169 
163 
106 

257 3 
208 
108 

; 115 
162 

231 2 

231 2 
231 
232 



F. 111 220; 221; 222; 223—224 

Q. 2 257—258 

Q. 69 49; 173 

Q. 110 a vgl. Fleury. 

Leipzig, Stadtbibl. I 74 150 

Leön.BreviariumAlarici 221; 223; 244; 259 

— vgl. Cordova. 
London Brit. Mus. 
Royal Ms. I E. VI 

(Biblia Gregoriana) 107; 108 

Cotton Calig. A. XIV 166 4 

Nero A. II ff. 109 

D. IV (Lindisfarne- 

Ev.) 106; 189»; 283 

Vespas. A. 283 

Egerton 2831 233 2 

Harley 208 236 

1775 107 

Add. 10546 162; 237 

11852 162 

24142 177 

— Sammlung H. Yates Thompson 223 
Lucca 490 203; 229; 253; 260 
Luxemburg, Isidor aus St. Hubert 111; 222 
Luxeuil, Augustin vgl. Troussures. 
Lyon, B. mun. 329 148; 150; 152; 

165; 191; 199; 207 

351 23; 51*; 52; 180; 191 

352 106; 108; 191; 207 

356 111 

372 191; 199 

381 vgl. Paris n. a. lat. 1593. 

392 191 

397 106 

408 191 



Lyon, B. mun. 413 

517 

519 

521 

523bis 

526 

706 (788) 



153; 180; 191; 213 

109; 191 

191 

191 

148; 191 

231 

230 2 



— Bibl. des P. Maristes, Leidrat- 
codex 166 

Madrid, Nationalbibl. 2. 1 223 
15. 8 223 

— Acad. de la Hist. 65 221 

— S. Millan de la Cogolla 186 
Mailand Ambros. B. 31 s. 236 

B. 159 s. (DialogiGregorii) 167; 254 

C. 5 i. 107; 217; 229 

C. 39 i. 108; 150 

C. 73 i. 106; 180; 193 

C. 90 i. 211 

C. 105 i. (Hegesipp) 164 

C. 301 i. 217 

D. 84 i. 107; 190 

D.519L 190; 211 

E. 147 s. 271 8 

G.58s. vgl. Bobbieser Cassiodor. 

G. 82 s. 271 8 

I. 61 s. 271 8 

I. 101 s. 145 

O. 210 s. 173; 215 

0.212 s. 207; 217 ' 

S. 36 s. 271 8 

S. 45 s. 271 8 ; 273 

T. 120 s. 236 

Merseburg 83 113 

Metz 7 108 

— 134 218 

— 139 208 

— 500 228 
Modena Est. 111 169 
Montecassino 3 172; 228 

— 64 109 

— 71 227 

— 150 154; 173 

— 204 143 

— 371 154 

— 439 169 

— Archiv (Sarezzano), Evang. 22; 180 
Montpellier 55 201 

19* 



292 



Register der lateinischen Handschriften. 



Montpellier 362 110 

München lat. 208 209; 231 

4547 236 

4549 209 

4597 143 

5508 169; 172; 220 

6223 111 

6224 105; 108; 155; 190; 

200; 230 

6225 52; 147; 154; 180; 

199; 201; 253 

6243 233 

6267 258 

6273 211 

6298 110 

6300 220 

6329 255 

6343 209 

6436 190—191; 221 

8112 227 

9543 211 

12633 174 

13038 225 

14000 163 

14096 111 

14252 234 

14421 107; 113; 220 

14422 220 

14446b 254 

14470 107; 108; 109; 111; 

112; 113 

14540 208; 234 

14613 188 

15813 109; 231 

15818 HO; 236 

15826 257»; 258 

18168 109; 113 

18710 160 

18787 228 

19408 220 

19411 160 

23591 231 

27152 166; 236 

28118 106; 107; 110; 111; 

186; 231 
29001 (Cicero-Fragmente) 48 

— Univ. 3 220 

— Traube, Acta Archelai 154; 160 



Namur, Seminarbibl., Clemensbrief 

aus Florennes 143 

Nancy 317 vgl. Bobbieser Cassiodor. 
Neapel IV. A. 8 217; 258 

— IV. A. 34 174 
Novara 30 232 

— 51 109 

— 82 154; 232 

— 84 222 

— Sakramentar 218 
St. Omer 15 218 2 

33bis 232; 237 

91 HO 

202 232 

Orleans 16 107 

— 91 106 

— 192 (169) 51; 153; 199; 202 

— 233 (203) 232 
Oxford Bodl. lat. th. d. 3 108 

music. e. 100 sqq. 215 

Auct. D. 2. 14 (857, Can- 

tuariensis) 107 

T. 2. 26 105; 153; 159; 

170; 190 

Canon, lat. 30 (Catull) 257 

50 259 

Douce 140 33; 107 

Laud. gr. 35 80—81; 97; 100; 

112; 115; 117; 150; 151; 189* 

misc. 259 166 

Padua 1117 232 

Paris graec. 107 10; 52; 80—81; 94; 

95; 100; 104; 109; 112; 115; 

117; 118; 121; 153»; 180; 207 

— lat. 1 218 

2 162 

3 162 

1622 (Agobard.) 51; 143 

1647 A 144; 209; 211 

1661 144 

1663 145 

1664 227 

1723 209 

2235 159 

2290 162 

2326 (ahd. Isidor) 283—284 

2718 231 

2769 165 2 



Register der lateinischen Handschriften. 



293 



Paris lat. 2855 

3836 

3846 

4627 

4860 

5763 

6115 

6400 B vgl. Fleury. 

6400G 

6810 

7530 

7651 

7900A 

8071 

8623 

8907 

8913 

9428 

9451 

9551 



220 
218 
211 

203; 229 
188 

213—214 
232 

191; 200—201 

188 

188; 229 

242 

258 

231 

212 

51; 207 

169; 200 

163 

23; 113; 163 

166 4 



10318 145 1 ; 148; 167; 204; 223 

180 

169; 218; 235 

218 

222 

235 

160; 227 ! 

22; 51»; 52; 174; 180 

160; 224; 231 

218; 235 

143; 144 

145; 146; 209 

165 

107; 218; 235 

232; 237; 258 

232 

105 

215; 234 

234 

48 J 



10592 

10756 

10910 

11529 

11641 

11642 

11947 

12048 

12097 

12126 

12137 

12168 

12205 

12949 

12958 

13347—49 

13367 

13373 

13385 

14137 (Germanensis) 

17225 

— n. a. lat. 454 
641 



257 

182 

232 

246 2 



10; 94; 153 

235 

233 

; 182 

108 



159; 



Petersburg graec. 20 

— F. 12 

— F. II 3 

— Q. 13 

— Q. I 17 (199) 

— Q. I 38—39 (Filastrius und 

Barnabas) 145 

— 0.14 

— Blatt des Psalterium S. Germani 
Reims 1 

— 2 

— 8 

— 70 

— 82 

— 213 

— 369 

— 377 

— 384 

— 875 
Rom, Archivio di S. Pietro D. 182 

(Hilarius) 106; 192; 215 
Liber diurnus 

— Barb. XI 148 



1593 (Lyon 381) 191 ; 207 

2334 (Ashb. Pentat.) 107 

St. Paul in Kärnthen, Itala-Fragmente 
vgl. Weingartener. 



XIV 44 109; 111 

XIV 52 108; 111; 216; 

229 

— Sessorian. 40 

55 (Augustin) 107; 166; 199 

74 109 

94 109 

96 109 

— Vatic. lat. 41 

317 

491 258 

1322 187 

1873 (Amm. Marceil.) 155 

3281 107; 108 

3375 (Eugipp) 

3684 

3761 

3803 

3827 

3835 

3836 

3867 (Virgil) 

4938 



5007 



15 
108; 189; 
228; 232 
169 



; 154 
214 
180 
106 
106 
232 
232 
232 
231 
232 
236 
108 

257 4 

; 254 
203 
216 

; 216 
222; 

; 232 
169 4 

; 215 

; in 
; in 
; in 

231 

146 

; 261 

; 243 

-156 

; 190 

153 

—214 

173 

210 

211 

216 

216 

; 148 

216; 

; 234 

; 208 



294 



Register der lateinischen Handschriften. 



Rom Vatic. lat. 5750 

5757 

5758 

5763 

5766 (Jur. Fragm.) 

Ottob. lat. 319 

478 

Palat. lat. 161 

574 

1547 

1576 

Regin. lat. 9 

116 

118 

129 

140 

226 

316 

317 



48; 215; 

215; 221 

169 



200 



52 



143 



152; 189; 
232—233; 
255; 256; 



271 8 

; 240 

; 229 

271 8 
240 

; 232 
146 
145 
220 

; 167 
212 
218 
144 

; 144 
210 
232 
231 
218 

221; 

235; 

261 
231 

159 • 

; 248 
218 



612 

886 48; 134; 

1024 221 

1040 

1709 vgl. Fleury. 

1997 228 

2077 107; 192; 207 

Saint etc., vgl. Etienne, Gallen, Omer, 

Paul. 
Salzburg A. VII 31 208 

Schlertstadt 1 109 

Straßburg, Stadtbibl., Canones des 

Rachio (verbrannt) 230 

— Landesbibl., Ulpian 263 
Stuttgart Bibl. 4° Nr. 12 258 

— Itala-Fragmente vgl. Weingartener. 

Trier, Stadtbibl. 24 (Egbertpsalter) 163 

36 108 

1245 230 

— Dom 134 (Thomasevang.) 107 
Troussures, Augustin aus Luxeuil 

a. 669 218; 261 

Troyes 284 209 

— 550 145; 146; 232 

— 581 143; 144; 210; 211 

— 1165 232 



Turin, Bibl. naz. A. 112* 182 
A.II2**vgl.BobbieserCassiodor. 



E. IV 42—43 

E. IV 44 

F. IV 1 
F. VI 1 

F. VI 2 

G. V26 
G. V37 
G. VII 15 



182 

107 

215; 257»; 271 8 

190 

233* 

215 

52; 165; 171; 182 

51; 52; 136—142; 150; 



152; 154; 155; 156; 157; 
165; 170; 171; 191; 213; 
244; 246 

— Hofarchiv I b. VI 28 106; 110; 148; 

169 

— R. Accademia delle Scienze, Con- 
stitutio a. 832 169 



Upsala, Argenteus 
Utrecht 32 



23 2 ; 271—272 
232; 237 



Venedig Marc. cl. I, 94 (nicht 96) 
cl. L, 270 (Seneca) 



Vercelli, Ew. 

— XXX (94) 
Verona I (1) 

— I (1) App. 

— II (2) 

— NI (3) 

— VI (f ) 

— VII (7) 

— X (8) 

— XIII (11) 

— XV (13, Gaius) 

— XXII (20) 

— XXXVIII (36) 

— XXXIX (37) 

— Uli (51) 

— LV (53) 

— LIX (57) 

— LX (58) 

— LXXXV (80) 

— LXXXIX (84) 



52; 171; 



146 
234 
184 
227 
190 
190 



126; 
107; 

108; 109; 190; 221 
107 

22; 52; 184; 202 

109 

217; 229; 234 

48; 160; 165; 174; 

184; 200; 207 

107; 212; 240; 

243; 263 

161; 215 

190 

190 

106; 215; 243; 264 

109; 170 

215 

216—217; 235—236 

207 

107; 111; 220 



— Unciale des Cyprian (verloren) 144 



Warschau 480 



232 



Register der lateinischen Handschriften. 



295 



Weingartener Itala-Fragmente in Darm- 
stadt, Fulda, St. Paul in Kärnthen, 

Stuttgart 52; 184 

Wien 16 217 

— 284 (Ulpian) 240 

— 468 231 

— 563 235 

— 587 108 

— 751 227 

— 847 48; 140; 190; 207 

— 954 127 

— 962 143; 144; 209; 210 

— 1185 22—23; 51; 147; 191 

— 1188 109; 228 

— 1235 22; 184 

— 1370 113 

— 1609 236 

— 1861 (Dagulfpsalter) 106; 231 

— 2160* 170 

— 2232 254 

— 2687 (Otfried) 283—284 

— 3093* (ahd. Isidor) 283—284 

— 15216 162 



Wien, Pap. Rainer, Fr. De formula 

Fabiana 263 

Wolfenbüttel Heimst. 287 169 

513 169 

— Weiss. 64 (Carolinus) 78— 79; 98; 100; 
108; 109; 112; 117; 
166; 215; 271—272 

76 107; 222; 223 

99 203 

Würzburg Mp. Theol. F. 64 233 

F. 64a 164; 171; 184; 252 

F. 68 106; 121 

F. 69 162 

F. 78 220 

F. 145 143; 144 

Q. 2 189 3 

Q. 3 171; 184; 207; 235 

Zürich Kant. 34 108; 219 

92 236 

99a 108; 109; 111; 

113; 220; 231 

104 113; 234 

140 231; 236 



70 



1*ft* 



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Neuere und neueste Erscheinungen aus dem Gebiete der Philologie 
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Ad. Bauer: Die Forschungen zur griechischen Geschichte 1888 bis 
1898 verzeichnet und besprochen. 1899. IV, 573 S. Geh. 15 Ji 

Karl Brugmann: Griechische Grammatik (Lautlehre, Stamm- 
bildungs- und Flexionslehre, Syntax). Nebst einem Anhang über 
griech. Lexikographie von Prof. Dr. Leopold Cohn (Breslau). 
3. Auflage. 1899. 41 Bogen. Lex.-8°. Geh. 12 Jk Geb. 14 Jk 

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Zeit Justinians. Vierte Auflage. 64 Bog. Lex.-8°. 1905. 
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1906. (Zus. 123 Bogen Lex. 8 °.) Geh. 36 Ji, geb. ±0 Ji 

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alten Orients. 2. Auflage. 1. Hälfte. (Bog. 1—25) 1904. 

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unter Mitwirkung von A. Ehrhard und H. Geizer. 1897. 76 Bog. 
8°. Geh. 24 Ji-, in Halbfranzband 26 Ji 50 $ 

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griechische Kunst des archaischen und gebundenen Stils. Mit 
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1900. V, 92 S. gr. 8°. Geh. 3 Jk 50 $ 

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altchristlichen Jenseitsdichtung und Religion. Mit 2 Tafeln. 1895. 
VI, 334 S. Geb. 8 Ji . 

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Quellenkunde. Dritte umgearbeitete und vermehrte Auf- 
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Robert Pöhlmann: Aus Altertum und Gegenwart. Gesammelte 
Abhand lungen. 1895. 25y 2 Bog. 8°. Geh. 7 Ji. 

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Sozialismus. 2 Bände. 1893, 1901. Geh. 23 Jk 50 ^.; elegant 
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Robert Pöhlmann: Grundriss der griechischen Geschichte nebst 
Quellenurkunde. Dritte Auflage. 1906. 20 Bog. Lex.-8°. 
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Von den Anfängen der Literatur bis zum Ausgang des 
Bundesgenossenkrieges. 3. Aufl. 1907. 23 Bogen. Geh. 7 Ji, 
Halbfranzbd. 8 Jk 80 ^ — II. Teil, 1. Hälfte: Die Augusti- 
sche Zeit. 2. Aufl. 24 Bog. 1899. Geh. 7 Jk; Halbfranzband 

8 Jk 50 A . — II. Teil, 2. Hälfte: Vom Tode des Augustus bis 
zuHadrian. 2. Aufl. 1900.27 Bog. Geh. 7 *Ä 50 «8; in Halbfranzbd. 

9 Jk — III. Teil: Von Hadrian bis Constantin. 2. Aufl. 1905. 
Geh. 9 Jk; in Halbfranzbd. 10 Ji. 80 4 — IV. Teil, 1. Hälfte: 
Die Literatur des 4. Jahrhunderts. 1904. 31 Bog. Geh. 
8 Ji 50 £; in Halbfranzbd. 10 JL 

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11 Jk 50 ,5. 

Victor Schultze: Die Quedlinburger Itala-Miniaturen der kgl. Bibl. 
zu Berlin. Fragmente aus der alt. christl. Buchmalerei. Mit 
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Victor Schultze: Codex Waldeccensis. Unbekannte Fragmente 
einer griech.-lat. Bibelhandschrift. 1904. 23 S. 4° mit 8 Ab- 
bildungen. Geh. 2 Jk 50 & 

Fr. Stählin: Die Stellung der Poesie in der platonischen Philo- 
sophie. 1901. Geh. 2 Jk 

Paul Stengel: Die griechischen Kultusaltertümer. 2. Auflage. 
1898. Mit 5 Tafeln. 15 Bog. Geh. 5 Jk; Halbfranzbd. 6 Jk 50 # 

Fried r. Stolz und J. H. Schmalz: Lateinische Grammatik: Laut- 
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Lexikographie von Ferd. Heerdegen. Dritte Auflage. 1899. 
37 Bog. Lex.-8°. Geh. 11 Jk; Halbfranzbd. 13 Jk 

Volkmann-Hammer und H. Gleditsch: Rhetorik und Metrik der 

Griechen und Römer. Nebst einem Anhang über die Musik der 
Griechen. Dritte Auflage. 1901. 22 Bog. Lex.-8°. Geh. 8^80; 
Halbfranzbd. 10 Jk 60 ^ 

Georg Wissowa: Religion und Kultus der Römer. 1902. 34 Bog. 
Lex.-8°. Geh. 10 Jk; geb. 12 Jk 

Georg Wissowa: Gesammelte Abhandlungen zur römischen Reli- 
gions- und Stadtgeschichte. 1904. 20 1 /* Bog. 8°. Geh. 8 Ji.; in 
Halbfranzband 10 Jk 



Z 111 .T7 1907 SMC 
Traube, Ludwig, 
Nomina sacra